Vitamin D & Weißer Hautkrebs

Vitamin D & Weißer Hautkrebs

Vitamin D-Produktion beugt weißem Hautkrebs vor

Vitamin D wirkt im Körper unter anderem über Vitamin D Rezeptoren. Jüngsten Studien zufolge haben diese Rezeptoren auch die Funktion von Tumorsuppressoren. Tumorsuppressoren sind Proteine, die den Zellzyklus kontrollieren und dafür sorgen, dass eine unkontrollierte Zellteilung (d.h. die Entstehung von Tumoren bzw. Krebs) verhindert wird.21

Die Wissenschaftler Reichrath, Saternus und Vogt (2017) fanden nun heraus, dass niedrige Vitamin D-Serumkonzentrationen einen Risikofaktor für das Auftreten und Fortschreiten von weißem Hautkrebs durch UV-induzierte DNA-Schäden darstellen.

Das Sonnenbaden ohne gleichzeitige Vitamin D-Produktion fördert somit das Entstehen von weißem Hautkrebs. Im Umkehrschluss bedeutet das: Wer sich sonnt, sollte dafür sorgen, dass seine Haut währenddessen Vitamin D als Schutzfaktor produziert. Evolutionsbiologisch betrachtet ist die Schutzfunktion vor UV-induziertem Hautkrebs eine der wichtigsten Eigenschaften des Vitamin D – dem Menschen hat die Sonne nämlich schon immer auf den „Pelz“ gebrannt.

Fazit und Erinnerung:

In den Breitengraden Deutschlands ist eine Vitamin D Produktion durch den Aufenthalt in der Sonne von Ende März bis Mitte Oktober zwischen 10 und 15 Uhr bei wolkenfreiem Himmel und ohne Sonnenschutzmittel (für 10-20 Minuten) möglich. Nutzen Sie diese Zeit regelmäßig und danach sorgen Sie für Sonnenschutz, da die Vitamin-D Produktion dann erst wieder nach einer längeren Erholungspause möglich ist. Auch eine Vitamin-D-Supplementierung zur Prävention und u.U. auch begleitend zur Behandlung von Hautkrebs ist sinnvoll.

Ganz wichtig ist die regelmäßige moderate Besonnung. Sprunghaftes, unmäßiges Sonnenanbeten in großen Abständen fördert definitiv die Bildung von Hautkrebs.

Also merke: Der beste Weg, um eine bestimmte Dosis Sonnenlicht und damit Vitamin D mit gleichzeitig minimalem Hautkrebsrisiko zu erhalten, ist eine Exposition in der Mitte des Tages ohne Sonnenbrand und nicht am Nachmittag oder Morgen. Denn zu diesen Zeiten ist der Anteil der UVB-Strahlung zu gering, um relevant Vitamin D in der Haut zu produzieren.


Quelle:

Reichrath, J., Saternus, R., & Vogt, T. (2017). Endocrine actions of vitamin D in skin: Relevance for photocarcinogenesis of non-melanoma skin cancer, and beyond. Molecular and Cellular Endocrinology, 453, 96-102. [ABSTRACT]

Foto:

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Wie sicher ist Vitamin D?

Wie sicher ist Vitamin D?

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift sei.“ [Paracelsus]

Viele fragen sich, wie sicher Vitamin D eigentlich ist. Was passiert, wenn Vitamin D-Kapseln in die Hände eines Kleinkinds geraten und es diese einnimmt? 

Im Allgemeinen wird dabei nichts passieren, doch es kommt natürlich auf die Dosis an. Handelt es sich um Vitamin D-Kapseln mit 50.000 I.E. D3, könnte ein Kleinkind bei einer Einnahme von 20 Kapseln an einer Hyperkalzämie sterben, wenn es nicht so schnell wie möglich ärztliche Hilfe erhält. Bei solchen Vorfällen würden sich Vitamin D-Gegner natürlich in ihrer Meinung bestätigt fühlen, Vitamin D sei eine gefährliche Droge. Natürlich sollten alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, einen solchen Vorfall zu verhindern. Jedoch ist Vitamin D schon seit Jahrzehnten „problemlos“ auf dem Markt. Und das Problem ist nicht das Produkt selbst, sondern allenfalls die Dosis, wie schon Paracelsus sagte.

Hat man versehentlich zwei Vitamin D-Kapseln anstelle von einer Kapsel eingenommen, so braucht man keinesfalls in Panik verfallen: Dies wird keinen Schaden verursachen. Man müsste als Erwachsener zwei der 50.000 I.E.-Kapseln pro Tag für mindestens 2 Monate einnehmen, um einen toxischen Wert zu erreichen. Die Einnahme von Vitamin D ist vergleichbar mit dem Trinken von Wasser: Trinkt man die zehnfache Menge der empfohlenen Menge von 1,5 bis 2 Liter täglich an Wasser, so kann man an einer Wasservergiftung sterben. Ebenso kann natürlich die zehnfache Menge der empfohlenen Tagesmenge an Vitamin D auf Dauer tödlich sein. Sowohl Wasser als auch Vitamin D sind lebensnotwendig, und beides kann im Übermaß schädlich sein.

Ein bisschen Statistik aus Amerika: Zwischen 2001 und 2014 haben 15.000 Amerikaner Vitamin D überdosiert. Davon starb kein einziger. Nur 5 der 15.000 Personen entwickelten Anzeichen oder Symptome einer Vergiftung. Zwei davon waren Säuglinge, denen die Vitamin D-Tropfen über die Nase statt über den Mund verabreicht wurden. Im gleichen Zeitabschnitt starben tausende Menschen an einer Überdosis Paracetamol, darunter einige Kleinkinder.

