Neue Megastudie – 71% weniger Herztote bei ausreichendem Vitamin D-Spiegel

Neue Megastudie – 71% weniger Herztote bei ausreichendem Vitamin D-Spiegel

Eine brandaktuelle Studie aus Großbritannien beleuchtet durch umfangreiche Auswertungen von über 180.000 Patientendaten die Wirkung von Vitamin D auf die Herzgesundheit in großem Ausmaß. Das Ergebnis: Nicht nur die Sterblichkeit steht in deutlicher Inverskorrelation zum Vitamin D-Spiegel, sondern auch das Risiko eine Herz-Erkrankung zu manifestieren ist davon betroffen.

 

Im September 2019 informierte eine groß angelegte Längsschnittanalyse (1) aus elektronischen Patientenakten der britischen Datenbank für Grundversorgung über das Risiko an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung (HKL-Erkrankung) zu erkranken bzw. zu versterben. Dabei wurden die Vitamin D-Werte einer Gruppe von 180.263 Patienten im Alter von 18 Jahre aufwärts ohne Herz-Kreislauf-Erkrankungen in deren Vorgeschichte erfasst. Nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 2,2 Jahren, wurden 3.747 Patienten mit HKL-Erkrankungen diagnostiziert und 3912 Todesfälle registriert.

Vitamin D-Mangel korreliert mit 71% höherem Todesrisiko

Verglichen mit Patienten im obersten Vitamin D-Versorgungs-Quintil (>27 ng/ml) war das Mortalitätsrisiko für Patienten im untersten Quintil (<9,24 ng/ml) um 71% und das Risiko eine HKL-Erkrankung zu entwickeln um 24% höher. Die Studienautoren lassen in ihrem Fazit keine Zweifel offen und bestätigen die Verbindung eines höheren Risikos für Patienten mit niedrigen Vitamin D-Spiegeln.

Auch Herz-Risikopatienten profitieren enorm

Weitere Fakten wurden ebenfalls im Jahr 2019 basierend auf einer deutschen Studie (2) mit 787 Patienten im Alter zwischen 50 und 85 Jahren geschaffen. In dieser Untersuchung wurden ambulante Patienten mit Risikofaktoren für asymptomatische diastolische Dysfunktion oder Herzinsuffizienz beobachtet. Jede Abnahme des Vitamin D-Spiegels um 10 ng/ml war für die vorbelasteten Probanden tendenziell mit einer 55% höheren 5-Jahresmortalität assoziiert, während das Risiko einer kardiovaskulär bedingten Krankenhauseinweisung um 63% höher lag.

Noch beeindruckender aber war, dass bei den Herz-Risiko-Patienten ein 2,38fach höheres Risiko einen Herzfehler zu manifestieren, ein 2,76fach größeres Risiko an Vorhofflimmern und eine 58%ige höhere Wahrscheinlichkeit tatsächlich an Herzinsuffizienz zu erkranken vorlag, wenn der Vitamin D-Spiegel um 10 ng/ml niedrigerer lag.

Fazit: Ein ausreichender Vitamin D-Spiegel schützt das Herz! Das Risiko Herzkrankheiten zu entwickeln und daran zu versterben ist bei einem ausreichenden Vitamin D-Spiegel deutlich reduziert - das gilt für Gesunde ebenso wie für Herz-Risikopatienten!

Für noch mehr spannende Informationen zum Thema Vitamin und Herz-Kreislauf-Erkrankungen klicken Sie bitte hier!

Quellenangaben:

  1. Crowe, F. L., Thayakaran, R., Gittoes, N., Hewison, M., Thomas, G. N., Scragg, R., & Nirantharakumar, K. (2019, September 18). Non-linear associations of 25-hydroxyvitamin D concentrations with risk of cardiovascular disease and all-cause mortality: Results from The Health Improvement Network (THIN) database. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31541727.
  2. Nolte, K., Herrmann‐Lingen, C., Platschek, L., Holzendorf, V., Pilz, S., Tomaschitz, A., … Edelmann, F. (2019, February 19). Vitamin D deficiency in patients with diastolic dysfunction or heart failure with preserved ejection fraction. Retrieved from https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/ehf2.12413.

