Vitamin-D-Studie gibt Hoffnung für Depressive

Vitamin-D-Studie gibt Hoffnung für Depressive

Rund 5,3 Millionen Menschen leiden in Deutschland an Depressionen, Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Laut der "Stiftung für Deutsche Depressions Hilfe" starben im Jahr 2015 dramatische 10.080 Menschen durch Suizid. Das waren mehr Todesfälle als durch Drogen, Verkehrsunfälle und HIV zusammen. Eine randomisierte Doppelblindstudie zeigt, dass Vitamin D gegen die Symptome helfen kann und beweist eindrucksvoll, dass auch bei dieser Erkrankung kein Weg am Sonnen-Vitamin vorbeiführt.

In der Studie wurden 56 Probanden im Alter von 18 bis 60 Jahren mit leichter bis mittelschwerer Depression in zwei Gruppen eingeteilt. Die Interventionsgruppe bekam alle 2 Wochen 50.000 I.E. Vitamin D verabreicht (entspricht ca. 3600 I.E. täglich), während die Kontrollgruppe nur Placebos erhielt. Nach 8 Wochen der Supplementierung wurden die Ergebnisse mit dem sogenannten BDI-II-Score gemessen.


Der BDI-II-Score: Dies ist ein Fragebogen oder ein Test, der von Psychologen und Psychiatern verwendet wird, um die Schweregrad einer Depression bei einer Person zu bewerten. Der Test besteht aus einer Liste von Aussagen oder Fragen, die sich auf verschiedene Symptome der Depression beziehen, wie zum Beispiel Traurigkeit, Schlafprobleme, Energieverlust und Gefühle der Hoffnungslosigkeit.

Der Teilnehmer, der den Test ausfüllt, muss angeben, wie stark jedes Symptom in den letzten zwei Wochen auf ihn zutrifft. Jede Antwort wird mit einer bestimmten Punktzahl bewertet. Am Ende werden alle Punkte addiert, um einen Gesamtwert zu erhalten. Dieser Gesamtwert gibt an, wie schwer die Depression wahrscheinlich ist. Je höher der BDI-II-Wert, desto schwerwiegender wird die Depression normalerweise betrachtet.

Der Gesamtwert auf der BDI-II-Skala kann zwischen 0 und 63 liegen, wobei höhere Werte auf schwerere depressive Symptome hinweisen. Nachfolgend eine grobe Interpretation der Gesamtwerte:

  • 0-13: Minimale Depression
  • 14-19: Leichte Depression
  • 20-28: Mäßige Depression
  • 29-63: Schwere Depression

Beeindruckende Ergebnisse:

In der Interventionsgruppe verbesserte sich der Vitamin D-Spiegel um mehr als 16 ng/ml, während er in der Kontrollgruppe nur um 2 ng/ml anstieg. Der Anstieg des Vitamin D-Spiegels führte in der Vitamin-D-Gruppe zu einer signifikanten Verbesserung auf der BDI-II-Skala. Die Schwere der Depression verringerte sich um durchschnittlich 11,75 Punkte.

Bemerkenswert ist, dass Vitamin D in dieser Studie sein volles Spektrum noch nicht einmal entfalten konnte und dennoch zu diesen hervorragenden Ergebnissen führte. Denn aufgrund von stoffwechselbedingten Abläufen, die wir in einem anderen Artikel erläutern, wirkt Vitamin D bei täglicher Einnahme und im Zusammenspiel mit Magnesium noch besser. Es kann also angenommen werden, dass eine tägliche Verabreichung von Vitamin D zusammen mit Magnesium noch deutlich bessere Ergebnisse erzielt hätte.


Fazit: Vitamin D sollte bei Depressionen unbedingt in Betracht gezogen werden und reduziert in ausreichender Dosis den Schweregrad der Depression.