In den USA ist Paracetamol die häufigste Ursache für Anrufe in den Gift-Kontrollzentren (ca.100.000 Fälle jährlich) sowie für jährlich 56.000 Besuche von Notaufnahmen, 2.600 Krankenhausaufenthalte und 458 Todesfälle (darunter viele Kleinkinder) aufgrund von akutem Leberversagen. In den 14 Jahren zwischen 2001 und 2014 gerechnet sind dies über 5000 Todesfälle durch Paracetamol im Vergleich zu 0 Todesfällen durch Vitamin D.

Fazit:

Vitamin D ist bei Beachtung der Dosierungsempfehlungen bedenkenlos einzunehmen (*). Natürlich sollte es dennoch stets für Kinder unzugänglich aufgehoben werden. Und es gilt, wie bei allem, auch beim Vitamin D: Die Dosis macht die Medizin!

Mithilfe unseres Vitamin D-Rechners können Sie übrigens schnell und einfach die richtige Vitamin D-Dosis berechnen, mit der Sie Ihren Vitamin D-Zielwert erreichen können. Hier geht’s direkt zum Rechner.

(*) Die Studienlage stellt 10.000 I.E./Tag (bei 70 kg Körpergewicht) als unschädlich dar. Wir empfehlen bei Dosen oberhalb von 5000 I.E./Tag unbedingt Rücksprache mit einem Arzt zu halten.

Vitamin D bei Typ-2-Diabetes

Vitamin D bei Typ-2-Diabetes

Vitamin D-Ergänzung führt zur verbesserten Kontrolle der Glykämie bei Diabetikern

Die am 1. September 2017 erschienene Ausgabe des Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism veröffentlichte die Ergebnisse einer Meta-Analyse (Mirhosseini et al., 2017), die den Zusammenhang zwischen einer besseren glykämischen Kontrolle bei Diabetikern und höheren Vitamin D-Werten infolge einer Supplementierung belegt.

Die Meta-Analyse umfasste 24 kontrollierte Studien mit insgesamt 1.528 Personen mit Typ-2-Diabetes, die mindestens zwei Monate lang ein Placebo oder Vitamin D mit oder ohne Calcium erhielten. Zu Beginn und am Ende jeder Studie wurden der Serum-25-Hydroxyvitamin-D-Spiegel und mindestens ein Maß für die glykämische Kontrolle, einschließlich Hämoglobin A1c (HbA1c, ein Marker für die langfristige Glukosekontrolle), Nüchternglukose im Plasma und HOMA-IR (zur Beurteilung der Insulinresistenz), gemessen.


Studienergebnisse

Alle Studien bis auf eine Studie fanden einen signifikanten Anstieg des Serum-Vitamins D bei denjenigen, die das Vitamin erhielten. Die Supplementierung mit 4.200 internationalen Einheiten (IU) Vitamin D pro Tag war mit einer durchschnittlichen Zunahme des Serum-25-Hydroxyvitamin-D-Spiegels von 17 Nanogramm pro Milliliter (ng/mL) verbunden. Der Spiegel von Hämoglobin A1c sank um durchschnittlich 0,3% bei den Teilnehmern, die Vitamin D erhielten. Der Zusatz von Calcium zu Vitamin D war mit einem noch stärkeren Rückgang verbunden.

Unter den Teilnehmern, die Vitamin D erhielten, sank die Fasten-Plasmaglukose um durchschnittlich 4,9 Milligramm pro Deziliter (mg/dL). Die Insulinresistenz verbesserte sich auch bei Teilnehmern, die Vitamin D-supplementiert waren. Die Autoren vermuten, dass die Glukosehomöostase durch Ergänzung des Vitamins D und/oder Sonnenexposition aktiviert wird, sofern die Serum 25-Hydroxyvitamin D Konzentration von mindestens 40 ng/mL erreicht wird. (Die SonnenAllianz schlägt einen optimalen Bereich von 25-Hydroxyvitamin D von 40 – 60 ng/mL vor.)


Fazit

“Unsere Meta-Analyse ergab, dass die Supplementierung mit Vitamin D und die darauffolgende erhöhte Konzentration von 25-Hydroxyvitamin D im Serum die Glukosekontrolle und Insulinresistenz bei Typ-2-Diabetikern verbesserte”, folgern die Autoren. Insgesamt scheint die Vitamin-D-Supplementierung als adjuvante Behandlung von Störungen des Glukosestoffwechsels im Zusammenhang mit Diabetes wirksam zu sein. Die Ergebnisse der aktuellen Meta-Analyse deuten darauf hin, dass eine Mindestdosis von 4000 IE/Tag, die der tolerablen oberen Einnahmemenge von Vitamin D für Erwachsene entspricht, erforderlich ist, um eine schützende Wirkung auf die Glukosehomöostase bei Typ-2-Diabetikern zu haben.


Hier geht’s zum Abstract der Studie:

Mirhosseini, N., Vatanparast, H., Mazidi, M., & Kimball, S. M. (2017). The Effect of Improved Serum 25-Hydroxyvitamin D Status on Glycemic Control in Diabetic Patients: A Meta-Analysis. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 102(9), 3097-3110.

Sonnenlicht schützt vor Krebs

Sonnenlicht schützt vor Krebs

Wie die Sonne dafür sorgt, dass wir keinen Krebs bekommen…

Die Sonne hat bedeutenden Einfluss auf unsere Gesundheit. Bei Sonneneinstrahlung produziert unsere Haut das Hormon Vitamin D. In unserem Körper erfüllt das „Sonnenhormon“ an vielen Stellen wichtige Aufgaben: So ist Vitamin D nicht nur altbekannt bei der Knochen- und Muskelbildung beteiligt, sondern spielt eine wichtige Rolle im Herz-Kreislauf-System, Immun-  sowie  Atemsystem, und wird für verschiedene Gehirnfunktionen benötigt.

Doch Vitamin D und dessen positive Auswirkungen sind nicht alles, was unsere Sonne zu bieten hat: Das Sonnenlicht ist maßgeblich für unseren Tag-Nacht-Rhythmus verantwortlich. Aus der Chronobiologie wissen wir, wie wichtig der Schlaf für unsere Gesundheit ist.

