Gefährliche Sonnenschutzmittel

Gefährliche Sonnenschutzmittel

In den vergangenen Jahren wurde eine zunehmende Anzahl experimenteller Studien veröffentlicht, die darauf hinweisen, dass mehrere UV-Filter endokrine Störungen und Hautkrebs verursachen könnten. Auch wenn einige Filter bei ordnungsgemäßem Gebrauch vor Sonnenbrand durch UV-Strahlung schützen, so sollten chemische Sonnenschutzmittel mit Bedacht ausgewählt und angewendet werden, denn bei vielen Inhaltsstoffen wurden bereits schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit nachgewiesen.

Das erste kommerzielle Sonnenschutzmittel wurde in den 1930er Jahren entwickelt, um vor der UV-B-Strahlung zu schützen und so einen Sonnenbrand zu verhindern. 1970 wurden Sonnenschutzmittel weiterentwickelt, um sowohl gegen UV-A-Strahlung als auch gegen UV-B-Strahlung zu schützen, da sie möglicherweise eine kausale Rolle bei der Entwicklung von Hautkrebs, insbesondere bösartiger Melanome, spielen. Ob dieses Ziel erreicht wurde, ist bis heute fraglich. Gute Sonnenschutzmittel können aber wohl vor Sonnenbrand, Sonnenkeratose und Nicht-Melanom-Hautkrebs schützen.

Die Verwendung von Sonnenschutzmitteln mit UV-Filtern nimmt weltweit zu. Die Inzidenz der malignen Störung, gegen die Sonnenschutzmittel eigentlich schützen sollten, nimmt aber paradoxerweise ebenfalls rapide zu. "Einen Nachweis für eine protektive Wirkung gegen den schwarzen Hautkrebs gibt es bis heute nicht", so das Forscherteam rund um Kraus et al. von der Abteilung für Wachstum und Fortpflanzung an der Universität Kopenhagen, Rigshospitalet, Kopenhagen, Dänemark, dessen Untersuchungen 2012 veröffentlicht wurden.

Darüber hinaus wiesen immer mehr Tierversuche und In-vitro-Studien darauf hin, dass einige UV-Filter schädliche Wirkungen als endokrine Disruptoren haben könnten (1).


Reine UV-B-Blocker erhöhen das Risiko für maligne Melanome

Ein Risikofaktor für die Entstehung von weißem und schwarzem Hautkrebs sind chemisch hergestellte Sonnenschutzmittel, wenn diese nur die für die Vitamin D-Bildung notwendige UV-B-Strahlung filtern. Die viel tiefer in die Haut eindringende UV-A-Strahlung kann dabei ohne Dämpfung der Strahlung Schäden an der Haut verursachen, während der melanom- und hautschützende Effekt des Vitamin D ausgeschaltet wird. Viele synthetische Sonnenschutzmittel sind alleine durch die Unterbindung der Vitamin D-Produktion ein Risikofaktor für maligne Melanome, wie wir in unserem Artikel zum Thema Hautkrebs bereits dargelegt haben. Hinzu kommt eine ganze Palette von toxischen Chemikalien, die zusätzlich im Verdacht stehen, gesundheitsschädigend zu wirken.


Meiden Sie Octinoxat!

Derzeit ist der UV-B-Blocker Octinoxat (OMC oder Octylmethoxycinnamat genannt) der am häufigsten verwendete UV-B-Filter in Sonnenschutzmitteln und in 90% aller Produkte enthalten (Stand 2019 lt. Lorigo et al. aus 3). Seine Anwendung hat sich bei der Vorbeugung von Sonnenbränden als wirksam erwiesen. Einen Nachweis für den Schutz vor malignen Melanomen wurde jedoch bis heute nicht erbracht. Studien haben gezeigt, dass sich Octinoxat wie ein endokriner Disruptor verhält und das normale Funktionieren von Organismen verändert. Einige Studien legen nahe, dass Octinoxat eine östrogene, antiandrogene, antiprogestische und anti-thyroidale Aktivität ausübt (2,3), Eine andere In-Vitro-Untersuchung bestätigt überdies eine nachgewiesene Beeinträchtigung der männlichen Fruchtbarkeit (siehe unten).

In Hawaii wurde Octinoxat aufgrund seiner tödlichen Wirkung auf Korallenriffe verboten. Fakt ist, einmal auf die Haut geschmiert, landet die Chemikalie kurze Zeit später ungefiltert im Blutkreislauf.


13 von 31 zugelassene Sonnenschutzmittel beeinträchtigen Fruchtbarkeit

Im April 2016 publizierte die „Endocrine Society“ eine Studie (4), die berichtete, dass die üblicherweise in Sonnenschutzmitteln verwendeten UV-Filterchemikalien die Funktion menschlicher Spermien beeinträchtigen und teilweise die Wirkung des weiblichen Hormons Progesteron nachahmen.

"Dieser bedenkliche Umstand könnte die immer weiter voranschreitende ungeklärte Unfruchtbarkeit teilweise erklären", sagte der leitende Forscher der Studie, Niels Skakkebaek, MD, DMSc, Professor an der Universität Kopenhagen und Forscher am Kopenhagener Universitätsklinikum Rigshospitalet.

Berichten zufolge befinden sich UV-Filterchemikalien nicht nur in menschlichen Blutproben, sondern darüber hinaus in 95% der Urinproben in den USA, Dänemark und anderen Ländern.

Bei den Untersuchungen von Skakkebaek et al., wurden 29 von 31 in der EU und USA zugelassenen UV-Filtern an lebenden, gesunden menschlichen Samenzellen aus frischen Samenproben verschiedener Spender analysiert. Dabei wurden insbesondere die Kalziumsignale, die in der Zelle durch Änderung der Kalziumionenkonzentration hervorgerufen werden bewertet, die für die Samenzellenfunktion ausschlaggebend sind.

Das Ergebnis: 13 von 29 getesteten UV-Filter schleusen Kalziumionen in die Samenzelle ein und beeinträchtigen somit die normale Funktion der Samenzelle.

"Dieser Effekt setzte bei sehr geringen Dosierungen der Chemikalien ein, die unter den Werten einiger UV-Filter lagen, die bei Menschen nach der Ganzkörperanwendung von Sonnenschutzmitteln gefunden wurden", so Skakkebaek.

Als wäre das nicht schwerwiegend genug scheinen 9 der 13 UV-Filter als endokrine Disruptoren zu wirken, darunter auch Octinoxat. Dies bedeutet, dass diese Substanzen auf schädliche Weise aktiv in das menschliche Hormonsystem eingreifen. Folgende betroffene UV-Filter sind in der EU bzw. den USA zugelassen (5):

zugelassen in der EU:

  • Octinoxate (Ethylhexyl methoxycinnamate oder Octylmethoxycinnamat)
  • Oxybenzon (Benzophenone-3 oder BP-3)
  • Avobenzone (Butyl methoxydibenzoylmethane)
  • Homosalate (Homomenthylsalicylat)
  • Padimate O (OD-PABA  oder Ethylhexyl dimethyl PABA)
  • Octisalate (Octylsalicylat oder Ethylhexyl salicylate)
  • Octocrylen (2-Ethylhexyl-2-cyano-3,3-diphenylacrylat)
  • Enzacamen  (4-MBC  oder 4-Methylbenzylidene camphor)
  • 3-Benzylidencampher (3-BC)
  • Amiloxate (Isoamyl P-methoxycinnamate)
  • BCSA (Benzylidene camphor sulfonic acid)
  • DHHB (Diethylamino hydroxybenzoyl hexyl benzoate)

zugelassen in den USA:

  • Octinoxat (oder Octylmethoxycinnamat oder Octylmethoxycinnamat)
  • Oxybenzon (Benzophenone-3 oder BP-3)
  • Avobenzon (Butyl methoxydibenzoylmethane)
  • Homosalat (Homomenthylsalicylat)
  • Octisalate (Octylsalicylat oder Ethylhexyl salicylate)
  • Octocrylen (2-Ethylhexyl-2-cyano-3,3-diphenylacrylat)
  • Oxybenzon (Benzophenone-3 oder BP-3)
  • Padimate O (OD-PABA  oder Ethylhexyl dimethyl PABA)
  • Meradimat (Menthyl anthranilate)

Fazit: Bei der Verwendung von Sonnenschutzmitteln, die als Creme, Sprays oder Öle angeboten werden, sollten unbedingt die Inhaltsstoffe berücksichtigt werden. Von 19 in den USA zugelassenen Wirkstoffen schätzt die FDA (Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde der Vereinigten Staaten) lediglich 2 mineralische Inhaltsstoffe als ungefährlich ein: Zinkoxid und Titandioxid, aber nicht in Form von Nanopartikeln! Sonnenschutzmittel, die chemische Inhaltsstoffe aufweisen und deren Langzeitfolgen nicht ausreichend erforscht sind, sollten selbsterklärend nur in entsprechenden Dosierungen aufgetragen oder gänzlich durch natürliche Alternativprodukte ersetzt werden. Eine weitere alternative Maßnahme um sich bei einem längeren Aufenthalt in der Sonne vor Sonnenbrand zu schützen, ist außerdem die Nutzung von schützender Kleidung und Kopfbedeckung.