Bildquelle: www.pixabay.com

Vitamin D auf der Intensivstation

Vitamin D auf der Intensivstation

Wie dramatisch die Folgen eines Vitamin D-Mangels in Bezug auf die Sterblichkeit, Einweisungen in Krankenhäuser und den damit verbundenen Kosten aussehen, wollen wir in diesem Newsfeed näher betrachten. Auch zu diesem eher unbekannten Aspekt der Wirkung des Sonnenhormons wurden in den letzten Jahren aussagekräftige Studien veröffentlicht, die sich einmal mehr klar für eine Supplementation von Vitamin D, auch auf Intensivstationen, aussprechen.

Vitamin D-Mangel maximiert Kostenfaktor und Aufenthaltsdauer auf Intensivstationen

Ein Mangel des Sonnenhormons beeinflusst die Aufenthaltsdauer und die damit verbundenen Kosten von kritisch erkrankten Patienten. Ermittelt wurde dieser Umstand anhand einer prospektiven Beobachtungsstudie mit 258 Patienten auf der chirurgischen Intensivstation der Grady Memorial Klinik, Atlanta, USA. Bemerkenswert an dieser einzigartigen Untersuchung (1) ist die Tatsache, dass dabei die Grenzwerte vorbildlich kategorisiert wurden. Vitamin D Spiegel über 40 ng/ml wurden als normal bewertet, Spiegel zwischen 27-39 ng/ml als leichtes Defizit, Spiegel zwischen 14 - 26 ng/ml als moderates Defizit und Werte unter 13 ng/ml wurden schwerer Mangel eingestuft.

Mit 13,3 Tagen verzeichnete die Gruppe mit schwerem Vitamin D-Mangel (< 13 ng/ml) die längste Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation, während die Gruppe mit annähernd ausreichender Vitamin D-Versorgung (27 ng/ml - 39 ng/ml) nach nur 5,2 Tagen das Krankenhaus verlassen durfte.

Abb. 1: Vergleich der Aufenthaltsdauer von Patienten auf der Intensivstation in Abhängigkeit vom Vitamin D-Spiegel. Niedrige Vitamin D-Spiegel waren bei dieser Studie mit der 2,5fachen Aufenthaltsdauer assoziert (nach 1, Matthews, L. R et al.).

Das enorme Einsparungspotential des Sonnenvitamins zeigte sich auch bei den ermittelten Behandlungskosten. Für die Mangelgruppe beliefen diese sich auf 51.413 USD, während für die annähernd ausreichend Versorgten nur etwa 20.414 USD aufgewendet werden mussten. In anderen Worten ausgedrückt kostet ein Vitamin D-Mangel auf der Intensivstation das 2,5 fache - sowohl in finanzieller Hinsicht als auch die Verweilzeiten betreffend. Eine Tatsache, die sämtliche Wirtschaftsprüfer in den staatlichen, monopolistisch organisierten Krankenkassenstrukturen aufhorchen lassen müsste.

Abb. 2: Vergleich der Behandlungskosten von Patienten auf der Intensivstation in Abhängigkeit vom Vitamin D-Spiegel. Niedrige Vitamin D-Spiegel waren bei dieser Studie mit 2,5fach höheren Behandlungkosten assoziert (nach 1, Matthews, L. R et al.).

Auch die Sterblichkeit von Vitamin D-Versorgung abhängig

Auch in Anbetracht auf die Mortalität lieferte die Studie beeindruckende Ergebnisse. Bei den optimal Versorgten ( > 40 ng/ml) sowie den annähernd ausreichend Versorgten (27 - 29 ng/ml) traten im Beobachtungszeitraum keine Todesfälle auf! Anders bei den beiden weniger gut versorgten Gruppen, die jeweils rund 12 % Todesfälle verzeichnen mussten.

Abb. 3: Vergleich der Sterblichkeitsquote von Patienten auf der Intensivstation in Abhängigkeit vom Vitamin D-Spiegel. Während es bei Vitamin D-Spiegeln oberhalb von 27 ng/ml keine Todesfälle zu verzeichnen gab, lag die Sterberate bei den Vitamin D-defizitären Patienten bei ca. 12% (nach 1, Matthews, L. R et al.).