Quellenangabe:

Kaviani, M., Nikooyeh, B., Etesam, F., Behnagh, S. J., Kangarani, H. M., Arefi, M., Yaghmaei, P. & Neyestani, T. R. (2022). Effects of vitamin D supplementation on depression and some selected pro-inflammatory biomarkers: a double-blind randomized clinical trial. BMC Psychiatry, 22(1). https://doi.org/10.1186/s12888-022-04305-3

Bild: Africa Studio/shutterstock

Lichttherapie wirksam bei Depressionen

Lichttherapie wirksam bei Depressionen

Unter Lichttherapie oder auch Phototherapie versteht man eine Behandlungsmethode durch den Einsatz von speziellen Lampen, die weißes fluoreszierendes Licht abgeben. Der UV-Anteil wird dabei teilweise herausgefiltert während die Lichtintensität mindestens 2.500 Lux und je nach Intensität sogar über 10.000 Lux betragen kann. Mehrere Studien zeigen einen positiven Effekt der Lichttherapie bei saisonalen Depressionen oder Stimmungsschwankungen und weisen darauf hin, dass eine Lichttherapie bzw. Phototherapie zur Linderung der Symptome führen kann [1].

Bereits im Jahr 2005 wurden im Rahmen einer Metaanalyse aus 20 Studien rund um das Forscherteam von Golden et al. vielversprechende Ergebnisse zum Thema Depression publiziert. Für die Metaanalyse wurden die Studien nach folgenden Anwendungskriterien kategorisiert in:

  • Behandlung mit hellem Licht für saisonale-affektive Störungen (Winterdepression),
  • Behandlung mit hellem Licht für nicht-saisonbedingte Depressionen,
  • Behandlung durch Dämmerungssimulation für saisonale-affektive Störungen,
  • Behandlung mit hellem Licht als Zusatzbehandlung in Kombination mit herkömmlichen Antidepressiva bei nicht-saisonaler Depression.  

Die zusammenfassende Recherche zeigte signifikante Verringerungen der Depressionssymptome nach der Lichttherapie bei saisonalen-affektiven Störungen und bei nicht-saisonalen Depressionen sowie eine signifikante Wirkung der Dämmerungssimulation bei saisonaler-affektiver Störung.

Bei der Auswertung von 4 Studien stellte sich heraus, dass sich der Remissionsgrad für saisonal-affektive Störungen um den Faktor 2,9 verbesserte, was eine signifikante Abschwächung der Symptome bedeutet [2].  


Anwendungsempfehlungen für einen gesunden Umgang mit Sonnenlicht und Lichttherapie

Unserer Meinung nach Grund genug, sich dem Thema auch in der täglichen Praxis zu widmen. Egal ob künstliche oder natürliche Lichttherapie durch die Sonnenstrahlung — der optimale Zeitpunkt für eine solche Anwendung ist direkt nach dem Aufstehen am frühen Morgen. Dadurch wird die Melatoninproduktion gestoppt und folgend setzt dessen Produktion am Abend früher ein und führt zu einem leichteren Einschlafen. So wird der zirkadiane Rhythmus positiv beeinflusst, lindert Depressionen und verbessert die Schlafqualität [3].  Für eine regelrechte Anwendung folgen nun einige Empfehlungen für den Umgang mit Licht von Prof. Dr. Seheult, Facharzt für Innere Medizin, Schlafmedizin, Intensivmedizin und Lungenkrankheiten, aus seinem YouTube Video: Sunlight: Optimize Health and Immunity (Light Therapy and Melatonin), siehe unten.

  • Die tägliche Sonnenlicht-Exposition sollte bestenfalls früh morgens, wenn möglich noch vor 09:00 Uhr stattfinden.  
  • Die Photorezeptoren in der Retina benötigen sehr helles Licht, um aktiviert zu werden. Bei sehr hellem Licht bzw. sonnigem Wetter erfolgt diese Aktivierung in 30 Sekunden, bei bewölktem Himmel jedoch benötigt es 5-20 min.
  • Es sollten keine Sonnenbrillen, Fenster oder Windschilde das Sonnenlicht durchbrechen, da sie die Retinastimulation verzögern. Anders verhält es sich mit optischen Brillen und Kontaktlinsen, die nicht in der Lage sind das Licht zu brechen. 
  • Sollte keine Sonnenlicht-Exposition möglich sein, stellen Lichttherapie-Geräte eine gute Alternative dar. Mit einer Lichtintensität von ca. 10 000 Lux reicht eine Behandlung für 20-30 min pro Tag. Für einen wirksamen Effekt sollte der Patient ca. 50-80 cm vom Gerät mit geöffneten und nicht bedeckten Augen entfernt sitzen [1].
  • Blaues natürliches Licht aus natürlichen Quellen während des Tages ist gut und deshalb sollten keine Brillen getragen werden, die blaues Licht blockieren. 
  • Der Lichteinfluss nach Sonnenuntergang sollte so gut wie möglich minimiert und eher Licht mit roter Wellenlänge bevorzugt werden. Dazu eignen sich Blaulichtfilter bei elektronischen Geräten und/oder die Verwendung von Blaulichtbrillen.  
  • Generell sollten Bildschirme idealerweise 2 Stunden vor dem Schlafengehen gemieden werden.  