So ist bereits längere Zeit bekannt, dass Schichtarbeiter häufiger an bösartigen Tumoren erkranken. Die Wissenschaftler Bhatti et al. (2016, 2017) suchten nach der Ursache für dieses Phänomen. In ihrer 2016 veröffentlichten Studie stellte sich heraus, dass Nachtschichtarbeiter deutlich geringere Mengen eines Stoffwechselproduktes (8-OH-dG) über ihren Urin ausscheiden, wenn sie tagsüber schlafen (23% weniger im Vergleich zu ihrem eigenen Nachtschlaf und 17% weniger im Vergleich zum Nachtschlaf von Personen, die nicht in Nachtschicht arbeiten).

8-OH-dG ist ein durch freie Radikale veränderter Baustein der DNA, der von Reparaturenzymen durch intaktes DNA-Material ersetzt wird. Wird 8-OH-dG im Urin nachgewiesen, so weist dies auf eine erfolgreiche DNA-Reparatur hin. Die geringere 8-OH-dg-Ausscheidung der Nachtschichtarbeiter deutet also darauf hin, dass der DNA-Reparaturmechanismus während des Tagschlafs eingeschränkt ist und somit zu vermehrten oxidativen DNA-Schäden führen kann.

Bhatti et al. vermuten, dass die Ursache für die verringerte DNA-Reparatur beim Melatonin liegt:

Melatonin ist ein Hormon, das den Tag-Nacht-Rhythmus steuert und außerdem antioxidativ wirkt, d.h. es deaktiviert freie Radikale. Jedoch wird die Produktion des Hormons durch Licht gehemmt (insbesondere durch den hohen Blauanteil im Sonnenlicht). Durch eine verminderte Melatoninkonzentration beim Tagschlaf können Nachtschichtarbeiter somit weniger von Melatonin als Radikalfänger profitieren.

In ihrer kürzlich publizierten zweiten Studie (2017) verglichen Bhatti et al. die nächtliche 8-OH-dG-Ausscheidung beim Nachtschlaf mit der Ausscheidung bei Nachtarbeit. Auch hier zeigte sich eine enorme Differenz: Bei der Nachtarbeit wurde nur 20% der OH-dG-Ausscheidungsmenge erreicht, die beim Nachtschlaf gemessen wurde.

Zusätzlich zu der Wirkung von Vitamin D schützt also offensichtlich das Sonnenlicht und die damit verbundene lichtabhängige Melatoninproduktion die Erbsubstanz in unseren Zellen. Unser zirkadianer Rhythmus, der eine Vielzahl biologischer Funktionen steuert, orientiert sich maßgeblich am Stand der Sonne. So sorgt der natürliche Wechsel von Licht und Dunkelheit in unserem Körper für die optimale Produktion und den Einsatz von Botenstoffen, die unseren Körper gesund halten. Verschiedene Studien an Mäusen zeigten, dass eine Störung der zirkadianen Rhythmik (so beispielsweise durch einen “unnatürlichen” Schlaf-Wach-Rhythmus) Fehlfunktionen von Genen hervorrufen kann, die wiederum Krebs verursachen können (siehe hierzu https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/69902/Warum-Nachtarbeit-das-Krebsrisiko-erhoeht).

Die Wissenschaftler Bhatti et al. streben die Durchführung weiterer Studien an, um den möglicherweise vor Krebserkrankungen schützenden Effekt einer Melatonin-Supplementierung bei Nachtschichtarbeitern zu erforschen.

Empfehlungen:

Sorgen Sie, wenn irgend möglich, für einen Tagesablauf der sich am natürlichen Wechsel von Tag- und Nachtphasen orientiert. Vermeiden Sie insbesondere in den Abendstunden Lichteinflüsse mit hohem Blauanteil. Für Smartphones, PCs und Tablets gibt es inzwischen spezielle Blaulichtfilter, die dabei helfen können. Zudem gibt es Softwarelösungen die den Blaulichtanteil von Laptops und PCs so herunterfahren, dass Nachteulen nicht um den Schlaf gebracht werden. Auch Brillen mit Blaulichtfilter sind auf dem Markt erhältlich. Und nicht vergessen: rechtzeitig in die Koje gehen!


Quellen:

Bhatti, P., Mirick, D. K., Randolph, T. W., Gong, J., Buchanan, D. T., Zhang, J. & Davis, S. (2017). Oxidative DNA damage during night shift work [Abstract]. Occupational and Environmental Medicine, 74(9), 680-683.

Bhatti, P., Mirick, D. K., Randolph, T. W., Gong, J., Buchanan, D. T., Zhang, J. & Davis, S. (2016). Oxidative DNA damage during sleep periods among nightshift workers [ABSTRACT]. Occupational and Environmental Medicine, 73(8), 537-544.

Fotos: www.pixabay.de

Wir brauchen IHRE Stimme!

Als Träger der Initiative SonnenAllianz nimmt die Deutsche Stiftung für Gesundheitsinformation und Prävention (dsgip.de) aktuell an der Aktion “Du und dein Verein” der ING-DiBa teil.

Dabei hat die Stiftung die Chance, 1000 € für wichtige gemeinnützige Projekte zu erhalten. Diese Summe würde sehr helfen diese Projekte erhalten und ausbauen zu können.

Alles, was die Stiftung dazu braucht, ist Ihre Stimme!

Das Voting läuft noch bis Dienstag, 07.11.2017, um 12 Uhr.

Hier Sie können Sie für die DSGIP Ihre Stimme abgeben:

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Vitamin D beugt Atemwegsinfektionen vor

Vitamin D beugt Atemwegsinfektionen vor

Vitamin D beugt Atemwegsinfektionen vor

Eine der am häufigsten vorkommenden Erkrankungen, die zu einem Besuch beim Hausarzt führen, ist die akute Atemwegsinfektion. Unter diesen Sammelbegriff fallen verschiedene Krankheitsbilder: von der einfachen Erkältung, über die akute Bronchitis, bis hin zur Mittelohrentzündung, Nasennebenhöhlenentzündung oder Mandelentzündung.

