Aus der Praxis – für die Praxis: Aus dem Leben einer Vitamin D-Beraterin

Aus der Praxis – für die Praxis: Aus dem Leben einer Vitamin D-Beraterin

Immer wieder erreichen uns Rückmeldungen und Berichte unserer Leserinnen und Leser über positive gesundheitliche Veränderungen seit der Einnahme von Vitamin D bzw. nach dem Ausgleich eines Vitamin D-Mangels. Auch wenn wir bei der SonnenAllianz in erster Linie wissenschaftliche Studien zur Beschreibung der Wirkungen des Vitamin D heranziehen möchten, empfinden wir auch die subjektiven und individuellen Erfahrungsberichte als wertvolles Material und werden diese in unserer neuen Rubrik Erfahrungsberichte für Sie sammeln.

Um einen Eindruck zu gewinnen, ein Ausschnitt aus dem Erfahrungbericht unserer Vitamin D-Expertin Nicola Probst (Ernährungs- und Gesundheitscoach & Vitamin D-Beraterin (IVA)):

" [...] Laborwerte sind bei Herausforderungen oft unausweichlich. Vitamin-D3 steht da als erstes auf der Liste. Gerade bei diesem „Sonnenvitamin“ „erfühlen“ die Klienten häufig ihre Vitamin-D-Blutspiegel, weil sie ja zwei Wochen auf Mallorca waren.

In den letzten 5 Jahren habe ich leider keine einzige Person erlebt, die ohne zusätzliche Substitution einen besseren Wert als 25 ng/ml hatte. Das Besondere daran ist, dass innerhalb von 10 Tagen nach individueller Berechnung der Vitamin-D-Blutwert wieder in der Norm ist. Und ich erkläre, dass es in diesem Bereich ein Kinderspiel ist, täglich etwas für seine Gesundheit zu tun.

Wer dazu bereit ist und zusätzlich die Offenheit mitbringt, sich mit weiteren essentielle Mikro-Nährstoffen zu versorgen, kann erleben, wie Herausforderungen reduziert werden. Oder noch besser, diese vorgebeugt werden können.

Welche Auswirkungen ein leerer Körper hat möchte ich in folgenden Beispielen zeigen:

Beispiele aus meiner Praxis (Namen sind geändert):

Sonja: 52- jährige Frau mit Colitis Ulcerosa: Immer wieder akute Schübe. Regelmäßig Cortison-Therapien. Vitamin D oder weitere Laborparameter die über den orthomolekularen Status Aufschluss geben, wurden noch nie untersucht. Vitamin D- Wert lag bei 24.9 ng/ml im Juli des Jahres 2018. Sie nahm Multivitaminpräparate und erreichte im Oktober einen Spiegel von 34,3 ng/ml. Nun wollte sie einen gesunden Blutwert. Wir berechneten diesen für 85 ng/ml. Durch individuelle Berechnung ihrer Dosierung zum Auffüllen und Erhalten, erreichte sie dann einen Blutwert von 84,6 ng/ml.

Natürlich wurden noch zusätzliche Parameter untersucht, z.B. Mineralien und der Omega-3 Index. Durch regelmäßige Einnahme und Anpassung ist sie mittlerweile Schub- und Cortisonfrei. Sie hat zusätzlich keine Gelenkschmerzen mehr, 40 kg abgenommen und ihr Ziel erreicht, mit den Enkelkindern auf dem Boden herumzukrabbeln. [...] "

Zum vollständigen Bericht "Aus der Praxis — für die Praxis: Aus dem Leben einer Vitamin D-Beraterin" >>

Ihre Erfahrungen sind gefragt!

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Beitragsbild: von StockSnap auf Pixabay

Erfahrungsberichte

Immer wieder erreichen uns Rückmeldungen und Berichte unserer Leserinnen und Leser über positive gesundheitliche Veränderungen seit der Einnahme von Vitamin D bzw. nach dem Ausgleich eines Vitamin D-Mangels.

Auch wenn wir bei der SonnenAllianz in erster Linie wissenschaftliche Studien zur Beschreibung der Wirkungen des Vitamin D heranziehen möchten, empfinden wir auch die subjektiven und individuellen Erfahrungsberichte als wertvolles Material und möchten Ihnen hier ein paar spannende Berichte vorstellen.

Wir bedanken uns sehr herzlich bei den jeweiligen Autoren und Autorinnen für die Zusendung und die Zustimmung zur Veröffentlichung!

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"Aus der Praxis — für die Praxis: Aus dem Leben einer Vitamin D-Beraterin"

Autorin: Nicola Probst, Ernährungs- und Gesundheitscoach & Vitamin D-Beraterin (IVA)

Hier erfahren Sie mehr über Frau Probst >>

Der optimale Vitamin D-Spiegel

Der optimale Vitamin D-Spiegel

Wo befindet sich der optimale Vitamin D-Spiegel und anhand welcher Referenzen kann dieser überhaupt festgelegt werden? In diesem Artikel versuchen wir ein Verständnis dafür zu vermitteln, warum die alten Grenzwerte unbedingt nach oben hin korrigiert werden sollten, ohne eine abschließende Antwort auf diese viel diskutierte Frage geben zu können. Denn aktuelle Forschungen sprechen sich für deutlich höhere Vitamin D-Spiegel als die von führenden Vitamin D-Forschern bis vor kurzem genannten Werte aus.