Und hier das Informationsvideo von Dr. Seheult:  

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1. Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). (2015). S3-Leitlinie/Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression Langfassung. https://www.dgppn.de/_Resources/Persistent/d53e5967ade4134e444e71973752e10bcaebda79/S3-NVL_depression-2aufl-vers1-kurz.pdf 

2. Golden, R. N., Gaynes, B. N., Ekstrom, R. D., Hamer, R. M., Jacobsen, F. M., Suppes, T., Wisner, K. L. & Nemeroff, C. B. (2005, April). The Efficacy of Light Therapy in the Treatment of Mood Disorders: A Review and Meta-Analysis of the Evidence. American Journal of Psychiatry, 162(4), 656–662. https://doi.org/10.1176/appi.ajp.162.4.656 

3. Brainard, G. C., Sliney, D., Hanifin, J. P., Glickman, G., Byrne, B., Greeson, J. M., . . . Rollag, M. D. (2008, October). Sensitivity of the human circadian system to short-wavelength (420-nm) light. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18838601

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Vitamin D + Omega 3 – eine starke Kombi gegen Depression, Angst und Stress

Vitamin D + Omega 3 – eine starke Kombi gegen Depression, Angst und Stress

Sowohl Vitamin D als auch Omega-3-Fettsäuren spielen eine wichtige Rolle für die Gesundheit des Gehirns und des Nervensystems. Beide haben nachweislich positive Auswirkungen auf Depressionen, Stress, Angstzustände und Schlaf. Doch werden die Wirkungen durch eine kombinierte Anwendung beider Nährstoffe noch verstärkt?

 

Rajabi-Naeeni et al. (2021) ging in einer randomisierten kontrollierten Interventionsstudie (1) genau dieser Frage auf den Grund. 168 prädiabetische Frauen im Alter zwischen 15 und 50 Jahren und einem Vitamin-D-Spiegel von unter 32 ng/ml wurden dabei beobachtet. Alle Frauen hatten in den letzten 6 Monaten vor Studienbeginn keine Vitamin-D- oder Omega-3-Präparate eingenommen.

Die Probanden wurden in 4 Gruppen eingeteilt:

  • Placebo-Gruppe: erhielt nur Placebopräparate
  • Omega-3-Gruppe: erhielt 2g Omega-3-Fettsäuren täglich und Vitamin-D-Placebopräparate
  • Vitamin-D-Gruppe: erhielt alle 2 Wochen 50.000 I.E. Vitamin D und Omega-3-Placebos
  • Co-Gruppe: erhielt 2g Omega-3-Fettsäuren täglich und 50.000 I.E. Vitamin D alle 2 Wochen

Zu Beginn der Studie wurden der Nüchternblutzucker und der Vitamin-D-Spiegel gemessen. Die „Depression Anxiety Stress Scale-21“, ein Fragebogen zur Erfassung von Belastung durch Depression, Angst und Stress, wurde am Beginn der Studie erhoben.

Der „Pittsburgh Sleep Quality Index“, ein Fragebogen zur Erfassung der Schlafqualität, wurde von den Teilnehmern zu Beginn und am Ende der Intervention ausgefüllt.

Ergebnis (siehe Abb.1):

Bei der Placebogruppe konnten keine signifikanten Veränderungen festgestellt werden.

Vitamin D und Omega 3 jeweils einzeln verabreicht, verbesserten die Zustände bei Depression, Angstzuständen, Stress und Schlafqualität signifikant. Vitamin D alleine reduzierte die Depressionswerte zum Beispiel um 2,11 Punkte.

