Darum sollten Sie Vitamin D auch im Sommer einnehmen

Darum sollten Sie Vitamin D auch im Sommer einnehmen

Viele Mythen und Gerüchte ranken sich um die richtige Einnahme von Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel. So wird an mancher Stelle behauptet, eine Supplementierung in den Sommermonaten sei überflüssig, da genug Vitamin D durch den Aufenthalt in der Sonne produziert werde. Wir schaffen Klarheit und klären, wann eine Vitamin D-Zufuhrung über Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll ist und wann sie außen vor gelassen werden kann.

Praktisch alle unsere Zellen verfügen über einen Vitamin-D-Rezeptor, eine Art Schleuse, die dafür sorgt, dass das Vitamin D in seiner wirksamen Form in die Zellkerne gelangt und dort seine steuernde und regulierende Wirkung ausüben kann (1).

Die Synthese des Sonnenhormons beginnt in der Leber aus dem Grundstoff Cholesterol, einem Fett, das wegen seiner Beteiligung an der Arteriosklerose in einen schlechten Ruf geraten ist - zu Unrecht, wie wir inzwischen wissen. Die in der Leber gebildete Vorstufe wird dann mit dem Blutkreislauf in die Haut transportiert. Dort entsteht unter der Einwirkung des ultravioletten Anteils der Sonnenstrahlen (UV-B mit 290 bis 315 nm Wellenlänge) und zusätzlicher Wärmeeinwirkung Vitamin D, das Cholecalciferol.

Ein körpereigener Schutzmechanismus spaltet bei zu hoher UV-Einwirkung durch die Sonne die Vorstufe des Vitamin D in die inaktiven Abbauprodukte Lumisterol und Tachysterol auf, die keine direkte Vitamin-D-Wirkung besitzen. Darum kann Sonnenexposition allein niemals zu einer Vitamin D-Überdosierung bzw. Intoxikation führen.

Der endokrine Stoffwechsel über Leber und Nieren

Sozusagen als Basis für den Vitamin-D-Stoffwechsel im Körper bildet sich nun in der Leber das Calcidiol, das später in der Niere zu seiner aktiven Form, dem Calcitriol, weiterverarbeitet wird (rechte Seite im Schaubild). Der Großteil des Calcidiols ist an ein sogenanntes Bindungsprotein gebunden und hat abgesehen vom Knochenstoffwechsel eine eher niedrige Stoffwechselaktivität.

Der Stoffwechsel des Vitamin D über die Leber und Niere ist schon seit Jahrzehnten bekannt und insbesondere für den Knochenstoffwechsel von Bedeutung - daher rührt der Name "Knochenvitamin". Für diesen Aspekt der Vitamin D-Versorgung würde eine wöchentliche Verabreichung von Vitamin D vollkommen ausreichen, da das Calcidiol, welches als Speicher-Vitamin D in unseren Gefäßen zirkuliert, eine Halbwertszeit von etwa 3 Wochen aufweist.

Inzwischen weiß man jedoch weit mehr über den bedeutsameren, nicht endokrinen Vitamin D-Stoffwechsel.

Der autokrine und parakrine Stoffwechsel in den Zellen und Geweben

Der andere Teil des Cholecalciferols (freies Vitamin D), der nicht in der Leber zu Calcidiol umgewandelt wird (linke Seite im Schaubild), wandert durch den Blutkreislauf direkt in die Zellen und wird dort in Calcidiol und in weiterer Folge in Calcitriol, also in das aktive Vitamin D verstoffwechselt. Dort reagiert Vitamin D mit den VD-Rezeptoren, die dann auf verschiedenen Signalübertragungswegen in den Zellstoffwechsel eingreifen und dabei Einfluss auf mehr als 2000 von 23 000 Genen ausüben. Diesen Teil des Vitamin-D-Stoffwechsels nennt man das autokrine System.