Viele Jahrzehnte war es üblich, Referenzwerte (Normalwerte) im Blut dadurch festzulegen, dass die Messwerte bei einer Anzahl von „Normalpersonen“ bestimmt wurden. Als normal werden solche Ergebnisse bezeichnet, die bei 95 Prozent aller gesunden Untersuchten gefunden werden. Unabhängig davon, dass die Referenzbereiche für ein und denselben Parameter – abhängig von der verwendeten Analysemethode und dem Messgerät – stark variabel sind, wurde man sich in den vergangenen Jahren zunehmend der Problematik bewusst, dass die Auswahl der „Normalpersonen“ schwierig und mit Blick auf das gewählte Verfahren mehr als fraglich ist. Angesichts der weit verbreiteten chronischen Krankheiten und den in der Regel bereits Jahre vor dem Krankheitsnachweis bestehenden Stoffwechselstörungen der Bevölkerung, kann dies sicherlich nicht (mehr) einfach eine repräsentative Auswahl aus der Bevölkerung sein.


Gute Parathormonspiegel erst ab 40 ng/ml

Eine korrektere Vorgehensweise für die Festlegung eines Normalbereiches, ist die Dokumentation des Vitamin D-Gegenspielers namens Parathormon (PTH), das wie das Vitamin D für den Kalziumstoffwechsel im Blut zuständig ist. Sinkt der Vitamin D-Spiegel im Blut ab und ist damit die Kalziumaufnahme aus dem Darm nicht mehr sichergestellt, steigt kompensatorisch das Parathormon im Serum an, wodurch vermehrt Calcium aus den Knochen mobilisiert wird.

Bezeichnenderweise finden sich die niedrigsten Parathormonwerte in einem Vitamin D-Bereich von > 40 ng/ml (1).


Knochenaufbau erst ab 30 ng/ml aufwärts

Hamburger Osteologen haben einen weiteren, eleganten Nachweis für die physiologische Untergrenze des Sonnenhormons im Blut geführt (2). Sie konnten auf der Basis von Knochenbiopsien zeigen, dass unterhalb von 30 ng/ml die Verkalkung des neu gebildeten Osteoids im Knochen nicht mehr gewährleistet ist (Abb. 2). Dadurch entsteht eine Osteomalazie, die im kindlichen Alter als Rachitis bezeichnet wird und seit der Einführung der generellen Vitamin D-Supplementation bei Säuglingen dadurch weitestgehend verschwunden ist.

Abb. 2: Personen mit Vitamin D-Werten <30 ng/ml zeigen elektronenmikroskopisch eine reduzierte Knochendichte (A) und histomorphometrisch (die quantitative Untersuchung der mikroskopischen Organisation und Struktur eines Gewebes) eine vermehrte Osteoidbildung (C) gegenüber Personen mit Vitamin D-Werten > 30 ng/ml (B und D) (2).


Niedrigste Sterblichkeit ab 40-50 ng/ml

Auch im Rahmen klinisch-epidemiologischer Untersuchungen finden sich deutliche Hinweise, dass der untere Referenzwert des Vitamin D-Spiegels eher bei 30 oder 40 ng/ml zu suchen ist als bei 20 ng/ml. So zeigt eine Meta-Analyse aus 32 Studien zur allgemeinen Sterblichkeit in Abhängigkeit vom Vitamin D Spiegel eine gesteigerte Mortalität unterhalb eines Wertes von 40 ng/ml (Abb. 1, (nach 2)).

Abb 1: Deutliche Zunahme der allgemeinen Mortalität bei einem Vitamin D-Spiegel unterhalb von 40 ng/ml (nach 3).


Vitamin D erst ab 48 ng/ml in Muttermilch

Ein weiterer, physiologischer Parameter ist der Übertritt von Vitamin D der Mutter in die Muttermilch. Dies geschieht sogar erst ab einem Vitamin-Spiegel > 48 ng/ml (4). Aus diesem Zusammenhang erklärt sich, warum infolge des weit verbreiteten Vitamin D Mangels der Mütter die Muttermilch praktisch frei von Vitamin D ist (was früher auch bei gestillten Kindern zu Rachitis geführt hat). Umgekehrt konnte gezeigt werden, dass durch eine ausreichend hohe Supplementation der Mutter (6400 I.E./Tag) ein für die kindliche Versorgung adäquater Vitamin D-Spiegel in der Muttermilch erreicht wird (5).


Primaten in freier Natur mit Vitamin D-Spiegeln über 60 ng/ml

Doch es gibt noch mehr Hinweise aus der Natur, die sich nicht minder für einen höheren Vitamin D-Spiegel jenseits der von der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) und anderen Institutionen festgelegten 20 ng/ml aussprechen. Die uns artverwandten Affen weisen beispielsweise deutlich höhere Vitamin D-Werte im Blut auf, zumindest solange sie in freier Wildbahn leben und nicht eingesperrt im Zoo oder Labor. Bei Schwarzbüschelaffen wurde bei einer Untersuchungen von 15 Wildtieren ein Vitamin D-Spiegel von 61,7 ng/ml ermittelt (6). Bei Makaken-Affen die in Sri Lanka in freier Wildbahn eine natürliche Lebensart an den Tag legen, konnte ein durchschnittlicher Vitamin D-Spiegel von 61,3 ng/ml gemessen werden (7).


Auch Naturvölker weisen höhere Vitamin D-Spiegel auf

Wir müssen uns aber nicht zwangsläufig an Affen orientieren, wenn wir den optimalen Vitamin D-Spiegel herausfinden wollen. Auch Naturvölker, die abseits der Zivilisation leben, zeigen uns, dass ein höherer Vitamin D-Spiegel als er bei uns vorzufinden ist, eher natürlichen Ursprungs zu sein scheint. So wurden bei einer 2013 veröffentlichten Studie 5 ostafrikanische ethnische Gruppen (Maasai, Hadzabe, Menschen aus Same, Sengerema, Ukerewe) über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg beobachtet. Der Mittelwert aller untersuchten Probanden belief sich auf 46 ng/ml wobei schwangere Frauen höhere Werte aufwiesen als nicht nicht Schwangere (8).

