Gesund durch UV-Licht

Gesund durch UV-Licht

Sonnenlicht: Gesundheitsfördernde Wirkung abseits vom Vitamin D

Verschiedene Krankheiten der menschlichen Haut, wie Schuppenflechte, atopische Dermatitis, Neurodermitis und lokalisierte Sklerodermie können ‒ unabhängig von der Vitamin D-Synthese ‒ mit Sonnenstrahlung (Heliotherapie) oder künstlicher UV-Strahlung (Phototherapie) behandelt werden.

Eine UV-Exposition kann zudem die klinischen Symptome der Multiplen Sklerose unterdrücken, den Blutdruck senken und wirkt sich allgemein positiv auf die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems aus.

Jeder kennt es: Wenn nach trüben Tagen die Sonne wieder scheint, haben Sonnenstrahlen eine überragende Wirkung auf unser Wohlbefinden und unsere physische sowie psychische Gesundheit! Die wirkungs- und energiereichsten Strahlen der Sonne sind die ultravioletten Strahlen (UV-Strahlen) in einer Wellenlänge zwischen 100 – 380 Nanometer. Das UV-Licht ist für das menschliche Auge unsichtbar. Beim Auftreffen auf die menschliche Haut haben sie unterschiedlichste Wirkungen abseits der Vitamin D-Produktion, auf die wir hier näher eingehen.


Tageslicht sorgt für einen ausgeglichenen Serotonin- und Melatoninhaushalt

Eine der wichtigen, aber vielleicht zu wenig anerkannten und bekannten Rollen des Sonnenlichts ist die Regulierung des zirkadianen Rhythmus. Das in der Zirbeldrüse produzierte Melatonin ist ein wichtiger Schrittmacher für viele zirkadiane Rhythmen des Körpers. Es spielt auch eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Infektionen, Entzündungen, Krebs und Autoimmunität und unterdrückt UV-strahlungsinduzierte Hautschäden (1).

Als tagaktive Lebewesen sind wir Menschen darauf programmiert, draußen zu sein während die Sonne scheint und nachts zu schlafen. Aus diesem Grund wird Melatonin in den dunklen Stunden produziert und bei optischer Einwirkung von Tageslicht wird dieser Prozess gestoppt. Der Melatonin-Vorläufer, Serotonin, ist von der Tageslichtexposition abhängig. Normalerweise tagsüber produziert, wird Serotonin nur bei Dunkelheit in Melatonin umgewandelt. Während hohe Melatoninwerte langen Nächten und kurzen Tagen entsprechen, spiegeln hohe Serotoninwerte in Anwesenheit von Melatonin kurze Nächte und lange Tage (d.h. längere UV-Exposition) wider. Mäßig hohe Serotoninwerte führen zu positiveren Stimmungen und einer ruhigen, aber konzentrierten mentalen Einstellung.

Wenn die Menschen morgens dem Sonnenlicht oder sehr hellem Kunstlicht ausgesetzt sind, tritt ihre nächtliche Melatoninproduktion früher ein, und sie gehen nachts leichter in den Schlaf. Denn der blaue Lichtanteil der Sonne bzw. des Kunstlichtes (420-460 nm),  unterdrückt die Melatonin-Produktion (2) und beeinflusst so den zirkadianen Rhythmus. Ein Spaziergang am frühen Morgen und/oder am späten Nachmittag hilft, den zirkadianen Rhythmus synchron zu halten. Zu viel blaues Licht in der Nacht, z.B. von Computer- und Fernsehbildschirmen, stört die Melatoninproduktion signifikant und führt zu verzögertem Einschlafen und generellen Schlafstörungen. Schlafprobleme sind vorprogrammiert und die Entwicklung chronischer Krankheiten wird begünstigt.