Am meisten verbesserten sich die Werte, wenn beide Nährstoffe gemeinsam eingenommen wurden! So konnten die Werte für Depression, Angst, Stress und schlechter Schlafqualität drastisch reduziert werden.

Abb.1.: Die amerikanische GrassrootsHealt-Bewegung dokumentierte die Ergebnisse der Studie in diesem Diagramm, um die Effekte sichtbar zu machen.

Anzumerken ist allerdings, dass die Vitamin-D-Gabe vermutlich noch mehr Wirkung gezeigt hätte, wenn sie täglich in adäquaten Dosen verabreicht worden wäre anstelle von zwei-wöchentliche Gaben. Hier können Sie nachlesen, warum die tägliche Einnahme von Vitamin D am sinnvollsten ist >>

Fazit: Trotzdem ist das Ergebnis beeindruckend und spricht sich klar für eine Supplementierung von Vitamin-D- und Omega-3-Präparaten aus.

Literaturzitate:

  1. Rajabi‐Naeeni, M., Dolatian, M., Qorbani, M. & Vaezi, A. A. (2021). Effect of omega‐3 and vitamin D co‐supplementation on psychological distress in reproductive‐aged women with pre‐diabetes and hypovitaminosis D: A randomized controlled trial. Brain and Behavior. Published. https://doi.org/10.1002/brb3.2342

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Darum sollten Sie Vitamin D auch im Sommer einnehmen

Darum sollten Sie Vitamin D auch im Sommer einnehmen

Viele Mythen und Gerüchte ranken sich um die richtige Einnahme von Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel. So wird an mancher Stelle behauptet, eine Supplementierung in den Sommermonaten sei überflüssig, da genug Vitamin D durch den Aufenthalt in der Sonne produziert werde. Wir schaffen Klarheit und klären, wann eine Vitamin D-Zufuhrung über Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll ist und wann sie außen vor gelassen werden kann.

Praktisch alle unsere Zellen verfügen über einen Vitamin-D-Rezeptor, eine Art Schleuse, die dafür sorgt, dass das Vitamin D in seiner wirksamen Form in die Zellkerne gelangt und dort seine steuernde und regulierende Wirkung ausüben kann (1).

Die Synthese des Sonnenhormons beginnt in der Leber aus dem Grundstoff Cholesterol, einem Fett, das wegen seiner Beteiligung an der Arteriosklerose in einen schlechten Ruf geraten ist - zu Unrecht, wie wir inzwischen wissen. Die in der Leber gebildete Vorstufe wird dann mit dem Blutkreislauf in die Haut transportiert. Dort entsteht unter der Einwirkung des ultravioletten Anteils der Sonnenstrahlen (UV-B mit 290 bis 315 nm Wellenlänge) und zusätzlicher Wärmeeinwirkung Vitamin D, das Cholecalciferol.

Ein körpereigener Schutzmechanismus spaltet bei zu hoher UV-Einwirkung durch die Sonne die Vorstufe des Vitamin D in die inaktiven Abbauprodukte Lumisterol und Tachysterol auf, die keine direkte Vitamin-D-Wirkung besitzen. Darum kann Sonnenexposition allein niemals zu einer Vitamin D-Überdosierung bzw. Intoxikation führen.

Der endokrine Stoffwechsel über Leber und Nieren

Sozusagen als Basis für den Vitamin-D-Stoffwechsel im Körper bildet sich nun in der Leber das Calcidiol, das später in der Niere zu seiner aktiven Form, dem Calcitriol, weiterverarbeitet wird (rechte Seite im Schaubild). Der Großteil des Calcidiols ist an ein sogenanntes Bindungsprotein gebunden und hat abgesehen vom Knochenstoffwechsel eine eher niedrige Stoffwechselaktivität.

Der Stoffwechsel des Vitamin D über die Leber und Niere ist schon seit Jahrzehnten bekannt und insbesondere für den Knochenstoffwechsel von Bedeutung - daher rührt der Name "Knochenvitamin". Für diesen Aspekt der Vitamin D-Versorgung würde eine wöchentliche Verabreichung von Vitamin D vollkommen ausreichen, da das Calcidiol, welches als Speicher-Vitamin D in unseren Gefäßen zirkuliert, eine Halbwertszeit von etwa 3 Wochen aufweist.

