Darum sollten Sie Vitamin D auch im Sommer einnehmen

Darum sollten Sie Vitamin D auch im Sommer einnehmen

Viele Mythen und Gerüchte ranken sich um die richtige Einnahme von Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel. So wird an mancher Stelle behauptet, eine Supplementierung in den Sommermonaten sei überflüssig, da genug Vitamin D durch den Aufenthalt in der Sonne produziert werde. Wir schaffen Klarheit und klären, wann eine Vitamin D-Zufuhrung über Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll ist und wann sie außen vor gelassen werden kann.

Praktisch alle unsere Zellen verfügen über einen Vitamin-D-Rezeptor, eine Art Schleuse, die dafür sorgt, dass das Vitamin D in seiner wirksamen Form in die Zellkerne gelangt und dort seine steuernde und regulierende Wirkung ausüben kann (1).

Die Synthese des Sonnenhormons beginnt in der Leber aus dem Grundstoff Cholesterol, einem Fett, das wegen seiner Beteiligung an der Arteriosklerose in einen schlechten Ruf geraten ist - zu Unrecht, wie wir inzwischen wissen. Die in der Leber gebildete Vorstufe wird dann mit dem Blutkreislauf in die Haut transportiert. Dort entsteht unter der Einwirkung des ultravioletten Anteils der Sonnenstrahlen (UV-B mit 290 bis 315 nm Wellenlänge) und zusätzlicher Wärmeeinwirkung Vitamin D, das Cholecalciferol.

Ein körpereigener Schutzmechanismus spaltet bei zu hoher UV-Einwirkung durch die Sonne die Vorstufe des Vitamin D in die inaktiven Abbauprodukte Lumisterol und Tachysterol auf, die keine direkte Vitamin-D-Wirkung besitzen. Darum kann Sonnenexposition allein niemals zu einer Vitamin D-Überdosierung bzw. Intoxikation führen.

Der endokrine Stoffwechsel über Leber und Nieren

Sozusagen als Basis für den Vitamin-D-Stoffwechsel im Körper bildet sich nun in der Leber das Calcidiol, das später in der Niere zu seiner aktiven Form, dem Calcitriol, weiterverarbeitet wird (rechte Seite im Schaubild). Der Großteil des Calcitriols ist an ein sogenanntes Bindungsprotein gebunden und hat abgesehen vom Knochenstoffwechsel eine eher niedrige Stoffwechselaktivität.

Der Stoffwechsel des Vitamin D über die Leber und Niere ist schon seit Jahrzehnten bekannt und insbesondere für den Knochenstoffwechsel von Bedeutung - daher rührt der Name "Knochenvitamin". Für diesen Aspekt der Vitamin D-Versorgung würde eine wöchentliche Verabreichung von Vitamin D vollkommen ausreichen, da das Calcidiol, welches als Speicher-Vitamin D in unseren Gefäßen zirkuliert, eine Halbwertszeit von etwa 3 Wochen aufweist.

Inzwischen weiß man jedoch weit mehr über den bedeutsameren, nicht endokrinen Vitamin D-Stoffwechsel.

Der autokrine und parakrine Stoffwechsel in den Zellen und Geweben

Der andere Teil des Cholecalciferols (freies Vitamin D), der nicht in der Leber zu Calcidiol umgewandelt wird (linke Seite im Schaubild), wandert durch den Blutkreislauf direkt in die Zellen und wird dort in Calcidiol und in weiterer Folge in Calcitriol, also in das aktive Vitamin D verstoffwechselt. Dort reagiert Vitamin D mit den VD-Rezeptoren, die dann auf verschiedenen Signalübertragungswegen in den Zellstoffwechsel eingreifen und dabei Einfluss auf mehr als 2000 von 23 000 Genen ausüben. Diesen Teil des Vitamin-D-Stoffwechsels nennt man das autokrine System.

Das freie Vitamin D, das an kein Bindungsprotein gebunden ist, hat im Gegensatz zum gebundenen Calcidiol aus dem endokrinen Stoffwechsel nur eine Halbwertszeit von 24 Stunden.

Der entscheidende Unterschied zwischen täglicher und wöchentlicher Einnahme

Lange Zeit wurde kein Unterschied gemacht, ob die benötigte Menge des Sonnenhormons täglich, wöchentlich oder monatlich zugeführt wurde. Hauptsache die über die Zeit verabreichte Gesamtdosis stimmte. Dies hat sich seit einer Veröffentlichung der Arbeitsgruppe von Dr. Bruce Hollis, einem Team von Top-Experten in Sachen Vitamin D aus den USA, gründlich geändert (2).

Es geht in der wissenschaftlichen Ausarbeitung um die hohe Verfügbarkeit von Vitamin D über den autokrinen/parakrinen Weg, unmittelbar nachdem es in den Körper gelangt ist. Der Grund für dieses Phänomen liegt darin, dass sich das zugeführte freie Vitamin D (Cholecalciferol) anders verhält als das zirkulierende Calcidiol nach der Leberpassage (endokriner Stoffwechsel). Letzteres ist wie bereits erwähnt nahezu völlig an das Vitamin D-Bindungsprotein gebunden und seine freie Fraktion so niedrig, dass seine Stoffwechselwirkung eindeutig geringer als die des frei verfügbaren Cholecalciferols ist.

Wird Vitamin D hingegen in einer üblichen Dosis von 4000-5000 I.E. oder höher pro Tag gegeben, kann es jeweils in seiner freien Form zirkulieren, für alle Zellen zur Verfügung stehen und damit einen bedeutenden Einfluss auf alle Krankheitsprozesse bewirken. Angesichts der kurzen Halbwertszeit von 24 Stunden des Vitamin D im Blut ist daher eine tägliche Zufuhr deutlich effektiver als eine Gabe von Vitamin D im Intervall von einer Woche oder gar einem Monat.

In anderen Worten: Ein Großteil der präventiven und therapeutischen Wirkungen des Vitamin D lässt sich auf das freie Vitamin D zurückführen, welches sich im Blut innerhalb eines Tages in seiner Konzentration halbiert. Darum ist eine tägliche Verabreichung von Vitamin D für die Entfaltung des vollen Wirkspektrum so bedeutsam.


Wann soll Vitamin D im Sommer supplementiert werden

Die eingangs erwähnte Frage lässt sich folglich so beantworten: Eine tägliche Zuführung von Vitamin D, egal ob aus natürlicher Sonnenexposition, künstlicher UV-B-Strahlung oder Nahrungsergänzungsmitteln ist unumgänglich für die Entfaltung des vollen Wirkspektrums des Vitamin D.

An jenen Tagen zwischen April und September, an denen die Sonne scheint und eine ausreichende Fläche der Haut lange genug und ohne Verwendung von Sonnenblockern in der Mittagszeit ca. zwischen 11 Uhr und 15 Uhr mit Sonne bestrahlt wird, ist keine Supplementierung mit Vitamin D notwendig. Bitte beachten Sie aber die Verhaltensregeln in Bezug auf den Sonnengenuss - typischerweise sind 10-20 Minuten, je nach Hauttyp, ausreichend - und Sonnenbrände müssen unbedingt vermieden werden.

Wenn draußen die Sonne zur Mittagzeit einen neuen Hitzerekord verursacht und Sie sich im Büro oder in Gebäuden aufhalten, oder draußen Ihre Haut mit Textilien verschleiern, findet keine Vitamin D-Produktion auf der Haut statt, denn es sollten mindestens Arme uns Beine von der Sonne beschienen werden um ausreichend Vitamin D zu produzieren. Auch wenn Sie Sonnenschutzmittel auftragen, wird kein oder kaum Vitamin D auf Ihrer Haut produziert. Eine Supplementation ist unter diesen Umständen auch an Sommertagen sinnvoll.

Quellen:

  1. DeLuca HF, Darwish HM, Ross TK, Moss VE. Mechanism of action of 1,25-dihydroxyvitamin D on target gene expression. Journal of nutritional science and vitaminology 1992;19-26
  2. Hollis, B. W., & Wagner, C. L. (2013). The Role of the Parent Compound Vitamin D with Respect to Metabolism and Function: Why Clinical Dose Intervals Can Affect Clinical Outcomes. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 98(12), 4619-4628. doi:10.1210/jc.2013-2653

Titelbildquelle:

Titelbild von Ylanite Koppens von Pexels
Schaubild/Diagramm: Sebastian Weiß und macrovector https://de.freepik.com/

Vitamin D – das natürliche Antidepressivum

Vitamin D – das natürliche Antidepressivum

Das Wiener Universitätsklinikum AKH schlug bereits Ende Januar 2021 Alarm: Die Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie ist überfüllt. Die Kollateralschäden der Corona-Maßnahmen schlagen zunehmend auf das Gemüt der Bevölkerung, insbesondere Kinder sind betroffen. Der Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie am AKH Wien verlautbarte: „Es kommen mehr, und die Zustandsbilder sind deutlich akuter und schwerer ausgeprägt, sodass Patienten, die weniger akut sind, aber trotzdem einer stationären Aufnahme bedürfen würden, natürlich auch nachgereiht werden müssen im Sinne einer gewissen Triagierung (1).“

Kann Vitamin D bei Depressionen helfen?

