Sonnenschutz – immer und überall?

Behauptung:

„Zum Schutz der Haut vor Hautkrebs und Hautalterung sollte der Mensch

  1. auf jeden Fall die Mittagssonne (10-15 Uhr) meiden,
  2. sich möglichst immer im Schatten aufhalten und
  3. alle unbedeckten Körperteile immer mit einer Sonnencreme mit einem LSF von mindestens 15 einreiben .“

Tatsache:

Wir brauchen "ungeschützt" die Mittagssonne!

Alle drei Ratschläge sind - teilweise - falsch und sogar gefährlich. Zu kaum einem Thema gibt es so viele Fehlinformationen (von interessierter Seite) und Missverständnisse wie beim Thema: "Wie viel Sonne braucht der Mensch? Und wann und wie sollte er sich vor zu viel Sonne schützen?"

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Sonnenschutz: Oft, aber nicht immer und überall

Beim Sonnen sollten Sie Folgendes beachten:

  1. Wann in die Sonne und wie lange?
    In unseren Breitengraden enthält meist nur die Mittagssonne (10-15 Uhr) ausreichend UV-B-Strahlen für die natürliche Vitamin D-Synthese in der Haut. Nur in dieser Zeit ist also ein kurzer Aufenthalt mit nicht bedeckten Körperteilen (mindestens Arme und Beine) an der Sonne "gesund". Vermeiden der "Mittagssonne" verlängert also vorhandene Vitamin D-Defizite mit den gravierenden negativen Folgen für die Gesundheit.
    Nur bei einem längeren Aufenthalt (je nach Hauttyp und Stärke unterschiedlich langer, ungeschützter Aufenthalt möglich, als Faustregel gelten 15-20 Minuten) an der Mittagssonne sollte die Haut bedeckt oder eingecremt sein, um einen Sonnenbrand zu vermeiden. Längere ununterbrochene, ungeschützte Sonnenbäder sind mit Blick auf die Vitamin D-Bildung ohnehin sinnlos, da das in der Haut für die Umwandlung in Vitamin D benötigte 7-Dehydrocholesterol  aufgebraucht ist. Außerdem: Außerhalb der Mittagssonne enthalten die natürlichen Sonnenstrahlen fast nur noch UV-A, wodurch lediglich eine kurzfristig andauernde "Sofort-Bräunung" erzielt wird. Da für eine dauerhafte Bräunung der Haut sowie für die Vitamin D-Bildung UV-B benötigt wird, ist eine ausgewogene und für die Haut unschädliche Bräunung zu diesen Zeiten nicht möglich. 
  2. Schatten – welche UV-Strahlen kommen an?
    Anders als das UV-B-Licht "streuen" die UV-A-Strahlen erheblich und werden so durch Wolken oder den Schatten (z.B. der Bäume) kaum "gebremst". Die Intensität der UV-A-Strahlung nimmt darüber hinaus auch in den Zeiten vor 10 Uhr morgens und nach 15 Uhr nachmittags nur sehr allmählich ab. In anderen Worten: Bei wolkigem Himmel, im Schatten, hinter Glas und früh wie spät am Tag treffen nur UV-A, nicht aber UV-B-Strahlen auf die Haut.
    Das UV-A-Spektrum des Sonnenlichts wird bei übermäßiger Bestrahlung vor allem für die vorzeitige Hautalterung und – etwa durch die Bildung der "Freien Radikale" in den tieferen Hautschichten – auch für den Hautkrebs verantwortlich gemacht.
    Beim lang andauernden Aufenthalt im Schatten werden die biopositiven Wirkungen der Sonnenstrahlen "unterdrückt", die negativen Folgen übermäßiger Bestrahlung werden dagegen nicht vermieden.
  3. Sonnenschutz – wann, wo und wie?
    Das Eincremen mit Sonnenschutzmitteln mit einem LSF von mehr als 15 verhindert zu über 99% die Vitamin D-Synthese in der Haut.
    Zahlreiche Studien haben belegt, dass Menschen, die regelmäßig Sonnenschutzmittel benutzen, nicht weniger häufig (in einigen Studien sogar häufiger) an dem gefährlichen "schwarzen" Hautkrebs (Melanom) erkranken, wie Menschen, die sich seltener oder gar nicht eincremen.

Der Lichtschutzfaktor (LSF) wird anhand einer Menge Sonnencreme pro Quadratzentimeter (2 mg/cm²) ermittelt, die in der Wirklichkeit kein Mensch anwendet. Tatsächlich entspricht daher beispielsweise der Lichtschutzfaktor bei einem ausgewiesenen LSF von 30 in Wirklichkeit nur einem Schutzfaktor 4 – das entspricht ziemlich genau dem Schutz, der durch ein sanftes Vorbräunen im Solarium zu erreichen ist! Ein (allerdings abnehmender) Teil der Sonnenschutzmittel schützt nur vor den UV-B- und nicht vor den UV-A-Strahlen – mit den oben beschriebenen Konsequenzen.

Sonnenschutzmittel sind überwiegend komplexe "Chemie-Cocktails", die oft gesundheitsschädliche Substanzen enthalten. Trotz ständiger Innovationen und Verbote solcher Bestandteile durch die Gesundheitsbehörden dauert es erfahrungsgemäß viele Jahre, ja Jahrzehnte, bevor gefährliche Inhaltsstoffe aus den "Cocktails" verschwinden.

Aber:
Alle diese Argumente bedeuten nicht, dass der Einsatz von Sonnenschutzmitteln bei einem längeren Aufenthalt in der Sonne für Körperteile, die durch Bekleidung nicht geschützt werden (können), nicht dennoch ratsam oder notwendig ist.

 

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