In den vergangenen Jahren wurden viele Studien über die möglicherweise vorbeugende Wirkung von Vitamin D auf Atemwegsinfektionen durchgeführt. Allerdings waren die Studienergebnisse widersprüchlich: Während einige Studien eine präventive Wirkung bestätigten, fiel das Ergebnis in anderen Studien negativ aus.

Das wissenschaftliche Team um Prof. Adrian Martineau hat nun eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse veröffentlicht, um die bisher publizierten Studienergebnisse zu diesem Thema zusammenzufassen und Faktoren ausfindig zu machen, die eine präventive Wirkung hemmen bzw. fördern.


Was ist eine systematische Übersichtsarbeit?

Eine systematische Übersichtsarbeit fasst die Ergebnisse jeglicher verfügbarer Studien zu einem Forschungsthema zusammen. Dabei werden Ein- und Ausschlusskriterien für die Studien festgelegt, um die Vergleichbarkeit der Studien zu gewährleisten.

Was ist eine Metaanalyse?

Die Metaanalyse ist der (optionale) statistische Bestandteil einer systematischen Übersichtsarbeit. Hierbei werden die Studienergebnisse der verschiedenen Studien statistisch zusammengefasst und bewertet.


In die Auswertung wurden alle verfügbaren Studien eingeschlossen, bei denen Studienteilnehmer einen Supplementierung mit Vitamin D3 oder Vitamin D2 über verschiedene Zeiträume erhielten. Weitere Einschlusskriterien waren, dass die Studien randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert durchgeführt wurden. Aufgrund der Kriterien wurden 25 Studien ausfindig gemacht, die insgesamt 11.321 Studienteilnehmer zwischen 0 und 95 Jahren umfassten.

Studienergebnisse

Die Gesamtauswertung der 25 Studien zeigte, dass eine Vitamin D-Supplementierung das Risiko für akute Atemwegsinfektionen um 12% senkt (mit statistischer Signifikanz).

Weiterhin konnten die Wissenschaftler aus den Daten folgende Erkenntnisse ableiten:

  • Eine tägliche oder wöchentliche Vitamin D-Supplementierung ohne zusätzliche Bolusdosis (d.h. einmalige, sehr hohe Dosis) war ein statistisch signifikanter Schutzfaktor für akute Atemwegsinfektionen. Die Gabe einer oder mehrerer Bolus-Dosen hingegen war kein Schutzfaktor.

Oder einfacher ausgedrückt: Man sollte Vitamin D möglichst täglich (zumindest in der Herbst und Winterzeit) einnehmen.

  • Unter den Studienteilnehmern, die eine tägliche oder wöchentliche Vitamin D-Dosis einnahmen, waren die Schutzeffekte am stärker bei denjenigen erkennbar, die zu Studienbeginn einen Vitamin-D-Status unter 25 nmol/l aufwiesen.

Fazit

Die Einnahme von Vitamin D ist eine wirksame und einfache Methode um das Risiko auf akute Atemwegsinfektionen zu senken, insbesondere bei täglicher oder wöchentlicher Einnahme des Vitamins. Die Wirkung macht sich vor allem bei Personen bemerkbar, die einen Vitamin D-Mangel aufweisen.

Sollten Sie Ihren Vitamin D Spiegel nicht kennen, lassen Sie jetzt messen!

Dass einmalige, sehr hohe Dosen Vitamin D in der Studie keine schützende Wirkung zeigen, erklären die Wissenschaftler durch die stärkeren Konzentrationsschwankungen des Vitamin D im Körper, die bei Bolus-Dosen auftreten. Bei täglicher bzw. wöchentlicher Supplementierung in geringerer Einzeldosis kann eine relativ konstante Konzentration erreicht werden. Hierdurch wird laut Martineau et al. die Aktivität der Enzyme verbessert, die für die Synthese und den Abbau des aktiven Vitamin D-Metaboliten 1,25-Dihydroxyvitamin D verantwortlich sind.


Hier können Sie die originale Studie sogar im Volltext nachlesen:

Martineau, A. R., Jolliffe, D. A., Hooper, R. L., Greenberg, L., Aloia, J. F., Bergman, P., . . . Camargo, C. A. (2017). Vitamin D supplementation to prevent acute respiratory tract infections: systematic review and meta-analysis of individual participant data. British Medical Journal, 356(I6583).

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Wie sieht ein gesunder Umgang mit der Sonne aus?

Wie sieht ein gesunder Umgang mit der Sonne aus?

Sicheres Sonnen statt Sonnen Abstinenz

Lange Zeit warnten uns Ärzte und Gesundheitsexperten mittels wohlgemeinter Aufklärungskampagnen über die gesundheitlichen Schäden des Sonnenlichts und propagierten die ständige Nutzung von Sonnenschutzmaßnahmen oder besser noch vollständige Sonnen Abstinenz. Heute wissen wir, dass die Panikmache vor dem Sonnenlicht nicht vollständig unbegründet, aber zumindest unverhältnismäßig war.

Langjähriges, exzessives Sonnenbaden kann das Risiko auf verschiedene Arten von Hautkrebs erhöhen. Jedoch gibt es reichlich wissenschaftliche Belege, dass die gesundheitlichen Vorteile des Sonnenlichts überwiegen, wenn es sich um ein vernünftiges Maß an Besonnung ohne das Auftreten von Sonnenbrand handelt.

