ADS / ADHS

Bis zu 10% der amerikanischen und zwischen 2-6 % der deutschen Kinder und Jugendlichen leiden laut dem Bundesgesundheitsministerium am Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS), eine der häufigsten psychischen Erkrankungen bei Kindern. Symptomatisch für ADHS sind Hyperaktivität, Unaufmerksamkeit und Impulsivität (unüberlegtes Handeln).

Die Ursachen von ADHS liegen unter anderem in einem unvorteilhaften Lebensstil (meist von den Eltern abhängig), schlechte Ernährungsgewohnheiten und einer unzureichenden Mikronährstoffversorgung. Vitamin D scheint bei der Entstehung und Ausprägung der psychischen Erkrankung eine besondere Rolle zu spielen.

Mehr Sonne und Vitamin D → Weniger ADHS

Dem Forscherteam um Prof. Dr. KB van der Heijden war schon im Jahr 2013 im Rahmen einer Studie mehrerer niederländischer Universitäten aufgefallen, dass ADHS in den USA in den südlichen und sonnenintensivsten Staaten deutlich seltener vorkam, als in den sonnenärmeren US-Regionen. Ein Zusammenhang drängte sich auf. Neben 49 US-Staaten wurden auch 8 Nicht-US-Staaten untersucht.

Die Schlussfolgerung der Forscher nach genauer Analyse der Daten: „In dieser Studie fanden wir eine niedrigere Prävalenz von ADHS in Gebieten mit hoher Sonnenintensität sowohl für US-Staaten als auch für die Nicht-US-Staaten. Die präventive Wirkung einer hohen Sonnenintensität könnte mit einer Verbesserung einer gestörten zirkadianen Uhr zusammenhängen.“

Die niederländischen Wissenschaftler konnten damit zeigen, dass intensives Sonnenlicht offensichtlich eine Schutzwirkung vor dem Ausbruch von ADHS ausübt, selbst der Ausschluss aller bekannten Auslöser der Krankheit änderte nichts an den Ergebnissen.

Im Jahr 2018 verdichteten sich die Hinweise, dass Vitamin D und damit die Sonne eine tragende Rolle bei der Prävalenz von ADHS inne hat. Eine Metaanalyse von fünf retrospektiven Fall-Kontroll-Studien ergab, dass ein niedrigerer Vitamin D-Status mit der 2,57-fachen Wahrscheinlichkeit von ADHS assoziiert ist.

Darüber hinaus zeigte die Meta-Analyse prospektiver Studien mit 4137 Teilnehmern, dass unzureichende Vitamin D-Konzentrationen mit einem 40 % höheren ADHS-Risiko im späteren Leben korrelieren (1).


Eindeutige Forschungsergebnisse

In einer 2021 publizierten doppelblind Placebo-kontrollierten, klinischen Studie zeigten Kinder, die 8 Wochen lang Vitamin D und Magnesium erhielten, einen signifikanten Anstieg sowohl des Magnesium- als auch des Vitamin D-Spiegels sowie eine signifikante Verringerung ihrer ADHS-Symptome.

Die eine Hälfte der Teilnehmer erhielt dabei nach dem Zufallsprinzip acht Wochen lang sowohl Vitamin D (50.000 I.E./Woche) als auch Magnesium (6 mg/kg/Tag), die andere Hälfte erhielt wirkungslose Placebos. Die Autoren bewerteten die psychische Gesundheit der Kinder zu Studienbeginn und am Ende der Studie mit Hilfe des „Strengths and Difficulties Questionnaire“ (SDQ).

Nach achtwöchiger Intervention erhöhten sich die Vitamin D- und die Magnesiumspiegel signifikant, was zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome führte:

  • Emotionale Probleme wurden um 28 % reduziert
  • Verhaltensauffälligkeiten wurden um 19 % reduziert
  • Probleme der Sozialkompetenz wurden um 31 % reduziert
  • Der Internalisierungsgrad (Fähigkeit z.B. Werte, Normen oder Erwartungen usw. zu verinnerlichen) reduzierte sich um 29 %
  • Im Gesamten reduzierten sich die ADHS-spezifischen Symptome um 20 % (2)

Damit ist ein wichtiger Meilenstein in der ADHS-Forschung gesetzt, da es sich bei dieser Untersuchung um ein dermaßen aussagekräftiges und hochwertiges Studiendesign handelt, das nur schwer infrage zu stellen ist.


Fazit: Einmal mehr zeigt sich, dass Vitamin D und Magnesium in ausreichender Dosierung ein unabkömmlicher Baustein für die Gesundheit unserer Kinder ist. Neben dem protektiven Schutz, den Vitamin D vor dieser neuartigen psychischen Erkrankung bietet, reduziert das Sonnenhormon bei betroffenen Kindern auch die Symptome der ADHS-Erkrankung. 


Studien:

  1. Arns, M., van der Heijden, K. B., Arnold, L. E. & Kenemans, J. L. (2013). Geographic Variation in the Prevalence of Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder: The Sunny Perspective. Biological Psychiatry, 74(8), 585–590. https://doi.org/10.1016/j.biopsych.2013.02.010
  2. Khoshbakht, Y., Bidaki, R. & Salehi-Abargouei, A. (2018). Vitamin D Status and Attention Deficit Hyperactivity Disorder: A Systematic Review and Meta-Analysis of Observational Studies. Advances in Nutrition, 9(1), 9–20. https://doi.org/10.1093/advances/nmx002
  3. Pinto, S., Correia-de-Sá, T., Sampaio-Maia, B., Vasconcelos, C., Moreira, P. & Ferreira-Gomes, J. (2022). Eating Patterns and Dietary Interventions in ADHD: A Narrative Review. Nutrients, 14(20), 4332. https://doi.org/10.3390/nu14204332

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Krankheitsbilder und Vitamin D-Mangel

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