Knochen

Brüchige Knochen
Brüchige Knochen

Schon im 19. Jahrhundert entdeckten Forscher den Grund für die weit verbreitete „Knochenweiche“, Rachitis, bei den Kindern in den düsteren Arbeitersiedlungen der Großstädte: Ein Mangel an Sonnenstrahlen.

Aber erst seit einigen Jahren wurde der Zusammenhang vom „Sonnenschein-Vitamin D“ mit der Knochenbildung im einzelnen erforscht. Eine Studie von Wissenschaftlern am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und der Universität von Kalifornien konnte jetzt nachweisen, dass ein Mangel an Vitamin D nicht nur den Aufbau und den Erhalt der Knochen bremst, sondern die Knochen auch vorzeitig altern lässt. Die Gefahr von Knochenbrüchen wächst.

Ursache für den Alterungsprozess sei eine Mineralisationsstörung, so der Studienleiter Dr. Björn Busse. Ohne ausreichendes Vitamin D gelingt die Einlagerung von Kalzium, dem „Knochenbau-Material“ bei der ständigen Erneuerung und beim Umbau der Knochen nicht.

Wird das neu angelegte Gewebe nicht mineralisiert, belegt das unmineralisierte Gewebe einen großen Teil der Knochenoberfläche und verhindert so die Einlagerung der Knochenzellen.

Busse: „Die Kombination aus altem, mineralisiertem Knochen, der nicht adäquat erneuert werden kann, und Knochen, der durch den Vitamin-D-Mangel nicht mineralisiert, kann dazu führen, dass Menschen sich die Knochen brechen“. Bei Vitamin D-Mangel steigt das Risiko von Knochenbrüchen nach dieser Studie um fast eine Drittel.

Das Fazit der Forscher: Eine ausreichende und ausgewogene Vitamin D-Versorgung ist absolut unerlässlich für den Erhalt einer tragfähigen Knochenstruktur.

Da das „Sonnenschein-Vitamin D“ zu mehr als 90 Prozent von der Sonneneinstrahlung auf der Haut abhängig ist, leiden fast zwei Drittel aller Deutschen an einem mehr oder weniger gravierenden Vitamin D-Mangel. „Erst ab dem 37. Breitengrad, zum Beispiel südlich von Sardinien, Athen oder San Francisco, ist man ganzjährig gut mit Sonnenlicht und Vitamin D versorgt„, so Busse. Hamburg liege am 53. Breitengrad. „In dieser Region kann die körpereigene Vitamin-D-Produktion den Bedarf nicht decken“ – zumal wenn die Menschen durch falsche Informationen „gelernt“ haben, die Sonne möglichst zu meiden oder sich vor ihren Strahlen so weit wie möglich zu schützen.

Quelle: Pressemeldung UKE

Studie: Björn Busse et al., Vitamin D Deficiency Induces Early Signs of Aging in Human Bone, Increasing the Risk of FractureScience Translational Medicine, 10 July 2013, 5/193, p. 193ra88