Hautkrebs – ist die Sonne schuld?

Behauptung:

„Die Zunahme der Fälle von „schwarzem Hautkrebs“ (malignem Melanom) weltweit ist eine Folge der steigenden Sonnen- und Sonnenbank-Nutzung“

„90 Prozent der Hautkrebserkrankungen werden mit höchster Wahrscheinlichkeit durch zu viel Sonne verursacht.“


Sonnen führt nicht zu Melanom - Foto: fotolia.com
Sonnen führt nicht zu Melanom – Foto: fotolia.com

Tatsache: Die Dosis macht das „Gift“

Genauer: Nach derzeitigem Wissensstand gibt es zwar einen gewissen Zusammenhang zwischen  intermittierender („unvorbereitet“ in größeren Abständen und mit hoher Dosis) Sonnen- und Sonnenbank-Exposition und der Bildung von Hautkrebs. Jedoch gibt es keinen Zusammenhang oder gar einen umgekehrten Zusammenhang zwischen der Entstehung von Hautkrebs und regelmäßigem, gemäßigtem Sonnen (1).

In anderen Worten:  Unvorbereitetes Sonnenbaden in größeren Abständen – mit Sonnenbrand als unmittelbarer Folge –  führt vermutlich zu einem höheren Melanom Risiko (das natürliche Abwehrsystem des Körpers wird überfordert), während regelmäßiger Aufenthalt in der Sonne keinen Einfluss auf das Melanom-Risiko hat oder mit einiger Wahrscheinlichkeit sogar das Melanom-Risiko senkt. Studien belegen in der Tat, dass eine regelmäßige Besonnung über längere Zeiträume die Gefahr reduziert, am Melanom zu sterben.

Erbliche Risikofaktoren

Wahrscheinlich ist allerdings das Zusammenwirken von übermäßiger UV-Bestrahlung mit anderen, vor allem genetisch und umweltbedingten Risikofaktoren bei der Entstehung von „schwarzem“ Hautkrebs (2). Eindeutig wird das Hautkrebs-Risiko bestimmt von genetischen Faktoren wie: Hautkrebs in der Familie, Anzahl der Muttermale (Naevi) und Sommersprossen, Hauttyp etc. Weitere Risikofaktoren sind die alternde Bevölkerung (Hautkrebs ist eine „Alterskrankheit“), Umweltverschmutzung, falsche Ernährung etc. (3).

Die Zunahme der Melanom-Fälle in den Statistiken hat auch – von den Statistikern selbst immer wieder angemerkt – s. „Krebs in Deutschland“ des RKI und Gutachten für die Bundesregierung – mit verstärkten Screenings, den verfeinerten Screening-Methoden und der modernen Diagnostik zu tun. Tatsächlich nimmt die Zahl der Todesfälle durch Melanome nicht zu sondern geht tendenziell zurück – kein Grund natürlich, in der Prävention durch Aufklärung nachzulassen.

Mehr Hautkrebs aber weniger Todesfälle

Spektakulär ist der jährliche Anstieg der Melanom-Fallzahlen weltweit – und daher von den Medien besonders gern zitiert und der Sonne pauschal „angelastet“. Dass dieser Anstieg von Faktoren beeinflusst wird, die nichts mit Sonne und Besonnung zu tun haben, wird dabei in der Regel übersehen: Bessere Diagnostik und daher häufiger und frühzeitigere Entdeckung von Melanomen, die Alterung der Bevölkerung (Melanome sind überwiegend „Alterserscheinungen“), Umwelteinflüsse, Lebensstile etc.

Die „härtere“ statistische Währung und daher der verlässlichere Hinweis auf die Bedeutung des Melanoms in den Gesundheitsstatistiken ist dagegen die Sterberate. Ohne dramatische Fortschritte in den vergangenen Jahrzehnten bei der Behandlung des „schwarzen Hautkrebses“ ist die Chance, die Diagnose „Melanom“ zu überleben, ständig gestiegen. Im Gegensatz zu den drastisch steigenden Fallzahlen neu diagnostizierter Melanome ist die Sterberate, also die Todesfälle pro 100.000 Einwohnern, in den meisten Ländern über die vergangenen Jahrzehnte kaum angestiegen, in etlichen Ländern gar gesunken.

Für diese Diskrepanz gibt es viele, oft allerdings spekulative, Gründe. Hier nur ein Beispiel: Eine umfassende österreichische Studie (4) aus dem Jahr 2014 stellte fest, dass einerseits die Zahl der Melanomfälle steigt, je höher der Wohn- und Aufenthaltsort der Menschen liegt, andererseits aber der Anteil der Todesfälle in größeren Höhen sinkt. In anderen Worten: Wer in den Bergen wohnt, je höher desto mehr, trägt ein größeres Risiko am „schwarzen Hautkrebs“ zu erkranken, stirbt aber sehr viel seltener daran, als ein Landsmann, der etwa auf Meereshöhe lebt.