Diese Beispiele aus der Stoffwechselphysiologie und aus den Beobachtungen der Natur belegen eindeutig, dass der von immer mehr Experten geforderte untere Grenzwert von 40 ng/ml für das Sonnenhormon im Blut nicht auf einer willkürlichen oder gar fehlerhaften Festlegung beruht, sondern physiologischen Vorgaben entspricht und die Voraussetzung für eine regelrechte und damit gesunde Stoffwechselsituation im Körper darstellt.

Es deutet zusammenfassend vieles darauf hin, dass die katastrophale Vitamin D-Versorgung der zivilisierten Bevölkerung im Gegensatz zu Naturvölkern und Primaten hauptsächlich mit den Veränderungen des Lebensstils ersterer Gruppe in Zusammenhang steht. Bezogen auf unsere Breitengrade lässt sich der epidemische Vitamin D-Mangel in der Bevölkerung multikausal nicht nur auf die zu geringe Sonnenexposition in den Sommermonaten, sondern auch auf die nicht mehr vorhandenen Vitamin D-Quellen aus der Nahrung, vor allem aus den fettigen Vitamin D-reichen Fischen zurückführen, die vor Jahrhunderten noch zahlreich in heimischen Gewässern vorzufinden waren.


Sind auch 40-60 ng/ml zu niedrig angesetzt?

Neueste Erkenntnisse stellen aber nun sogar den bislang von führenden Vitamin D-Forschern festgelegten optimalen Vitamin D-Spiegel von 40-60 ng/ml infrage. Einer dieser Vitamin D-Koryphäen ist Michael Holick. Er publizierte  im November 2019 eine randomisierte placebokontrollierte Doppelblindstudie, bei der die Genaktivität nach verschieden hohen Vitamin D-Verabreichungen beobachtet wurden (Abb. 3). Die 30 Probanden wurden dabei 6 Monate lang in drei Gruppen  mit Vitamin D-Dosen von jeweils 10.000 I.E., 4000 I.E. und 600 I.E. täglich versorgt. Die bahnbrechende Erkenntnis dieser Studie fand sich bei den höchst dosierten Teilnehmern, denn hier führten die beachtlichen mittleren Vitamin D-Spiegel von 78,8 ng/ml zu einer Hoch- bzw. Runterregulierung von insgesamt 1289 Genen. Die Gruppe, die mit 4000 I.E. supplementiert wurde und deren Spiegel dadurch bei 40,8 ng/ml lagen, konnte immerhin noch 320 Gene regulieren, während es die niedrig dosierte Gruppe (600 I.E.) nur auf einen Spiegel von 24,3 ng/ml und eine Regulation von lediglich 162 Genen brachte (9). Eine volle Entfaltung des Vitamin D scheint demnach also erst bei Spiegeln von deutlich über 60 ng/ml stattzufinden, natürlich nur bei täglicher Gabe was wir in einem anderem Artikel bereits aufbereitet haben.

Abb. 3: Regulierung der Gene in Abhängigkeit von der  täglich zugeführten Vitamin D-Menge und dem damit einhergehendem Vitamin D-Spiegel (nach 9).

Ferner wurden bei dieser Studie auch die Kalzium- und Parathormonwerte, auf die wir weiter oben bereits eingegangen sind, bei allen 30 Probanden in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Bei allen 3 Gruppen gab es keine signifikanten Veränderungen des Kalziumspiegels, jedoch nahm der Parathormonspiegel um 17,5% bzw. 33,3% nach 16 Wochen in der 4000er und der 10.000er-Gruppe ab und pendelte sich auf diesem Niveau für die restliche Studiendauer ein.


Fazit: Der Vitamin D-Spiegel sollte sich stets oberhalb von der 30 ng/ml-Mangelgrenze (optimal zwischen 40 – 60 ng/ml) befinden. Ansonsten erfolgt ein kompensatorischer Anstieg des Parathormons, das ersatzweise Kalzium aus den Knochen mobilisiert, um den erforderlichen Kalziumspiegel im Blut aufrecht zu erhalten. Die zahlreichen anderen positiven Wirkungen von Vitamin D im Körper kann das Parathormon bei einem Vitamin D-Mangel jedoch nicht ausgleichen. Der Optimalwert von 40-60 ng/ml ist allerdings nicht als dauerhafte Größe anzusehen und könnte sich in den nächsten Jahren, sollten sich die Untersuchung von Dr. Holick (9) und seinen Kollegen bestätigen, nochmals nach oben hin verschieben.


Quellen:

  1. Ginde, A. A., Wolfe, P., Camargo, C. A., & Schwartz, R. S. (2012, January). Defining vitamin D status by secondary hyperparathyroidism in the U.S. population. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21606669.
  2. Domarus, Christoph von; Brown, Jonathan; Barvencik, Florian; Amling, Michael; Pogoda, Pia (2011): How much vitamin D do we need for skeletal health? In: Clinical orthopaedics and related research 469 (11), S. 3127–3133.
  3. Garland, C. F., Kim, J. J., Mohr, S. B., Gorham, E. D., Grant, W. B., Giovannucci, E. L., … Heaney, R. P. (2014, August). Meta-analysis of all-cause mortality according to serum 25-hydroxyvitamin D. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24922127.
  4. Hollis, Bruce W.; Wagner, Carol L.; Howard, Cynthia R.; Ebeling, Myla; Shary, Judy R.; Smith, Pamela G. et al. (2015): Maternal Versus Infant Vitamin D Supplementation During Lactation: A Randomized Controlled Trial. In: Pediatrics 136 (4), S. 625–634. DOI: 10.1542/peds.2015-1669
  5. Wagner, Carol L.; Hulsey, Thomas C.; Fanning, Deanna; Ebeling, Myla; Hollis, Bruce W. (2006): High-dose vitamin D3 supplementation in a cohort of breastfeeding mothers and their infants: a 6-month follow-up pilot study. In: Breastfeeding medicine : the official journal of the Academy of Breastfeeding Medicine 1 (2), S. 59–70. DOI: 10.1089/bfm.2006.1.59
  6. Teixeira, D. S., Nobrega, Y. K. M., Valencia, C. E. U., Gandolfi, L., Pratesi, R., & Castro, L. C. G. (2012). Evaluation of 25-hydroxy-vitamin D and parathyroid hormone inCallithrix penicillataprimates living in their natural habitat in Brazil. Journal of Medical Primatology, 41(6), 364–371. doi: 10.1111/jmp.12021
  7. Power, M. L., & Dittus, W. P. (2017). Vitamin D status in wild toque macaques (Macaca sinica) in Sri Lanka. American Journal of Primatology, 79(6). doi:10.1002/ajp.22655
  8. Luxwolda, M. F., Kuipers, R. S., Kema, I. P., Dijck-Brouwer, D. A. J., & Muskiet, F. A. J. (2012). Traditionally living populations in East Africa have a mean serum 25-hydroxyvitamin D concentration of 115 nmol/l. British Journal of Nutrition, 108(9), 1557–1561. doi: 10.1017/s0007114511007161
  9. Shirvani, A., Kalajian, T. A., Song, A., & Holick, M. F. (2019). Disassociation of Vitamin D’s Calcemic Activity and Non-calcemic Genomic Activity and Individual Responsiveness: A Randomized Controlled Double-Blind Clinical Trial. Scientific Reports, 9(1). doi: 10.1038/s41598-019-53864-

 

Bildquelle: TeroVesalainen auf Pixabay,  Free-Photos auf Pixabay

Gesund durch UV-Licht

Gesund durch UV-Licht

Sonnenlicht: Gesundheitsfördernde Wirkung abseits vom Vitamin D

Verschiedene Krankheiten der menschlichen Haut, wie Schuppenflechte, atopische Dermatitis, Neurodermitis und lokalisierte Sklerodermie können ‒ unabhängig von der Vitamin D-Synthese ‒ mit Sonnenstrahlung (Heliotherapie) oder künstlicher UV-Strahlung (Phototherapie) behandelt werden.

Eine UV-Exposition kann zudem die klinischen Symptome der Multiplen Sklerose unterdrücken, den Blutdruck senken und wirkt sich allgemein positiv auf die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems aus.

Jeder kennt es: Wenn nach trüben Tagen die Sonne wieder scheint, haben Sonnenstrahlen eine überragende Wirkung auf unser Wohlbefinden und unsere physische sowie psychische Gesundheit! Die wirkungs- und energiereichsten Strahlen der Sonne sind die ultravioletten Strahlen (UV-Strahlen) in einer Wellenlänge zwischen 100 – 380 Nanometer. Das UV-Licht ist für das menschliche Auge unsichtbar. Beim Auftreffen auf die menschliche Haut haben sie unterschiedlichste Wirkungen abseits der Vitamin D-Produktion, auf die wir hier näher eingehen.


Tageslicht sorgt für einen ausgeglichenen Serotonin- und Melatoninhaushalt

Eine der wichtigen, aber vielleicht zu wenig anerkannten und bekannten Rollen des Sonnenlichts ist die Regulierung des zirkadianen Rhythmus. Das in der Zirbeldrüse produzierte Melatonin ist ein wichtiger Schrittmacher für viele zirkadiane Rhythmen des Körpers. Es spielt auch eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Infektionen, Entzündungen, Krebs und Autoimmunität und unterdrückt UV-strahlungsinduzierte Hautschäden (1).

Als tagaktive Lebewesen sind wir Menschen darauf programmiert, draußen zu sein während die Sonne scheint und nachts zu schlafen. Aus diesem Grund wird Melatonin in den dunklen Stunden produziert und bei optischer Einwirkung von Tageslicht wird dieser Prozess gestoppt. Der Melatonin-Vorläufer, Serotonin, ist von der Tageslichtexposition abhängig. Normalerweise tagsüber produziert, wird Serotonin nur bei Dunkelheit in Melatonin umgewandelt. Während hohe Melatoninwerte langen Nächten und kurzen Tagen entsprechen, spiegeln hohe Serotoninwerte in Anwesenheit von Melatonin kurze Nächte und lange Tage (d.h. längere UV-Exposition) wider. Mäßig hohe Serotoninwerte führen zu positiveren Stimmungen und einer ruhigen, aber konzentrierten mentalen Einstellung.

Wenn die Menschen morgens dem Sonnenlicht oder sehr hellem Kunstlicht ausgesetzt sind, tritt ihre nächtliche Melatoninproduktion früher ein, und sie gehen nachts leichter in den Schlaf. Denn der blaue Lichtanteil der Sonne bzw. des Kunstlichtes (420-460 nm),  unterdrückt die Melatonin-Produktion (2) und beeinflusst so den zirkadianen Rhythmus. Ein Spaziergang am frühen Morgen und/oder am späten Nachmittag hilft, den zirkadianen Rhythmus synchron zu halten. Zu viel blaues Licht in der Nacht, z.B. von Computer- und Fernsehbildschirmen, stört die Melatoninproduktion signifikant und führt zu verzögertem Einschlafen und generellen Schlafstörungen. Schlafprobleme sind vorprogrammiert und die Entwicklung chronischer Krankheiten wird begünstigt.

Die Melatoninproduktion spiegelt auch die jahreszeitliche Schwankung der Lichtverfügbarkeit, wobei das Hormon im Winter länger als im Sommer produziert wird. Die Melatonin-Rhythmus-Phasenverschiebung, die durch die Exposition gegenüber hellem Morgenlicht hervorgerufen wird, ist wirksam gegen Schlaflosigkeit, prämenstruelles Syndrom und Winterdepression, auch saisonale affektive Störungen (SAD) genannt.