Natürliches Sonnenlicht – die beste Vitamin D-Quelle

Vitamin D durch natürliches Sonnenlicht

Solange man sich vor dem „zuviel“ an Sonne schützt, ist das natürliche Sonnenlicht die beste Art und Weise, das Sonnenhormon Vitamin D zu produzieren. Der Körper stellt mit Hilfe des UV-B-Anteils im Strahlungsspektrum des Sonnenlichtes  eine Vorform des Vitamin D her, nämlich Calciferol (Vitamin D3). Calciferol ist exakt die Form des Vitamin D, die unser Körper für seine Vorratshaltung einsetzt. Der Körper produziert so viel Calciferol, wie er braucht, und stellt die Produktion dann ein. Es besteht also kein Risiko der Überdosierung bzw. Produktion toxischer Dosen des Vitamins durch die Sonne. Theoretisch besteht dieses Risiko jedoch bei oraler Einnahme zu hoher Dosen von Vitamin D als Supplement. Allerdings liegen die dazu erforderlichen Mengen um den Faktor zehn höher als die für eine normalgewichtige Person empfohlenen tägliche Dosis (kritisch wird es erst ab 40.000 I.E. anstelle von empfohlenen 4000 I.E.). Entgegen den weit verbreiteten Warnungen vor der Toxizität von Vitamin D findet sich in Wirklichkeit eine außerordentliche therapeutische Breite, die viele Medikamente vermissen lassen.

UV-Strahlen

Die Strahlen der Sonne bestehen aus Lichtwellen verschiedener Frequenz. Um Sonnenschutzmaßnahmen sinnvoll einzusetzen – d.h. um sich vor den Risikofaktoren zu schützen und trotzdem genügend Vitamin D aufzunehmen – ist es wichtig, die Funktionen und Risikofaktoren der verschiedenen UV-Strahlen zu verstehen.

Hier sehen Sie die Eigenschaften der UV-A und UV-B Strahlen im Überblick:

 

UV-A-Strahlen

UV-B-Strahlen

Vitamin D Bildung …regen keine Vitamin D-Bildung an …veranlassen die Vitamin D-Bildung in der Haut, die wiederum zahlreiche Gesundheitswirkungen hat; die Vitamin D-Synthese ist in Deutschland nur um die Mittagszeit von etwa 10 – 15 Uhr zwischen April und Oktober möglich (erfahren Sie hier mehr zu den Faktoren, die die UV-B-Strahlung bzw. die Vitamin D-Synthese beeinflussen).
Bräunung …dunkeln das in den Melanozyten durch die UV-B-Strahlen gebildete Melanin und sind so für die Sofortbräunung der Haut zuständig. …veranlassen die Melanin-Bildung in der Haut (dunkler Hautfarbstoff, verantwortlich für die Bräunung) und sorgen für eine dauerhafte Hautbräunung.
Barrieren …sind zu jeder Tages- und Jahreszeit präsent und erreichen auch im Schatten, bei wolkigem Himmel und durch Glas hindurch die Haut. Schutz kann durch Kleidung oder Verwendung von Sonnencreme geboten werden. …erreichen bei wolkigem Himmel, im Schatten, hinter Glas und bei schützender Kleidung oder Sonnencreme nicht die Haut; es kann dann also kein Vitamin D gebildet werden.
Sonnenbrand …verursachen bei Überdosierung Sonnenbrand: Die UV-A-Strahlen dringen tiefer in die Haut ein als die UV-B-Strahlen. Das UV-A-Spektrum des Sonnenlichts wird bei übermäßiger Bestrahlung für die vorzeitige Hautalterung und – etwa durch die Bildung der freien Radikale in den tieferen Hautschichten – auch für den Hautkrebs verantwortlich gemacht. …verursachen bei Überdosierung Sonnenbrand: Eine zu lange, ungeschützte Bestrahlung durch UV-B kann Sonnenbrand verursachen. Um Vitamin D zu bilden, reicht es jedoch aus, täglich ca. 10-20 Minuten (helle Hauttypen benötigen die kürzere Zeit) in der Sonne zu verbringen (mindestens mit unbedeckten Armen und Beinen); längeres Sonnen bringt nichts für die Vitamin D-Produktion.

Um Vitamin D zu produzieren, sollte man sich in Deutschland also zwischen 10 und 15 Uhr (von Ostern bis Oktober) circa 10-20 Minuten (je nach Hauttyp) zumindest mit ungeschützten Armen und Beinen bei wolkenfreiem Himmel in die Sonne begeben (je größer die exponierte Hautfläche ist, umso mehr Vitamin D wird produziert).

Wer sich längere Zeit in der Sonne aufhält sollte sich durch Sonnenschutzmaßnahmen vor Sonnenbrand schützen.

Schutzmaßnahmen

Wolken und Schatten als Sonnen Blockade?

Viel verbreitet ist die Annahme, dass man bei wolkigem Himmel oder im Schatten keinen Sonnenbrand bekommen kann und somit auf Sonnenschutzmittel verzichten könne. UV-A-Strahlen gelangen jedoch durchaus auch durch Wolken und treffen auch im Schatten auf unsere Haut. Dabei können sie Sonnenbrand, vorzeitige Hautalterung und Hautkrebs auslösen.

Kleidung schützt

Um Sonnenbrand zu vermeiden, bietet uns vor allem unsere Kleidung Schutz. Ein besonders wichtiges Kleidungsstück ist die Kopfbedeckung. Ein Sommerhut oder eine Kappe schützen nicht nur unsere Augen und  die empfindliche, dünne Haut, die unsere Augen umgibt, sondern auch die sogenannten Sonnen-Etagen des Kopfes (Stirn, Ohren, Jochbögen, Nase und Lippen), die die bevorzugten Orte der Entstehung des weißen Hautkrebses sind.

Um die Augen selbst zu schützen, empfiehlt sich bei grellem Licht das Tragen einer Sonnenbrille mit UV-Filter. Letzterer ist wichtiger als die Dunkelfärbung der Gläser. Wer allerdings den ganzen Tag mit einer dunklen Brille auf der Nase das Sonnenlicht von seinen Augen aussperrt, muss sich nicht wundern, wenn er nachts nicht schlafen kann: helles Licht am Tag ist dafür verantwortlich, dass im Gehirn das Schlafhormon Melatonin gebildet wird.