Das freie Vitamin D, das an kein Bindungsprotein gebunden ist, hat im Gegensatz zum gebundenen Calcidiol aus dem endokrinen Stoffwechsel nur eine Halbwertszeit von 24 Stunden.

Der entscheidende Unterschied zwischen täglicher und wöchentlicher Einnahme

Lange Zeit wurde kein Unterschied gemacht, ob die benötigte Menge des Sonnenhormons täglich, wöchentlich oder monatlich zugeführt wurde. Hauptsache die über die Zeit verabreichte Gesamtdosis stimmte. Dies hat sich seit einer Veröffentlichung der Arbeitsgruppe von Dr. Bruce Hollis, einem Team von Top-Experten in Sachen Vitamin D aus den USA, gründlich geändert (2).

Es geht in der wissenschaftlichen Ausarbeitung um die hohe Verfügbarkeit von Vitamin D über den autokrinen/parakrinen Weg, unmittelbar nachdem es in den Körper gelangt ist. Der Grund für dieses Phänomen liegt darin, dass sich das zugeführte freie Vitamin D (Cholecalciferol) anders verhält als das zirkulierende Calcidiol nach der Leberpassage (endokriner Stoffwechsel). Letzteres ist wie bereits erwähnt nahezu völlig an das Vitamin D-Bindungsprotein gebunden und seine freie Fraktion so niedrig, dass seine Stoffwechselwirkung eindeutig geringer als die des frei verfügbaren Cholecalciferols ist.

Wird Vitamin D hingegen in einer üblichen Dosis von 4000-5000 I.E. oder höher pro Tag gegeben, kann es jeweils in seiner freien Form zirkulieren, für alle Zellen zur Verfügung stehen und damit einen bedeutenden Einfluss auf alle Krankheitsprozesse bewirken. Angesichts der kurzen Halbwertszeit von 24 Stunden des Vitamin D im Blut ist daher eine tägliche Zufuhr deutlich effektiver als eine Gabe von Vitamin D im Intervall von einer Woche oder gar einem Monat.

In anderen Worten: Ein Großteil der präventiven und therapeutischen Wirkungen des Vitamin D lässt sich auf das freie Vitamin D zurückführen, welches sich im Blut innerhalb eines Tages in seiner Konzentration halbiert. Darum ist eine tägliche Verabreichung von Vitamin D für die Entfaltung des vollen Wirkspektrum so bedeutsam.


Wann soll Vitamin D im Sommer supplementiert werden

Die eingangs erwähnte Frage lässt sich folglich so beantworten: Eine tägliche Zuführung von Vitamin D, egal ob aus natürlicher Sonnenexposition, künstlicher UV-B-Strahlung oder Nahrungsergänzungsmitteln ist unumgänglich für die Entfaltung des vollen Wirkspektrums des Vitamin D.

An jenen Tagen zwischen April und September, an denen die Sonne scheint und eine ausreichende Fläche der Haut lange genug und ohne Verwendung von Sonnenblockern in der Mittagszeit ca. zwischen 11 Uhr und 15 Uhr mit Sonne bestrahlt wird, ist keine Supplementierung mit Vitamin D notwendig. Bitte beachten Sie aber die Verhaltensregeln in Bezug auf den Sonnengenuss - typischerweise sind 10-20 Minuten, je nach Hauttyp, ausreichend - und Sonnenbrände müssen unbedingt vermieden werden.

Wenn draußen die Sonne zur Mittagzeit einen neuen Hitzerekord verursacht und Sie sich im Büro oder in Gebäuden aufhalten, oder draußen Ihre Haut mit Textilien verschleiern, findet keine Vitamin D-Produktion auf der Haut statt, denn es sollten mindestens Arme uns Beine von der Sonne beschienen werden um ausreichend Vitamin D zu produzieren. Auch wenn Sie Sonnenschutzmittel auftragen, wird kein oder kaum Vitamin D auf Ihrer Haut produziert. Eine Supplementation ist unter diesen Umständen auch an Sommertagen sinnvoll.