Quellen:

  1. Krause, M., Klit, A., Jensen, M. B., Søeborg, T., Frederiksen, H., Schlumpf, M., … Drzewiecki, K. T. (2012). Sunscreens: are they beneficial for health? An overview of endocrine disrupting properties of UV-filters. International Journal of Andrology, 35(3), 424–436. doi: 10.1111/j.1365-2605.2012.01280.x
  2. Lorigo, M., Mariana, M., & Cairrao, E. (2018). Photoprotection of ultraviolet-B filters: Updated review of endocrine disrupting properties. Steroids, 131, 46–58. doi: 10.1016/j.steroids.2018.01.006
  3. Lorigo, M., Quintaneiro, C., Lemos, M., Martinez-De-Oliveira, J., Breitenfeld, L., & Cairrao, E. (2019). UV-B Filter Octylmethoxycinnamate Induces Vasorelaxation by Ca2 Channel Inhibition and Guanylyl Cyclase Activation in Human Umbilical Arteries. International Journal of Molecular Sciences, 20(6), 1376. doi: 10.3390/ijms20061376
  4. Some Sunscreen Ingredients May Disrupt Sperm Cell Function. (n.d.). Retrieved from https://www.endocrine.org/news-and-advocacy/news-room/2016/some-sunscreen-ingredients-may-disrupt-sperm-cell-function
  5. Rehfeld, A., Egeberg, D. L., Almstrup, K., Petersen, J. H., Dissing, S., & Skakkebæk, N. E. (2018). EDC IMPACT: Chemical UV filters can affect human sperm function in a progesterone-like manner. Endocrine Connections, 7(1), 16–25. doi: 10.1530/ec-17-015

Bilder: www.pixabay.com

Vitamin D-Produktion auf der Sonnenbank

Vitamin D-Produktion auf der Sonnenbank

Sonnenexposition und die damit einhergehende UV-B-Strahlung ist die natürlichste Option, wenn es darum geht seinen Vitamin D-Bedarf abzudecken. Doch ab dem 45. Breitengrad aufwärts (betrifft z.B. Deutschland, Österreich, Schweiz) ist mindestens bis zum Monat April an keine ausreichende Vitamin D-Versorgung durch die Sonne zu denken, da der Einfallswinkel der Sonnenstrahlen stets zu flach ist. Als Option bieten sich Sonnenbänke und Innenbräuner an, doch können sie uns auch helfen unseren Vitamin D-Bedarf abzudecken?

Führt künstliche UV-Strahlung zur Vitamin D-Synthese auf der Haut?

Das amerikanische Vitamin D-Forschungskollektiv der GrassrootsHealth-Bewegung hat sich genau dieser Frage angenommen und präsentiert auf seiner Homepage eindeutige Ergebnisse. Berücksichtigt wurden natürlich nur Innenbräuner und Solarien die mit UV-B-Bestrahlung arbeiten, denn dies ist die Grundvorrausetzung für eine Vitamin D-Synthese auf der Haut.

Anfangs wurden die Teilnehmer gefragt, wie oft sie in den letzten 6 Monaten Indoor-Bräunungsgeräte verwendet haben. Durch die Messungen der Vitamin D-Spiegel konnte die beteiligten Wissenschaftler eine positive Wirkung von künstlicher UV-B-Strahlung auf diesen nachweisen.

Die Ergebnisse:

Für diejenigen, die regelmäßig (1-3 mal / Woche) Innenbräuner wie z.B. Sonnenbänke verwendeten, betrug der durchschnittliche Vitamin D-Spiegel 41 ng/ml, was nach derzeitigem Wissensstand einem optimalen Wert entspricht.  34 ng/ml betrug der Vitamin D-Spiegel für Gelegenheitsbräuner (weniger als 1 mal / Woche) und nur 28 ng/ml für Nichtnutzer von Innenbräunern. Nur 3% der regulären Anwender und 5% der Gelegenheitsbräuner hatten Vitamin D-Spiegel von weniger als 20 ng/ml.

 

Abb. 1: Messdaten von der GrassroothHealth-Bewegung, die beweisen, dass eine regelmäßige künstliche Besonnung positive Auswirkungen auf den Vitamin D-Spiegel hat. Die 3 Balken stellen die Anwendungshäufigkeit von künstlichen UV-B-Quellen dar (nach 1).

Vitamin D muss im Winter also nicht zwangsläufig als Supplement eingenommen werden, sondern lässt sich alternativ bedarfsgerecht über künstliche UV-B-Strahlung abdecken. Wie bei der Sonneneinstrahlung ist es auch bei der Bräunung in Innenräumen wichtig, die Dauer zu berücksichtigen und Sonnenbrände unbedingt zu meiden.


Hier haben wir für Sie die 8 goldenen Regeln für den Besuch im Sonnenstudio zusammengetragen:

  1. Geräte mit UV-B Strahlen-Anteil sind ein MUSS (ansonsten geschieht keine Vitamin D-Produktion, und die Gefahr für Hautkrebs steigt).
  2. Ist das Gerät korrekt ausgerüstet, können Vitamin D-Mengen bis zu 25.000 I.E. produziert werden (10).
  3. Passen Sie Zeit und Dauer Ihrem Hauttyp an.
  4. Vermeiden Sie Sonnenbrand und starke Hautrötungen, sie sind eindeutiges Signal der Überdosierung.
  5. Achtung: Die Intensität der Sonnenbank darf nicht verwechselt werden mit der der Sonne (z. B. können zehn Minuten einer modernen Hochleistungs-Sonnenbank einem 25-minütigen Sonnenbad am Strand von Mallorca entsprechen).
  6. Nutzen Sie nur Solarien mit ausgebildetem Fachpersonal.
  7. Bevorzugen Sie Solarien, die vor der Nutzung des Gerätes den Bräunungsgrad der Haut messen, um die individuelle Bestrahlungszeit festzulegen.
  8. Wenn Sie diese Hinweise beachten erscheint aufgrund der neuesten Literaturdaten die pauschale Warnung vor einer Solariennutzung nicht gerechtfertigt (2-7).