Für Menschen in Berufen, in denen die Sonneneinstrahlung begrenzt ist, kann eine Vollspektrum-Beleuchtung sehr hilfreich sein. Sonnenbrillen können den Zugang der Augen zum vollen Sonnenlicht weiter einschränken und dadurch den Melatonin-Rhythmus verändern. Wenn man bei Tageslicht, auch nur für 10-15 Minuten, schattenfrei geht, kann dies erhebliche gesundheitliche Vorteile mit sich bringen.


Krebsfaktoren: Sonnenlicht, Melatonin und der Tag-Nacht-Rythmus

In einer 2016 veröffentlichten Studie (3,4) stellte sich heraus, dass Nachtschichtarbeiter deutlich geringere Mengen eines Stoffwechselproduktes (8-OH-dG) über ihren Urin ausscheiden, wenn sie tagsüber schlafen (23% weniger im Vergleich zu ihrem eigenen Nachtschlaf und 17% weniger im Vergleich zum Nachtschlaf von Personen, die nicht in Nachtschicht arbeiten).

8-OH-dG ist ein durch freie Radikale veränderter Baustein der DNA, der von Reparaturenzymen durch intaktes DNA-Material ersetzt wird. Wird 8-OH-dG im Urin nachgewiesen, so weist dies auf eine erfolgreiche DNA-Reparatur hin. Die geringere 8-OH-dg-Ausscheidung der Nachtschichtarbeiter deutet also darauf hin, dass der DNA-Reparaturmechanismus während des Tagschlafs eingeschränkt ist und somit zu vermehrten oxidativen DNA-Schäden führen kann.

Forscherteam vermutet, dass die Ursache für die verringerte DNA-Reparatur beim Melatonin liegt:

DNA-Reparatur durch Melatonin

Melatonin steuert nicht nur den Tag-Nacht-Rhythmus, sondern wirkt auch antioxidativ, d.h. es deaktiviert freie Radikale. Durch eine verminderte Melatoninkonzentration beim Tagschlaf können Nachtschichtarbeiter jedoch weniger von Melatonin als Radikalfänger profitieren.

In ihrer kürzlich publizierten zweiten Studie (2017) verglichen die Forscher die nächtliche 8-OH-dG-Ausscheidung beim Nachtschlaf mit der Ausscheidung bei Nachtarbeit. Auch hier zeigte sich eine enorme Differenz: Bei der Nachtarbeit wurde nur 20% der OH-dG-Ausscheidungsmenge erreicht, die beim Nachtschlaf gemessen wurde.

Zusätzlich zu der Wirkung von Vitamin D schützt also offensichtlich das Sonnenlicht und die damit verbundene lichtabhängige Melatoninproduktion die Erbsubstanz in unseren Zellen.

 


UVA-Strahlung senkt Blutdruck

Einen weiteren Aspekt fügt eine Studie (5) von den Universitäten von Southampton und Edinburgh, UK, den seit langem bekannten Erkenntnissen hinzu: Sonnenlicht beeinflusst die Menge und Ausschüttung des Botenstoffs Stickoxid (nitric oxide, NO) in der Haut und den Übergang ins Blut. NO wiederum reguliert den Blutdruck, entspannt die Gefäße, senkt den Blutdruck und damit das Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall.

In den Versuchen wurden 24 gesunde Frauen und Männer über zweimal 20 Minuten auf der Sonnenbank mit UV-A-Licht bestrahlt.
Ergebnis: Die UV-A-Strahlen aktivieren den Stoffwechsel der reichlich in der Oberhaut vorhandenen Stickoxide und erhöhen so den NO-Spiegel im Blut und senken den Blutdruck, ohne den Vitamin D-Spiegel zu beeinflussen (dafür wäre eine UV-B-Bestrahlung notwendig). Die Sonne aus Angst zu meiden erhöht laut Studienautor Prof. Martin Feelisch daher unnötig das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.


Dermatologische Anwendungen – Phototherapie

Bereits vor mehreren tausend Jahren wurde Sonnenlicht (Heliotherapie) in Ägypten, Griechenland und Rom zur Behandlung verschiedener Hauterkrankungen eingesetzt. Damals wurde die Bedeutung der UV-Strahlung nicht erkannt, da UV-Strahlen erst 1801 entdeckt wurden. 1903 erhielt Niels Ryberg Finsen den Nobelpreis „in Anerkennung seines Beitrags zur Behandlung von Krankheiten, insbesondere von Lupus vulgaris, mit konzentrierter Lichtstrahlung, wodurch er einen neuen Weg für die medizinische Wissenschaft eröffnet hat“.

In unseren Tagen ist die Phototherapie eine wertvolle Option in der Behandlung vieler psoriatischer und nicht-psoriatischer Erkrankungen, einschließlich atopischer Dermatitis, sklerosierender Hauterkrankungen wie Morphea, Sklerodermie, Vitiligo und Mykose fungoides. Die Phototherapie umfasst somit die Behandlung bestimmter Hauterkrankungen mit UV-Strahlung, die von der Sonne erzeugt werden kann oder von Leuchtstofflampen, sowie Kurzbogenlampen mit UV-Filtern und Lasern.


Multiple Sklerose und UV-Strahlung

Auch bei der Multiplen Sklerose werden inzwischen Vitamin D-unabhängige positive Wirkungen von UV-Strahlung auf das Immunsystem vermutet. Die Exposition gegenüber ultravioletter Strahlung kann zu einer Immuntoleranz führen, die für MS vorteilhaft ist, und zwar durch die Hochregulation von regulatorischen T- und B-zellen, erhöhte cis-Urocaninsäurewerte (6), Veränderungen im Zellsignalaustausch mit dendritischen Zellen sowie die Freisetzung einer Reihe anderer Zytokine und Chemokine.