Die Melatoninproduktion spiegelt auch die jahreszeitliche Schwankung der Lichtverfügbarkeit, wobei das Hormon im Winter länger als im Sommer produziert wird. Die Melatonin-Rhythmus-Phasenverschiebung, die durch die Exposition gegenüber hellem Morgenlicht hervorgerufen wird, ist wirksam gegen Schlaflosigkeit, prämenstruelles Syndrom und Winterdepression, auch saisonale affektive Störungen (SAD) genannt.

Für Menschen in Berufen, in denen die Sonneneinstrahlung begrenzt ist, kann eine Vollspektrum-Beleuchtung sehr hilfreich sein. Sonnenbrillen können den Zugang der Augen zum vollen Sonnenlicht weiter einschränken und dadurch den Melatonin-Rhythmus verändern. Wenn man bei Tageslicht, auch nur für 10-15 Minuten, schattenfrei geht, kann dies erhebliche gesundheitliche Vorteile mit sich bringen.


Krebsfaktoren: Sonnenlicht, Melatonin und der Tag-Nacht-Rythmus

In einer 2016 veröffentlichten Studie (3,4) stellte sich heraus, dass Nachtschichtarbeiter deutlich geringere Mengen eines Stoffwechselproduktes (8-OH-dG) über ihren Urin ausscheiden, wenn sie tagsüber schlafen (23% weniger im Vergleich zu ihrem eigenen Nachtschlaf und 17% weniger im Vergleich zum Nachtschlaf von Personen, die nicht in Nachtschicht arbeiten).

8-OH-dG ist ein durch freie Radikale veränderter Baustein der DNA, der von Reparaturenzymen durch intaktes DNA-Material ersetzt wird. Wird 8-OH-dG im Urin nachgewiesen, so weist dies auf eine erfolgreiche DNA-Reparatur hin. Die geringere 8-OH-dg-Ausscheidung der Nachtschichtarbeiter deutet also darauf hin, dass der DNA-Reparaturmechanismus während des Tagschlafs eingeschränkt ist und somit zu vermehrten oxidativen DNA-Schäden führen kann.

Forscherteam vermutet, dass die Ursache für die verringerte DNA-Reparatur beim Melatonin liegt:

DNA-Reparatur durch Melatonin

Melatonin steuert nicht nur den Tag-Nacht-Rhythmus, sondern wirkt auch antioxidativ, d.h. es deaktiviert freie Radikale. Durch eine verminderte Melatoninkonzentration beim Tagschlaf können Nachtschichtarbeiter jedoch weniger von Melatonin als Radikalfänger profitieren.

In ihrer kürzlich publizierten zweiten Studie (2017) verglichen die Forscher die nächtliche 8-OH-dG-Ausscheidung beim Nachtschlaf mit der Ausscheidung bei Nachtarbeit. Auch hier zeigte sich eine enorme Differenz: Bei der Nachtarbeit wurde nur 20% der OH-dG-Ausscheidungsmenge erreicht, die beim Nachtschlaf gemessen wurde.

Zusätzlich zu der Wirkung von Vitamin D schützt also offensichtlich das Sonnenlicht und die damit verbundene lichtabhängige Melatoninproduktion die Erbsubstanz in unseren Zellen.

 


UVA-Strahlung senkt Blutdruck

Einen weiteren Aspekt fügt eine Studie (5) von den Universitäten von Southampton und Edinburgh, UK, den seit langem bekannten Erkenntnissen hinzu: Sonnenlicht beeinflusst die Menge und Ausschüttung des Botenstoffs Stickoxid (nitric oxide, NO) in der Haut und den Übergang ins Blut. NO wiederum reguliert den Blutdruck, entspannt die Gefäße, senkt den Blutdruck und damit das Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall.