Quellen:

  1. DeLuca HF, Darwish HM, Ross TK, Moss VE. Mechanism of action of 1,25-dihydroxyvitamin D on target gene expression. Journal of nutritional science and vitaminology 1992;19-26
  2. Hollis, B. W., & Wagner, C. L. (2013). The Role of the Parent Compound Vitamin D with Respect to Metabolism and Function: Why Clinical Dose Intervals Can Affect Clinical Outcomes. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 98(12), 4619-4628. doi:10.1210/jc.2013-2653

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Vitamin D – das natürliche Antidepressivum

Vitamin D – das natürliche Antidepressivum

Das Wiener Universitätsklinikum AKH schlug bereits Ende Januar 2021 Alarm: Die Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie ist überfüllt. Die Kollateralschäden der Corona-Maßnahmen schlagen zunehmend auf das Gemüt der Bevölkerung, insbesondere Kinder sind betroffen. Der Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie am AKH Wien verlautbarte: „Es kommen mehr, und die Zustandsbilder sind deutlich akuter und schwerer ausgeprägt, sodass Patienten, die weniger akut sind, aber trotzdem einer stationären Aufnahme bedürfen würden, natürlich auch nachgereiht werden müssen im Sinne einer gewissen Triagierung (1).“

Kann Vitamin D bei Depressionen helfen?

Ein wesentlicher Grund, bei der Depression an eine Beteiligung des Sonnenhormons zu denken, liegt darin, dass die Erkrankung in den Wintermonaten, also dann wenn die Vitamin D-Spiegel im Keller sind, gehäuft auftritt (2, 3). Für Nordamerika lässt sich auch eine eindeutige Abhängigkeit der Erkrankung vom Breitengrad nachweisen, während sich diese Abhängigkeit in Europa nicht eindeutig zeigt. Für die Richtigkeit der These spricht auch, dass die Gabe von Vitamin D in verschiedenen Dosierungen einen positiven Effekt auf die Stimmungslage der Probanden hat (4).

Vitamin D - das natürliches Antidepressivum ohne Nebenwirkung

Eine randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie aus dem Mai 2020, welche mit 56 Probanden mit leichter bis mittelschwerer Depression durchgeführt wurde, liefert neue Erkenntnisse in Bezug auf die Wirkung des Vitamin D auf den Gemütszustand bei Depressiven. Die Teilnehmer wurden dabei zufällig in 2 Gruppen eingeteilt, von denen eine Gruppe Vitamin D und die anderen Gruppe Placebos verabreicht bekam. Obwohl die Probanden in der Vitamin-D-Gruppe bei dieser Untersuchung nur 4 hochdosierte Bolusdosen Vitamin D (50.000 I.E.) über 8 Wochen verteilt erhielten, wurde bei ihnen der Schweregrad der Depression signifikant verringert.

Während sich die Vitamin-D-Spiegel  in der Vitamin-D-Gruppe um umgerechnet ca. 16 ng/ml erhöhten, sank der Schweregrad der Depression (BDI-Wert - Beck Depression Inventory-II) um 11,75 Punkte (5).

Eine Reduzierung des BDI-Wertes um 11,75 Punkte bedeutet, dass Patienten mit milder Depression durch das Einnehmen von Vitamin D von ihrer Erkrankung geheilt wurden (siehe Tabelle unten). Bei Patienten, die mittelschwere Symptome einer Despression aufwiesen, verringerten sich die Symptome durch die Einnahme von Vitamin D so weit, dass sie in die Gruppe "milde Depression" eingestuft werden konnten.

0-12 Keine Depression bzw. klinisch unauffällig oder remittiert
13-19 Milde Depression
20-28 Mittlere Depression
29-63 Schwere Depression

In der Placebogruppe stieg der Vitamin-D-Spiegel im Durchschnitt ebenfalls, jedoch nur um 2 ng/ml. Dementsprechend reduzierte sich der BDI-Wert nur um 3,61 Punkte.