Quellenangaben:

  1. https://www.grassrootshealth.net/blog/tanning-source-vitamin-d/
  2. Gandini, S., Sera, F., Cattaruzza, M. S., Pasquini, P., Picconi, O., Boyle, P., & Melchi, C. F. (2005). Meta-analysis of risk factors for cutaneous melanoma: II. Sun exposure. European Journal of Cancer, 41(1), 45–60. doi: 10.1016/j.ejca.2004.10.016
  3. Gandini, S., Montella, M., Ayala, F., Benedetto, L., Rossi, C. R., Vecchiato, A., … CLINICAL NATIONAL MELANOMA REGISTRY GROUP. (2016, April). Sun exposure and melanoma prognostic factors. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27073541.
  4. Newton-Bishop, J. A., Beswick, S., Randerson-Moor, J., Chang, Y.-M., Affleck, P., Elliott, F., … Bishop, D. T. (2009). Serum 25-Hydroxyvitamin D3 Levels Are Associated With Breslow Thickness at Presentation and Survival From Melanoma. Journal of Clinical Oncology, 27(32), 5439–5444. doi: 10.1200/jco.2009.22.1135
  5. Muralidhar, S., Filia, A., Nsengimana, J., Poźniak, J., Oshea, S. J., Diaz, J. M., … Newton-Bishop, J. (2019). Vitamin D–VDR Signaling Inhibits Wnt/β-Catenin–Mediated Melanoma Progression and Promotes Antitumor Immunity. Cancer Research, 79(23), 5986–5998. doi: 10.1158/0008-5472.can-18-3927
  6. Reichrath, J., Saternus, R., & Vogt, T. (2017). Endocrine actions of vitamin D in skin: Relevance for photocarcinogenesis of non-melanoma skin cancer, and beyond. Molecular and Cellular Endocrinology, 453, 96–102. doi: 10.1016/j.mce.2017.05.001
  7. Ince, B., Yildirim, M. E. C., & Dadaci, M. (2019). Assessing the Effect of Vitamin D Replacement on Basal Cell Carcinoma Occurrence and Recurrence Rates in Patients with Vitamin D Deficiency. Hormones and Cancer, 10(4-6), 145–149. doi: 10.1007/s12672-019-00365-2

Bildquelle: Photo by Adem KAYA from FreeImages

Sonnenlicht: Gesundheitsfördernde Wirkung abseits vom Vitamin D

Verschiedene Krankheiten der menschlichen Haut, wie Schuppenflechte, atopische Dermatitis, Neurodermitis und lokalisierte Sklerodermie können ‒ unabhängig von der Vitamin D-Synthese ‒ mit Sonnenstrahlung (Heliotherapie) oder künstlicher UV-Strahlung (Phototherapie) behandelt werden. Eine UV-Exposition kann zudem die klinischen Symptome der Multiplen Sklerose unterdrücken, den Blutdruck senken und wirkt sich allgemein positiv auf die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems aus.

Die positiven Auswirkungen der Sonne abseits vom Vitamin D

Jeder kennt es: Wenn nach trüben Tagen die Sonne wieder scheint, haben Sonnenstrahlen eine überragende Wirkung auf unser Wohlbefinden und unsere physische sowie psychische Gesundheit! Die wirkungs- und energiereichsten Strahlen der Sonne sind die ultravioletten Strahlen (UV-Strahlen) in einer Wellenlänge zwischen 100 – 380 Nanometer. Das UV-Licht ist für das menschliche Auge unsichtbar. Beim Auftreffen auf die menschliche Haut haben sie unterschiedlichste Wirkungen abseits der Vitamin D-Produktion, auf die wir hier näher eingehen.


Der Artikel in Kürze:

› Serotonin- und Melatoninhaushalt ausgleichen mit Tageslicht

› Depressionen und Gemütsschwankungen

› Krebsfaktoren: Sonnenlicht, Melatonin und der Tag-Nacht-Rythmus

› Blutdrucksenker UVA-Strahlung

› Dermatologische Anwendungen – die Phototherapie

› Multiple Sklerose: UV-Strahlung hilft

› Schmerzen lindern durch UV-Bestrahlung


Tageslicht sorgt für einen ausgeglichenen Serotonin- und Melatoninhaushalt

Eine der wichtigen und sicherlich zu wenig bekannten Rollen des Sonnenlichts ist die Regulierung des zirkadianen Rhythmus, d.h. der Steuerung des Stoffwechsels in Abhängigkeit von der Tageszeit. Das in der Zirbeldrüse produzierte Melatonin ist ein wichtiger Schrittmacher für viele zirkadianen Rhythmen des Körpers. Es spielt auch eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Infektionen, Entzündungen, Krebs und Autoimmunität und unterdrückt UV-strahlungsinduzierte Hautschäden (1).

Als tagaktive Lebewesen sind wir Menschen darauf programmiert, draußen zu sein während die Sonne scheint und nachts im Dunklen zu schlafen. Aus diesem Grund wird Melatonin in den dunklen Stunden produziert und stoppt dies bei optischer Einwirkung von Tageslicht. Auch der Melatonin-Vorläufer, Serotonin, ist von der Tageslichtexposition abhänigig. Normalerweise wird Serotonin tagsüber produziert und nur bei Dunkelheit in Melatonin umgewandelt. Während hohe Melatoninwerte langen Nächten und kurzen Tagen entsprechen, spiegeln hohe Serotoninwerte in Anwesenheit von Melatonin kurze Nächte und lange Tage (d.h. längere UV-Exposition) wider. Mäßig hohe Serotoninwerte führen zu positiveren Stimmungen und einer ruhigen, aber konzentrierten mentalen Einstellung.

Licht synchronisiert die Schlaf-wach-Rhythmen von Säugetieren mit der Zeit in ihrer Umwelt, indem über den Netzhaut-Einfall der zirkadiane Schrittmacher beeinflusst wird – der sogenannte suprachiasmatische Kern (SCN) des Hypothalamus. In einer Studie (2) aus dem Jahr 2002 zeigen Forscher, dass die retinalen Ganglienzellen, die die Modulation des SCN induzieren, intrinsisch lichtempfindlich sind. Im Gegensatz zu anderen Ganglienzellen depolarisierten sie als Reaktion auf Licht, selbst wenn alle synaptischen Eingaben von Stäbchen und Zapfen aus den Augen blockiert waren. Die Empfindlichkeit, die spektrale Abstimmung und die langsame Kinetik dieser Lichtreaktion deutet darauf hin, dass diese Ganglienzellen die primären Photorezeptoren für diese Regelung sein könnten.

Wenn die Menschen morgens dem Sonnenlicht oder sehr hellem Kunstlicht ausgesetzt sind, tritt ihre nächtliche Melatoninproduktion früher ein, und sie gehen nachts leichter in den Schlaf. Denn der blaue Lichtanteil der Sonne bzw. des Kunstlichtes (420-460 nm),  unterdrückt die Melatonin-Produktion (3) und beeinflusst so den zirkadianen Rhythmus. Ein Spaziergang am frühen Morgen und/oder am späten Nachmittag hilft, den zirkadianen Rhythmus synchron zu halten. Zu viel blaues Licht in der Nacht, z.B. von Computer- und Fernsehbildschirmen, stört die Melatoninproduktion signifikant und führt zu verzögertem Einschlafen und generellen Schlafstörungen. Schlafprobleme sind vorprogrammiert und die Entwicklung chronischer Krankheiten wird begünstigt. Zu diesem Problem-Szenario gehören auch die modernen LED Leuchten, die in vielen Fällen ein Für den Menschen wesentlich ungünstigeres Strahlenspektrum aufweisen als die abgeschafften Glühlampen.

Die Melatoninproduktion spiegelt auch die jahreszeitliche Schwankung der Lichtverfügbarkeit, wobei das Hormon im Winter länger als im Sommer produziert wird. Die Melatonin-Rhythmus-Phasenverschiebung, die durch die Exposition gegenüber hellem Morgenlicht hervorgerufen wird, ist wirksam gegen Schlaflosigkeit, prämenstruelles Syndrom und Winterdepression, auch saisonale affektive Störungen (SAD) genannt.

„Mit unserer modernen Vorliebe für Indoor-Aktivitäten und dem Verbleiben weit über die Dämmerung hinaus ist die nächtliche Melatoninproduktion typischerweise alles andere als robust. Das Licht, das wir draußen an einem Sommertag bekommen, kann tausendmal heller sein, als wir es jemals in Innenräumen erleben werden“, sagt der Melatonin-Forscher Russel J. Reiter vom University of Texas Health Science Center. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Menschen, die in Innenräumen arbeiten, regelmäßig nach draußen gehen und dass wir alle versuchen, in völliger Dunkelheit zu schlafen. Dies kann einen großen Einfluss auf den Melatonin-Rhythmus haben und zu einer Verbesserung der Stimmung, Energie und Schlafqualität führen.