Ein wesentlicher Grund, bei der Depression an eine Beteiligung des Sonnenhormons zu denken, liegt darin, dass die Erkrankung in den Wintermonaten, also dann wenn die Vitamin D-Spiegel im Keller sind, gehäuft auftritt (2, 3). Für Nordamerika lässt sich auch eine eindeutige Abhängigkeit der Erkrankung vom Breitengrad nachweisen, während sich diese Abhängigkeit in Europa nicht eindeutig zeigt. Für die Richtigkeit der These spricht auch, dass die Gabe von Vitamin D in verschiedenen Dosierungen einen positiven Effekt auf die Stimmungslage der Probanden hat (4).

Vitamin D - das natürliches Antidepressivum ohne Nebenwirkung

Eine randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie aus dem Mai 2020, welche mit 56 Probanden mit leichter bis mittelschwerer Depression durchgeführt wurde, liefert neue Erkenntnisse in Bezug auf die Wirkung des Vitamin D auf den Gemütszustand bei Depressiven. Die Teilnehmer wurden dabei zufällig in 2 Gruppen eingeteilt, von denen eine Gruppe Vitamin D und die anderen Gruppe Placebos verabreicht bekam. Obwohl die Probanden in der Vitamin-D-Gruppe bei dieser Untersuchung nur 4 hochdosierte Bolusdosen Vitamin D (50.000 I.E.) über 8 Wochen verteilt erhielten, wurde bei ihnen der Schweregrad der Depression signifikant verringert.

Während sich die Vitamin-D-Spiegel  in der Vitamin-D-Gruppe um umgerechnet ca. 16 ng/ml erhöhten, sank der Schweregrad der Depression (BDI-Wert - Beck Depression Inventory-II) um 11,75 Punkte (5).

Eine Reduzierung des BDI-Wertes um 11,75 Punkte bedeutet, dass Patienten mit milder Depression durch das Einnehmen von Vitamin D von ihrer Erkrankung geheilt wurden (siehe Tabelle unten). Bei Patienten, die mittelschwere Symptome einer Despression aufwiesen, verringerten sich die Symptome durch die Einnahme von Vitamin D so weit, dass sie in die Gruppe "milde Depression" eingestuft werden konnten.

0-12 Keine Depression bzw. klinisch unauffällig oder remittiert
13-19 Milde Depression
20-28 Mittlere Depression
29-63 Schwere Depression

In der Placebogruppe stieg der Vitamin-D-Spiegel im Durchschnitt ebenfalls, jedoch nur um 2 ng/ml. Dementsprechend reduzierte sich der BDI-Wert nur um 3,61 Punkte.

Anmerkung: Damit Vitamin D seine volle Wirkung entfalten kann, muss es täglich und nicht nur alle 2 Wochen wie in der Studie verabreicht werden. Diese beeindruckenden Ergebnisse der Studie können insofern höchstwahrscheinlich durch eine tägliche Verabreichung von Vitamin D sogar übertroffen werden.

Auch ein im Jahr 2014 veröffentlichter Review demonstriert eine vergleichbare Effektgröße von Vitamin D-Gabe und Antidepressiva (6) - allerdings ohne Nebenwirkungen, die bei den Pharma-Präparaten immer mehr in die Kritik geraten.

Noch deutlicher wurde im Jahr 2018 der Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und Depressionen bei Frauen mit postpartaler Depression (d.h. nach der Entbindung) hergestellt. Bei der Analyse von neun Längsstudien mit insgesamt 8470 Teilnehmern hatten Frauen mit einem Vitamin-D-Mangel (< 20 ng/ml) ein 2,67-faches höheres Risiko, eine postpartale Depression zu entwickeln, im Vergleich zu Frauen mit besserer Vitamin-D-Versorgung (>20 ng/ml) (7).

Fazit: Sie können sich und Ihren Lieben selbst helfen. Schützen Sie Ihre Kinder und sich selbst mit Vitamin D vor psychischen Erkrankungen wie Depressionen, denn es mehren sich handfeste Belege, dass sich Vitamin D erstaunlich positiv auf das Gemüt auswirkt. Wenn Sie zusätzlich noch das natürliche Sonnenlicht nutzen, ist die positive Wirkung aufgrund weiterer biochemischer Vorgänge auch unabhängig von Vitamin D noch stärker.

Hier können Sie außerdem nachlesen, warum sich das Sonnenlicht unabhängig von der Vitamin D-Produktion positiv auf Erkrankungen wie Depressionen auswirkt.

Quellen:

  1. https://wien.orf.at/stories/3087068/
  2. Rosen L, Knudson KH, Fancher P. Prevalence of seasonal affective disorder among U.S. Army soldiers in Alaska. Military medicine 2002;167(7):581–4
  3. Mersch PP, Middendorp HM et al. The prevalence of seasonal affective disorder in The Netherlands: a prospective and retrospective study of seasonal mood variation in the general population. Biological Psychiatry 1999;45(8):1013–22
  4. Vieth R, Kimball S et al. Randomized comparison of the effects of the vitamin D3 adequate intake versus 100 mcg (4000 IU) per day on biochemical responses and the wellbeing of patients. Nutrition Journal 2004;3:8
  5. Kaviani, M., Nikooyeh, B., Zand, H., Yaghmaei, P. & Neyestani, T. R. (2020). Effects of vitamin D supplementation on depression and some involved neurotransmitters. Journal of Affective Disorders, 269, 28–35. https://doi.org/10.1016/j.jad.2020.03.029
  6. Spedding, Simon (2014). Vitamin D and depression. A systematic review and meta-analysis comparing studies with and without biological flaws. In: Nutrients 6 (4), S. 1501–1518. DOI: 10.3390/nu6041501
  7. Wang J, Liu N et al (2018). Association between vitamin D deficiency and antepartum and postpartum depression: A systematic review and meta-analysis of  longitudinal studies. Archives of Gynecology and Obstetrics, 298, 1045–1059(2018)

 

Titelbildquelle:

Bild von Ryan McGuire auf Pixabay

Vitamin D zur Krebs-Prävention und Therapie unverzichtbar

Vitamin D zur Krebs-Prävention und Therapie unverzichtbar

Vitamin D unterdrückt das Tumorwachstum, schwächt die Signale zur Metastasierung, leitet den Zelltod ein, motiviert Zellen, sich zur Gutartigkeit hin zu differenzieren, und verringert eine Gefäßneubildung durch Tumore (1). Dadurch wird die Krebs-Mortalität, das Risiko für Brustkrebs sowie der Verlauf des Hodgkin-Lymphoms durch das Sonnenhormon positiv beeinflusst, wie Untersuchungen mehrfach belegen. 

65% höheres Risiko für Mammakarzinom bei schlechter Vitamin D-Versorgung

Frauen mit einem niedrigen Vitamin D-Spiegel haben ein erhöhtes Risiko an Brutkrebs zu erkranken, so eine im Jahr 2020 publizierte pakistanische Studie. Konkret wurden dabei insgesamt 1195 Probandinnen beobachtet und in 2 Kohorten dem Vitamin D-Spiegel entsprechend eingeteilt bzw. ermittelt, ob im Jahr vor der Aufnahme in die Studie Vitamin D supplementiert wurde.

Ergebnis: Die Vitamin D-Mangelgruppe (Spiegel < 20 ng/ml) hatte gegenüber der Vergleichsgruppe (Spiegel > 30 ng/ml) ein um 65% erhöhtes Risiko einen Brustkrebs zu manifestieren.

Frauen, die ein Jahr vor der Aufnahme Vitamin D zu sich nahmen, hatten eine signifikante Schutzwirkung gegen Brustkrebs. Das Risiko verringerte sich für sie um 68%!

Schlussfolgerung und Empfehlung der Studienautoren: „Vitamin-D-Mangel im Serum war mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko verbunden, während eine Vitamin-D-Supplementierung mit einem verringerten Brustkrebsrisiko verbunden war. Bei pakistanischen Frauen, bei denen Vitamin-D-Mangel häufig vorkommt, ist die Erhöhung und Aufrechterhaltung von Vitamin D im Serum auf Bevölkerungsebene eine sichere und erschwingliche Strategie (2).“


Krebs-Sterblichkeit signifikant reduziert durch Vitamin D

Eine Meta-Analyse auf Basis von 10 randomisiert Placebo-kontrollierten Studien belegte im Jahr 2019 außerdem eine signifikante Reduzierung von Krebs-Mortalität durch Vitamin D. Die Daten von 79.055 Patienten zeigten ein 13% reduziertes Risiko an Krebs zu versterben, wenn im Beobachtungszeitraum Vitamin D supplementiert wurde (3).