Anmerkung: Damit Vitamin D seine volle Wirkung entfalten kann, muss es täglich und nicht nur alle 2 Wochen wie in der Studie verabreicht werden. Diese beeindruckenden Ergebnisse der Studie können insofern höchstwahrscheinlich durch eine tägliche Verabreichung von Vitamin D sogar übertroffen werden.

Auch ein im Jahr 2014 veröffentlichter Review demonstriert eine vergleichbare Effektgröße von Vitamin D-Gabe und Antidepressiva (6) - allerdings ohne Nebenwirkungen, die bei den Pharma-Präparaten immer mehr in die Kritik geraten.

Noch deutlicher wurde im Jahr 2018 der Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und Depressionen bei Frauen mit postpartaler Depression (d.h. nach der Entbindung) hergestellt. Bei der Analyse von neun Längsstudien mit insgesamt 8470 Teilnehmern hatten Frauen mit einem Vitamin-D-Mangel (< 20 ng/ml) ein 2,67-faches höheres Risiko, eine postpartale Depression zu entwickeln, im Vergleich zu Frauen mit besserer Vitamin-D-Versorgung (>20 ng/ml) (7).

Fazit: Sie können sich und Ihren Lieben selbst helfen. Schützen Sie Ihre Kinder und sich selbst mit Vitamin D vor psychischen Erkrankungen wie Depressionen, denn es mehren sich handfeste Belege, dass sich Vitamin D erstaunlich positiv auf das Gemüt auswirkt. Wenn Sie zusätzlich noch das natürliche Sonnenlicht nutzen, ist die positive Wirkung aufgrund weiterer biochemischer Vorgänge auch unabhängig von Vitamin D noch stärker.

Hier können Sie außerdem nachlesen, warum sich das Sonnenlicht unabhängig von der Vitamin D-Produktion positiv auf Erkrankungen wie Depressionen auswirkt.

Quellen:

  1. https://wien.orf.at/stories/3087068/
  2. Rosen L, Knudson KH, Fancher P. Prevalence of seasonal affective disorder among U.S. Army soldiers in Alaska. Military medicine 2002;167(7):581–4
  3. Mersch PP, Middendorp HM et al. The prevalence of seasonal affective disorder in The Netherlands: a prospective and retrospective study of seasonal mood variation in the general population. Biological Psychiatry 1999;45(8):1013–22
  4. Vieth R, Kimball S et al. Randomized comparison of the effects of the vitamin D3 adequate intake versus 100 mcg (4000 IU) per day on biochemical responses and the wellbeing of patients. Nutrition Journal 2004;3:8
  5. Kaviani, M., Nikooyeh, B., Zand, H., Yaghmaei, P. & Neyestani, T. R. (2020). Effects of vitamin D supplementation on depression and some involved neurotransmitters. Journal of Affective Disorders, 269, 28–35. https://doi.org/10.1016/j.jad.2020.03.029
  6. Spedding, Simon (2014). Vitamin D and depression. A systematic review and meta-analysis comparing studies with and without biological flaws. In: Nutrients 6 (4), S. 1501–1518. DOI: 10.3390/nu6041501
  7. Wang J, Liu N et al (2018). Association between vitamin D deficiency and antepartum and postpartum depression: A systematic review and meta-analysis of  longitudinal studies. Archives of Gynecology and Obstetrics, 298, 1045–1059(2018)

 

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Depression

Die Wirkung von Vitamin D auf unsere Stimmung

Die Bedeutung von Sonne und Vitamin D für den Gemütszustand der Menschen kann kaum überschätzt werden. Nicht nur das sichtbare Licht, auch das Vitamin D selbst, das durch die UV-Strahlen der Sonne (oder im Solarium) gebildet wird, macht gute Laune und schützt vor Depression – auch im „Vitamin D-Winter“.