Natürliche, nicht chemische Sonnencreme

Vorsicht bei der Wahl der Sonnencreme!

Falls ein Schutz durch Kleidung nicht ausreichend möglich ist, nutzen Sie Sonnencreme, wenn Sie der Sonne längere Zeit ausgesetzt sind.

Beim Kauf von Sonnencremes ist es wichtig auf die Inhaltsstoffe zu achten. Die meisten handelsüblichen Sonnencremes beinhalten schädliche Chemikalien: Eine in 90% der Sonnencremes eingesetzte Chemikalie, die UV-B-Strahlen absondert, ist Octinoxat. Octinoxat tötet Studien zufolge schon in geringen Dosen Zellen von Mäusen ab und hat unter Sonneneinstrahlung eine besonders toxische Wirkung.

Auch der häufig eingesetzte UV-A-Filter Avobenzon hat toxische Eigenschaften.

Weiterhin zeigten verschiedene Studien, dass die häufig verwendeten Chemikalien von der Haut absorbiert werden und in unseren Blutkreislauf übergehen. Dies trifft auch für chemische Verbindungen zu, die erst durch den Einfluss der energiereichen Sonnenstrahlen aus den zum Sonnenschutz verwendeten Chemikalien entstehen und deren Zusammensetzung niemand kennt.

Bei den folgenden chemischen Inhaltsstoffen sind gesundheitliche Schäden nicht auszuschließen:

  • Octinoxat (Octylmethoxycinnamat)
  • Avobenzon (Butylmethoxydibenzoylmethan)
  • Paraaminobenzoesäure
  • Octylsalicylat
  • Oxybenzon (Benzophenone-3)
  • Cinoxat
  • Padimate-O
  • Ensulizol (Phenylbenzimidazolsulfonsäure)
  • Homosalate
  • Sulisobenzon (Benzophenon-4)
  • Menthylanthranilat
  • Trolamine Salicylat
  • Octocrilen

Weiterhin sollte bei der Auswahl der Sonnencreme darauf geachtet werden, dass der Schutz vor sowohl UV-A-Strahlung als auch UV-B-Strahlung gewährleistet wird. Einige Sonnencremes schützen nämlich lediglich vor UV-B-Strahlen.

Aufmerksam sein

Trotz aller Sonnenschutzmaßnahmen erreicht immer eine gewisse Dosis UV-Strahlen die Haut. Wer sich längere Zeit in der Sonne aufhält, sollte stets aufmerksam seine Haut beobachten und aus der Sonne gehen, bevor die Haut sich rötet.

Vitamin D bei Darmkrebs

Vitamin D bei Darmkrebs

Neue Studie: Hochdosiertes Vitamin D verlängert progressionsfreie Zeit bei metastasiertem Darmkrebs

Vor wenigen Wochen veröffentlichte das Forschungsteam um die Onkologin Dr. Kimmie Ng die neuesten Studienergebnisse zum Thema Vitamin D bei Darmkrebs. Aus der Studie der Bostoner Wissenschaftler ging hervor, dass die Zufuhr von Vitamin D günstige Auswirkungen auf das Überleben von Patienten mit Darmkrebs hat.


Aufbau der Studie

An der Studie nahmen zwischen 2012 und 2016 insgesamt 139 Personen (Durchschnittsalter 54 Jahre) mit diagnostiziertem Darmkrebs mit Metastasen teil, bei denen noch keine Behandlung begonnen hatte.

Die Probanden wurden per Zufallsprinzip in zwei Vitamin D-Gruppen aufgeteilt. Die Hochdosis-Gruppe (69 Personen) erhielt über eine Dauer von 2 Wochen eine tägliche Initialdosis von 8000 I.E. (Internationale Einheiten) Vitamin D und anschließend eine tägliche Erhaltungsdosis von 4000 I.E. Die Niedrigdosis-Gruppe (70 Personen) nahm über den gesamten Versuchszeitraum täglich 400 I.E. ein. Die Studie wurde doppelblind ausgeführt: Weder die Studienteilnehmer noch die Wissenschaftler, die die Vitamin D-Präparate verabreichten, wussten während der Versuchsphase, welche Person welcher Versuchsgruppe angehört.

Zudem wurden alle Studienteilnehmer mit einer Chemotherapie entsprechend des mFOLFOX6-Schemas behandelt (d.h. Folinsäure (Leucovorin), Fluorouracil und Oxaliplatin plus Bevacizumab). Dabei erhielten beide Gruppen eine ähnliche Anzahl an Therapiezyklen und nahmen ähnlich häufig Kontrolluntersuchungen wahr.


Studienergebnisse

Während bei der Niedrigdosis-Gruppe das durchschnittliche progressionsfreie Überleben (d.h. ohne Fortschreiten der Erkrankung) 11,1 Monate betrug, waren es bei der Hochdosis-Gruppe 13,2 Monate – eine statistisch signifikante Steigerung um 2 Monate.

Weiterhin kam es bei der Hochdosis-Gruppe zu signifikant weniger schweren Durchfällen (Grad 3 und 4) als bei der Niedrigdosis-Gruppe (1% vs. 12%). Zu Beginn der Studie war dies noch umgekehrt: eingangs befanden sich 60% der Niedrigdosis-Gruppe in bestmöglichem gesundheitlichen Zustand, während es in der Hochdosis-Gruppe nur 42% waren.

Aus der Hochdosis-Gruppe konnten sich nach der Chemotherapie mehr Patienten operieren lassen als aus der Niedrigdosis-Gruppe (11 vs. 6). Jedoch war dieser Unterschied statistisch nicht signifikant.