Schmerzen lindern durch UV-Bestrahlung

Sonnenbäder oder Solarien haben Potenzial, Schmerzen bei Patienten mit Fibromyalgie zu lindern.

Larisa Birta - Foto: unsplash.com
UV-Strahlung wirkt schmerzlindernd

Patienten mit dem chronischen Schmerzzustand Fibromyalgie, hatten in einer Pilotstudie an der indischen Medizinischen Universität von Gujarat, eine größere kurzfristige Abnahme der Schmerzen nach der UV-Bestrahlung im Vergleich zur Nicht-UV-Bestrahlung berichtet (7). Dabei wurden die Häufigkeit von Kopfschmerz, Migräne und Fibromyalgie in Regionen mit unterschiedlicher Sonneneinstrahlung und damit unterschiedlichen Vitamin D-Werten in der Bevölkerung verglichen.

Ergebnis in Kürze: Je sonniger, desto weniger Schmerzen.


Noch ausführlicher über die gesundheitsförderneden Wirkungen der Sonnenstrahlung abseits vom Vitamin D berichten wir im verlinkten Artikel, klicken Sie hier damit Sie weitergeleitet werden!

Quellen:

  1. Mead, M. N. (2008, April). Benefits of sunlight: A bright spot for human health. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2290997/
  2. Brainard, G. C., Sliney, D., Hanifin, J. P., Glickman, G., Byrne, B., Greeson, J. M., . . . Rollag, M. D. (2008, October). Sensitivity of the human circadian system to short-wavelength (420-nm) light. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18838601 
  3. Bhatti, P., Mirick, D. K., Randolph, T. W., Gong, J., Buchanan, D. T., Zhang, J. & Davis, S. (2017). Oxidative DNA damage during night shift work [Abstract]. Occupational and Environmental Medicine, 74(9), 680-683.
  4.  Bhatti, P., Mirick, D. K., Randolph, T. W., Gong, J., Buchanan, D. T., Zhang, J. & Davis, S. (2016). Oxidative DNA damage during sleep periods among nightshift workers [ABSTRACT]. Occupational and Environmental Medicine, 73(8), 537-544.
  5. Liu, D. et al., UVA Irradiation of Human Skin Vasodilates Arterial Vasculature and Lowers Blood Pressure Independently of Nitric Oxide Synthase, Journal of Investigative Dermatology, 2014
  6. Correale, J., & Farez, M. F. (2013). Modulation of multiple sclerosis by sunlight exposure: Role of cis-urocanic acid. Journal of Neuroimmunology, 261(1-2), 134-140. doi:10.1016/j.jneuroim.2013.05.014
  7. Taylor, S. L., Kaur, M., LoSicco, K., Willard, J., Camacho, F., O’Rourke, K. S., & Feldman, S. R. (2009, January). Pilot study of the effect of ultraviolet light on pain and mood in fibromyalgia syndrome. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19769472

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Vitamin D und Übergewicht

Übergewichtige haben in aller Regel einen Vitamin D-Mangel, den es unbedingt auszugleichen gilt, um allen möglichen anderen Krankheiten vorzubeugen. Doch hätten Sie auch geahnt, dass das Sonnenhormon Vitamin D uns beim Schlankbleiben bzw. Abnehmen unterstützen kann?


Der Artikel in Kürze:

› Vitamin D beeinflusst unsere „Fett-Fress-Bremse“…

› …und gleichzeitig die Insulinwirksamkeit und das Hungergefühl

› Mit dem Sonnenschein-Vitamin gelingt das Abspecken besser

› Frauen mit mehr Aufenthalt an der Sonne sind schlanker als Sonnenmuffel

› Kinder mit wenig Sonnenschein-Vitamin entwickeln eher Übergewicht und Adipositas

 


Vitamin D beeinflusst unsere „Fett-Fress-Bremse“…

Das Sonnenschein-Vitamin D setzt gleich an verschiedenen Stellen im Körper an: Vitamin D Mangel bremst offensichtlich die Ausschüttung des Hormons Leptin. Dieses Hormon gibt dem Körper ein Signal, wenn er genügend Fett aufgenommen hat. Fehlt das Leptin, so funktioniert die “Fett-Fress-Bremse” nicht richtig –  es droht Übergewicht. Gleichzeitig steuert Vitamin D die Einlagerung von Fett in das Muskelgewebe.

…und gleichzeitig die Insulinwirksamkeit und das Hungergefühl

Die Einlagerung und das “Management” von Fett im menschlichen Körper ist ein komplizierter Prozess. Ein Hormon mit der Bezeichnung “Adiponektin” spielt dabei eine wichtige Rolle. Da das Adiponektin die Wirksamkeit des Insulins fördert, erhöht ein zu niedriger Adiponektin-Pegel im Blut die Gefahr einer Diabetes-Erkrankung.

Zusammen mit weiteren Hormonen, wie dem “Leptin“,  reguliert das Adiponektin auch das Hungergefühl. Übergewichtige Menschen haben regelmäßig einen zu niedrigen Adiponektin-Status. Verkürzt gesagt also haben Menschen mit ausreichend Adiponektin eine deutlich bessere Chance, schneller satt zu werden und daher schlank zu bleiben, als Menschen mit Adiponektin-Mangel.