Wenn das Frühjahr kommt, atmen Mensch und Natur auf. An einem hellen Sonnentag im Sommer fühlen wir uns heiter und ausgeglichen. Anders an einem dunklen, wolkenverhangenen Herbstabend. Viele Menschen verfallen dann in den „Herbst- und Winter-Blues“, der zu einer saisonalen Depression, SAD (seasonal affective disorder) entwickeln kann. Warum ist das so?

Sie finden auf dieser Seite:

Die doppelte Wirkung des Sonnenlichts
UV-Strahlen stimmen heiter – egal aus welcher Quelle
Sonne, Sonnen-Hormon und Depression
Ältere Frauen am stärksten betroffen
Hilft das Sonnen-Hormon auch beim „Baby-Blues“?
Sonne und Sonnen-Hormon hellen auch Männer-Verstimmungen auf
Sind Übergewichtige depressiver?


Die doppelte Wirkung des Sonnenlichts

Den Unterschied macht das Sonnenlicht. Bekannt und in der Presse ausgiebig gefeiert ist die Wirkung des sichtbaren Lichts. Über die Augen aufgenommen bewirkt es die Mobilisierung einer Reihe von Botenstoffen, die die Gehirnzellen zur Ausschüttung von „Glückshormonen“Endorphinen, und Serotonin im „Steuerzentrum“ des Gehirns, dem Hypothalamus, veranlassen. Weit weniger bekannt und in den Medien systematisch ausgeklammert ist die stimmungsaufhellende Wirkung der Sonne über die Haut und über das Sonnen-Hormon Vitamin D. Wie die meisten Körperzellen so haben auch die Gehirnzellen sogenannte Vitamin D-Rezeptoren, über die das Sonnen-Hormon in die Zellen transportiert wird. Dort stimuliert es die Serotonin-Produktion und die Endorphin-Ausschüttung.

Mehr Sonne für Herz und KreislaufEine der umfassendsten Studien (Milaneschi, 2013, s.u.) mit über 1.000 repräsentativ ausgewählten Teilnehmern an der Universität von Amsterdam kommt zu dem Ergebnis:
Ein niedriger Vitamin D-Spiegel 25(OH)D steht im Zusammenhang mit depressiver Verstimmung und der Schwere der Depression. Daraus lässt sich schließen, dass ein Vitamin D-Mangel eine unterschwellige biologische Anfälligkeit für eine Depression signalisiert.

Umgekehrt formuliert: Die Sonne und ihr Sonnenschein-Vitamin schützen vor trüben Gedanken, Niedergeschlagenheit bis hin zur Depression.


UV-Strahlen stimmen heiter – egal aus welcher Quelle

Ob Sonne oder Sonnenbank – die stimmungsaufhellende Wirkung der UV-Strahlen stellt sich nicht nur beim Sonnenbad im Freien, sondern ebenso auch im Solarium ein. Tatsächlich ist es dieser Wohlfühl- und Gute-Stimmungs-Effekt, der in den letzten Jahren immer mehr Menschen zum Gang ins
Sonnenstudio bewegt, und weniger die angenehme Hautbräune.

Dieser Stimmungs-Effekt ist keineswegs nur ein subjektives Empfinden, das sich beim entspannenden Liegen auf einer Sonnenbank sozusagen nebenbei einstellt. Vielmehr ist dieser Effekt messbar und tatsächlich auch in etlichen Studien nachgewiesen. Die älteste Studie dieser Art stammt von der Universität Bochum. Eine Forschergruppe um den Dermatologen Prof. Thilo Gambichler testete die psychische Verfassung von 53 jüngeren Männern und Frauen. Eine Gruppe dieser Studienteilnehmer wurde drei Wochen lang zweimal pro Woche auf eine Sonnenbank mit überwiegend UV-A bestrahlt. Die zweite Gruppe erhielt keinerlei Bestrahlung. Am Ende des Testzeitraums wurden die psychische Verfassung und die Stimmungslage wieder bei allen Probanden gemessen.