Fazit

In der Studie von Ng et al. (2017) verlangsamte eine „hohe“ Vitamin D-Supplementierung das Fortschreiten von metastasiertem Darmkrebs signifikant. Zudem ging es den Studienteilnehmern mit hoher Vitamin D-Dosis körperlich besser als den Probanden mit niedriger Dosis. Die Zufuhr von Vitamin D kann also nicht nur das Fortschreiten der Krebserkrankung verzögern, sondern auch die Lebensqualität von Darmkrebspatienten erhöhen. Aufgrund der beachtenswerten Ergebnisse streben die Wissenschaftler an, die Auswirkungen von Vitamin D an einer weitaus höheren Anzahl an Darmkrebspatienten zu erforschen, um die Ergebnisse zu bekräftigen.

Da der Vitamin D-Spiegel zu Studienbeginn nicht ermittelt wurde, bleibt unbekannt, ob die Probanden einen Vitamin D-Mangel aufwiesen. Somit bleibt ungewiss, ob eine Vitamin D-Supplementierung sowohl zu positiven Auswirkungen bei Darmkrebspatienten mit ausreichendem Vitamin D-Status als auch bei solchen mit Vitamin D-Mangel führen kann. Auch dies kann in weiteren Studien ermittelt werden.

Des weiteren ist zu erwähnen, dass es sich bei der “Hochdosistherapie“, die bei der Gruppe mit höherer Dosierung eingesetzt wurde, mittlerweile um Standarddosen bei der Vitamin D-Supplementierung handelt. Zur Zeit der Studienplanung (vor 2012) bezeichnete man Dosen in der Größenordnung von 8.000 I.E./Tag, zur kurzzeitigen Auffüllung des Vitamin D-Spiegels und 4.000 I.E./Tag als Erhaltungsdosis, schon als Hochdosis.


Hier geht’s zum Abstract der Studie:

Ng, K., Nimeiri, H. S., Cleary, N. J., Abrams, T. A., Yurgelun, M. B., Cleary, J. M., . . . Fuchs, C. S. (2017). SUNSHINE: Randomized double-blind phase II trial of vitamin D supplementation in patients with previously untreated metastatic colorectal cancer. Journal of Clinical Oncology, 35(15), 3506-3506.

Foto: www.pixabay.de

Laktoseintoleranz & Vitamin D

Laktoseintoleranz & Vitamin D

Laktoseintoleranz geht häufig mit Vitamin D-Mangel einher

Die kanadischen Wissenschaftler Ohood Alharbi und Ahmed El-Sohemy (2017) stellten in ihrer jüngsten Studie fest, dass Personen mit Laktoseunverträglichkeit bzw. Laktoseintoleranz mit höherer Wahrscheinlichkeit auch einen Vitamin D-Mangel aufweisen.


Was ist Laktoseintoleranz?

Bei laktoseintoleranten Menschen führt der Verzehr von Nahrungsmitteln, die Milchzucker enthalten (vor allem Milch, Butter und Käse), zu Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Durchfall, Völlegefühl, Übelkeit oder Blähungen. Bei Laktoseintoleranz besteht ein Mangel bzw. eine verminderte Aktivität des Enzyms Laktase, das im Darm für die Aufspaltung der Laktose in Glukose und Galaktose zuständig ist, was für die weitere Verstoffwechslung des Nährstoffs nötig ist. Je nach Ausprägung der Laktoseintoleranz können Betroffene nur Nahrungsmittel mit geringem Laktosegehalt bzw. gänzlich laktosefreie Nahrungsmittel zu sich nehmen.


Studienergebnisse

In ihrer Studie analysierten Alharbi und El-Sohemy die Daten von 1.495 Männer und Frauen aus Kanada, die an der Toronto Nutrigenomics and Health Study teilnahmen. Studienteilnehmer mit Laktoseunverträglichkeit bzw. Laktoseintoleranz wiesen geringere Vitamin D-Level auf im Vergleich zu Personen, die Laktose problemlos verstoffwechseln können. Die Wahrscheinlichkeit, einen Vitamin D-Mangel zu haben, war bei den laktoseintoleranten Probanden doppelt so hoch wie bei Probanden ohne Intoleranz.

Die Wissenschaftler erklärten dies mit der Tatsache, dass die laktoseintoleranten Studienteilnehmer weniger Milchprodukte konsumieren, die in Kanada häufig mit Vitamin D angereichert sind. Zudem wurde im Rahmen der Studie festgestellt, dass Personen mit Laktoseunverträglichkeit oder –intoleranz körperlich kleiner waren im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Alharbi und El-Sohemy sprachen in ihrer Studie die Vermutung aus, dass der verminderte Konsum von Vitamin D-angereicherten Milchprodukten das Knochenwachstum beeinträchtigt.


Fazit

Da es in Deutschland so gut wie keine Vitamin D angereicherten Produkte gibt, weicht der Vitamin D-Mangel von Menschen mit Laktoseintoleranz hierzulande vermutlich weniger stark von Personen ohne Intoleranz ab, da letztere in Deutschland keinen Vorteil durch Vitamin D angereicherte Nahrung genießen.

Personen mit Laktoseintoleranz sollten besonders auf ihren Vitamin D-Spiegel achten, da ein Vitamin D-Mangel die Störung der Darmfunktion noch verschärfen kann: Vitamin D fördert nämlich die Verbindung zwischen den Zellen und ist dadurch auch für die Dichtigkeit des Darms verantwortlich. Bei einem Vitamin D Mangel droht ein sogenanntes „leaky gut“, d.h. eine Schädigung der Darmschleimhaut. Hierdurch können unverdaute Nahrungsbestandteile, Toxine und Stoffwechselprodukte in den Blutkreislauf gelangen und Entzündungen und damit einhergehende Erkrankungen wie Allergien, Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes etc. auslösen.

