Vitamin D bei Haustieren

Vitamin D spielt offensichtlich auch bei unseren Haustieren eine größere Rolle als bisher angenommen. Dass Vitamin D-Rezeptoren in fast allen Körperzellen vorhanden sind, spricht besonders für die Bedeutung von Vitamin D - nicht nur für den Knochenstoffwechsel, sondern weit darüber hinaus. Wie beim Menschen ist die Zahl der Zivilisationskrankheiten bei Hunden und Katzen in den vergangenen Jahrzehnten enorm gestiegen.

Hunde und Katzen brauchen Vitamin D aus der Nahrung

Entsteht ein Vitamin-D-Mangel beim Menschen hauptsächlich durch zu kurze Aufenthaltsdauer in der Sonne, zeigt sich bei Hunden und Katzen ein anderes Bild. Im Gegensatz zum Menschen und auch zu Pflanzenfressern wie Pferd und Rind sind Hunde und Katzen offensichtlich nicht in der Lage, Vitamin D in der Haut über UV-Strahlung zu synthetisieren. In der Literatur finden sich Hinweise von nur geringer bis gar keiner Befähigung zur Synthese.

In der Haut von Hunden und Katzen ist die Ausgangssubstanz 7-Dehydrocholesterol, das für die Bildung von aktivem Vitamin D benötigt wird, nur in geringer Konzentration enthalten, und das wenige, das vorhanden ist, wird nur geringfügig oder gar nicht zu Vitamin D umgewandelt.

Daraus ergibt sich, dass die Vitamin D-Versorgung von Hunden und Katzen zur Gänze über das Futter abgedeckt werden muss. Vitamin D ist in höheren Konzentrationen in Leber, Fischen, Eigelb und Milchprodukten enthalten. Der Vitamin D-Bedarf in der Nahrung für erwachsene Hunde ist nicht eindeutig festgelegt. Die derzeit vom NRC (National Research Council, USA) empfohlene Menge bezieht sich auf Studien, die untersuchten, wie hoch die Vitamin D-Konzentration in der Nahrung sein sollte, um Skelettanomalien beim Welpen zu verhindern. Da keine Langzeitstudien für erwachsene Tiere vorliegen, werden die Empfehlungen für den Welpen einfach hochgerechnet. So liegt schon bei der Ermittlung des Bedarfes vieles im Unklaren. Da sich die Ermittlung dieses „Bedarfes“ nur auf die Vermeidung schwerer Erkrankungen (hier die Skelettanomalien) bezieht, ergeben sich logischerweise viel zu geringe Werte.

Auch beim Pferd sind die Bedarfszahlen nicht präzise und eine eventuelle Essentialität nicht bewiesen.


Vitamin D wirkt weit über den Knochenstoffwechsel hinaus

Mit Vitamin D verbinden die meisten Verbraucher und auch Tierärzte die Wirkung auf den Knochenstoffwechsel, der bisher auch am gründlichsten untersucht worden ist. Bei Vitamin-D-Mangel kann es zu Rachitis bei jungen und zur Osteomalazie (Knochenerweichung) bei erwachsenen Hunden kommen. Allerdings hat man festgestellt, dass eine inadäquate Kalzium- und Phosphorversorgung sich stärker auf Mineralisationsstörungen der Knochen auswirkt als eine Vitamin D-Unterversorgung.

Seit Einführung der Fertigfuttermittel, denen in der Regel Vitamin D zugesetzt wird, sieht man Rachitis und Osteomalazie nur mehr sehr selten. Da die meisten Fertigfutter sehr hoch erhitzt werden (Extrudate bis zu 200° Celsius), wird auch das relativ hitzebeständige Vitamin D zerstört und muss im Nachhinein substituiert werden.  Inwieweit diese Substitution ausreichend ist, darüber gibt es nur wenige Studien.


Vitamin-D-Rezeptoren in fast allen Zellen, auch bei Tieren

Da nicht nur beim Menschen, sondern auch bei Hunden und Katzen das aktive Vitamin D (Calcitriol) mit den Vitamin-D-Rezeptoren vieler Zellen reagiert und über unterschiedliche Signale in den Zellstoffwechsel eingreift, stellt sich die Frage, welche Organzellen überhaupt und welche die meisten Vitamin D-Rezeptoren besitzen. Bei Hunden sind es neben Geweben des Skeletts hauptsächlich die Zellen des Dünndarms, der Niere und der Haut in absteigender Reihenfolge. In fast allen Körperzellen gibt es mehr oder weniger Vitamin D-Rezeptoren.