In den Versuchen wurden 24 gesunde Frauen und Männer über zweimal 20 Minuten auf der Sonnenbank mit UV-A-Licht bestrahlt.
Ergebnis: Die UV-A-Strahlen aktivieren den Stoffwechsel der reichlich in der Oberhaut vorhandenen Stickoxide und erhöhen so den NO-Spiegel im Blut und senken den Blutdruck, ohne den Vitamin D-Spiegel zu beeinflussen (dafür wäre eine UV-B-Bestrahlung notwendig). Die Sonne aus Angst zu meiden erhöht laut Studienautor Prof. Martin Feelisch daher unnötig das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.


Dermatologische Anwendungen – Phototherapie

Bereits vor mehreren tausend Jahren wurde Sonnenlicht (Heliotherapie) in Ägypten, Griechenland und Rom zur Behandlung verschiedener Hauterkrankungen eingesetzt. Damals wurde die Bedeutung der UV-Strahlung nicht erkannt, da UV-Strahlen erst 1801 entdeckt wurden. 1903 erhielt Niels Ryberg Finsen den Nobelpreis „in Anerkennung seines Beitrags zur Behandlung von Krankheiten, insbesondere von Lupus vulgaris, mit konzentrierter Lichtstrahlung, wodurch er einen neuen Weg für die medizinische Wissenschaft eröffnet hat“.

In unseren Tagen ist die Phototherapie eine wertvolle Option in der Behandlung vieler psoriatischer und nicht-psoriatischer Erkrankungen, einschließlich atopischer Dermatitis, sklerosierender Hauterkrankungen wie Morphea, Sklerodermie, Vitiligo und Mykose fungoides. Die Phototherapie umfasst somit die Behandlung bestimmter Hauterkrankungen mit UV-Strahlung, die von der Sonne erzeugt werden kann oder von Leuchtstofflampen, sowie Kurzbogenlampen mit UV-Filtern und Lasern.


Multiple Sklerose und UV-Strahlung

Auch bei der Multiplen Sklerose werden inzwischen Vitamin D-unabhängige positive Wirkungen von UV-Strahlung auf das Immunsystem vermutet. Die Exposition gegenüber ultravioletter Strahlung kann zu einer Immuntoleranz führen, die für MS vorteilhaft ist, und zwar durch die Hochregulation von regulatorischen T- und B-zellen, erhöhte cis-Urocaninsäurewerte (6), Veränderungen im Zellsignalaustausch mit dendritischen Zellen sowie die Freisetzung einer Reihe anderer Zytokine und Chemokine.


Schmerzen lindern durch UV-Bestrahlung

Sonnenbäder oder Solarien haben Potenzial, Schmerzen bei Patienten mit Fibromyalgie zu lindern.

Larisa Birta - Foto: unsplash.com
UV-Strahlung wirkt schmerzlindernd

Patienten mit dem chronischen Schmerzzustand Fibromyalgie, hatten in einer Pilotstudie an der indischen Medizinischen Universität von Gujarat, eine größere kurzfristige Abnahme der Schmerzen nach der UV-Bestrahlung im Vergleich zur Nicht-UV-Bestrahlung berichtet (7). Dabei wurden die Häufigkeit von Kopfschmerz, Migräne und Fibromyalgie in Regionen mit unterschiedlicher Sonneneinstrahlung und damit unterschiedlichen Vitamin D-Werten in der Bevölkerung verglichen.

Ergebnis in Kürze: Je sonniger, desto weniger Schmerzen.


Noch ausführlicher über die gesundheitsförderneden Wirkungen der Sonnenstrahlung abseits vom Vitamin D berichten wir im verlinkten Artikel, klicken Sie hier damit Sie weitergeleitet werden!