Für Menschen in Berufen, in denen die Sonneneinstrahlung begrenzt ist, kann eine Vollspektrum-Beleuchtung sehr hilfreich sein. Sonnenbrillen können den Zugang der Augen zum vollen Sonnenlicht weiter einschränken und dadurch den Melatonin-Rhythmus verändern. Wer also den ganzen Tag mit einer Sonnenbrille auf der Nase durch die Gegend läuft, knipst im wahrsten Sinne des Wortes das Licht in seinem Gehirn aus. Ein weiteres Beispiel Dafür,wie neuzeitliche Entwicklungen und Modetrends unsere Gesundheit negativ beeinflussen. Andererseits, wenn man bei Tageslicht, auch nur für 10-15 Minuten, schattenfrei geht, kann dies erhebliche gesundheitliche Vorteile mit sich bringen.


Gemütsschwankungen und Depressionen

Umfangreich untersucht und aussagekräftig ist das Auftreten von saisonalen affektiven Störungen (auch „SAD“,  Seasonal Affective Disorder) . Darunter versteht man eine wiederkehrende schwere depressive Störung mit einem saisonalen Muster, das normalerweise im Herbst beginnt und bis in die Wintermonate andauert. Seltener verursacht SAD Depressionen im Frühjahr oder Frühsommer. Die Symptome konzentrieren sich auf traurige Stimmung und niedrige Energie. Diejenigen, die am meisten gefährdet sind, sind weiblich, jünger, leben weit vom Äquator entfernt und haben Familiengeschichten von Depressionen, bipolaren Störungen oder SAD (4). Eine mildere Form von SAD,  in der Literatur auch S-SAD [Subsyndromal Seasonal Affective Disorder) genannt, wird im allgemeinen Sprachgebrauch als „Winterblues“ bezeichnet.

Da man weiß, dass SAD und S-SAD durch vermindertes Tageslicht ausgelöst werden kann, haben Ansätze, die darauf abzielen, die verminderte Sonneneinstrahlung durch helles künstliches Licht zu ersetzen, insbesondere am Morgen, durchweg vielversprechende Ergebnisse erbracht. Die Lichttherapie wird auch als Bright Light Therapy oder Phototherapie bezeichnet.

Eine Lichttherapie lässt sich übrigens nicht mit Solarien durchführen, da diese vornehmlich auf die Ausstrahlung von UV-Strahlen zur Bräunung ausgerichtet sind und die Vitamin D-Bildung fördern, sofern ein UVB-Anteil sichergestellt ist.


Krebsfaktoren: Sonnenlicht, Melatonin und der Tag-Nacht-Rythmus

Es ist bereits seit längerer Zeit bekannt, dass Schichtarbeiter häufiger an bösartigen Tumoren erkranken. Die Wissenschaftler Bhatti et al. (5,6) suchten nach der Ursache für dieses Phänomen. In ihrer 2016 veröffentlichten Studie stellte sich heraus, dass Nachtschichtarbeiter deutlich geringere Mengen eines Stoffwechselproduktes (8-OH-dG) über ihren Urin ausscheiden, wenn sie tagsüber schlafen (23% weniger im Vergleich zu ihrem eigenen Nachtschlaf und 17% weniger im Vergleich zum Nachtschlaf von Personen, die nicht in Nachtschicht arbeiten).

Die Substanz 8-OH-dG ist ein durch freie Radikale veränderter Baustein der DNA, der von Reparaturenzymen durch intaktes DNA-Material ersetzt wird. Wird 8-OH-dG im Urin nachgewiesen, so weist dies auf eine erfolgreiche DNA-Reparatur hin. Die geringere 8-OH-dg-Ausscheidung der Nachtschichtarbeiter deutet also darauf hin, dass der DNA-Reparaturmechanismus während des Tagschlafs eingeschränkt ist und somit zu vermehrten oxidativen DNA-Schäden führen kann.

Das Forscherteam um Bhatti vermutet, dass die Ursache für die verringerte DNA-Reparatur beim Melatonin liegt:

DNA-Reparatur durch Melatonin

Melatonin, steuert nicht nur den Tag-Nacht-Rhythmus sondern wirkt darüber hinaus  auch antioxidativ, d.h. es deaktiviert freie Radikale. Jedoch wird die Produktion des Hormons durch Licht gehemmt (insbesondere durch den hohen Blauanteil im Sonnenlicht). Durch eine verminderte Melatoninkonzentration beim Tagschlaf können Nachtschichtarbeiter somit weniger von Melatonin als Radikalfänger profitieren.

In ihrer 2017 publizierten zweiten Studie verglichen Bhatti et al. die nächtliche 8-OH-dG-Ausscheidung beim Nachtschlaf mit der Ausscheidung bei Nachtarbeit. Auch hier zeigte sich eine enorme Differenz: Bei der Nachtarbeit wurde nur 20% der OH-dG-Ausscheidungsmenge erreicht, die beim Nachtschlaf gemessen wurde.

Zusätzlich zu der Wirkung von Vitamin D schützt also offensichtlich das Sonnenlicht und die damit verbundene lichtabhängige Melatoninproduktion die Erbsubstanz in unseren Zellen. Unser zirkadianer Rhythmus, der eine Vielzahl biologischer Funktionen steuert, orientiert sich maßgeblich am Stand der Sonne. So sorgt der natürliche Wechsel von Licht und Dunkelheit in unserem Körper für die optimale Produktion und den Einsatz von Botenstoffen, die unseren Körper gesund halten. Verschiedene Studien an Mäusen zeigten, dass eine Störung der zirkadianen Rhythmik (so beispielsweise durch einen “unnatürlichen” Schlaf-Wach-Rhythmus) Fehlfunktionen von Genen hervorrufen kann, die wiederum Krebs verursachen können (siehe hierzu den 2016 vom Deutschen Ärzteblatt veröffentlichten Artikel „Warum Nachtarbeit das Krebsrisiko erhöht“).

Die Wissenschaftler streben die Durchführung weiterer Studien an, um den möglicherweise vor Krebserkrankungen schützenden Effekt einer Melatonin-Supplementierung bei Nachtschichtarbeitern zu erforschen.


UVA-Strahlung senkt Blutdruck

Einen weiteren Aspekt fügt eine Studie von den Universitäten von Southampton und Edinburgh, UK, den seit langem bekannten Erkenntnissen hinzu: Sonnenlicht beeinflusst die Menge und Ausschüttung des Botenstoffs Stickoxid (nitric oxide, NO) in der Haut und den Übergang ins Blut. NO wiederum reguliert den Blutdruck, entspannt die Gefäße, senkt den Blutdruck und damit das Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall.

Und einmal mehr warnen mit diesen Ergebnissen die Autoren (7) vor übertriebener „Sonnenangst“ und exzessivem Sonnenschutz.

In den Versuchen wurden 24 gesunde Frauen und Männer über zweimal 20 Minuten auf der Sonnenbank mit UV-A-Licht bestrahlt.
Ergebnis: Die UV-A-Strahlen aktivierten den Stoffwechsel der reichlich in der Oberhaut vorhandenen Stickoxide und erhöhten so den NO-Spiegel im Blut und senkten den Blutdruck, ohne den Vitamin D-Spiegel zu beeinflussen (dafür wäre eine UV-B-Bestrahlung notwendig).

Prof. Martin Feelisch, einer der Studienautoren: „Unsere Ergebnisse sind von erheblicher Bedeutung für die Diskussion um die Gesundheitswirkungen des Sonnenlichts und um die Rolle von Vitamin D in diesem Prozess. Es ist an der Zeit, die Chancen und Risiken des Sonnenlichts – auch jenseits von Vitamin D – für die menschliche Gesundheit neu zu bewerten. Es ist zweifellos notwendig, übertriebene Sonnenexposition und damit eine Hautkrebsgefahr zu vermeiden. Aber das Meiden von Besonnung aus Angst oder als Ausfluss bestimmter Lebensstile erhöht unnötig das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Wir sind der Überzeugung, dass der NO-Stoffwechsel in der Haut, angestoßen von Sonnenlicht, ein wichtiger, bisher übersehener Faktor für die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems ist.“


Dermatologische Anwendungen – Phototherapie

Bereits vor mehreren tausend Jahren wurde Sonnenlicht (Heliotherapie) in Ägypten, Griechenland und Rom zur Behandlung verschiedener Hauterkrankungen eingesetzt. Damals wurde die Bedeutung der UV-Strahlung nicht erkannt, da UV-Strahlen erst 1801 entdeckt wurden. 1903 erhielt Niels Ryberg Finsen den Nobelpreis „in Anerkennung seines Beitrags zur Behandlung von Krankheiten, insbesondere von Lupus vulgaris, mit konzentrierter Lichtstrahlung, wodurch er einen neuen Weg für die medizinische Wissenschaft eröffnet hat“.