Immunsystem, Krebs und Nierenerkrankung

Auch das Immunsystem ist bei den Tieren - wie beim Menschen - auf Vitamin D angewiesen. Ohne dieses Vitamin können keine Abwehrzellen gebildet werden, chronische Infekte sind die Folge. In Studien mit Hunden mit Babesiose-Infektion (Hundemalaria) zeigte sich bei den erkrankten Hunden ein deutlich geringerer Vitamin-D-Spiegel als bei gesunden (1). Das führen Tierärzte auf einen erhöhten Vitamin D-Verbrauch während des Entzündungsprozesses zurück. Hier werden vermehrt entzündliche Zytokine gebildet, die eine schnellere Umwandlung von 25 (OH)D in die bioaktive Form bewirken. Zusätzlich könnte vor einer Infektion ein niedriger Vitamin-D-Spiegel vorliegen, der die Hunde erst anfällig für die Infektion macht.

Da wir bereits wissen, dass eine Intervention mit Vitamin D beim Menschen dem Krebsgeschehen signifikant entgegenwirken kann, stellt sich die Frage, ob das auch auf Hunde und Katzen zutrifft. Krebserkrankungen stehen bei diesen Tieren heute an erster Stelle, gefolgt von chronischen Darm-, Herz-, Gelenk-, Nieren- und Leberleiden.

Und tatsächlich haben Wissenschaftler Zusammenhänge zwischen niedrigem Vitamin-D-Spiegel im Serum und chronischen Nierenerkrankungen sowie Krebs herausgefunden (2). Im Gewebe von Brusttumoren bei Hunden war die Vitamin D-Rezeptor-Expression deutlich geringer als bei gesunden.

Dass die Vitamin-D-Konzentration im Serum bei kranken Hunden im Krankenhaus eindeutig niedriger lag als bei gesunden Hunden, zeigt eine Studie aus dem Jahre 2018 (3).


Fazit: Auch Haustiere sind von einer ausreichenden Vitamin-D-Versorgung durch die Nahrung abhängig, nicht nur was den Knochenstoffwechsel betrifft. Wie beim Menschen wurden Vitamin-D-Rezeptoren bei Hunden in beinahe allen Zellen gefunden, was auf eine fundamentale Wirkung des Sonnenhormons hindeutet.

Wir bedanken und für diesem Artikel bei Dr. med. vet. Jutta Ziegler, Hallein, Österreich!


Ergänzung der SonnenAllianz-Redaktion: Der wichtigste Faktor für die Gesunderhaltung Ihres Haustieres ist eine artgerechte Haltung und damit Ernährung. Hunde und Katzen sind keine Vegetarier und brauchen viel Bewegung in natürlicher Umgebung. Eine Vermenschlichung des Tieres führt unweigerlich zu den oben beschriebenen Zivilisationserkrankungen.  Die Sache ist also nicht mit der möglichen Supplementierung von Vitamin D erledigt. Sorgen Sie also bitte soweit wie möglich dafür, dass Ihr Haustier ein artgerechtes Leben führen kann.

Quellen:

  1. Rosa C, Handel I et al (2019). Vitamin D status in dogs with babesiosis. Onderstepoort J Vet Res.2019 Mar 28;86(1):e1-e5. DOI: 10.4102/ojvr.v86i1.1644
  2. Sanchez-Cespedes R, Fernandez-Martinez MD et al (2018). Vitamin D-Receptor-Expression in der Brustdrüse von Hunden und Beziehung zu klinisch-pathologischen Parametern und Progesteron/Östrogen-Rezeptoren. Vet Comp Oncol. 2018 Mar;16(1):E185-E193. DOI: 10.1111/vco.12371. Epub 2017 Nov 27
  3. Jaffey AJ, Backus RC et al (2018). Serum vitamin D concentrations in hospitalized critically ill dogs. PLOS ONE March 28, 2018 https://doi.org/10.1371/journal.pone.0194062

Bilder:

1. Titelbild: Image by Free-Photos from Pixabay

2. Katze: Image by Dimitri Houtteman from Pixabay

 

 

 

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