Es stellte sich heraus, dass die Teilnehmer mit UV-Bestrahlung schon nach dieser kurzen Zeit deutlich ausgeglichener und weniger nervös waren, sich stärker und zuversichtlicher fühlten und mit Ihrem Aussehen zufriedener waren. Bei der Gruppe ohne Solarium-Besuch ließen die Messungen keinen Unterschied zu den Werten am Beginn des Experiments erkennen.

Eine später erschienene US-Studie bestätigte die Ergebnisse der Bochumer Forscher. Auch hier waren die Teilnehmer nach der Sonnenbank-Nutzung entspannter und in besserer Stimmung als die Mitglieder der Placebo-Gruppe (S.R. Feldman, s.u.). Die Erklärung auch hier: Die UV-Strahlen mobilisieren die Produktion von Endorphinen („Glückshormonen“) in den Hautzellen.

Kurioserweise wurde diese Erkenntnis in der öffentlichen Diskussion genutzt um den Sonnenbanken „Suchtpotential“ zu unterstellen (dazu mehr hier).


Sonne, Sonnen-Hormon und Depression

Im „Vitamin D-Winter“ – in unseren Breiten von Oktober bis März – steht die Sonne so tief, dass sie über die Haut keine oder kaum die Vitamin D-Synthese im Körper anstoßen kann. Dann sinkt der Vitamin D-Spiegel im Blut regelmäßig auf einen Tiefstand, der etwa Ende Februar/Anfang März erreicht ist. Und so auch die Stimmung. Denn jetzt, wenn das Sonnenlicht schwach wird, schüttet der Körper vermehrt das „Schlafhormon“, Melatonin, aus. Müdigkeit und Antriebslosigkeit breitet sich aus. Mit den ersten Frühlings-Sonnenbädern ändert sich das dann ganz allmählich wieder.

Der Zusammenhang von Vitamin D und (saisonaler) Depression ist in vielen Studien belegt. Inwieweit das Sonnen-Hormon auch bei „echten“ Depressionen heilend wirken kann, ist noch umstritten.

Hier einige Beispiele wissenschaftlicher Studien-Ergebnisse:

Ältere Menschen leiden häufiger an einem Vitamin D-Mangel – und an Depressionen. Eine holländische Studie zieht die Verbindung zwischen beiden: Der Vitamin D-Spiegel bei den Studienteilnehmern mit Depression war um 14% niedriger als bei den Teilnehmern ohne Depression.

Depression kann die Folge von Vitamin D-Mangel oder von Ursachen sein, die auch dem Vitamin D-Mangel zugrunde liegen, wie zu wenig Sonnenschein, Kleidung oder Nahrung mit zu wenig Vitamin D. Außerdem kommt es durch Vitamin D-Mangel zu einer Überfunktion der Nebenschilddrüse, die häufig bei Depressionen eine Rolle spielt”, so die Zusammenfassung der Autoren vom VU University Medical Center der Vrije Universiteit Amsterdam.

In der Studie wurden 1.282 Amsterdamer zwischen 65 und 95 Jahren untersucht, von denen 195 unter Depressionen litten.

Die Studie wirft auch ein “aufhellendes” Licht auf die eher kuriose Diskussion um die “Sonnensucht” (mehr dazu hier). Die stimmungsaufhellende Wirkung der Sonne und der Sonnenbank über die Vitamin D-Bildung macht “süchtig” weil die Menschen in der Tat eine heitere Gemütsverfassung einer Depression vorziehen. Eine Überraschung ist das nicht!


