Krebs

Sonne hilft doch!
Sonne hilft doch!

Der Aufenthalt an der Sonne und ein ausreichender Vitamin D-Spiegel senken das Risiko, an chronischen Krankheiten wie Krebs oder Herzleiden zu erkranken.

Nach zwei Übersichtsstudien, die eine nennenswerte Wirkung des Sonnenschein-Vitamins bei diesen und anderen “Volkskrankheiten” bestritten, erscheinen jetzt zwei große Meta-Studien, die das Gegenteil belegen, nämlich die vorbeugende Wirksamkeit einer ausreichenden Vitamin D-Versorgung bei diesen Krankheiten.


Was ist eine Meta-Studie? Als Meta-Studie bezeichnet man eine zusammenfassende Analyse aller Daten aus bisher erschienenen Studien zu einem Thema.


Von der Entdeckung zum Hype, vom Hype zum Gegen-Hype und schließlich …

Über Jahrzehnte war die (Wieder-)Entdeckung des Vitamin D3 und seiner erstaunlich vielfältigen Wirkungen im menschlichen Körper kaum beachtet worden. Dann kam der Hype und in den Medien wurde das Sonnenschein-Vitamin zur Wunderdroge hochstilisiert – trotz der Warnungen von Experten, wie Prof. Michael F. Holick oder Prof. Jörg Spitz, dass es sich bei diesem Vitamin, das eigentlich ein Hormon ist, nicht um die “magic bullet” (Spitz), ein Allheilmittel, handele.

Wie nicht anders zu erwarten – und da unterscheidet sich der Wissenschaftsbetrieb nicht vom “normalen” Leben – provozierten die Übertreibungen der Presse und einiger “Vitamin D-Gurus” eine Art “Backlash“, den Versuch, einen Gegenbeweis anzutreten mit dem Argument: Ein Vitamin D-Mangel wirkt sich nicht negativ auf diese “Volkskrankheiten” aus, sondern umgekehrt: Die Krankheiten verursachen den Vitamin D-Mangel.

Vor allem Wissenschaftler, wie der belgische Epidemiologe Prof. Philippe Autier, die sich einen Namen als unermüdliche Mahner vor den Gefahren der natürlichen und der künstlichen Sonne gemacht hatten, bemühten sich jetzt, in breit angelegten und medienwirksamen Übersichtsstudien, den Nachweis für die Unwirksamkeit des Sonnenschein-Vitamins zu erbringen (s. unten).

Gegen beide Extreme gab es immer schon gute Argumente und handfeste wissenschaftliche Belege.

… zurück zur Vernunft – und zur vorbeugenden und heilenden Wirkung der Sonne

Zwei umfassende Meta-Studien, die über 270 Studien mit Daten von mehr als einer Mio. Menschen analysieren kommen jetzt zu einem eindeutigen Ergebnis:
Vitamin D hilft dem Körper Kalzium aufzunehmen und ist ein wichtiger Teil des Immunsystems. Die Rezeptoren für dieses Hormon und andere ähnliche Enzyme finden sich in allen Zellen und Geweben des Körpers. Das legt die Vermutung nahe, dass Vitamin D für eine ganze Reihe physiologischer Funktionen unverzichtbar sei. Es hat sowohl Effekte auf der genetischen Ebene als auch auf die kardiovaskuläre Gesundheit und den Knochenzustand“, fasst einer der Autoren, Oscar H. Franco, Professor für Präventivmedizin am Erasmus University Medical Center in Rotterdam die Ergebnisse zusammen.

Die Meta-Studie habe “überzeugende Beweise” geliefert, dass Vitamin D tatsächlich als Schutz vor chronischen Krankheiten wirken kann. Zum Beispiel hatten Teilnehmer mit niedrigeren Vitamin-D-Werten im Durchschnitt ein um 35 Prozent höheres Risiko, an den Folgen einer Herzerkrankung zu sterben. Auch das Risiko. durch Krebs zu sterben, lag um 14 Prozent höher.

Im übrigen raten die Forscher, den Vitamin D-Bedarf eher durch Aufenthalt an der Sonne als durch das Schlucken von Vitamin D-Pillen zu decken.

Quelle: pte

StudieRajiv Chowdhury et al., Vitamin D and risk of cause specific death: systematic review and meta-analysis of observational cohort and randomised intervention studies, BMJ, 1. April 2014; 348:g1903


Vitamin D schützt vor Brustkrebs

Dutzende Studien der vergangenen Jahre gaben bereits Hinweise auf eine schützende Wirkung von Vitamin D vor Brustkrebs. Frauen, die über längere Zeit nicht ausreichend mit dem Sonnen-Hormon, der aktiven Form des Vitamin D3, versorgt sind, erkranken nach erfolgreicher Behandlung häufiger an wiederkehrendem Brustkrebs und sterben auch häufiger daran als Frauen mit einem ausreichenden Vitamin D-Spiegel im Blut.

Jetzt haben die kanadischen Autoren der ersten erschienen Arbeit zu diesem Thema  (2009) die wichtigsten acht Studien mit insgesamt weit über 5.000 Teilnehmerinnen analysiert und fanden ihr Ergebnis bestätigt:

  • Frauen, die nach der Brustkrebs-Diagnose und -Behandlung einen Vitamin D-Mangel aufwiesen, hatten ein mehr als doppelt so hohes Risiko für eine Wiederkehr der Krankheit.
  • Die Sterberate lag bei den Frauen mit einem Vitamin D-Mangel um 76 Prozent höher als bei den ausreichend versorgten.

Wir haben eine eindeutige Verbindung gefunden zwischen einem Vitamin D-Mangel zum Zeitpunkt der Brustkrebs-Diagnose und der Rückkehr der Krankheit ebenso wie mit der Häufigkeit der Todesfälle“, so die Leiterin des Wissenschaftler-Teams von der McGill University, Prof. April Rose.

Ob es sich hier nur um einen Zusammenhang oder tatsächlich um Ursache und Wirkung handele, so schränken die Autoren selbst ein, müsse noch in weiteren Studien geklärt werden.

Quelle: Vitamin D-Council

Studie: A. A. N. Rose et al. Blood levels of vitamin D and early stage breast cancer prognosis; a systematic review and meta-analysis, Breast Cancer Res Treat., Oktober 2013, 141(3):331-9
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