Da die Sonne in größerer Höhe intensiver strahlt als auf Meereshöhe, wird an diesem Beispiel die „Janusköpfigkeit“ – die Wirkung der „guten“ und der „bösen“ Sonne – besonders deutlich. Die Vermutung der Wissenschaftler, dass einerseits durch die intensive UV-Bestrahlung in den Bergen die Gefahr einer Hautkrebserkrankung steigt, gleichzeitig aber durch die erhöhte Vitamin D-Bildung in der Haut die Entwicklung des Melanoms „gebremst“ wird, bleibt vorerst Spekulation (4).

Steiler Anstieg der Hautkrebsraten trotz immer weniger Aufenthalt an der Sonne

Noch vor hundert Jahren hat ein großer Teil der Menschen in den heutigen Industrieländern im Freien gearbeitet: Bauern, Gärtner, Landarbeiter, Fuhrknechte, Maurer, Dachdecker, Laufburschen, Marktfrauen, Postboten. Heute arbeitet nur noch ein Zehntel der Erwerbstätigen im Freien. Damals, als ein großer Teil des Volkes sein Arbeitsleben im Freien verbrachte, gab es so gut wie keinen Hautkrebs, selbst wenn die Zahlen mit der niedrigeren Lebenserwartung bereinigt werden.

Seit 1955 dagegen, als eine ständig wachsende Zahl von Menschen in geschlossenen Räumen arbeitete, sind die Hautkrebszahlen angestiegen. Allerdings auch der Drang der Menschen, den Sonnenmangel im Arbeitsjahr durch „Schock-Besonnung“ in den Ferien zu kompensieren, was in der Tat das Melanomrisiko erhöht.

Der weltweite Vergleich entkräftet ebenfalls die Theorie, Hautkrebs sei (vor allem) auf Sonnenlicht zurückzuführen. Man beachte die extrem niedrigen Hautkrebsraten in tropischen Ländern, in Wüstenländern wie Oman und Algerien, und besonders in tropischen Hochländern (Mexiko, Äthiopien, Kenia). Die meisten Menschen in tropischen Ländern verbringen einen großen Teil ihres Lebens im Freien. Sonnenschutzmittel sind nicht üblich. In den Hochländern der Tropen ist die UV-B-Intensität im Jahresdurchschnitt etwa zehnmal höher als in den Industrieländern.

Hautkrebs durch künstliche UV-Bestrahlung?

Die Behauptung, Sonnenlicht verursache Hautkrebs, stützt sich auf Experimente mit Versuchstieren, die starken UV-Strahlern ausgesetzt wurden. Es ist jedoch ein Fehler, diese UV-Strahler mit dem Sonnenlicht gleichzusetzen und zwar aus folgenden Gründen:

  1. Spektrum
    UV-Strahler weichen in ihrer Spektralverteilung erheblich vom Sonnenspektrum ab. Unter Sonnenlicht und hellem Tageslicht waren die Tiere gesund und munter. Täglich zwölf Stunden unter dem Licht von Leuchtstoffröhren ließ sie hingegen verkümmern und früh sterben. Je nach Spektralverteilung der Lampen verkürzte sich die Lebenserwartung und halbierte sich sogar unter rosafarbenen Leuchtstoffröhren. Krebs war die häufigste Todesursache bei solch naturwidrigem Licht.
  2. Strahlungscharakteristik
    Die Sonne sendet einen gleichmäßigen Lichtstrom aus, UV-Leuchtstoffröhren hingegen gehen 100 mal in der Sekunde an und aus. 50 Hertz ergeben 50 Schwingungen in der Sekunde, damit 100 Halbwellen beziehungsweise 100 Lichtblitze.
  3. Bestrahlungsdauer und -intensität
    Wird die übliche Strahlungsdosis eines langen Zeitraums auf eine kurze Zeit konzentriert, muss die Dosisleistung in Größenordnungen gesteigert werden. Genau diesen Fehler machen ungeduldige Experimentatoren bei Tierversuchen in dem Bemühen, mittels extrem starker UV-Strahlung Hautkrebs auszulösen. Doch derartige tierquälerische Experimente lassen sich nicht auf die natürlichen Strahlungsverhältnisse übertragen.
  4. Röntgenstrahlung
    UV-Strahler und deren Vorschaltgeräte können schwache Röntgenstrahlung emittieren. Der UV-Strahlung werden in diesen Fällen Effekte zugeschrieben, die in Wahrheit auf unbeachtete Röntgenstrahlung zurückzuführen sind.
  5. Elektrische Wechselfelder
    Elektrische Wechselfelder gelten als Krebsursache und können die Gesundheit auf vielfältige Weise beeinträchtigen. Unter UV-Strahlern herrschen im Gegensatz zur Sonne elektrische Wechselfelder und zum Teil auch magnetische Wechselfelder.