Ältere Frauen am stärksten betroffen

Bei allen Formen depressiver Verstimmung bis hin zur Depression sind Frauen stärker betroffen als Männer. Sie stehen daher auch stärker im Blickpunkt wissenschaftlicher Untersuchung über den Zusammenhang von Sonne, Vitamin D und depressiven Verstimmungen.

So beobachtete ein Forschungsteam um Prof. Luigi Ferrucci vom National Institute on Aging in Baltimore, USA, über einen Zeitraum von mehr als sechs Jahren insgesamt 531 Frauen und 423 Männer im Rahmen der inCHIANTI-Studie, um herauszufinden, ob deren Vitamin D-Status in einem Zusammenhang mit einer Depression bzw. mit der Entwicklung einer Depression stünde.

Zu Beginn der Studie wiesen 72 Prozent der Menschen, die schon an Depressionen litten, einen Vitamin D-Mangel auf (<50 nmol/L). Von den nicht depressiven Teilnehmern waren es nur 60 Prozent.

Entscheidender aber: Die Teilnehmer mit einem Vitamin D Mangel entwickelten im Laufe der Jahre sehr viel häufiger eine Depression, gemessen an einem standardisierten Depressions-Test, als die Teilnehmer mit normalem Vitamin D-Spiegel. Bei den Frauen war dieses Verhältnis besonders ausgeprägt. Doppelt so häufig als die Mitglieder der Gruppe mit normalen Vitamin-D-Werten erkrankten die Frauen mit Vitamin D-Mangel an Depression und depressiven Verstimmungen. Bei den Männern lag das Verhältnis wesentlich niedriger.

Das sei zwar noch kein ausreichender Beweis dafür, dass der Vitamin D-Mangel ein oder gar der Grund für die Depression sei, so Prof. Ferrucci, aber “die Bekämpfung eines Vitamin D-Defizits wird vermutlich in Zukunft ein wesentlicher Teil der Therapie sein zur Vermeidung einer depressiven Entwicklung bei älteren Menschen mit all den negativen Folgen für die Gesundheit. Außerdem wird die Normalisierung des Vitamin D-Spiegels auch zu jeder Depressions-Therapie vor allem bei den Älteren gehören“.

In einer anderen umfassenden Übersichtsstudie zur Wirkung von Vitamin D auf verschiedene Arten depressiver Verstimmungen bei Frauen kommen die Forscher zu dem eindeutigen Schluss: Vitamin D und damit die UV-B-Strahlen der Sonne senken das Risiko von Frauen jeden Alters deutlich, an Depressionen zu erkranken.


Hilft das Sonnen-Hormon auch beim „Baby-Blues“?

Viele Frauen leiden nach der Geburt an Stimmungsschwankungen, Trauergefühlen bis hin zur „postpartalen Depression“. Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Sonnen-Hormon und dem „Baby Blues“?

Ein Forschertam an der University of South Carolina, USA, ging dieser Frage bei knapp 100 Frauen nach, die nach der Geburt wegen unterschiedlich gravierender depressiver Verstimmungen in Behandlung waren. Nach einem gängigen Depressionstest (Edinburgh Postpartum Depression Scale, EPDS) wurden in sieben Besuchen monatlich der Vitamin D-Spiegel gemessen und mit dem Grad der depressiven Verstimmung abgeglichen.

Es zeigte sich, dass sich der Grad der Erkrankung mit dem Ausmaß des Vitamin D-Mangels veränderte. Je größer der Mangel, desto schwerer im Durchschnitt die Depression.


Sonne und Sonnen-Hormon hellen auch Männer-Verstimmungen auf

Das Sonnenschein-Vitamin D schützt auch die Männer vor depressiven Verstimmungen oder gar Depressionen.

Nach vielen wissenschaftlichen Untersuchungen, die vor allem die Wirkung des Vitamin D auf die Hirnfunktionen und die Psyche von Frauen belegt haben, weist jetzt auch eine Studie mit mehr als 3.300 Männern mittleren und höheren Alters nach, dass nicht nur der Winter-Blues, sondern durchaus ernsthafte Depressionen durch eine ausreichende Versorgung mit dem Sonnenschein- Vitamin verhindert werden könnten.