In unseren Tagen ist die Phototherapie eine wertvolle Option in der Behandlung vieler psoriatischer und nicht-psoriatischer Erkrankungen, einschließlich atopischer Dermatitis, sklerosierender Hauterkrankungen wie Morphea, Sklerodermie, Vitiligo und Mykose fungoides. Die Phototherapie umfasst somit die Behandlung bestimmter Hauterkrankungen mit UV-Strahlung, die von der Sonne erzeugt werden kann oder von Leuchtstofflampen, sowie Kurzbogenlampen mit UV-Filtern und Lasern.


Multiple Sklerose und UV-Strahlung

Auch bei der Multiplen Sklerose wurden inzwischen über Vitamin D-unabhängige positive Wirkungen von UV-Strahlung auf das Immunsystem berichtet. Die Exposition gegenüber ultravioletter Strahlung kann somit zu einer Immuntoleranz führen, die für MS vorteilhaft ist, und zwar gleich durch mehrere Faktoren: die Hochregulation von regulatorischen T- und B-zellen, erhöhte cis-Urocaninsäurewerte, Veränderungen im Signalaustausch mit dendritischen Zellen sowie die Freisetzung einer Reihe anderer Zytokine und Chemokine (8).


Schmerzen lindern durch UV-Bestrahlung

Sonnenbäder oder Solarien haben das Potenzial, Schmerzen bei Patienten mit Fibromyalgie zu lindern.

Larisa Birta - Foto: unsplash.com
UV-Strahlung wirkt schmerzlindernd

Sonnenbäder oder Solariennutzung haben ferner das Potenzial, Schmerzen bei Patienten mit Fibromyalgie zu lindern. Im Zuge einer Pilotstudie an der indischen Medizinischen Universität von Gujarat wurde die Häufigkeit von Kopfschmerzen, Migräne und Fibromyalgie in Regionen mit unterschiedlicher Sonneneinstrahlung in der Bevölkerung verglichen. Patienten mit dem chronischen Schmerzzustand Fibromyalgie, hatten eine größere kurzfristige Abnahme der Schmerzen nach der UV-Bestrahlung im Vergleich zur Nicht-UV-Bestrahlung berichtet. Darüber hinaus führte die UV-Exposition zu einer stärkeren Beeinflussung, einem besseren Wohlbefinden, einer besseren Entspannung und einem geringeren Schmerzniveau (9)

Ergebnis in Kürze: Je sonniger, desto weniger Schmerzen.

In einem Experiment mit UV-Bestrahlung von Fibromyalgie-Patienten auf einer handelsüblichen Sonnenbank erzielten im gleichen Jahr Wissenschaftler der US-Universität von Wake Forest erstaunliche Erfolge im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die auch auf der Sonnenbank aber ohne UV-Anteile behandelt wurde. Schon nach den ersten zwei Wochen zeigte sich nicht nur eine Verbesserung der Schmerzen sondern auch ein fast dreifach besseres Allgemeinbefinden und eine entspanntere, aufgehellte Stimmungslage bei den Teilnehmern mit UV-Bestrahlung gegenüber den Teilnehmern, die ohne UV bestrahlt worden waren.

Die darauf folgenden sechs Wochen mit UV-Bestrahlungen auf der Sonnenbank führten zu einer weiteren – wenn auch weniger spektakulären – Linderung der Schmerzen bei den UV-bestrahlten Patienten im Vergleich zur Kontrollgruppe. Danach brachten weitere Bestrahlungen mit UV-Licht keine zusätzlichen Verbesserungen mehr für die UV-Gruppe.

Der Nachweis war jedoch erbracht: UV-Licht von der Sonnenbank hilft selbst gegen die hartnäckigen Schmerzen einer Fibromyalgie, für die die Mainstream Medizin bislang überhaupt keine Therapie anzubieten hat.


Quellen:

1. Mead, M. N. (2008, April). Benefits of sunlight: A bright spot for human health. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2290997/

2. Berson, D. M., Dunn, F. A., & Takao, M. (2002, February 08). Phototransduction by retinal ganglion cells that set the circadian clock. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11834835

3. Brainard, G. C., Sliney, D., Hanifin, J. P., Glickman, G., Byrne, B., Greeson, J. M., . . . Rollag, M. D. (2008, October). Sensitivity of the human circadian system to short-wavelength (420-nm) light. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18838601 

4. Sherri, M. (2015, November 25). Seasonal Affective Disorder: An Overview of Assessment and Treatment Approaches. Retrieved from https://www.hindawi.com/journals/drt/2015/178564/

5. Bhatti, P., Mirick, D. K., Randolph, T. W., Gong, J., Buchanan, D. T., Zhang, J. & Davis, S. (2017). Oxidative DNA damage during night shift work [Abstract]. Occupational and Environmental Medicine, 74(9), 680-683.

6. Bhatti, P., Mirick, D. K., Randolph, T. W., Gong, J., Buchanan, D. T., Zhang, J. & Davis, S. (2016). Oxidative DNA damage during sleep periods among nightshift workers [ABSTRACT]. Occupational and Environmental Medicine, 73(8), 537-544.

7. Liu, D. et al., UVA Irradiation of Human Skin Vasodilates Arterial Vasculature and Lowers Blood Pressure Independently of Nitric Oxide Synthase, Journal of Investigative Dermatology, 2014

8. Correale, J., & Farez, M. F. (2013). Modulation of multiple sclerosis by sunlight exposure: Role of cis-urocanic acid. Journal of Neuroimmunology, 261(1-2), 134-140. doi:10.1016/j.jneuroim.2013.05.014

9. Taylor, S. L., Kaur, M., LoSicco, K., Willard, J., Camacho, F., O’Rourke, K. S., & Feldman, S. R. (2009, January). Pilot study of the effect of ultraviolet light on pain and mood in fibromyalgia syndrome. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19769472

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Hautkrebs – ist die Sonne schuld?

Behauptung:

„Die Zunahme der Fälle von „schwarzem Hautkrebs“ (malignem Melanom) weltweit ist eine Folge der steigenden Sonnen- und Sonnenbank-Nutzung“

„90 Prozent der Hautkrebserkrankungen werden mit höchster Wahrscheinlichkeit durch zu viel Sonne verursacht.“


 

Sonnen führt nicht zu Melanom - Foto: fotolia.comSeit Jahrzehnten wird versucht, das Sonnenlicht oder das Sonnenlicht nachahmende Lichtquellen (Sonnenbänke) generell als gefährlich und schädlich darzustellen. Dies geschieht entweder aus gut gemeinten Gesundheitsaspekten heraus oder aber gezielt vor dem Hintergrund industrieller Interessenlagen insbesondere der Pharma- und Kosmetikindustrie. Wie bei allen äußeren Einflüssen gilt auch hier: die Dosis entscheidet darüber, ob der Einfluss der Sonnenstrahlung oder künstlicher Sonne gesundheitsfördernd oder schädlich ist.

 


Der Artikel in Kürze:

› Hautkrebs ist nicht gleich Hautkrebs – ein paar grundlegende Fakten

› Das maligne Melanom (schwarzer Hautkrebs) – so vermeiden Sie ihn

› Weißer Hautkrebs (Basalzellkarzinome, Plattenepithelkarzinom)

› Risikofaktor Sonnenschutzmittel – Das sollten sie unbedingt wissen

 


Hautkrebs ist nicht gleich Hautkrebs

Wenn in Medien regelmäßig über die häufigste Krebsart berichtet wird, so wird dabei selten erwähnt, dass es sich in 90% der Fälle um den sogenannten “weißen Hautkrebs” handelt. Denn nur ca. 10% aller sogenannten Hautkrebsfälle werden vom “schwarzen Hautkrebs”, dem malignem Melanom ausgemacht. Das maligne Melanom kann bereits ab einem Millimeter Dicke metastasieren und ist oft schwer zu diagnostizieren. Im Jahr 2016 waren etwa 23.000 Neuerkrankungen pro Jahr und damit nur 4-5% aller bösartigen Neubildungen auf diese Erkrankung zurückzuführen. Schwarzer Hautkrebs ist außerdem nur für 1,3% aller 492.000 jährlichen Krebstodesfälle verantwortlich, kann aber bei rechtzeitiger Diagnose in der Regel erfolgreich behandelt werden (1).