Quellen:

  1. Mead, M. N. (2008, April). Benefits of sunlight: A bright spot for human health. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2290997/
  2. Brainard, G. C., Sliney, D., Hanifin, J. P., Glickman, G., Byrne, B., Greeson, J. M., . . . Rollag, M. D. (2008, October). Sensitivity of the human circadian system to short-wavelength (420-nm) light. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18838601 
  3. Bhatti, P., Mirick, D. K., Randolph, T. W., Gong, J., Buchanan, D. T., Zhang, J. & Davis, S. (2017). Oxidative DNA damage during night shift work [Abstract]. Occupational and Environmental Medicine, 74(9), 680-683.
  4.  Bhatti, P., Mirick, D. K., Randolph, T. W., Gong, J., Buchanan, D. T., Zhang, J. & Davis, S. (2016). Oxidative DNA damage during sleep periods among nightshift workers [ABSTRACT]. Occupational and Environmental Medicine, 73(8), 537-544.
  5. Liu, D. et al., UVA Irradiation of Human Skin Vasodilates Arterial Vasculature and Lowers Blood Pressure Independently of Nitric Oxide Synthase, Journal of Investigative Dermatology, 2014
  6. Correale, J., & Farez, M. F. (2013). Modulation of multiple sclerosis by sunlight exposure: Role of cis-urocanic acid. Journal of Neuroimmunology, 261(1-2), 134-140. doi:10.1016/j.jneuroim.2013.05.014
  7. Taylor, S. L., Kaur, M., LoSicco, K., Willard, J., Camacho, F., O’Rourke, K. S., & Feldman, S. R. (2009, January). Pilot study of the effect of ultraviolet light on pain and mood in fibromyalgia syndrome. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19769472

Bild: www.pixabay.com & www.fotolia.com

Vitamin D und Übergewicht

Übergewichtige haben in aller Regel einen Vitamin D-Mangel, den es unbedingt auszugleichen gilt, um allen möglichen anderen Krankheiten vorzubeugen. Doch hätten Sie auch geahnt, dass das Sonnenhormon Vitamin D uns beim Schlankbleiben bzw. Abnehmen unterstützen kann?


Der Artikel in Kürze:

› Vitamin D beeinflusst unsere „Fett-Fress-Bremse“…

› …und gleichzeitig die Insulinwirksamkeit und das Hungergefühl

› Mit dem Sonnenschein-Vitamin gelingt das Abspecken besser

› Frauen mit mehr Aufenthalt an der Sonne sind schlanker als Sonnenmuffel

› Kinder mit wenig Sonnenschein-Vitamin entwickeln eher Übergewicht und Adipositas

 


Vitamin D beeinflusst unsere „Fett-Fress-Bremse“…

Das Sonnenschein-Vitamin D setzt gleich an verschiedenen Stellen im Körper an: Vitamin D Mangel bremst offensichtlich die Ausschüttung des Hormons Leptin. Dieses Hormon gibt dem Körper ein Signal, wenn er genügend Fett aufgenommen hat. Fehlt das Leptin, so funktioniert die “Fett-Fress-Bremse” nicht richtig –  es droht Übergewicht. Gleichzeitig steuert Vitamin D die Einlagerung von Fett in das Muskelgewebe.

…und gleichzeitig die Insulinwirksamkeit und das Hungergefühl

Die Einlagerung und das “Management” von Fett im menschlichen Körper ist ein komplizierter Prozess. Ein Hormon mit der Bezeichnung “Adiponektin” spielt dabei eine wichtige Rolle. Da das Adiponektin die Wirksamkeit des Insulins fördert, erhöht ein zu niedriger Adiponektin-Pegel im Blut die Gefahr einer Diabetes-Erkrankung.

Zusammen mit weiteren Hormonen, wie dem “Leptin“,  reguliert das Adiponektin auch das Hungergefühl. Übergewichtige Menschen haben regelmäßig einen zu niedrigen Adiponektin-Status. Verkürzt gesagt also haben Menschen mit ausreichend Adiponektin eine deutlich bessere Chance, schneller satt zu werden und daher schlank zu bleiben, als Menschen mit Adiponektin-Mangel.