Bessere Chancen bei Hodgin-Lymphom und Chemotherapie

Eine deutsche Studie aus dem Jahr 2019 hatte die Wirkung von Vitamin D auf das das Hodgin-Lymphom (Tumor des Lymphsystems) als Untersuchungsziel. Dabei zeigt sich eine um 17,6% höhere Wahrscheinlichkeit, die Krankheit progressionsfrei zu überleben, wenn der Vitamin D-Spiegel > 12 ng/ml war. Auch die Überlebenschancen erhöhten sich um 11,1% durch höhere Vitamin D-Spiegel.

Durch anschließende Tier-Versuche konnte ferner eine verbesserte Wirkung von Chemotherapeutika auf die Tumorwachstumsrate, durch die parallele Anwendung von Vitamin D nachgewiesen werden (4).

Klicken Sie hier um unseren ausführlichen Artikel über Krebs zu lesen!

Quellen:

  1. Pereira, F., Larriba, M. J., & Muñoz, A. (2012). Vitamin D and colon cancer. Endocrine-Related Cancer, 19(3). doi: 10.1530/erc-11-0388
  2. Shamsi, U. (2020, 22. Januar). A multicenter case control study of association of vitamin D with breast cancer among women in Karachi, Pakistan. PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31967989/
  3. Haykal, T., Samji, V., Zayed, Y., Gakhal, I., Dhillon, H., Kheiri, B., Kerbage, J., Veerapaneni, V., Obeid, M., Danish, R. & Bachuwa, G. (2019). The role of vitamin D supplementation for primary prevention of cancer: meta-analysis of randomized controlled trials. Journal of Community Hospital Internal Medicine Perspectives, 9(6), 480–488. https://doi.org/10.1080/20009666.2019.1701839
  4. Borchmann, S. (2019, 20. Dezember). Pretreatment Vitamin D Deficiency Is Associated With Impaired Progression-Free and Overall Survival in Hodgkin Lymphoma. PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31622132/

Titelbildquelle:

Bild von 李磊瑜伽 auf Pixabay

Metaanalyse – 30.000 Krebstote jährlich könnten verhindert werden

Metaanalyse – 30.000 Krebstote jährlich könnten verhindert werden

Eine brandaktuelle Meta-Analyse, welche am 04.02.2021 im Molecular Oncology veröffentlich wurde, bescheinigt der präventiven Anwendung des Sonnenhormons nicht nur ein enormes Kosteneinsparungspotential bei Krebspatienten, sondern vor allem eine drastische Reduzierung der Krebs-Todesfälle (1).Wir haben die Ergebnisse für sie kompakt und verständlich aufbereitet.

 

Aufgrund vorangegangener Resultate aus umfangreichen Meta-Analysen gingen die Wissenschaftler des deutschen Krebsforschungszentrums (DFKZ) von einer allgemeinen Verringerung der Krebssterblichkeit durch Vitamin D um 13% aus (2-6).

Hervorzuheben ist jedoch, dass zur Ermittlung der Krebssterblichkeit 5 Studien als Referenz angenommen wurden, die vorwiegend entweder durch monatliche Bolusdosen (höhere Dosis) oder durch sehr geringe Vitamin D-Gaben gekennzeichnet waren. Wären Studien herangezogen worden, bei denen die Patienten mit höheren Vitamin D-Dosen versorgt wurden, dann wäre die Reduktion der Krebssterblichkeit entsprechend höher und die Ergebnisse noch deutlich eindrucksvoller ausgefallen.

Jährlich 30.000 Krebstote weniger bei flächendeckender Vitamin D-Supplementierung

Trotzdem ermittelten die Studienautoren um Dr. Niedermaier eine Abnahme der krebsbedingten Sterbefälle um ca. 30.000 jährlich. Der Berechnungsgrundlage liegt eine flächendeckende regelmäßige Vitamin D-Versorgung mit Vitamin D aller Menschen über dem 50. Lebensjahr zugrunde. Den Berechnungen zufolge würde die gewonnene Lebenszeit durch diese Maßnahme in etwa 300.000 Lebensjahre ausmachen (1).

Enormes Kosteneinsparungspotential durch Vitamin D möglich

Doch damit nicht genug, denn das Team errechnete auch das mögliche Einsparungspotential im Gesundheitssystem durch eine konstante Versorgung mit Vitamin D.

Während eine flächendeckende Versorgung aller 36 Millionen Menschen in Deutschland mit Vitamin D ca. 900 Millionen kosten würde (25 € pro Person), kostet alleine die Krebsbehandlung im letzten Lebensjahr ca. 40.000 €. Eine Verringerung der Sterblichkeit um 13% würde in absoluten Zahlen ca. 30.000 Patienten betreffen und 1,154 Milliarden Euro ausmachen. Die Differenz zu den Kosten der flächendeckenden Vitamin D-Versorgung entspricht also einem Plus von 254 Millionen Euro pro Jahr alleine in Bezug auf Krebs (1).


Fazit: Eine flächendeckende Versorgung der Bevölkerung über dem 50 Lebensjahr mit Vitamin D würde aber nicht nur 254 Millionen Euro in Bezug auf die jährlichen Behandlungskosten einsparen und die Krebstoten um 30.000 reduzieren, sondern sich auch auf zahlreiche weitere Krankheiten positiv auswirken. Das vorhandene Einsparungspotential durch Vitamin D würde durch diese Betrachtung noch weit größere Dimensionen annehmen.

Quellen:

  1. Niedermaier, T., Gredner, T., Kuznia, S., Schöttker, B., Mons, U., & Brenner, H. (2021). Vitamin D supplementation to the older adult population in Germany has the cost‐saving potential of preventin
    almost 30,000 cancer deaths per year. Molecular Oncology. doi:10.1002/1878-0261.12924
  2. Trivedi DP, Doll R, Khaw KT. Effect of four monthly oral vitamin D3 (cholecalciferol) supplementation on fractures and mortality in men and women living in the community: randomised double blind controlled trial. BMJ. 2003;326(7387):469.
  3. Wactawski-Wende J, Kotchen JM, Anderson GL, Assaf AR, Brunner RL, O’Sullivan MJ, et al. Calcium plus vitamin D supplementation and the risk of colorectal cancer. N Engl J Med. 2006;354(7):684-96. 11.
  4. Avenell A, MacLennan GS, Jenkinson DJ, McPherson GC, McDonald AM, Pant PR, et al. Long-term follow-up for mortality and cancer in a randomized placebo-controlled trial of vitamin D(3) and/or calcium (RECORD trial). J Clin Endocrinol Metab. 2012;97(2):614-22. 12.
  5. Scragg R, Khaw KT, Toop L, Sluyter J, Lawes CMM, Waayer D, et al. Monthly high-dose vitamin D supplementation and cancer risk: a post hoc analysis of the vitamin D assessment randomized clinical trial. JAMA Oncol. 2018;4(11):e182178. 13.
  6. Manson JE, Cook NR, Lee IM, Christen W, Bassuk SS, Mora S, et al. Vitamin D supplements and prevention of cancer and cardiovascular disease. N Engl J Med. 2019;380(1):33-44.

Titelbildquelle:

Foto von National Cancer Institute auf Unsplash

Studie: Enorme Risikoreduktion für Prädiabetiker

Studie: Enorme Risikoreduktion für Prädiabetiker

In Deutschland sind derzeit mindestens acht Millionen Menschen von Diabetes betroffen, pro Tag kommen ca. 1600 neue Fälle hinzu. Neben der Ernährung ist Vitamin D ein Schlüsselfaktor in der Prävention von Diabetes. Zwei aktuelle hochqualitative Interventions-Studien bzw. Meta-Analysen beweisen einmal mehr die förderlichen Auswirkungen von Vitamin D auf Diabetes und die nicht-alkoholische Fettleber-Erkrankung. Vitamin D-Spiegel von über 50 ng/ml führen zu einer drastischen Risikoreduktion für Prädiabetiker einen manifesten Diabetes zu entwickeln und verbessern Blutwerte signifikant, auch bei Fettleber.