Vieles spricht dafür, dass genau dieser bösartige Hautkrebs in seiner Entstehung durch Vitamin D unterbunden wird. Anders sieht es beim sogenannten “weißen Hautkrebs” aus. Er erscheint in Gestalt des Basalzellkarzinoms oder Plattenepithelkarzinoms, metastasiert fast nie und kann operativ leicht und nebenwirkungsfrei entfernt werden und wird in seiner Entstehung durch eine zu große UV-Strahlung begünstigt. Die Bezeichnung “weißer Hautkrebs” ist durch die emotionale Assoziierung und die damit verbundene Angstmache wohl eher kontraproduktiv, nicht zuletzt deshalb weil dadurch die unreflektierte Angst vor der Sonne u.a. durch die Verwechslungsgefahr mit dem malignen Melanom geschürt wird.

Verteilung der Hautkrebsarten in Deutschland (Zahlen aus 1). Der sogenannte bösartige schwarze Hautkrebs (malignes Melanom) macht nur 10% aller in Deutschland diagnostizierten Hautkrebsarten aus. 90% betreffen den gutartigen weißen Hautkrebs (Basalzellkazinom oder Plattenepithelkarzinom).

 

Wir wollen uns in diesem Artikel aber nun der Frage widmen, wie gefährlich die Sonne nun wirklich ist und stellen, noch bevor wir in die Forschungsliteratur einsteigen fest, dass schwarzer Hautkrebs ein Phänomen moderner Zivilisationen und damit unseres Lebensstils ist. Denn abgesehen von Australien, Neuseeland, Papua-Neuguinea und Südafrika, die geographisch sehr nahe am Äquator liegen, treten die die meisten Fälle im zivilisierten Westen, also Europa und Nordamerika auf. Länder wie Indien, Myanmar, Vietnam, der arabische Raum, Ägypten, Libyen, Marokko oder die Westsahara sind kaum von dieser bösartigen Erkrankung betroffen (Inzidenz: < 0,48 / 100.000 Einwohner), obgleich diese deutlich näher am Äquator liegen und daher eine weit höhere Sonnenintensität aufweisen als beispielsweise Deutschland (Inzidenz: >4,2 / 100.000 Einwohner), wo Melanome 8 mal häufiger diagnostiziert werden als in den genannten Ländern (2).

Steiler Anstieg der Hautkrebsraten trotz immer weniger Aufenthalt an der Sonne

Noch vor hundert Jahren hat ein großer Teil der Menschen in den heutigen Industrieländern im Freien gearbeitet: Bauern, Gärtner, Landarbeiter, Fuhrknechte, Maurer, Dachdecker, Laufburschen, Marktfrauen, Postboten. Heute arbeitet nur noch ein Zehntel der Erwerbstätigen im Freien. Damals, als ein großer Teil des Volkes sein Arbeitsleben im Freien verbrachte, gab es so gut wie keinen Hautkrebs, selbst wenn die Zahlen mit der niedrigeren Lebenserwartung bereinigt werden.

Seit 1955 dagegen, als eine ständig wachsende Zahl von Menschen in geschlossenen Räumen arbeitete, sind die Hautkrebszahlen angestiegen. Allerdings auch der Drang der Menschen, den Sonnenmangel im Arbeitsjahr durch „Schock-Besonnung“ in den Ferien zu kompensieren, was in der Tat das Melanomrisiko erhöht.


Das maligne Melanom (schwarzer Hautkrebs)

Eindeutig wird das Hautkrebs-Risiko bestimmt von genetischen Faktoren wie: Hautkrebs in der Familie, Anzahl der Muttermale (Naevi) und Sommersprossen, Hauttyp etc. Weitere Risikofaktoren sind die alternde Bevölkerung (Hautkrebs ist eine „Alterskrankheit“), Umweltverschmutzung, falsche Ernährung (3,4) und auch karzinogene Inhaltsstoffe in Sonnenschutzmitteln wird als Ursache für Melanome diskutiert.

Der sprunghafte Anstieg der Melanom-Fälle in den Statistiken ab dem Jahr 2008 hat – von den Verfassern des Krebsregisters des Robert-Koch-Instituts selbst immer wieder angemerkt – auch mit verstärkten Screenings, den verfeinerten Screening-Methoden und der modernen Diagnostik zu tun. Die Melanom-Inzidenz hat sich seit den 1970er Jahren bis ins Jahr 2016 mehr als verfünffacht und stieg dabei auf 23.200 Fälle, während die Sterberate bei Männern leicht zugenommen hat. Die 5-Jahres-Überlebensraten liegen bei 93% für Männer und 91% bei Frauen, wohl auch, weil zwei Drittel aller Melanome noch im frühen Stadium entdeckt werden (5).

Die Dosis macht das Gift

Nach derzeitigem Wissensstand gibt es einen gewissen Zusammenhang zwischen  intermittierender („unvorbereitet“ in größeren Abständen und mit hoher Dosis) Sonnen- und Sonnenbank-Exposition und der Bildung von Melanomen. Jedoch gibt es keinen Zusammenhang oder gar einen umgekehrten Zusammenhang zwischen der Entstehung von Hautkrebs und regelmäßigem, moderatem Sonnen (6,7).

 

In einer Analyse aus 7 Studien mit insgesamt 12216 Beteiligten, konnte auf nördlichen Breitengraden von 45°aufwärts (betrifft z.B. Deutschland, Österreich, Schweiz) kein Zusammenhang von Melanominzidenz und der lebenslänglichen Sonnenexposition im Freien festgestellt werden. Weder an Kopf, Hals Rumpf oder an den Gliedmaßen traten, durch vermehrte über die Lebenszeit angehäufte UV-Exposition, mehr bösartige Hauttumore auf. Anders ausgedrückt kann also die pauschale Aussage: “Je mehr Sonnenexposition, desto höher das Melanomrisiko” als Mythos eingeordnet werden (8).

In weiteren 12 Studien der gleichen Analyse wurde weiters unabhängig vom bewohnten Breitengrad intermittierendes “Sonnenbaden und Aktivitäten im Badeanzug” mit dem Risiko einer Melanom-Inzidenz ermittelt. Sogar hierbei waren der Kopf- und Nackenbereich im Gegensatz zum Rumpfbereich (+50% Risiko) und Gliedmaßen (+40% Risiko) nicht von einem höherem Melanomrisiko betroffen. Die Körperpartien, die am häufigsten der Sonne ausgesetzt wurden, waren also weniger oft von der Melanom-Bildung betroffen. Für den Kopf und Nackenbereich, die wohl über die Lebenszeit verteilt die meiste UV-Strahlung abbekommen, macht es in Bezug auf die Manifestation eines schwarzen Hautkrebses demnach also keinen Unterschied ob eine niedrige oder häufige Sonnenexposition vorliegt. Die logische Ableitung aus diesen Erhebungen führt zu dem Schluss, dass sich häufige und regelmäßige Besonnung nicht negativ auf das Melanomgeschehen auswirkt. Unregelmäßige und schockartige Besonnung von Hautarealen die keine regelmäßige UV-Exposition gewöhnt sind, erhöht jedoch das Risiko durchaus. Das betrifft zum Beispiel Menschen, die den Großteil des Jahres im Büro verbringen und im Urlaub am Strand auf Mallorca übermäßig in der Sonne baden und sich im schlechtesten Fall auch noch einen Sonnenbrand einfangen.