Sechzehn Forscher aus unterschiedlichen Universitäten und Instituten in West- und Ost-Europa hatten sich für diese Studie im Rahmen der European Male Ageing Study zusammengetan.

Es zeigte sich, dass durchgängig die Vitamin D-Werte bei Männern mit einer Depression niedriger lagen als bei psychisch Gesunden. Diese Unterschiede ließen sich auch nicht durch die unterschiedlichen Lebenssituationen und Lebensstile oder mit dem allgemeinen Gesundheitszustand der Betroffenen erklären.

Insgesamt lag das Risiko, an einer Depression zu erkranken, bei den Männern mit den niedrigsten Werten um 70 Prozent höher als bei den Männern in der Gruppe mit dem höchsten Vitamin D-Spiegel im Blut.


Sind Übergewichtige depressiver?

Bei übergewichtigen Menschen lagert sich die Vor-Form des Vitamin D im Fettgewebe ab, statt über Niere und Leber in das wirksame Vitamin D (1,25 hydroxyvitamin D) umgewandelt zu werden. Menschen mit Übergewicht (Adipositas) leiden also häufiger an einem Vitamin D-Mangel als Normalgewichtige (Untergewichtige dagegen haben ihrerseits auch wieder ein Problem mit der Vitamin D-Synthese).

Eine norwegische Studie nutzte das und teilte mehr als 400 übergewichtige Teilnehmer mit niedrigem Vitamin D-Spiegel im Blut und depressiven Symptomen in drei Gruppen. Zwei Gruppen erhielten ein Jahr lang ein Vitamin D-Präparat, die eine Gruppe 20.000 IE, die andere Gruppe 40.000 IE pro Woche. Die dritte Gruppe erhielt ein Schein-Präparat, ein Placebo.

Erwartungsgemäß stieg der Vitamin D-Spiegel in den beiden Gruppen mit der Einnahme der „echten“ Präparate deutlich an. In diesen beiden Gruppen besserten sich die Depressionssymptome. In der Placebo-Gruppe blieb alles beim Alten, sowohl beim Vitamin D-Spiegel als auch bei der Depression.


Studien

Milaneschi, W. Hoogendijk, P. Lips et al., The association between low vitamin D and depressive disorders, Molecular Psychiatry, 2013

David M Lee et al., Lower vitamin D levels are associated with depression among community-dwelling European men. Journal of Psychopharmacology, Oktober 2011; 25/10, S. 1320-1328

Luigi Ferrucci et al., Serum 25-Hydroxyvitamin D and Depressive Symptoms in Older Women and Men, Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, Juli 2010 ;95(7):3225-33

Pamela K. Murphy et al., An Exploratory Study of Postpartum Depression and Vitamin D, Journal of the American Psychiatric Nurses Assiciation, 2010; Vol. 16, No. 3, 170-177

W.J. Hoogendijk et al., Depression is associated with decreased 25-hydroxyvitamin D and increased parathyroid hormone levels in older adults. Arch Gen Psychiatry, 2008;65[5]:508-512

Jorde et al., Effects of vitamin D supplementation on symptoms of depression in overweight and obese subjects: randomized double blind trial. Journal of Internal Medicine, Daz. 2008;264(6):599-609

P.K. Murphy , C.L. Wagner, Vitamin D and mood disorders among women: an integrative review, J Midwifery Womens Health. Sept-Oktober 2008 ;53(5):440-6

S.R. Feldman et al., Ultraviolet exposure is a reinforcing stimulus in frequent indoor tannersJournal of the American Academy of Dermatology, 2004, 51(1), 45-51

Thilo Gambichler et al., Impact of UVA exposure on psychological parameters and circulating serotonin and melatonin, BMC Dermatology, 2002, 2:6

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