Vitamin D schützt vor Diabetes - 71% geringeres Risiko für Prädiabetiker

In der aktuellen TD2-Studie aus dem Dezember 2020 wurde die Wirkung einer täglichen Supplementierung mit 4.000 I.E. Vitamin D im Vergleich zu Placebos + max. 1000 I.E. in Bezug auf das Auftreten eines Diabetes verglichen. Die mehr als 2000 teilnahmeberechtigten Probanden erfüllten mindestens zwei von drei glykämischen Kriterien (Nüchternplasmaglukose, Plasmaglucose, HbA1c) für Prädiabetes gemäß den Richtlinien der American Diabetes Association (ADA) von 2010.

Das fabelhafte Ergebnis im Kontext des Vitamin D-Spiegels: Vergleicht man die Vitamin D-Gruppe mit einem Vitamin D-Spiegel von über 50 ng/ml mit der Gruppe mit 20 - 30 ng/ml, so ist bei der ersten Gruppe eine Risikoreduktion um 71% festzustellen. Die Gruppe mit Vitamin D-Spiegeln von 40 - 50 ng/ml hatte gegenüber der Gruppe mit 20 - 30 ng/ml immer noch ein um 52% geringeres Risiko einen Diabetes zu entwickeln.

Die Schlussfolgerung der Studienautoren: Eine tägliche Vitamin D-Supplementierung zur Aufrechterhaltung eines Vitamin D-Spiegels von ≥ 40 ng/ml ist ein vielversprechender Ansatz zur Verringerung des Diabetes-Risikos bei Erwachsenen mit Prädiabetes.


RCT - Vitamin D verbessert Blutwerte bei nicht-alkoholischer Fettleber und Diabetes signifikant

Die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD) betrifft viele Menschen, nicht nur Übergewichtige und Diabetes-Patienten. In einer Meta-Analyse wurden zehn randomisiert kontrollierte Studien mit insgesamt 544 NAFLD-Patienten einbezogen. Die zusammenfassenden Ergebnisse zeigten, dass zusätzliches Vitamin D die Werte von Serum/Plasma-Nüchternglukose, Insulin und HOMA-IR signifikant und die ALT- und TAG-Werte geringfügig reduzierte.

Das Resümee der Studienautoren lautet wie folgt: Die vorliegende Studie liefert wesentliche Hinweise darauf, dass zusätzliches Vitamin D günstige Auswirkungen auf die Blutzuckerkontrolle und die Insulinsensitivität bei NAFLD-Patienten hat. Vitamin D könnte eine adjuvante Pharmakotherapie der NAFLD sein.


Fazit: Eine optimale Vitamin D-Versorgung sollte bei Prädiabetikern, Diabetikern und NAFLD-Patienten unbedingt in Betracht gezogen werden!

Quellen:

  1. Dawson-Hughes B, Staten MA, Knowler WC, et al. (2020) Intratrial Exposure to Vitamin D and New-Onset Diabetes Among Adults With Prediabetes: A Secondary Analysis From the Vitamin D and Type 2 Diabetes (D2d) Study. Diabetes Care, 43:2916-2922, https://doi.org/10.2337/dc20-1765.
  2. Guo XF, Wang C, Yang T, et al. (2020) Vitamin D and non-alcoholic fatty liver disease: a meta-analysis of randomized controlled trials. Food Funct, 11:7389-7399, https://doi.org/10.1039/d0fo01095b.

Titelbildquelle:

Bild von isuru prabath auf Pixabay 

Vitamin D – starke Wirkung gegen tödliche Krebsverläufe

Vitamin D – starke Wirkung gegen tödliche Krebsverläufe

VITAL-Studie enttäuscht: Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren zeigen keine signifikante Wirkung in der Primärprävention bei Krebs.

So oder so ähnlich lauteten 2018 Meldungen zu den vermeintlich ernüchternden Ergebnissen der amerikanischen VITAL-Studien.

Eine aktuelle Sekundäranalyse der randomisierten klinischen VITAL-Studie aus dem November 2020 lässt die Wirkung von Vitamin D nun in neuem Licht erscheinen.

Die VITAL-Studie ist, zumindest in Bezug auf die Supplementation von Vitamin D und Omega 3, als Paradebeispiel für ein unzureichendes Studien-Design bekannt. Denn bei dieser Langzeituntersuchung wurden Vergleichsgruppen zwar mit unterschiedlich hohen Vitamin D- und Omega 3-Dosierungen supplementiert, aber die Differenz der Vitamin D-Zuführung der beiden Gruppen lag bei lediglich 1200 I.E./Tag.

Ferner hatten zu Beginn der Studie beide Gruppen Vitamin D-Werte von über 30 ng/ml im Mittel, was deutlich über dem Wert des Bevölkerungsquerschnittes liegt und daher nicht repräsentativ ist.

Unter diesen Umständen konnte eigentlich mit keiner großen Wirkung von Vitamin D gerechnet werden und doch bringen die Ergebnisse der Subgruppen-Analyse von 25.871 Untersuchten Erstaunliches zutage:

Bezogen auf tödliche und metastasierende Krebsverläufe wurde in der Subgruppenanalyse Folgendes festgestellt:

  • 17% geringeres Risiko für Probanden der Vitamin D-Gruppe allgemein inkl. Übergewichtigen
  • 38% geringeres Risiko für Probanden der Vitamin D-Gruppe mit normalem BMI von unter 25
  • Kaum Auswirkungen auf das Risiko von übergewichtigen Menschen

Trotz der geringen Dosierung und der überdurchschnittlich hohen Vitamin D-Werte zu Beginn der Behandlung, sprechen die Ergebnisse deutlich für eine Vitamin D- und Omega 3-Supplementation zur Krebs-Prävention, zum anderen zeigen die fehlenden Auswirkungen bei Übergewichtigen, dass diese eine höhere Dosis benötigen.

Fazit:

Auch bei Probanden, die den Vitamin D-Mangelgrenzwert von 30 ng/ml übertreffen, hilft eine um 1200 I.E. höhere Vitamin D-Dosierung, das Risiko für einen tödlichen und metastasierenden Krebsverlauf bei Normalgewichtigen (BMI < 25) um 35% zu reduzieren.

Darüber hinaus kann davon ausgegangen werden, dass eine Supplementation in höheren Mengen noch bessere Ergebnisse erzielt hätte. Die SonnenAllianz empfiehlt daher zur Prävention Vitamin D-Spiegel von 40-60 ng/ml, im Krankheitsfall auch mehr. Hier geht's zu unserem Vitamin D-Bedarfsrechner.


Der aktuelle Buchtipp:

Im neuen von der Akademie für menschliche Medizin veröffentlichten Vitamin D-Buch von Prof. Dr. Jörg Spitz und Sebastian Weiß finden Sie umfangreiche Recherchen zum Thema Krebs und Vitamin D. Darüber hinaus werden im Buch viele andere Krankheitsbilder und Covid-19 intensiv beleuchtet:

In Bezug auf die aktuelle Covid-19-Pandemie hat außer Vitamin D keine andere Einzelsubstanz eine dreifache Wirkung auf die Erkrankung:

1. Vitamin D hemmt die Vermehrung und Ausbreitung des Virus im Körper durch ein eigenes Antibiotikum (Cathelicidin), gegen das Erreger keine Resistenz entwickeln können.

2. Vitamin D verhindert den fatalen Sturm entzündungsfördernder Zytokine in der Lunge, indem entzündungshemmende Botenstoffe gebildet werden.

3. Vitamin D reduziert zusätzlich die riskanten Co-Morbiditäten wie Übergewicht, Diabetes und Asthma, die für einen fatalen Ausgang der Covid-19-Erkrankungen verantwortlich sind.

 

Es gibt zunehmend gute Argumente dafür, dass die verbesserte Vitamin D-Versorgung der Bevölkerung durch Sommersonne und Supplementation den Verlauf der Pandemie in Deutschland positiv beeinflusst hat. Vor allem hat der mittlere Vitamin-D-Spiegel in der älteren deutschen Bevölkerung um 40% innerhalb von zehn Jahren zugenommen! Alle Aussagen in diesem Buch sind durch mehr als 450 Quellenangaben belegt.

Das aktuelle Vitamin D-Buch finden Sie u.a hier...!

Quellen:

Chandler PD; Chen WY; Ajala ON; Hazra A; Cook N; Bubes V; Lee IM; Giovannucci EL; Willett W; Buring JE; Manson JE; (n.d.). Effect of Vitamin D3 Supplements on Development of Advanced Cancer: A Secondary Analysis of the VITAL Randomized Clinical Trial. Retrieved December 23, 2020, from https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33206192/

Titelbildquelle:

Image by Angiola Harry from unsplash.com

Vitamin D – Desinformationskampagne widerlegt

Vitamin D – Desinformationskampagne widerlegt

Derzeit macht auf YouTube mal wieder ein Video die Runde, in dem mit pseudowissenschaftlichen Argumenten versucht wird, die evidenzbasierte Faktenlage zum Thema Vitamin D auf den Kopf zu stellen. Das Ziel des Videos ist es offensichtlich, junge Zuseher zu überzeugen, dass Vitamin D völlig überbewertet und sogar gefährlich wäre - eine Einnahme sei nur in Ausnahmefällen nötig. Die gravierendsten Irrtümer haben wir chronologisch mit den quellenbasierten Richtigstellungen zusammengefasst.