Dieses Adiponektin aber ist nun seinerseits wieder abhängig von einem ausreichenden Vitamin D-Spiegel im Blut. Das hat eine Forschergruppe der Harvard Medical School, USA, nachgewiesen (Vaidya et al., 2011). Mit den Daten von 1.206 Frauen aus der Nurses’ Health I Studie und 439 Männer aus der Health Professionals Follow-Up Studie wurde der Zusammenhang von Adiponektin– und Vitamin D-Werten (25 (OH)D) analysiert. Das Ergebnis war eindeutig: je höher der Vitamin D-Spiegel im Blut, desto höher die Adiponektin-Werte.

Das Ergebnis, so die Autoren, ist umso wichtiger, als ein Mangel an Sonnenschein-Vitamin D und Adiponektin nicht nur zu Übergewicht oder gar Fettleibigkeit beiträgt, sondern auch zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt, der in Deutschland mit Abstand häufigsten Todesursache.

Sonne macht heiter und (!) schlank

Auf dem gleichen Wege, auf dem die Sonne für ein heiteres Gemüt sorgt (siehe „Sonne macht fröhlich„), bringt sie auch das Körperfett zum Schmelzen. Sowohl durch den Lichteinfall im menschlichen Auge als auch durch die Vitamin D-Bildung über die Haut wird die Serotonin-(„Glückshormon-„) und Adrenalin-Produktion im Gehirn angekurbelt. Serotonin wiederum ist bekannt für seine „abspeckende“ Wirkung bei Mensch und Tier.

Das geht sogar so weit, dass mit einer gesteigerten Serotonin-/Adrenalin-Produktion ein „Abnehmen trotz mehr Essen“ möglich ist. Zumindest haben Forscher des Scripps Research Institute (TSRI; Noble et al., 2013) diese Tatsache in ihren Laborversuchen bestätigen können.


Mit dem Sonnenschein-Vitamin gelingt das Abspecken besser

Wer abnehmen und schlank werden will, sollte – neben vernünftiger Ernährungsumstellung – auf die Sonne setzen. Je besser die Versorgung mit dem “Sonnenschein Vitamin” D3, umso größer ist die Chance, tatsächlich die überflüssigen Pfunde zu verlieren.

Ein aktuelle Studie der University of Washington (Seattle, USA; Mason et al., 2014) konnte in einem Versuch mit 218 übergewichtigen Frauen mittleren Alters nachweisen, dass der Erfolg einer üblichen Schlankheitskur mit reduzierter Kalorienzufuhr und moderatem Aerobic-Training wesentlich davon abhängt, ob die Teilnehmerinnen einen optimalen Vitamin D-Spiegel (in dieser Studie: mindestens 32 ng/ml) haben.

Der Gewichtsverlust und die Abnahme des Körperfetts war bei diesen Frauen um mehr als ein Drittel größer als bei den übrigen Teilnehmerinnen. Teilnehmerinnen mit einem Vitamin D-Defizit nahmen kaum oder gar nicht ab.

Schneller beim Wunschgewicht

Ganz neu ist die Erkenntnis vom Zusammenhang von Sonne und Gewichtsreduktion nicht. So hatten schon 2009 Versuche an der University of Minnesota zu ähnlichen Ergebnissen geführt, die beim 91. Jahreskongress der Endocrine Society in Washington D.C., USA, vorgestellt wurden:

In ihrer Studie untersuchten die Wissenschaftler, ob der Vitamin D-Spiegel im Blut bei Beginn und am Ende einer Diät einen Einfluss auf den Erfolg hatte. Achtunddreißig übergewichtige Frauen und Männer wurden bei ihrer Diät über 11 Wochen beobachtet und sowohl der Vitamin D-Spiegel im Blut als auch die Fettverteilung im Körper gemessen.

Und in der Tat: Es zeigte sich eine direkte Verbindung von Vitamin D und Gewichtsabnahme. Jedes zusätzliche Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) Vitamin D-Serum im Blut führte zu einem zusätzlichen Gewichtsverlust von knapp 200 Gramm. Darüber hinaus hatte das zusätzliche Vitamin D auch wesentlichen Einfluss auf die Verteilung der Fettpolster am Körper: Das Bauchfett, das gemeinhin als das gesundheitsgefährdendste Körperfett gilt, nahm überproportional ab.