Inzwischen weiß man jedoch weit mehr über den bedeutsameren, nicht endokrinen Vitamin D-Stoffwechsel.

Der autokrine und parakrine Stoffwechsel in den Zellen und Geweben

Der andere Teil des Cholecalciferols (freies Vitamin D), der nicht in der Leber zu Calcidiol umgewandelt wird (linke Seite im Schaubild), wandert durch den Blutkreislauf direkt in die Zellen und wird dort in Calcidiol und in weiterer Folge in Calcitriol, also in das aktive Vitamin D verstoffwechselt. Dort reagiert Vitamin D mit den VD-Rezeptoren, die dann auf verschiedenen Signalübertragungswegen in den Zellstoffwechsel eingreifen und dabei Einfluss auf mehr als 2000 von 23 000 Genen ausüben. Diesen Teil des Vitamin-D-Stoffwechsels nennt man das autokrine System.

Das freie Vitamin D, das an kein Bindungsprotein gebunden ist, hat im Gegensatz zum gebundenen Calcidiol aus dem endokrinen Stoffwechsel nur eine Halbwertszeit von 24 Stunden.

Der entscheidende Unterschied zwischen täglicher und wöchentlicher Einnahme

Lange Zeit wurde kein Unterschied gemacht, ob die benötigte Menge des Sonnenhormons täglich, wöchentlich oder monatlich zugeführt wurde. Hauptsache die über die Zeit verabreichte Gesamtdosis stimmte. Dies hat sich seit einer Veröffentlichung der Arbeitsgruppe von Dr. Bruce Hollis, einem Team von Top-Experten in Sachen Vitamin D aus den USA, gründlich geändert (2).

Es geht in der wissenschaftlichen Ausarbeitung um die hohe Verfügbarkeit von Vitamin D über den autokrinen/parakrinen Weg, unmittelbar nachdem es in den Körper gelangt ist. Der Grund für dieses Phänomen liegt darin, dass sich das zugeführte freie Vitamin D (Cholecalciferol) anders verhält als das zirkulierende Calcidiol nach der Leberpassage (endokriner Stoffwechsel). Letzteres ist wie bereits erwähnt nahezu völlig an das Vitamin D-Bindungsprotein gebunden und seine freie Fraktion so niedrig, dass seine Stoffwechselwirkung eindeutig geringer als die des frei verfügbaren Cholecalciferols ist.

Wird Vitamin D hingegen in einer üblichen Dosis von 4000-5000 I.E. oder höher pro Tag gegeben, kann es jeweils in seiner freien Form zirkulieren, für alle Zellen zur Verfügung stehen und damit einen bedeutenden Einfluss auf alle Krankheitsprozesse bewirken. Angesichts der kurzen Halbwertszeit von 24 Stunden des Vitamin D im Blut ist daher eine tägliche Zufuhr deutlich effektiver als eine Gabe von Vitamin D im Intervall von einer Woche oder gar einem Monat.

In anderen Worten: Ein Großteil der präventiven und therapeutischen Wirkungen des Vitamin D lässt sich auf das freie Vitamin D zurückführen, welches sich im Blut innerhalb eines Tages in seiner Konzentration halbiert. Darum ist eine tägliche Verabreichung von Vitamin D für die Entfaltung des vollen Wirkspektrum so bedeutsam.


Wann soll Vitamin D im Sommer supplementiert werden

Die eingangs erwähnte Frage lässt sich folglich so beantworten: Eine tägliche Zuführung von Vitamin D, egal ob aus natürlicher Sonnenexposition, künstlicher UV-B-Strahlung oder Nahrungsergänzungsmitteln ist unumgänglich für die Entfaltung des vollen Wirkspektrums des Vitamin D.