Desinformationskampagne gegen Vitamin D - Videoanalyse

Eines vorweg: Man muss der Produzentin des unten verlinkten YouTube-Videos tatsächlich keine böse Absicht unterstellen. Nach der Aufarbeitung ihrer Abhandlungen spricht einiges dafür, dass hier tatsächlich fundamentales Grundlagenwissen in Bezug auf Vitamin D fehlt. Die folgenden Klarstellungen richten sich also nicht gegen die Produzentin, sondern dienen alleine der Aufklärung über Vitamin D und sollen dem Leser helfen, sich selbst eine Meinung zu bilden. Die Literaturzitate unserer Anmerkungen finden Sie in den jeweils verlinkten Artikeln.


1. Minute: Kann Vitamin D ein derart vielfältiges Wirkspektrum aufweisen?

Die YouTuberin stellt eingangs infrage, ob Vitamin D tatsächlich ein sehr breites Wirkspektrum haben kann und ob das Sonnenhormon mit einer Vielzahl von Erkrankungen in Zusammenhang steht. Sie bezeichnet diesen Umstand als „Red Flag“ bzw. um ihre Worte zu nutzen als „Bullshit-Argument“ und versucht damit, den "Vitamin-D-Mythos" zu entzaubern.

Fakt ist: In beinahe allen Körperzellen wurden Vitamin D-Rezeptoren nachgewiesen, was die vielfältigen Wirkungen logisch erklärt. Vitamin D fungiert in seiner aktiven Form (Calcitriol) als Hormon, ein sehr breites Wirkspektrum ist daher nicht ungewöhnlich.

Die Literatursammlung auf Pubmed nähert sich den 90.000 Studien, wobei eine erdrückende Vielzahl von Zusammenhängen unterschiedlichster Krankheitsbilder mit Vitamin D nachgewiesen wurde.

Vitamin D spielt unter anderem eine Rolle bei der Regulation zahlreicher Prozesse wie bei der Knochen- und Muskelbildung, im Herz-Kreislauf-System, der Funktion der Atemwege, beim Aufbau, der Steuerung und der Teilung von Zellen und bei der Beseitigung fehlerhafter Zellen, im Immunsystem und bei verschiedenen Aufgaben des Gehirns.

Einige dieser Zusammenhänge haben wir in unserer Rubrik "Krankheitsbilder und Vitamin D-Mangel" mit den zu Grunde liegenden Literaturzitaten aufbereitet:

Krankheitsbilder und Vitamin D-Mangel


2. Minute: Ist Vitamin D ein Geheimtipp?

Die 2. vermeintliche „Red Flag“ welche die Influencerin aufgedeckt haben will, bezieht sich auf ihre Annahme, dass Vitamin D angeblich ein Geheimtipp sei und als solcher angeboten werden soll.

Dazu können wir auf folgendes YouTube Video von Prof. Dr. med. Jörg Spitz verweisen, welches derzeit über 3,5 Millionen Aufrufe auf YouTube hat.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

 

Auch zahlreiche Bestsellerbücher über Vitamin D im Genre Gesundheit, bspw. von Dr. Raimund von Helden zeugen wohl eher davon, dass dieses Thema längst in breiten Teilen der Bevölkerung angekommen ist. Die bereits erwähnten knapp 90.000 Studien auf Pubmed zeugen ebenfalls von einem breiten Diskurs der Wissenschaftsgemeinschaften.

Zwischenfazit: Vitamin D ist vieles, aber längst kein Geheimtipp mehr.


7. Minute: Kausalität vs. Korrelation

Hier wird versucht, längst erforschte kausale Zusammenhänge des Vitamin D mit diversen Krankheiten als reine Korrelation abzutun. Als Beweis für die Wirksamkeit von Vitamin D würden ausschließlich randomisierte placebokontrollierte Doppelblindstudien und Metaanalysen gelten.

Ein Erschwernisfaktor für derartig kostspielige Untersuchungen ist die Tatsache, dass mit Vitamin D keine hohen Umsatzrenditen zu erzielen sind. Der finanzielle Anreiz für Pharma-Konzerne, die aufwändige Studien finanzieren könnten, hält sich dementsprechend in Grenzen. Das liegt unter anderem daran, dass sämtliche Versuche das Sonnenhormon zu patentieren scheiterten, es kann Gott sei Dank lizenzfrei produziert werden.

Darüber hinaus sind randomisiert kontrollierte Doppelblind-Studien mitnichten der einzige Beweis für die Wirksamkeit jeglicher Substanzen.

Trotzdem gibt es eine Reihe derartiger Studien, die, wenn Sie richtig durchgeführt wurden, die gesundheitsfördernden Wirkungen von Vitamin D beweisen. Eine Liste bestehend aus solchen und anderen qualitativ hochwertigen Interventions-Studien haben wir hier aufbereitet:

Wider die Borniertheit


10. Minute: Warum gibt es Studien, die keine Wirksamkeit von Vitamin D nachweisen?

Nun werden in Sekundenbruchteilen die 25 angeblich "meistzitiertesten Studien der letzten 4 Jahre" eingeblendet und behauptet, dass 20 davon keine positiven Ergebnisse für einen Nutzen von Vitamin D auf verschiedene chronische Erkrankungen nachweisen würden.

Man kann davon ausgehen, dass die in dem Video aufgeführten Studien nicht auf den qualitativen Inhalt und das Studiendesign hin überprüft wurden.

In unserem Artikel „Desinformation über Vitamin D erkennen“, haben wir die Grundlagen für ein solides Studiendesign aufbereitet:

Desinformation über Vitamin D erkennen


10. Minute: Welche Vitamin D-Spiegel sind normal, was ist der optimale Vitamin D-Spiegel und ab wann beginnt die Toxizitätsgrenze?

Jetzt wird es abenteuerlich! Die Video-Produzentin scheint der Meinung zu sein, dass Vitamin D-Werte ab 50 ng/ml mit einem erhöhten Risiko für eine „exzessive Vitamin D-Aufnahme“ einhergehen. Ihr „wünschenswerter“ Wert liegt bei 20 ng/ml, also deutlich im Mangelbereich.

Zur Toxizität:

Durch natürliche UV-Exposition der Sonne können und werden Spiegel von bis zu 90 ng/ml erreicht. Vitamin D-Werte von über 50 ng/ml sind also natürlich und daher weit von einer exzessiven Aufnahme entfernt.

Vitamin D hat eine enorm hohe Anwendersicherheit, mit toxische Erscheinungen ist selbst nach offiziellen Angaben erst ab Blutspiegeln von mindesten 150 ng/ml zu rechnen. Die heute bekannten Details zur Toxizitätsgrenze, haben wir in diesem Artikel zusammengefasst:

Toxizität – welche Dosen sind sicher?

 

Der Mangelgrenzwert und der optimale Vitamin-D-Spiegel

Die international führenden Vitamin D-Forscher sind sich inzwischen aus verschiedensten Gründen einig, dass der Mangelgrenzwert bei mind. 30 ng/ml anzusiedeln ist. Im neuen Spitzen-Gespräch von Prof. Dr. med. Jörg Spitz und M.Sc. Chris Göthel wird diese Thematik ausführlich beleuchtet:

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Der optimale Vitamin D-Spiegel liegt bei mind. 40-60 ng/ml, einige der Argumente finden Sie unter folgendem Artikel:

Der optimale Vitamin D-Spiegel


11. Minute: Erhöhte Krebsgefahr durch Vitamin D?

In Minute 11 wird der Vogel dann endgültig abgeschossen, indem aus dem Nichts eine Korrelation von Vitamin D-Spiegeln über 30 ng/ml mit einem erhöhten Auftreten von Krebs in den Raum gestellt wird.

Einen Beleg, der diese Korrelation nur ansatzweise erahnen lassen könnte, bleibt den Zuschauern vorenthalten.