Mit der Sonne auf Umwegen zum Idealgewicht

Ähnliche Ergebnisse bringt eine deutsch-israelische Studie (Shahar et al., 2010) unterstützt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG):

Die Forscher beobachteten 126 zufällig ausgewählte Probanden über einen Zeitraum von sechs Monaten bei ihren Bemühungen um eine schlankere Linie. Beim Start der Studie hatten die stärker Übergewichtigen einen deutlich niedrigeren Vitamin D-Spiegel als die Teilnehmer mit einem etwas moderateren Body Mass Index (BMI).

Nach einem halben Jahr hatte das Drittel der Teilnehmer mit dem höchsten Vitamin D-Spiegel im Blut deutlich mehr Pfunde verloren (- 5,6 kg) als die Teilnehmer im mittleren (-3,8 kg) und die im unteren Drittel (-3,1 kg). Die Studienautoren schlussfolgerten aus den Ergebnissen u. a., dass ein Zusammenhang zwischen durch Ernährung verursachten Gewichtsverlust und dem Vitamin D-Spiegel zu bestehen scheint.

Ergänzend wollen wir allerdings darauf hinweisen, dass es nicht klar ist, ob Vitamin D-Mangel die Ursache oder die Folge von Übergewicht ist. Der stoffwechselbedingte Vitamin D-Verbrauch ist nämlich auch an das Körpergewicht gebunden, während Vitamin D zusätzlich auch in den Fett-Depots abgelagert wird. Die Vitamin D-Zufuhr muss daher für eine regelrechte Versorgung mengenmäßig an das Körpergewicht angepasst, also bei Übergewicht entsprechend höher dosiert werden. Es sind  weitere Untersuchungen vonnöten um herauszufinden, inwieweit die Ursache der Fettleibigkeit im Vitamin D-Mangel zu finden ist und wie stark der Einfluss der Fettleibigkeit einen höheren Vitamin D-Verbrauch verursacht.


Frauen mit mehr Aufenthalt an der Sonne sind schlanker als Sonnenmuffel

So in etwa könnte man das Ergebnis einer Studie aus Großbritannien deuten, die einen deutlichen Zusammenhang zwischen Übergewicht und dem “Sonnenschein-Vitamin” D herstellt (Macdonald et al., 2008). Frauen mit deutlichem Übergewicht in und nach den Wechseljahren litten danach sehr viel häufiger als Normalgewichtige an einem eklatanten Vitamin D-Mangel mit stark erhöhtem Osteoporose-Risiko.

Die Forscher untersuchten bei mehr als 3.000 Frauen in Großbritannien den Vitamin D-Spiegel im Blut, Ernährungs- und Lebensgewohnheiten, den Aufenthalt an der Sonne oder im Solarium und Aufenthalte in südlichen Ländern und Regionen. Die Gruppe der Frauen mit dem häufigsten und intensivsten Aufenthalt an der Sonne oder im Solarium hatten den höchsten Vitamin D-Spiegel im Blut und die gesündeste Knochenstruktur (geringstes Osteoporose-Risiko).

Die Probandinnen mit dem höchsten Übergewicht (BMI) wiesen den niedrigsten Vitamin D-Spiegel auf – auch dann noch, wenn viele andere Faktoren wie Rauchen, körperliche Bewegung, sozio-ökonomischer Status etc. statistisch berücksichtigt wurden.

Dr. Helen Macdonald, Leiterin der Forschungsgruppe an der University of Aberdeen und dem Royal Liverpool University Hospital, warnt allerdings vor voreiligen Schlüssen. Ob das Übergewicht tatsächlich durch den Vitamin D-Mangel verursacht wird oder ob umgekehrt die Fettpolster den Vitamin D-Mangel bedingen (das Vitamin D lagert sich im Fettgewebe ab, wird dort also sozusagen für schlechte Zeiten gespeichert), ist ungewiss.