Nicht die Sonne ist das Problem, sondern die UV-Strahler und die unnatürlichen Bedingungen, unter denen die Versuchstiere gehalten werden.

Experimente mit UV-Strahlern zur Ermittlung des Hautkrebsrisikos haben weitere Schwächen. Nachtaktive Nagetiere sind sonnenempfindlich. Sie sonnen sich nur in Maßen. Wird Mäusen und Ratten auch noch das Fell abrasiert, so werden sie ihres natürlichen Sonnenschutzes beraubt. Es ist kein Wunder, wenn extrem starke UV-Strahler die Haut der armen Tiere geradezu verbrennen und nach häufiger Wiederholung dieser Verbrennung Hautkrebs entstehen kann. Es ist absurd, aus solcherart Versuchen den Schluss zu ziehen, Sonnenlicht verursache bei Menschen Hautkrebs.

In einem Versuch wurden Tiere starker künstlicher UV-Bestrahlung ausgesetzt. Aufgrund des vitaminarmen Futters erkrankten 24 Prozent der Tiere an Hautkrebs. Die Tiere der anderen Gruppe erhielten zusätzlich Vitamin C und E und kein einziger Fall von Hautkrebs wurde festgestellt. Demnach kann die reichliche Zufuhr von Radikalfängern (Antioxidantien) Hautkrebs selbst bei intensiver UV-Bestrahlung vollständig verhindern. Die Ernährung entscheidet somit maßgeblich über die Hautkrebsrate und weniger die UV-Strahlung, wenn sie im natürlichen Rahmen bleibt.

Kann Sonne „schwarzen“ Hautkrebs sogar verhindern?

Studien konnten sogar nachweisen, dass die Einwirkung von UV-Strahlen die Wahrscheinlichkeit von Hautkrebsbildung deutlich senkt und die Heilungsrate von Melanoma-Erkrankungen eindeutig erhöht und die Rate der Todesfälle senkt (5). Einen Überblick über die Studien der vergangenen Jahre zum Thema „UV, Vitamin D und Hautkrebs“ finden Sie hier: Katie M. Dixon, 2013 (6). Die Autoren fassen den Wissensstand zusammen: Die durch UV-Bestrahlung der Sonne verursachten DNA-Schäden werden zu wesentlichen Teilen verhindert oder beseitigt durch das aktive Vitamin D3 (Calcitriol), das seinerseits ebenfalls durch die Sonneneinstrahlung (UV-B) gebildet wird.


Ein Zusammenhang zwischen übermäßiger (!!) ultravioletter Bestrahlung  – gleichgültig ob durch Sonne oder Solarium – und den weniger gefährlichen Hautkrebsformen, vor allem dem zweithäufigsten „weißen“ Hautkrebs, dem Stachelzellenkrebs (Spinaliom), gilt dagegen als wissenschaftlich belegt. Warnungen also vor exzessivem Sonnenbaden mit der Folge von Sonnenbränden sind unbedingt berechtigt.


Quellen:

  1. S. Gandini et al., Meta-analysis of risk factors for cutaneous melanoma: II. Sun exposure. European Journal of Cancer. 2005 Jan;41(1):45-60. („…studies supported the intermittent sun exposure hypothesis: a positive association for intermittent sun exposure and an inverse association with a high continuous pattern of sun exposure.“)
  2. Veronique Bataille, Melanoma. Shall we move away from the sun and focus more on embryogenesis, body weight and longevity? Medical Hapotheses, 24 June 2013.
  3. Veronique Bataille et al., A multicentre epidemiological study on sunbed use and cutaneous melanoma in Europe,  European Journal of Cancer. 2005 Sep;41(14):2141-9. (“Our study confirmed the expected associations between melanoma and fair skin, positive family history and numbers of naevi but did not find a significant association with exposure to the sun and/or sunbeds”)
  4. Hanns Moshammer et al., Temporal and spatial melanoma trends in Austria: an ecological study, Int J Environ Res Public Health, Januar 2014, 11(1):734-48
  5. Marianne Berwick et al., Sun Exposure and Mortality From Melanoma, Journal of the National Cancer Institute, 2005, Vol. 97/3: 195-199
  6. Katie M. Dixon et al., Vitamin D and Death by Sunshine, International Journal of Molectular Science, 2013,14, 1964-1977

Wang, L, et al. In Vitro Sensitivity to Ultraviolet B Light and skin Cancer Risk: A Case- Control Analysis. Journal of the Natonal Cancer Institute. 2005 Dec 21;97(24):1822-31. (UVB-induced mutagen sensitivity may play a role in susceptibility to NMSC but not to CMM.)

„Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Deutschen Krebshilfe e. V. (Konsultationsfassung, April 2014)