Dieses Adiponektin aber ist nun seinerseits wieder abhängig von einem ausreichenden Vitamin D-Spiegel im Blut. Das hat eine Forschergruppe der Harvard Medical School, USA, nachgewiesen (Vaidya et al., 2011). Mit den Daten von 1.206 Frauen aus der Nurses’ Health I Studie und 439 Männer aus der Health Professionals Follow-Up Studie wurde der Zusammenhang von Adiponektin– und Vitamin D-Werten (25 (OH)D) analysiert. Das Ergebnis war eindeutig: je höher der Vitamin D-Spiegel im Blut, desto höher die Adiponektin-Werte.

Das Ergebnis, so die Autoren, ist umso wichtiger, als ein Mangel an Sonnenschein-Vitamin D und Adiponektin nicht nur zu Übergewicht oder gar Fettleibigkeit beiträgt, sondern auch zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt, der in Deutschland mit Abstand häufigsten Todesursache.

Sonne macht heiter und (!) schlank

Auf dem gleichen Wege, auf dem die Sonne für ein heiteres Gemüt sorgt (siehe „Sonne macht fröhlich„), bringt sie auch das Körperfett zum Schmelzen. Sowohl durch den Lichteinfall im menschlichen Auge als auch durch die Vitamin D-Bildung über die Haut wird die Serotonin-(„Glückshormon-„) und Adrenalin-Produktion im Gehirn angekurbelt. Serotonin wiederum ist bekannt für seine „abspeckende“ Wirkung bei Mensch und Tier.

Das geht sogar so weit, dass mit einer gesteigerten Serotonin-/Adrenalin-Produktion ein „Abnehmen trotz mehr Essen“ möglich ist. Zumindest haben Forscher des Scripps Research Institute (TSRI; Noble et al., 2013) diese Tatsache in ihren Laborversuchen bestätigen können.


Mit dem Sonnenschein-Vitamin gelingt das Abspecken besser

Wer abnehmen und schlank werden will, sollte – neben vernünftiger Ernährungsumstellung – auf die Sonne setzen. Je besser die Versorgung mit dem “Sonnenschein Vitamin” D3, umso größer ist die Chance, tatsächlich die überflüssigen Pfunde zu verlieren.

Ein aktuelle Studie der University of Washington (Seattle, USA; Mason et al., 2014) konnte in einem Versuch mit 218 übergewichtigen Frauen mittleren Alters nachweisen, dass der Erfolg einer üblichen Schlankheitskur mit reduzierter Kalorienzufuhr und moderatem Aerobic-Training wesentlich davon abhängt, ob die Teilnehmerinnen einen optimalen Vitamin D-Spiegel (in dieser Studie: mindestens 32 ng/ml) haben.

Der Gewichtsverlust und die Abnahme des Körperfetts war bei diesen Frauen um mehr als ein Drittel größer als bei den übrigen Teilnehmerinnen. Teilnehmerinnen mit einem Vitamin D-Defizit nahmen kaum oder gar nicht ab.

Schneller beim Wunschgewicht

Ganz neu ist die Erkenntnis vom Zusammenhang von Sonne und Gewichtsreduktion nicht. So hatten schon 2009 Versuche an der University of Minnesota zu ähnlichen Ergebnissen geführt, die beim 91. Jahreskongress der Endocrine Society in Washington D.C., USA, vorgestellt wurden:

In ihrer Studie untersuchten die Wissenschaftler, ob der Vitamin D-Spiegel im Blut bei Beginn und am Ende einer Diät einen Einfluss auf den Erfolg hatte. Achtunddreißig übergewichtige Frauen und Männer wurden bei ihrer Diät über 11 Wochen beobachtet und sowohl der Vitamin D-Spiegel im Blut als auch die Fettverteilung im Körper gemessen.

Und in der Tat: Es zeigte sich eine direkte Verbindung von Vitamin D und Gewichtsabnahme. Jedes zusätzliche Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) Vitamin D-Serum im Blut führte zu einem zusätzlichen Gewichtsverlust von knapp 200 Gramm. Darüber hinaus hatte das zusätzliche Vitamin D auch wesentlichen Einfluss auf die Verteilung der Fettpolster am Körper: Das Bauchfett, das gemeinhin als das gesundheitsgefährdendste Körperfett gilt, nahm überproportional ab.

Mit der Sonne auf Umwegen zum Idealgewicht

Ähnliche Ergebnisse bringt eine deutsch-israelische Studie (Shahar et al., 2010) unterstützt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG):

Die Forscher beobachteten 126 zufällig ausgewählte Probanden über einen Zeitraum von sechs Monaten bei ihren Bemühungen um eine schlankere Linie. Beim Start der Studie hatten die stärker Übergewichtigen einen deutlich niedrigeren Vitamin D-Spiegel als die Teilnehmer mit einem etwas moderateren Body Mass Index (BMI).

Nach einem halben Jahr hatte das Drittel der Teilnehmer mit dem höchsten Vitamin D-Spiegel im Blut deutlich mehr Pfunde verloren (- 5,6 kg) als die Teilnehmer im mittleren (-3,8 kg) und die im unteren Drittel (-3,1 kg). Die Studienautoren schlussfolgerten aus den Ergebnissen u. a., dass ein Zusammenhang zwischen durch Ernährung verursachten Gewichtsverlust und dem Vitamin D-Spiegel zu bestehen scheint.

Ergänzend wollen wir allerdings darauf hinweisen, dass es nicht klar ist, ob Vitamin D-Mangel die Ursache oder die Folge von Übergewicht ist. Der stoffwechselbedingte Vitamin D-Verbrauch ist nämlich auch an das Körpergewicht gebunden, während Vitamin D zusätzlich auch in den Fett-Depots abgelagert wird. Die Vitamin D-Zufuhr muss daher für eine regelrechte Versorgung mengenmäßig an das Körpergewicht angepasst, also bei Übergewicht entsprechend höher dosiert werden. Es sind  weitere Untersuchungen vonnöten um herauszufinden, inwieweit die Ursache der Fettleibigkeit im Vitamin D-Mangel zu finden ist und wie stark der Einfluss der Fettleibigkeit einen höheren Vitamin D-Verbrauch verursacht.