Kinder mit wenig Sonnenschein-Vitamin entwickeln eher Übergewicht und Adipositas

Übergewicht bei Kindern ist in Deutschland und den meisten anderen Industrieländern ein Massenphänomen mit bedeutenden Gesundheitsrisiken. Den Ergebnissen der KIGGS-Studie (2003-2009) des Robert-Koch-Instituts zufolge sind in Deutschland 15% der Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 17  Jahren übergewichtig. Circa ein Drittel davon ist sogar adipös, sprich krankhaft übergewichtig (Quelle: KIGGS Kinder und Jugend Gesundheitssurvey; www.kiggs-studie.de).

Übergewicht bei Kindern führt allzu häufig zu Diabetes Typ II und Gefäßerkrankungen.

Wissenschaftler der University of Michigan (USA; Gilbert-Diamond et al., 2011) untersuchten bei 479 Kindern (5-10 Jahre alt) den Zusammenhang zwischen dem Vitamin D-Status und der Gewichtsentwicklung über durchschnittlich 30 Monate. Hierbei wurde festgestellt, dass Kinder mit einem Vitamin D-Mangel im Vergleich zu gut versorgten Kindern schneller zunehmen und eher einen “Speckgürtel” um die Taille entwickeln.

Auch hier gilt – ob die Ergebnisse alleine auf die Vitamin D-Versorgung rückzuführen sind bleibt insofern offen, als dass Kinder die sich mehr an der frischen Luft bewegen folglich auch entsprechend bessere Vitamin D-Werte aufweisen. 


Studien:

Vaidya, A., Williams, J. S., & Forman, J. P. (2011). The Independent Association Between 25-Hydroxyvitamin D and Adiponectin and Its Relation With BMI in Two Large Cohorts: The NHS and the HPFS. Obesity, 20 (1), 186-191.

Noble, T., Stieglitz, J., & Srinivasan, S. (2013). An Integrated Serotonin and Octopamine Neuronal Circuit Directs the Release of an Endocrine Signal to Control C. elegans Body Fat. Cell Metabolism, 18(5), 672-684. [ABSTRACT]. (Einen allgemeinverständlichen Bericht zur Studie gibt es hier.)

Mason, C., Xiao, L., Imayama, I., Duggan, C., Wang, C., Korde, L., & Mctiernan, A. (2014). Vitamin D3 supplementation during weight loss: a double-blind randomized controlled trial. American Journal of Clinical Nutrition, 99(5), 1015-1025.

The Endocrine Society (2009, June 12). Successful Weight Loss With Dieting Is Linked To Vitamin D Levels. ScienceDaily. Retrieved April 19, 2017 from www.sciencedaily.com/releases/2009/06/090611142524.htm.

Shahar, D. R., Schwarzfuchs, D., Fraser, D., Vardi, H., Thiery, J., Fiedler, G. M., . . . Shai, I. (2010). Dairy calcium intake, serum vitamin D, and successful weight loss. American Journal of Clinical Nutrition, 92(5), 1017-1022.

Macdonald, H. M., Mavroeidi, A., Barr, R. J., Black, A. J., Fraser, W. D., & Reid, D. M. (2008). Vitamin D status in postmenopausal women living at higher latitudes in the UK in relation to bone health, overweight, sunlight exposure and dietary vitamin D. Bone, 42(5), 996-1003. [ABSTRACT]

Gilbert-Diamond, D., Baylin, A., Mora-Plazas, M., Marin, C., Hughes, M., Willett, W., & Villamor, E. (2010). Vitamin D Deficiency and Indicators of Increased Adiposity in School-age Children: A Prospective Study. Epidemiology, 22.

Fotos: www.pixabay.com