An jenen Tagen zwischen April und September, an denen die Sonne scheint und eine ausreichende Fläche der Haut lange genug und ohne Verwendung von Sonnenblockern in der Mittagszeit ca. zwischen 11 Uhr und 15 Uhr mit Sonne bestrahlt wird, ist keine Supplementierung mit Vitamin D notwendig. Bitte beachten Sie aber die Verhaltensregeln in Bezug auf den Sonnengenuss - typischerweise sind 10-20 Minuten, je nach Hauttyp, ausreichend - und Sonnenbrände müssen unbedingt vermieden werden.

Wenn draußen die Sonne zur Mittagzeit einen neuen Hitzerekord verursacht und Sie sich im Büro oder in Gebäuden aufhalten, oder draußen Ihre Haut mit Textilien verschleiern, findet keine Vitamin D-Produktion auf der Haut statt, denn es sollten mindestens Arme uns Beine von der Sonne beschienen werden um ausreichend Vitamin D zu produzieren. Auch wenn Sie Sonnenschutzmittel auftragen, wird kein oder kaum Vitamin D auf Ihrer Haut produziert. Eine Supplementation ist unter diesen Umständen auch an Sommertagen sinnvoll.

Quellen:

  1. DeLuca HF, Darwish HM, Ross TK, Moss VE. Mechanism of action of 1,25-dihydroxyvitamin D on target gene expression. Journal of nutritional science and vitaminology 1992;19-26
  2. Hollis, B. W., & Wagner, C. L. (2013). The Role of the Parent Compound Vitamin D with Respect to Metabolism and Function: Why Clinical Dose Intervals Can Affect Clinical Outcomes. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 98(12), 4619-4628. doi:10.1210/jc.2013-2653

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Vitamin D – das natürliche Antidepressivum

Vitamin D – das natürliche Antidepressivum

Das Wiener Universitätsklinikum AKH schlug bereits Ende Januar 2021 Alarm: Die Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie ist überfüllt. Die Kollateralschäden der Corona-Maßnahmen schlagen zunehmend auf das Gemüt der Bevölkerung, insbesondere Kinder sind betroffen. Der Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie am AKH Wien verlautbarte: „Es kommen mehr, und die Zustandsbilder sind deutlich akuter und schwerer ausgeprägt, sodass Patienten, die weniger akut sind, aber trotzdem einer stationären Aufnahme bedürfen würden, natürlich auch nachgereiht werden müssen im Sinne einer gewissen Triagierung (1).“

Kann Vitamin D bei Depressionen helfen?

Ein wesentlicher Grund, bei der Depression an eine Beteiligung des Sonnenhormons zu denken, liegt darin, dass die Erkrankung in den Wintermonaten, also dann wenn die Vitamin D-Spiegel im Keller sind, gehäuft auftritt (2, 3). Für Nordamerika lässt sich auch eine eindeutige Abhängigkeit der Erkrankung vom Breitengrad nachweisen, während sich diese Abhängigkeit in Europa nicht eindeutig zeigt. Für die Richtigkeit der These spricht auch, dass die Gabe von Vitamin D in verschiedenen Dosierungen einen positiven Effekt auf die Stimmungslage der Probanden hat (4).

Vitamin D - das natürliches Antidepressivum ohne Nebenwirkung

Eine randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie aus dem Mai 2020, welche mit 56 Probanden mit leichter bis mittelschwerer Depression durchgeführt wurde, liefert neue Erkenntnisse in Bezug auf die Wirkung des Vitamin D auf den Gemütszustand bei Depressiven. Die Teilnehmer wurden dabei zufällig in 2 Gruppen eingeteilt, von denen eine Gruppe Vitamin D und die anderen Gruppe Placebos verabreicht bekam. Obwohl die Probanden in der Vitamin-D-Gruppe bei dieser Untersuchung nur 4 hochdosierte Bolusdosen Vitamin D (50.000 I.E.) über 8 Wochen verteilt erhielten, wurde bei ihnen der Schweregrad der Depression signifikant verringert.

Während sich die Vitamin-D-Spiegel  in der Vitamin-D-Gruppe um umgerechnet ca. 16 ng/ml erhöhten, sank der Schweregrad der Depression (BDI-Wert - Beck Depression Inventory-II) um 11,75 Punkte (5).