Sonnenbrände sollten, egal in welchem Alter, in jedem Fall vermieden werde, denn sie sind ein signifikanter Risikofaktor für die Entstehung von malignen Melanomen in allen Breitengraden. So wurde ein Sonnenbrand bei Kindern vor dem 15. Lebensjahr mit einem 50% höheren Risiko bewertet im späteren Leben ein malignes Melanom zu entwickeln. Das trotz alledem eher geringe Risiko erhöhte sich dadurch von 1 zu 10.000 auf 1,5 zu 10.000, wenn ein oder mehrere Sonnenbrände vor dem 15. Lebensjahr auftraten. Kinder sollte daher vor exzessiver UV-Strahlung, falls nötig mit Textilien, geschützt werden ohne ihnen jedoch dabei völlig die Sonnenexposition zu entziehen, denn gerade im Kindesalter ist Sonnenexposition unumgänglich für ein gesundes Heranwachsen und der Ausbildung eines funktionstüchtigen Immunsystems. Sonnencremes sind dabei mit äußerster Vorsicht zu verwenden, was wir am Schluss des Artikels noch näher ausführen werden.

Vitamin D erhöht Überlebenschancen bei schwarzem Hautkrebs

Ergebnisse einer retrospektiven Studie aus England stimmten mit einer schützenden Rolle für Vitamin D im Zusammenhang mit der Wahrscheinlichkeit für eine Melanombildung überein. Die Kohortenstudie untermauerte diese Hypothese und liefert Belege dafür, dass höhere Vitamin D-Werte bei der Diagnose sowohl mit dünneren Tumoren als auch mit einem besseren Überleben von Melanomen assoziiert sind. Die Autoren kamen zu dem Schluss: “Patienten mit Melanomen und Patienten mit hohem Melanomrisiko sollten sich bemühen, die Vitamin-D-Versorgung sicherzustellen”. Dies heißt aber auch, dass der maßvolle Umgang mit Sonnenstrahlung, vor allem in der Mittagszeit (hoher UVB-Anteil) vor schwarzem Hautkrebs schützt (9).

Eine amerikanische Studie des nationalen Krebs-Instituts mit 528 Probanden ermittelte eine inverse Korrelation von Sonnenexposition und dem Tod durch Melanome. Konkret hatten Personen, die mindestens einmal in ihrem Leben einen Sonnenbrand hatten, ein 50% geringeres Mortalitätsrisiko und Personen die häufig der Sonne ausgesetzt waren ein 40% geringeres Risiko an einem Melanom zu versterben. Erstaunlicherweise wurde überdies ein ebenfalls umgekehrter Zusammenhang von Sonnen Elastose (UV-bedingte Hautalterung) und dem Tod durch schwarzen Hautkrebs festgestellt. Die Studienautoren schlussfolgerten daher: “Sonneneinstrahlung ist mit einem erhöhten Überleben von Melanomen verbunden”.

Ein interessanten Detail der 2005 veröffentlichten Studie ist die Zeitspanne der Durchführung in den 1980er Jahren, da es damals kaum Probanden gab, die den Großteil ihres Lebens Sonnenschutzmittel verwendeten, die aber heutzutage sehr oft ein weiterer Risikofaktor für die Melanomentstehung darstellen. Später durchgeführte Studien haben oft das Problem, dass Sonnenschutzmittel nicht oder nur schwer als (Mit-)Ursache von Hautkrebs identifiziert werden können (10).

Ein Überblick von 81 Studien zum Thema „Vitamin D und Tod durch Sonnenlicht“ wurde 2013 von Katie M. Dixon, publiziert. Die Hemmung des UV-induzierten Zelltodes durch Vitamin D-Verbindungen weist demnach eine schützende Wirkung auf Hautzellen auf. UV-Strahlung erhöht die Akkumulation von p53 (tumorsuppressives Protein) in Hautzellen, wodurch einerseits Reparaturgene hochreguliert werden, und andererseits der Tod irreparabel geschädigter Zellen gefördert sowie die DNA-Reparatur erleichtert wird. Darüber hinaus würden die indirekten DNA-Schäden und die Verringerung der DNA-Reparatur, die normalerweise durch Stickoxidprodukte verursacht werden, durch die Fähigkeit von Vitamin D-Verbindungen, Stickoxidprodukte zu reduzieren, vermieden (11).

Eine aktuelle Studie aus 2019 mit 709 Patienten, konnte eine kontrollierende Wirkung auf wuchernde Melanome durch Vitamin D nachweisen. Dies wiederum ist mit weniger Metastasen sowie stärkeren Immunreaktionen verbunden und beeinflusst das Melanomgeschehen daher positiv. Eine gute Vitamin D-Versorgung schützt demnach vor dem melanombedingten Tod auch bei metastasierenden Erkrankungen und verlängert somit das Leben der Betroffenen. Akuter Vitamin D-Mangel hingegen verkürzte das Überleben bei primären Melanomen (12).


Weißer Hautkrebs (Basalzellkarzinome, Plattenepithelkarzinom)

Weißer Hautkrebs machte im Jahr 2016 mit 230.000 Fällen etwa 90% aller Hautkrebserkrankungen aus. Rund Dreiviertel aller weißen Hautkrebserscheinungen beziehen sich auf das Basaliom (Basalzellkarzinom), der damit die häufigste Krebsform weltweit ist. Weißer Hautkrebs betrifft bevorzugt Menschen mit dem helleren Hauttyp I und II.

 

Weißer Hautkrebs in Form von Basalzellkarzinomen kann prinzipiell am ganzen Körper entstehen: 80 Prozent der Basalzellkarzinome treten aber im Kopf-Hals Bereich auf. Das Durchschnittsalter für die Erkrankung liegt bei etwa 60 Jahren. Seit einiger Zeit tritt das Basaliom aber auch zunehmend in jüngerem Lebensalter auf. Das Basalzellkarzinom bildet nur sehr selten Tochterabsiedlungen (Metastasen). Mediziner bezeichnen das Basaliom daher auch als „halb-bösartigen Tumor“. Bei rechtzeitiger Diagnose ist das Basaliom daher derzeit in etwa 95 Prozent der Fälle heilbar. Selbst wenn das Basalzellkarzinom komplett entfernt wurde und damit ausgeheilt ist, empfiehlt sich wegen eines eventuellen Neuauftretens des Tumors eine regelmäßige Nachsorge.

Das Plattenepithelkarzinom wird auch als Spinaliom, als spinozelluläres Karzinom oder als Stachelzellkrebs bezeichnet und ist nach dem Basalzellkarzinom die zweithäufigste Hautkrebsart. Betroffen sind vor allem Menschen mit dem helleren Hauttyp I und II. Das Durchschnittsalter für das Spinaliom liegt bei etwa 70 Jahren, wobei Männer häufiger daran erkranken als Frauen. Die Heilungschance liegt bei knapp 100% sofern die betroffene Stelle kleiner als 1 cm ist.

Beim weißen Hautkrebs (Basalzellkarzinom, Plattenepithelkarzinom) gibt es, anders als beim schwarzen Hautkrebs, eine deutlich geringere Abhängigkeit vom Breitengrad. Studienergebnissen folgend ist hier die aufsummierte lebenslange UV-B-Exposition der wichtigste Risikofaktor für weißen Hautkrebs (13).

Die Wissenschaftler Reichrath, Saternus und Vogt (Hautklinik der Universität des Saarlandes) fanden 2017 zudem heraus, dass niedrige Vitamin D-Serumkonzentrationen einen Risikofaktor für das Auftreten und Fortschreiten von weißem Hautkrebs durch UV-induzierte DNA-Schäden darstellen (14).

Diese Ergebnisse wurden im Jahr 2019 durch eine türkische Studie bestätigt. Dabei wurden Basalzellkarzinom-Patienten beobachtet und deren Vitamin D-Spiegel mit dem Auftreten von Rezidiven in Zusammenhang gesetzt. Hierbei stellte sich ein 2,7 mal höheres Risiko ein Rezidiv zu entwickeln bei niedrigen Vitamin D-Spiegeln heraus (10,12 ng/ml) als bei der Vergleichsgruppe mit höheren Vitamin D-Spiegeln (40,1 ng/ml) (15).

Das Sonnenbaden ohne gleichzeitige Vitamin D-Produktion fördert somit das Entstehen von weißem Hautkrebs. Im Umkehrschluss bedeutet das: Wer sich sonnt, sollte dafür sorgen, dass seine Haut währenddessen Vitamin D als Schutzfaktor produziert. Denn es ist wohl kein Zufall, dass dieses Hormon nicht in irgendeiner Drüse im Körperinneren gebildet und dann über das Blut verteilt wird, sondern direkt in der Haut entsteht, wo es am dringendsten benötigt wird.