Tatsächlich ist natürlich das Gegenteil der Fall. Vitamin D unterdrückt das Tumorwachstum, schwächt die Signale zur Metastasierung, leitet den Zelltod ein, motiviert Zellen, sich zur Gutartigkeit hin zu differenzieren, und verringert eine Gefäßneubildung durch Tumore. Die Studien dazu sind unter folgendem Link abrufbar:

Krebs


12. Minute: Darf Vitamin D von erwachsenen Personen ohne Arzt eigenständig konsumiert werden?

Die Empfehlung der Influencerin lautet sinngemäß: Unbedingt zum Arzt zu gehen, bevor man selbstständig und eigenverantwortlich Vitamin D konsumiert.

Absurderweise wäre die logische Schlussfolgerung auf diese Empfehlung, im Sommer das Haus nur nach ärztlicher Absprache zu verlassen, denn unter Umständen könnte Vitamin D auf der Haut durch UV-Exposition produziert werden.

Wir appellieren an die Eigenverantwortung und die Vernunft mündiger Menschen und raten zu einem achtsamen Umgang mit Vitamin D. Laut dem renommiertesten Vitamin D-Forscher Dr. Holick, liegt die sichere obere Einnahmegrenze von Vitamin D für Erwachsene bei 10.000 I.E.. Solange ein Vitamin D-Spiegel von 150 ng/ml nicht überschritten wird, geht vom Vitamin D in der Regel keine Gefahr aus, während der Verzicht auf Vitamin D das Entstehen vielfältiger Erkrankungen begünstigt.

Wir empfehlen durch regelmäßige Kontrollen Vitamin D-Spiegel von 40-60 ng/ml aufrecht zu erhalten, die Überschreitung des 90 ng/ml - Grenzwertes sollte möglichst vermieden werden.


14. Minute: Was sind Initialdosen und wofür werden sie gebraucht?

Die Verfasserin des Videos wird in Ihren Recherchen offensichtlich zum ersten Mal mit sogenannten Initialdosierungen konfrontiert. Sichtlich schockiert berichtet sie über zeitlich begrenzte Einnahmeempfehlungen von 54.000 I.E. für einen Zeitraum von 10 Tagen.

Bei diesen zeitlich begrenzten Initialdosen handelt es sich nicht um eine „Eskalation“, sondern sie dienen dem Aufbau des Vitamin D-Spiegels, um möglichst schnell den Zielwert zu erreichen. Initialdosen sind völlig sicher und ein probates Mittel für Anwender, die über mehrere Wochen oder länger kein Vitamin D konsumiert haben.

Hier geht es zu unserem Vitamin D-Bedarfsrechner, mit dem Sie Ihre persönliche Initialdosis, aber auch die Erhaltungsdosis anhand Ihres Körpergwichts ermitteln können:

Vitamin D-Bedarfsrechner

 

Quellen:

Der Link zum analysierten Video: https://www.youtube.com/watch?v=ud9d5cMDP_0

Titelbildquelle:

Image by memyselfaneye from Pixabay

Vitamin D bei Haustieren

Vitamin D bei Haustieren

Vitamin D spielt offensichtlich auch bei unseren Haustieren eine größere Rolle als bisher angenommen. Dass Vitamin D-Rezeptoren in fast allen Körperzellen vorhanden sind, spricht besonders für die Bedeutung von Vitamin D - nicht nur für den Knochenstoffwechsel, sondern weit darüber hinaus. Wie beim Menschen ist die Zahl der Zivilisationskrankheiten bei Hunden und Katzen in den vergangenen Jahrzehnten enorm gestiegen.

Hunde und Katzen brauchen Vitamin D aus der Nahrung

Entsteht ein Vitamin-D-Mangel beim Menschen hauptsächlich durch zu kurze Aufenthaltsdauer in der Sonne, zeigt sich bei Hunden und Katzen ein anderes Bild. Im Gegensatz zum Menschen und auch zu Pflanzenfressern wie Pferd und Rind sind Hunde und Katzen offensichtlich nicht in der Lage, Vitamin D in der Haut über UV-Strahlung zu synthetisieren. In der Literatur finden sich Hinweise von nur geringer bis gar keiner Befähigung zur Synthese.

In der Haut von Hunden und Katzen ist die Ausgangssubstanz 7-Dehydrocholesterol, das für die Bildung von aktivem Vitamin D benötigt wird, nur in geringer Konzentration enthalten, und das wenige, das vorhanden ist, wird nur geringfügig oder gar nicht zu Vitamin D umgewandelt.

Daraus ergibt sich, dass die Vitamin D-Versorgung von Hunden und Katzen zur Gänze über das Futter abgedeckt werden muss. Vitamin D ist in höheren Konzentrationen in Leber, Fischen, Eigelb und Milchprodukten enthalten. Der Vitamin D-Bedarf in der Nahrung für erwachsene Hunde ist nicht eindeutig festgelegt. Die derzeit vom NRC (National Research Council, USA) empfohlene Menge bezieht sich auf Studien, die untersuchten, wie hoch die Vitamin D-Konzentration in der Nahrung sein sollte, um Skelettanomalien beim Welpen zu verhindern. Da keine Langzeitstudien für erwachsene Tiere vorliegen, werden die Empfehlungen für den Welpen einfach hochgerechnet. So liegt schon bei der Ermittlung des Bedarfes vieles im Unklaren. Da sich die Ermittlung dieses „Bedarfes“ nur auf die Vermeidung schwerer Erkrankungen (hier die Skelettanomalien) bezieht, ergeben sich logischerweise viel zu geringe Werte.

Auch beim Pferd sind die Bedarfszahlen nicht präzise und eine eventuelle Essentialität nicht bewiesen.


Vitamin D wirkt weit über den Knochenstoffwechsel hinaus

Mit Vitamin D verbinden die meisten Verbraucher und auch Tierärzte die Wirkung auf den Knochenstoffwechsel, der bisher auch am gründlichsten untersucht worden ist. Bei Vitamin-D-Mangel kann es zu Rachitis bei jungen und zur Osteomalazie (Knochenerweichung) bei erwachsenen Hunden kommen. Allerdings hat man festgestellt, dass eine inadäquate Kalzium- und Phosphorversorgung sich stärker auf Mineralisationsstörungen der Knochen auswirkt als eine Vitamin D-Unterversorgung.

Seit Einführung der Fertigfuttermittel, denen in der Regel Vitamin D zugesetzt wird, sieht man Rachitis und Osteomalazie nur mehr sehr selten. Da die meisten Fertigfutter sehr hoch erhitzt werden (Extrudate bis zu 200° Celsius), wird auch das relativ hitzebeständige Vitamin D zerstört und muss im Nachhinein substituiert werden.  Inwieweit diese Substitution ausreichend ist, darüber gibt es nur wenige Studien.


Vitamin-D-Rezeptoren in fast allen Zellen, auch bei Tieren

Da nicht nur beim Menschen, sondern auch bei Hunden und Katzen das aktive Vitamin D (Calcitriol) mit den Vitamin-D-Rezeptoren vieler Zellen reagiert und über unterschiedliche Signale in den Zellstoffwechsel eingreift, stellt sich die Frage, welche Organzellen überhaupt und welche die meisten Vitamin D-Rezeptoren besitzen. Bei Hunden sind es neben Geweben des Skeletts hauptsächlich die Zellen des Dünndarms, der Niere und der Haut in absteigender Reihenfolge. In fast allen Körperzellen gibt es mehr oder weniger Vitamin D-Rezeptoren.


Immunsystem, Krebs und Nierenerkrankung

Auch das Immunsystem ist bei den Tieren - wie beim Menschen - auf Vitamin D angewiesen. Ohne dieses Vitamin können keine Abwehrzellen gebildet werden, chronische Infekte sind die Folge. In Studien mit Hunden mit Babesiose-Infektion (Hundemalaria) zeigte sich bei den erkrankten Hunden ein deutlich geringerer Vitamin-D-Spiegel als bei gesunden (1). Das führen Tierärzte auf einen erhöhten Vitamin D-Verbrauch während des Entzündungsprozesses zurück. Hier werden vermehrt entzündliche Zytokine gebildet, die eine schnellere Umwandlung von 25 (OH)D in die bioaktive Form bewirken. Zusätzlich könnte vor einer Infektion ein niedriger Vitamin-D-Spiegel vorliegen, der die Hunde erst anfällig für die Infektion macht.

Da wir bereits wissen, dass eine Intervention mit Vitamin D beim Menschen dem Krebsgeschehen signifikant entgegenwirken kann, stellt sich die Frage, ob das auch auf Hunde und Katzen zutrifft. Krebserkrankungen stehen bei diesen Tieren heute an erster Stelle, gefolgt von chronischen Darm-, Herz-, Gelenk-, Nieren- und Leberleiden.

Und tatsächlich haben Wissenschaftler Zusammenhänge zwischen niedrigem Vitamin-D-Spiegel im Serum und chronischen Nierenerkrankungen sowie Krebs herausgefunden (2). Im Gewebe von Brusttumoren bei Hunden war die Vitamin D-Rezeptor-Expression deutlich geringer als bei gesunden.