Eine Reduzierung des BDI-Wertes um 11,75 Punkte bedeutet, dass Patienten mit milder Depression durch das Einnehmen von Vitamin D von ihrer Erkrankung geheilt wurden (siehe Tabelle unten). Bei Patienten, die mittelschwere Symptome einer Despression aufwiesen, verringerten sich die Symptome durch die Einnahme von Vitamin D so weit, dass sie in die Gruppe "milde Depression" eingestuft werden konnten.

0-12 Keine Depression bzw. klinisch unauffällig oder remittiert
13-19 Milde Depression
20-28 Mittlere Depression
29-63 Schwere Depression

In der Placebogruppe stieg der Vitamin-D-Spiegel im Durchschnitt ebenfalls, jedoch nur um 2 ng/ml. Dementsprechend reduzierte sich der BDI-Wert nur um 3,61 Punkte.

Anmerkung: Damit Vitamin D seine volle Wirkung entfalten kann, muss es täglich und nicht nur alle 2 Wochen wie in der Studie verabreicht werden. Diese beeindruckenden Ergebnisse der Studie können insofern höchstwahrscheinlich durch eine tägliche Verabreichung von Vitamin D sogar übertroffen werden.

Auch ein im Jahr 2014 veröffentlichter Review demonstriert eine vergleichbare Effektgröße von Vitamin D-Gabe und Antidepressiva (6) - allerdings ohne Nebenwirkungen, die bei den Pharma-Präparaten immer mehr in die Kritik geraten.

Noch deutlicher wurde im Jahr 2018 der Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und Depressionen bei Frauen mit postpartaler Depression (d.h. nach der Entbindung) hergestellt. Bei der Analyse von neun Längsstudien mit insgesamt 8470 Teilnehmern hatten Frauen mit einem Vitamin-D-Mangel (< 20 ng/ml) ein 2,67-faches höheres Risiko, eine postpartale Depression zu entwickeln, im Vergleich zu Frauen mit besserer Vitamin-D-Versorgung (>20 ng/ml) (7).

Fazit: Sie können sich und Ihren Lieben selbst helfen. Schützen Sie Ihre Kinder und sich selbst mit Vitamin D vor psychischen Erkrankungen wie Depressionen, denn es mehren sich handfeste Belege, dass sich Vitamin D erstaunlich positiv auf das Gemüt auswirkt. Wenn Sie zusätzlich noch das natürliche Sonnenlicht nutzen, ist die positive Wirkung aufgrund weiterer biochemischer Vorgänge auch unabhängig von Vitamin D noch stärker.

Hier können Sie außerdem nachlesen, warum sich das Sonnenlicht unabhängig von der Vitamin D-Produktion positiv auf Erkrankungen wie Depressionen auswirkt.

Quellen:

  1. https://wien.orf.at/stories/3087068/
  2. Rosen L, Knudson KH, Fancher P. Prevalence of seasonal affective disorder among U.S. Army soldiers in Alaska. Military medicine 2002;167(7):581–4
  3. Mersch PP, Middendorp HM et al. The prevalence of seasonal affective disorder in The Netherlands: a prospective and retrospective study of seasonal mood variation in the general population. Biological Psychiatry 1999;45(8):1013–22
  4. Vieth R, Kimball S et al. Randomized comparison of the effects of the vitamin D3 adequate intake versus 100 mcg (4000 IU) per day on biochemical responses and the wellbeing of patients. Nutrition Journal 2004;3:8
  5. Kaviani, M., Nikooyeh, B., Zand, H., Yaghmaei, P. & Neyestani, T. R. (2020). Effects of vitamin D supplementation on depression and some involved neurotransmitters. Journal of Affective Disorders, 269, 28–35. https://doi.org/10.1016/j.jad.2020.03.029
  6. Spedding, Simon (2014). Vitamin D and depression. A systematic review and meta-analysis comparing studies with and without biological flaws. In: Nutrients 6 (4), S. 1501–1518. DOI: 10.3390/nu6041501
  7. Wang J, Liu N et al (2018). Association between vitamin D deficiency and antepartum and postpartum depression: A systematic review and meta-analysis of  longitudinal studies. Archives of Gynecology and Obstetrics, 298, 1045–1059(2018)

 

Titelbildquelle:

Bild von Ryan McGuire auf Pixabay