In Ländern, bei denen Milchprodukte mit Vitamin D angereichert sind, sollten Menschen mit Laktoseintoleranz ersatzweise andere angereicherte Lebensmittel (beispielsweise angereicherter Orangensaft) oder mit Vitamin D angereicherte, laktosefreie Milchprodukte konsumieren.  In Deutschland ist ein Vitamin D Mangel durch einen angepassten Lebensstil (Aufenthalt in der Sonne, Nutzung von Solarien mit UV-B-Strahlung, Vitamin D-reiche Ernährung) und/oder Supplementierung mittels Nahrungsergänzungsmittel möglich (mehr dazu hier: Wie erhalte ich Vitamin D?). Die Erfahrung zeigt, dass eine konsequente Supplementierung der effektivste Weg ist, dauerhaft und ganzjährig über einen regelrechten Vitamin D-Spiegel zu verfügen.   


Hier können Sie die originale Studie im Volltext nachlesen:

Alharbi, O., & El-Sohemy, A. (2017). Lactose Intolerance ( LCT -13910C>T) Genotype Is Associated with Plasma 25-Hydroxyvitamin D Concentrations in Caucasians: A Mendelian Randomization Study. The Journal of Nutrition, 147(6), 1063-1069.

 

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Vitamin D-Mangel kann Autismus verursachen – Studie beweist Zusammenhänge

Vitamin D-Mangel kann Autismus verursachen – Studie beweist Zusammenhänge

Hintergrund

Unter Autismus (Engl. Autism spectrum disorder (ASD)) werden definitionsgemäß sich entwickelnde Dysfunktionen zusammengefasst, die durch persistierende Defizite im Bereich sozialer Interaktion, Beeinträchtigungen in der verbalen und nonverbalen Kommunikation sowie in stereotypen Verhaltensmustern in Bezug auf Interessen und Aktivitäten gekennzeichnet sind.

Zunehmend finden sich Beweise dafür, dass ein sehr früher Vitamin-D-Mangel, entweder bereits in der Schwangerschaft oder aber in der frühen Kindheit, Autismus verursachen kann. Vitamin D spielt als Metabolit (biochemisches Zwischenprodukt) beim (Neuro-)Steroidstoffwechsel eine entscheidende Rolle und hat als solches eine außerordentlich wichtige Bedeutung für die Gehirnentwicklung, die Zellerneuerung, die Differenzierung und die Calcium-Signalgebung sowie für neurotrophische und neuroprotektive Vorgänge. Es ist an der Regulierung von etwa 3% aller 26.000 Gene im menschlichen Genom beteiligt, um nur einen Teil der Aufgaben dieses lange unterschätzten Vitamins zu nennen.


Studienlage

Der amerikanische Arzt Dr. JJ Cannell publizierte in einer aktuellen Übersichtsarbeit, dass Kinder, die bereits autistisch sind oder als dafür gefährdet eingestuft werden, einen eklatant niedrigeren Vitamin-D-Spiegel haben im Vergleich zu unauffälligen anderen Kindern, und zwar schon während der Schwangerschaft, bei der Geburt und/oder im Alter von acht Jahren (Cannell 2017).

In einer randomisierten Kontrollstudie (RCT) erhielten Kinder mit ASD Vitamin D als Supplementation (Saad et al. 2016). RCTs gelten als verlässliche Grundlage zum empirischen Beweis für die Wirksamkeit von medizinischen Therapien. Untersucht wurden 85 Jungen und 24 Mädchen mit ASD im Alter von 3-10 Jahren. Ziel der Studie war herauszufinden, welche Wirkung die Vitamin-D-Gabe in Bezug auf die Kernsymptome von Autismus bei Kindern hat. Die Probanden erhielten über den Zeitraum von vier Monaten Vitamin D3 (300 IE/kg/Tag, max. 5000 IE/Tag) oder ein Placebo. Der Vitamin-D-Spiegel wurde jeweils vor Beginn und bei Ende der Studie gemessen. Grundlage zur Einschätzung der autistischen Kernsymptome war  u. a. die „Childhood Autism Rating Scale“ (CARS).

Die Autismussymptome besserten sich unter der Vitamin D-Gabe innerhalb der Studiendauer signifikant, jedoch nicht in der Placebo Gruppe. Bei etwa der Hälfte der Kinder verschwanden die Symptome ganz (CARS unter 30). Bei 25% der Kinder stellte sich eine deutliche Besserung ein und lediglich bei 25% zeigte sich keine nennenswerte Wirkung.

Um Vitamin-D-Mangel und damit Autismus bei Kindern präventiv und kurativ zu begegnen, ergeben die Studien also eine sinnvolle Supplementierung von 300 IE/kg Körpergewicht/Tag. Mehrere andere Publikationen zeigen, dass bei schwangeren und stillenden Frauen 4000 bzw. 6000 IE Vitamin D/Tag nicht nur sicher sind, um Mutter und Kind ausreichend mit Vitamin D zu versorgen, sondern weitere positive Auswirkungen auf den Schwangerschaftsverlauf und die spätere Gesundheit der Kinder haben (Hollis und Wagner 2013).


Fazit

Diese Studien zeigen erneut, dass eine ausreichend dosierte Vitamin-D-Supplementierung präventiv und kurativ bei allen, insbesondere aber bei neurodegenerativen Erkrankungen, unbedingt in Betracht gezogen werden sollte.


Quellen:

Cannell, John Jacob (2017): Vitamin D and autism, what’s new? In: Reviews in endocrine & metabolic disorders. DOI: 10.1007/s11154-017-9409-0.

Hollis, Bruce W.; Wagner, Carol L. (2013): Vitamin D and pregnancy: skeletal effects, nonskeletal effects, and birth outcomes. In: Calcified tissue international 92 (2), S. 128–139. DOI: 10.1007/s00223-012-9607-4.

Saad, Khaled; Abdel-Rahman, Ahmed A.; Elserogy, Yasser M.; Al-Atram, Abdulrahman A.; El-Houfey, Amira A.; Othman, Hisham A. K. et al. (2016): Randomized controlled trial of vitamin D supplementation in children with autism spectrum disorder. In: Journal of child psychology and psychiatry, and allied disciplines. DOI: 10.1111/jcpp.12652.

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