Dass die Vitamin-D-Konzentration im Serum bei kranken Hunden im Krankenhaus eindeutig niedriger lag als bei gesunden Hunden, zeigt eine Studie aus dem Jahre 2018 (3).


Fazit: Auch Haustiere sind von einer ausreichenden Vitamin-D-Versorgung durch die Nahrung abhängig, nicht nur was den Knochenstoffwechsel betrifft. Wie beim Menschen wurden Vitamin-D-Rezeptoren bei Hunden in beinahe allen Zellen gefunden, was auf eine fundamentale Wirkung des Sonnenhormons hindeutet.

Wir bedanken uns für diesen Artikel bei Dr. med. vet. Jutta Ziegler, Hallein, Österreich!


Ergänzung der SonnenAllianz-Redaktion: Der wichtigste Faktor für die Gesunderhaltung Ihres Haustieres ist eine artgerechte Haltung und damit Ernährung. Hunde und Katzen sind keine Vegetarier und brauchen viel Bewegung in natürlicher Umgebung. Eine Vermenschlichung des Tieres führt unweigerlich zu den oben beschriebenen Zivilisationserkrankungen.  Die Sache ist also nicht mit der möglichen Supplementierung von Vitamin D erledigt. Sorgen Sie also bitte soweit wie möglich dafür, dass Ihr Haustier ein artgerechtes Leben führen kann.

Quellen:

  1. Rosa C, Handel I et al (2019). Vitamin D status in dogs with babesiosis. Onderstepoort J Vet Res.2019 Mar 28;86(1):e1-e5. DOI: 10.4102/ojvr.v86i1.1644
  2. Sanchez-Cespedes R, Fernandez-Martinez MD et al (2018). Vitamin D-Receptor-Expression in der Brustdrüse von Hunden und Beziehung zu klinisch-pathologischen Parametern und Progesteron/Östrogen-Rezeptoren. Vet Comp Oncol. 2018 Mar;16(1):E185-E193. DOI: 10.1111/vco.12371. Epub 2017 Nov 27
  3. Jaffey AJ, Backus RC et al (2018). Serum vitamin D concentrations in hospitalized critically ill dogs. PLOS ONE March 28, 2018 https://doi.org/10.1371/journal.pone.0194062

Bilder:

1. Titelbild: Image by Free-Photos from Pixabay

2. Katze: Image by Dimitri Houtteman from Pixabay

 

 

 

Image by Dimitri Houtteman from Pixabay

Covid-19: Vitamin D rettet Leben

Covid-19: Vitamin D rettet Leben

Endlich werden im Rahmen der Covid-19 Krise von hochrangigen Politikern Vitamin D und Vitamin C als Immun-Booster empfohlen. Jedenfalls in den USA, wo der Berater der Trump-Administration Dr. Anthony Fauci in einem Interview Vitamin D als als Schutz vor Infektionen empfiehlt (1). In diesem Newsfeed haben wir brandaktuelle, beeindruckende Studien aufbereitet, welche die Empfehlungen von Dr. Fauci untermauern und einmal mehr beweisen, wie wichtig Vitamin D für die Prävention von Infektionskrankheiten wie z.B. dem Covid-19 ist.

Doppeltes Covid-Risiko durch Vitamin D-Mangel

Eine Publikation des führenden amerikanischen Vitamin D-Forschers Michael Holick fasst im September 2020 die zahlreichen Einzelstudien mit geringeren Fallzahlen eindrucksvoll in einer eigenen Auswertung mit nahezu 200 000 Teilnehmern zusammen (Abb. 4).  

Die SARS-CoV-2-Positivenrate aller Probanden betrug 9,3% und der mittlere saisonbereinigte Vitamin D-Spiegel dieser Personen lag bei 31,7 ng/ml. Die Positivenrate war bei 39.190 Patienten mit mangelhaften Vitamin D-Werten (<20 ng/ml) mit 12,5% um das Doppelte höher als bei den 12.321 Patienten mit Werten ≥ 55 ng/ml. In der Gruppe der Personen mit Vitamin D-Spiegeln von mehr als 55 ng/ml wurden nur 5,9% positiv auf SARS-CoV-2 getestet.

Die Studienautoren ziehen folgenden Schluss aus ihren Untersuchungen: “Die SARS-CoV-2-Positivität ist stark und umgekehrt mit den zirkulierenden Vitamin D-Spiegeln verbunden, eine Beziehung, die über Breiten, Ethnien, beide Geschlechter und Altersgruppen hinweg besteht” (2).

Abb. 4: Das Risiko, positiv auf SARS-CoV-2 getestet zu werden, sinkt mit steigendem Vitamin D-Spiegel. Dargestellt ist die Beziehung der Gesamtgruppe. Einzelheiten siehe Text (nach 1).


Eine deutsche Studie aus dem September 2020 belegt zudem, dass die oben genannten Zusammenhänge auch hierzulande zutreffen. Um den Zusammenhang des Vitamin D-Status mit der Intensität einer Covid-19-Erkrankung und dem damit einhergehenden Sterberisiko abzubilden, wurden 185 symptomatische Patienten untersucht. Der mittlere Vitamin D-Spiegel der gesamten Kohorte lag bei 16,6 ng/ml. 22% wiesen Vitamin D-Spiegel von <12 mg/ml auf und 64% hatten Werte unter 20 ng/ml. Der mittlere Vitamin D-Spiegel war in der Gruppe, die stationär behandelt werden musste, eindeutig  niedriger.

Ergebnis: Lagen die Vitamin D-Spiegel der Probanden unter 12 ng/ml, so war das Sterberisiko um den Faktor 14,7 höher als bei den Patienten, die 12 ng/ml oder mehr Vitamin D aufwiesen. Das Risiko, künstlich beatmet werden zu müssen, war um den Faktor 6,12 höher (3).

Intervention mit Vitamin D rettet Leben

Aber auch damit nicht genug! Zunehmend werden auch prospektive Studien geplant und durchgeführt, um die Ergebnisse der geschilderten Beobachtungsstudien zu erhärten. Die internationale Vitamin D-Plattform Vitamin D-Wiki (4) listet im September 2020 mehr als 30 solcher angemeldeten Studien auf.

Diese offiziell als evidenz-basiert bezeichneten Untersuchungen setzen voraus, dass nicht im Nachhinein ausgewertet wird, wer mit welchen Vitamin D-Spiegeln wie krank war, sondern dass die Patienten prospektiv, d. h. bei der Aufnahme ins Krankenhaus oder auch zu Hause beim Auftreten der ersten Symptome eine bestimmte Dosis Vitamin D zuführen und für einen bestimmten Zeitraum beibehalten.

Eine dieser prospektiven Studien wurde kurz vor Veröffentlichung kürzlich beendet und veröffentlicht. Sie bestätigt die in unserer Corona-Berichterstattung (Corona-Spezial) genährten Hoffnungen und Thesen voll und ganz. Von 76 Patienten, die positiv auf SARS-CoV-2 mittels PCR-Test getestet wurden, bekamen 50 am Tag der Aufnahme 20.000 I.E. Vitamin D (in Form von Calcidiol) und ca. die Hälfte der Dosis an Tag 3 und 7. Im Anschluss wurden ihnen einmal wöchentlich ca. 10.000 I.E. Vitamin D bis zur Entlassung verabreicht.

Ergebnis: Nur einer der Patienten, die mit Vitamin D versorgt wurden, musste auf die Intensivstation verlegt werden, also nur 2 Prozent. Von den 26 Patienten, die nicht mit Vitamin D versorgt wurden, waren es 13, also genau 50%!

Von den mit Vitamin D behandelten Patienten starb keiner, alle wurden ohne Komplikationen entlassen. In der halb so großen Vergleichsgruppe ohne Vitamin D starben dagegen zwei Menschen (5).

Angesichts dieser eindeutigen Ergebnisse stellt sich die Frage, wie lange es ethisch noch vertretbar ist, Patienten mit Covid-19 und anderen Atemwegserkrankungen Vitamin D als Therapeutikum weiterhin vorzuenthalten.