Frauen mit mehr Aufenthalt an der Sonne sind schlanker als Sonnenmuffel

So in etwa könnte man das Ergebnis einer Studie aus Großbritannien deuten, die einen deutlichen Zusammenhang zwischen Übergewicht und dem “Sonnenschein-Vitamin” D herstellt (Macdonald et al., 2008). Frauen mit deutlichem Übergewicht in und nach den Wechseljahren litten danach sehr viel häufiger als Normalgewichtige an einem eklatanten Vitamin D-Mangel mit stark erhöhtem Osteoporose-Risiko.

Die Forscher untersuchten bei mehr als 3.000 Frauen in Großbritannien den Vitamin D-Spiegel im Blut, Ernährungs- und Lebensgewohnheiten, den Aufenthalt an der Sonne oder im Solarium und Aufenthalte in südlichen Ländern und Regionen. Die Gruppe der Frauen mit dem häufigsten und intensivsten Aufenthalt an der Sonne oder im Solarium hatten den höchsten Vitamin D-Spiegel im Blut und die gesündeste Knochenstruktur (geringstes Osteoporose-Risiko).

Die Probandinnen mit dem höchsten Übergewicht (BMI) wiesen den niedrigsten Vitamin D-Spiegel auf – auch dann noch, wenn viele andere Faktoren wie Rauchen, körperliche Bewegung, sozio-ökonomischer Status etc. statistisch berücksichtigt wurden.

Dr. Helen Macdonald, Leiterin der Forschungsgruppe an der University of Aberdeen und dem Royal Liverpool University Hospital, warnt allerdings vor voreiligen Schlüssen. Ob das Übergewicht tatsächlich durch den Vitamin D-Mangel verursacht wird oder ob umgekehrt die Fettpolster den Vitamin D-Mangel bedingen (das Vitamin D lagert sich im Fettgewebe ab, wird dort also sozusagen für schlechte Zeiten gespeichert), ist ungewiss.


Kinder mit wenig Sonnenschein-Vitamin entwickeln eher Übergewicht und Adipositas

Übergewicht bei Kindern ist in Deutschland und den meisten anderen Industrieländern ein Massenphänomen mit bedeutenden Gesundheitsrisiken. Den Ergebnissen der KIGGS-Studie (2003-2009) des Robert-Koch-Instituts zufolge sind in Deutschland 15% der Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 17  Jahren übergewichtig. Circa ein Drittel davon ist sogar adipös, sprich krankhaft übergewichtig (Quelle: KIGGS Kinder und Jugend Gesundheitssurvey; www.kiggs-studie.de).

Übergewicht bei Kindern führt allzu häufig zu Diabetes Typ II und Gefäßerkrankungen.

Wissenschaftler der University of Michigan (USA; Gilbert-Diamond et al., 2011) untersuchten bei 479 Kindern (5-10 Jahre alt) den Zusammenhang zwischen dem Vitamin D-Status und der Gewichtsentwicklung über durchschnittlich 30 Monate. Hierbei wurde festgestellt, dass Kinder mit einem Vitamin D-Mangel im Vergleich zu gut versorgten Kindern schneller zunehmen und eher einen “Speckgürtel” um die Taille entwickeln.

Auch hier gilt – ob die Ergebnisse alleine auf die Vitamin D-Versorgung rückzuführen sind bleibt insofern offen, als dass Kinder die sich mehr an der frischen Luft bewegen folglich auch entsprechend bessere Vitamin D-Werte aufweisen. 


Studien:

Vaidya, A., Williams, J. S., & Forman, J. P. (2011). The Independent Association Between 25-Hydroxyvitamin D and Adiponectin and Its Relation With BMI in Two Large Cohorts: The NHS and the HPFS. Obesity, 20 (1), 186-191.

Noble, T., Stieglitz, J., & Srinivasan, S. (2013). An Integrated Serotonin and Octopamine Neuronal Circuit Directs the Release of an Endocrine Signal to Control C. elegans Body Fat. Cell Metabolism, 18(5), 672-684. [ABSTRACT]. (Einen allgemeinverständlichen Bericht zur Studie gibt es hier.)

Mason, C., Xiao, L., Imayama, I., Duggan, C., Wang, C., Korde, L., & Mctiernan, A. (2014). Vitamin D3 supplementation during weight loss: a double-blind randomized controlled trial. American Journal of Clinical Nutrition, 99(5), 1015-1025.

The Endocrine Society (2009, June 12). Successful Weight Loss With Dieting Is Linked To Vitamin D Levels. ScienceDaily. Retrieved April 19, 2017 from www.sciencedaily.com/releases/2009/06/090611142524.htm.

Shahar, D. R., Schwarzfuchs, D., Fraser, D., Vardi, H., Thiery, J., Fiedler, G. M., . . . Shai, I. (2010). Dairy calcium intake, serum vitamin D, and successful weight loss. American Journal of Clinical Nutrition, 92(5), 1017-1022.

Macdonald, H. M., Mavroeidi, A., Barr, R. J., Black, A. J., Fraser, W. D., & Reid, D. M. (2008). Vitamin D status in postmenopausal women living at higher latitudes in the UK in relation to bone health, overweight, sunlight exposure and dietary vitamin D. Bone, 42(5), 996-1003. [ABSTRACT]

Gilbert-Diamond, D., Baylin, A., Mora-Plazas, M., Marin, C., Hughes, M., Willett, W., & Villamor, E. (2010). Vitamin D Deficiency and Indicators of Increased Adiposity in School-age Children: A Prospective Study. Epidemiology, 22.

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