Evolutionsbiologisch betrachtet ist die Schutzfunktion vor UV-induzierten Hautkrebsschäden eine der wichtigsten Eigenschaften des Vitamin D – dem Menschen hat die Sonne nämlich schon immer auf den „Pelz“ gebrannt.


Weiterer Faktor im Hautkrebspuzzle: Chemische Sonnenschutzmittel

Und damit kommen wir zu einem weiteren Risikofaktor für die Entstehung von weißem und schwarzem Hautkrebs – den Sonnenschutzmitteln. Diese schirmen oft nur die für die Vitamin D-Produktion notwendige UV-B-Strahlung ab, aber nicht bzw. nur unzureichend die viel tiefer in die Haut eindringende UV-A-Strahlung. Viele synthetischen Sonnenschutzmittel sind alleine durch die Unterbindung der Vitamin D-Produktion schon ein weiterer Risikofaktor und begünstigen damit die Entstehung von Hautkrebs. Hinzu kommt eine ganze Palette von toxischen Chemikalien, die zusätzlich im Verdacht stehen karzinogen zu wirken.

Bei der Verwendung von Sonnenschutzmitteln, die als Cremes, Sprays oder Öle angeboten werden, sollten daher unbedingt die Inhaltsstoffe berücksichtigt werden. Von 19 in den USA zugelassenen Wirkstoffen schätzt die FDA (Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde der Vereinigten Staaten) lediglich 2 mineralische Inhaltsstoffe als ungefährlich ein – Zinkoxid und Titandioxid in Nichtnanogröße. Laut einer von der Endorine Society 2016 veröffentlichten Pressemitteilung (16) beeinträchtigen mindestens 8 von 13 in den USA zugelassene UV-Blocker zumindest das Kalziumsignal männlicher Spermien in Labortests, was in weiterer Folge die Fruchtbarkeit schädigt. Davon betroffen sind: Avobenzon, Homosalat, Meradimat, Octisalat, Octinoxat, Octocrylen, Oxybenzon, Padimate O. Abgesehen von Meradimat sind alle aufgezählten Wirkstoffe auch für den EU-Markt zugelassen.

Doch einige der genannten Wirkstoffe wie Avobenzon, Oxybenzon, Octocrylen, Octinoxat aber auch Ecamsule können sich zudem nachteilig auf unser Hormonsystem auswirken, stehen im dringenden Verdacht krebserregend zu sein und/oder neurotoxisch zu wirken und vieles mehr. Oxybenzon wurde in Hawaii bereits verboten, da sich das Toxin auf viele Meeresbewohner, wie zum Beispiel die Meereskoralle, tödlich auswirkt (17).

Lesen Sie hier unseren ausführlichen Artikel zum Thema: Gefährliche Sonnenschutzmittel!

Fazit:

Moderates, gleichmäßiges Sonnen und Vitamin D schützen vor Hautkrebs und tragen erheblich zu einem gesunden Lebensstil bei. Schockartiges und überdosiertes Sonnen sollten ebenso wie Sonnenbrände tunlichst vermieden werden. Ihr Hauttyp entscheidet über die persönlich optimalen Sonnenexpositions-Zeiten. Geben Sie im Urlaub Ihrer Haut Zeit sich an die UV-Strahlung zu gewöhnen. Nutzen Sie falls notwendig Sonnenschutzmittel mit bedenkenlosen Wirkstoffen wie Zink- oder Titandioxid in Nichtnanogröße oder Naturprodukte und Textilien um sich vor einer Überdosierung der UV-Strahlung zu schützen.


Quellen:

  1. https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/krebs_in_deutschland_inhalt.html;jsessionid=046232C5C19C14D64BDE90151A095BF4.1_cid290
  2. Matthews, N. H. (2017, December 21). Epidemiology of Melanoma. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK481862/
  3. Veronique Bataille, Melanoma. Shall we move away from the sun and focus more on embryogenesis, body weight and longevity? Medical Hapotheses, 24 June 2013.
  4. Veronique Bataille et al., A multicentre epidemiological study on sunbed use and cutaneous melanoma in Europe,  European Journal of Cancer. 2005 Sep;41(14):2141-9. (“Our study confirmed the expected associations between melanoma and fair skin, positive family history and numbers of naevi but did not find a significant association with exposure to the sun and/or sunbeds”)
  5. https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/krebs_in_deutschland_node.html
  6. Gandini, S., Sera, F., Cattaruzza, M. S., Pasquini, P., Picconi, O., Boyle, P., & Melchi, C. F. (2005). Meta-analysis of risk factors for cutaneous melanoma: II. Sun exposure. European Journal of Cancer, 41(1), 45–60. doi: 10.1016/j.ejca.2004.10.016
  7. Gandini, S., Montella, M., Ayala, F., Benedetto, L., Rossi, C. R., Vecchiato, A., … CLINICAL NATIONAL MELANOMA REGISTRY GROUP. (2016, April). Sun exposure and melanoma prognostic factors. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27073541
  8. Chang, Y.-M., Barrett, J. H., Bishop, D. T., Armstrong, B. K., Bataille, V., Bergman, W., … Newton-Bishop, J. A. (2009). Sun exposure and melanoma risk at different latitudes: a pooled analysis of 5700 cases and 7216 controls. International Journal of Epidemiology, 38(3), 814–830. doi: 10.1093/ije/dyp166
  9. Newton-Bishop, J. A., Beswick, S., Randerson-Moor, J., Chang, Y.-M., Affleck, P., Elliott, F., … Bishop, D. T. (2009). Serum 25-Hydroxyvitamin D3 Levels Are Associated With Breslow Thickness at Presentation and Survival From Melanoma. Journal of Clinical Oncology, 27(32), 5439–5444. doi: 10.1200/jco.2009.22.1135
  10. Berwick, M., Armstrong, B., Fine, J., Kricker, A., Eberle, C., & Barnhill, R. (2005). RESPONSE: Re: Sun Exposure and Mortality From Melanoma. JNCI: Journal of the National Cancer Institute, 97(23), 1791–1791. doi: 10.1093/jnci/dji411
  11. Dixon, K., Tongkao-On, W., Sequeira, V., Carter, S., Song, E., Rybchyn, M., … Mason, R. (2013). Vitamin D and Death by Sunshine. International Journal of Molecular Sciences, 14(1), 1964–1977. doi: 10.3390/ijms14011964
  12. Muralidhar, S., Filia, A., Nsengimana, J., Poźniak, J., Oshea, S. J., Diaz, J. M., … Newton-Bishop, J. (2019). Vitamin D–VDR Signaling Inhibits Wnt/β-Catenin–Mediated Melanoma Progression and Promotes Antitumor Immunity. Cancer Research, 79(23), 5986–5998. doi: 10.1158/0008-5472.can-18-3927
  13. Grigalavicius, M., Moan, J., Dahlback, A., & Juzeniene, A. (2015). Daily, seasonal, and latitudinal variations in solar ultraviolet A and B radiation in relation to vitamin D production and risk for skin cancer. International Journal of Dermatology, 55(1). doi: 10.1111/ijd.13065
  14. Reichrath, J., Saternus, R., & Vogt, T. (2017). Endocrine actions of vitamin D in skin: Relevance for photocarcinogenesis of non-melanoma skin cancer, and beyond. Molecular and Cellular Endocrinology, 453, 96–102. doi: 10.1016/j.mce.2017.05.001
  15. Ince, B., Yildirim, M. E. C., & Dadaci, M. (2019). Assessing the Effect of Vitamin D Replacement on Basal Cell Carcinoma Occurrence and Recurrence Rates in Patients with Vitamin D Deficiency. Hormones and Cancer, 10(4-6), 145–149. doi: 10.1007/s12672-019-00365-2
  16. https://www.endocrine.org/news-and-advocacy/news-room/2016/some-sunscreen-ingredients-may-disrupt-sperm-cell-function
  17. https://www.ewg.org/sunscreen/report/the-trouble-with-sunscreen-chemicals/

 

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