Quellen:

  1. https://www.cnbc.com/2020/09/14/supplements-white-house-advisor-fauci-takes-every-day-to-help-keep-his-immune-system-healthy.html
  2. Kaufman HW, Holick MF et al (2020). SARS-CoV-2-Positivitätsraten in Verbindung mit zirkulierenden 25-Hydroxyvitamin D-Spiegeln. PLoS ONE 15 (9): e0239252. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0239252
  3. Radujkovic A, Hippchen T et al (2020). Vitamin D Deficiency and Outcome of COVID-19 Patients. Nutrients, 12(9), 2757. doi:10.3390/nu12092757
  4. https://vitamindwiki.com/COVID-19+Coronavirus+can+most+likely+be+fought+by+Vitamin+D#Intervention
  5. Castillo M et al. (2020). Effect of Calcifediol Treatment and best Available Therapy versus best Available Therapy on Intensive Care Unit Admission and Mortality Among Patients Hospitalized for COVID-19: A Pilot Randomized Clinical study. Retrieved from https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0960076020302764?via%3Dihub

Titelbild:

Foto von Polina Tankilevitch von Pexels

 

Vitamin D und das tödliche Quartett (Metabolisches Syndrom)

Vitamin D und das tödliche Quartett (Metabolisches Syndrom)

Das Metabolische Syndrom als multikausales Krankheitsbild moderner Zeiten äußert sich durch das gleichzeitige Auftreten von Übergewicht, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung und Insulinresistenz als Folge eines falschen Lebensstils. Alle 4 Erscheinungen sind Krankheitssymptome, die das Risiko für ein früheres Ableben drastisch erhöhen. Eine Reihe von Studien spricht für einen deutlichen Zusammenhang zwischen Vitamin D-Mangel und dem Krankheitsbild des Metabolischen Syndroms.

Die häufigsten Folgeerscheinungen des Metabolischen Syndroms sind bekannt als Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Verschiedene lebensstilbedingte Veränderungen wie Gewichtsreduktion durch die Einschränkung von Zucker und einfache Kohlenhydrate, regelmäßige Bewegung, Einschränkung des Drogenkonsums inklusive Alkohol aber natürlich auch ernährungstechnische Umstellungen können getroffen werden, um den Stoffwechsel wieder ins Lot zu bringen.

Zusätzlich zu den erwähnten Lebensstilfaktoren zeigen vorhandene Forschungsarbeiten, dass Vitamin D ebenfalls eine wesentlichen Rolle spielt, wenn es um die Verhinderung des Metabolischen Syndroms geht. Beispielsweise kann Vitamin D nachteilige Wirkungen eines aus dem Ruder gelaufenen Stoffwechsels umkehren, indem es Signalmechanismen blockiert oder durch Fettleibigkeit hervorgerufenen Entzündungen entgegenwirkt, die Insulinresistenz verbessert und den Bluthochdruck senkt, so das amerikanische Forschungszentrum für Sonnenlicht, Ernährung und Gesundheit in einer Arbeit aus dem Sommer 2019 (1). Da gerade die Fettleibigkeit jedoch häufig auch mit Bewegungsmangel an frischer Luft einhergeht, wird ein Vitamin D-Mangel begünstigt. Es entsteht ein Teufelskreis.

Optimale Vitamin D-Spiegel senkten die Gesamtmortalität und die Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Patienten mit metabolischem Syndrom erheblich, so die Schlussfolgerung der Autoren der Ludwigshafener Risiko-Studie aus dem Jahr 2012, bei der 1801 Patienten mit der Diagnose Metabolisches Syndrom untersucht wurden. 92% der Teilnehmer waren von Vitamin D-Mangel (< 20ng/ml) betroffen, wobei 22% sogar die 10 ng/ml unterschritten, also einen extremen Mangel aufwiesen. Die Gesamtmortalität von Patienten mit optimalen Vitamin D-Spiegeln war um 75% niedriger als die Vergleichsgruppe mit extremem Vitamin D-Mangel (Abb. 1). Für kardiovaskulär bedingte Mortalität wurde sogar eine Reduktion von 85% für die regelrecht Versorgten ermittelt. Auch die Herzinsuffizienz war in dieser Gruppe um ganze 76% geringer (2).

Abb. 1: Die Sterblichkeit bei Patienten mit dem Metabolischen Syndrom steigt mit sinkendem Vitamin D (nach 2).

In China wurde 2016 eine Studie veröffentlicht, deren Ergebnisse einen Vitamin D-Mangel als einen Risikofaktor für die Manifestation eines Metabolischen Syndroms bei 270 Patienten mit Typ 2-Diabetes nahe legten. Patienten mit den niedrigsten Vitamin D-Spiegeln und einem BMI >24 wiesen ein 3,26-fach höheres Risiko für ein Metabolisches Syndrom auf. Die chinesischen Forscher stellen in diesem Zusammenhang fest, dass eine Abnahme des Vitamin D-Spiegels um 10 ng/ml das Risiko für ein Metabolisches Syndrom bei solchen Patienten um den Faktor 2 erhöht (3).

Im Jahr 2017 folgten ähnliche Ergebnisse aus Japan, die an gesunden Erwerbstätigen durchgeführt wurde. Von den 1790 Arbeitern im Alter von 18 bis 69 Jahre, wurde ein umgekehrter Trend von Vitamin D-Spiegel und dem Risiko, am Metabolischen Syndrom zu erkranken, dokumentiert. Demzufolge hatten die Probanden, deren Vitamin D-Spiegel die 30 ng/ml-Grenze überschritten, ein um 48% geringeres Risiko am Metabolischen Syndrom zu erkranken, als die Vergleichsgruppe mit Vitamin D-Spiegeln von unter 20 ng/ml (4). So ganz nebenbei unterstreicht dieses Ergebnis im Übrigen wieder einmal mehr die Richtigkeit eines Grenzwertes für einen Vitamin D-Mangel von 30 ng/ml.

2019 bestätigte sich diese Beobachtung bei einer  Forschungsarbeit aus Katar eindrucksvoll: Bei den 700 beobachteten Frauen im Alter von 20-80 Jahren, war das Risiko, ein Metabolisches Syndrom zu entwickeln, bei der Gruppe mit Vitamin D-Werten im unteren Viertel um ganze 92% höher als bei den Frauen, die der Gruppe mit den höchsten Vitamin D-Spiegel angehörten (5).

Fazit: Die Studienlage erlaubt folgende Schlussfolgerungen: Entweder fördert ein Vitamin D-Mangel die Entstehung eines Metabolischen Syndroms oder aber das Metabolische Syndrom begünstigt die Manifestation eines schweren Vitamin D-Mangels. Beides ist katastrophal in Bezug auf damit in Zusammenhang stehenden Krankheitsbilder. Insofern ist ein guter Vitamin D-Spiegel in jedem Fall ein Muss in der Prävention und Behandlung des Metabolischen Syndroms. Neben dem Sonnenhormon sind aber auch weitere wichtige Lebensstilfaktoren zur Prävention des sogenannten "tödlichen Quartetts" von Bedeutung. Zu ihnen zählen eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung, Verzicht auf Alkoholkonsum und Rauchen, Entspannungsphasen und weitere Maßnahmen die einen gesunden Lebensstil ausmachen.

Quellen:

  1. Moukayed, M., & Grant, W. B. (2019). Linking the metabolic syndrome and obesity with vitamin D status: risks and opportunities for improving cardiometabolic health and well-being. Diabetes, Metabolic Syndrome and Obesity: Targets and Therapy, Volume 12, 1437–1447. doi: 10.2147/dmso.s176933 
  2. Thomas, G. N., Hartaigh, B. o, Bosch, J. A., Pilz, S., Loerbroks, A., Kleber, M. E., … Marz, W. (2012). Vitamin D Levels Predict All-Cause and Cardiovascular Disease Mortality in Subjects With the Metabolic Syndrome: The Ludwigshafen Risk and Cardiovascular Health (LURIC) study. Diabetes Care, 35(5), 1158–1164. doi: 10.2337/dc11-1714 
  3. Pan, G.-T., Guo, J.-F., Mei, S.-L., Zhang, M.-X., Hu, Z.-Y., Zhong, C.-K., … Zhang, Z.-L. (2016). Vitamin D Deficiency in Relation to the Risk of Metabolic Syndrome in Middle-Aged and Elderly Patients with Type 2 Diabetes Mellitus. Journal of Nutritional Science and Vitaminology, 62(4), 213–219. doi: 10.3177/jnsv.62.213
  4. Akter, S., Eguchi, M., Kurotani, K., Kochi, T., Kashino, I., Ito, R., … Mizoue, T. (2017). Serum 25-hydroxyvitamin D and metabolic syndrome in a Japanese working population: The Furukawa Nutrition and Health Study. Nutrition, 36, 26–32. doi: 10.1016/j.nut.2016.02.024
  5. Ganji, V., Sukik, A., Alaayesh, H., Rasoulinejad, H., & Shraim, M. (2019). Serum vitamin D concentrations are inversely related to prevalence of metabolic syndrome in Qatari women. BioFactors. doi: 10.1002/biof.1572

Titelbild: von (Joenomias) Menno de Jong auf Pixabay