Zu analogen Resultaten kam eine Forschergruppe Ende 2015, als bei einer weiteren Studie (2) eine erhöhte stationäre Aufenthaltsdauer von kritisch erkrankten Patienten bei Vitamin D-Mangel attestiert wurde. Statt 4 Tagen Verweildauer auf der Intensivstation von Patienten, deren Vitamin Spiegel die 30 ng/ml überschritten, wurde bei Vitamin D-Mangelpatienten (< 30 ng/ml) ein 7,8 tägiger Aufenthalt, also beinahe das Doppelte, verzeichnet.

Dass niedrige Vitamin D-Serumwerte mit dem vorzeitigen Tod in Verbindung stehen, konnte im Jahr 2018 abermals bestätigt werden. Bei einer Analyse (3) von 135 Patienten einer spanischen Intensivstation, zeigten sich bei den Verstorbenen signifikant niedrigere Vitamin D-Spiegel (< 8,14 ng/ml) als bei den Überlebenden (12 ng/ml). Jedoch korrelierte nicht nur das 2,86-fache Risiko der Mortalität an sich mit schlechten Vitamin D-Werten, sondern auch das Risiko einer akuten Nierenschädigung verdoppelte sich bei Vitamin D-Werten von unter 10,9 ng/ml.

Fazit: Ein regelrechter Vitamin D-Spiegel erhöht die Überlebenschancen auf Intensivstationen drastisch, während die Aufenthaltsdauer und die damit verbundenen Behandlungskosten maßgeblich reduziert werden.

  1. Matthews, L. R., Ahmed, Y., Wilson, K. L., Griggs, D. D., & Danner, O. K. (2012, July). Worsening severity of vitamin D deficiency is associated with increased length of stay, surgical intensive care unit cost, and mortality rate in surgical intensive care unit patients. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22325335.
  2. Alizadeh, N., Khalili, H., Mohammadi, M., & Abdollahi, A. (2015). Serum Vitamin D levels at admission predict the length of intensive care unit stay but not in-hospital mortality of critically ill surgical patients. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26645025.
  3. Zapatero, A., Dot, I., Diaz, Y., Gracia, M. P., Pérez-Terán, P., Climent, C., … Nolla, J. (2018, May). Severe vitamin D deficiency upon admission in critically ill patients is related to acute kidney injury and a poor prognosis. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28847615.

Wir beantworten häufige Fragen rund um Vitamin D

Wir beantworten häufige Fragen rund um Vitamin D

Damit die Suche nach Auskünften rund um das wichtige Thema Vitamin D möglichst effizient vonstatten geht, haben wir eine neue FAQ-Seite (Frequently Asked Questions) mit den häufigsten Fragen und Antworten erstellt.

Lesen Sie hier die wichtigsten Aussagen zu Vitamin D und nutzen Sie gerne die eingebauten Links um mehr über die einzelnen Themenbereiche zu erfahren.

  • Wieviel Vitamin D  soll ich einnehmen?

Das ist abhängig von Ihrem derzeitigen Vitamin D-Serumspiegel und Ihrem Körpergewicht. Mit unserem kostenlosen Vitamin D-Bedarfsrechner können Sie Ihren persönlichen Vitamin D-Bedarf sehr einfach ermitteln. Klicken Sie hier um direkt zum Bedarfsrechner weitergeleitet zu werden!

Die exakte Einnahmedosis sollte jedoch durch regelmäßige Messungen bestimmt werden, denn nicht jedermann ist im Stande Vitamin D in gleichem Ausmaß aufzunehmen bzw. zu verwerten. Als Faustregel kann von einer sicheren Erhaltungsdosis von max. 5000 I.E. bei 70 kg Körpergewicht ausgegangen werden – bei weniger Körpergewicht muss die Dosis entsprechend reduziert werden. Langfristige Einnahmedosierungen über 5000 I.E. sollten unbedingt unter ärztlicher Begleitung erfolgen. Davon ausgenommen sind kurzzeitig hohe Initialdosen, die für max. wenige Wochen notwendig sind um den gewünschten Vitamin D-Spiegel aufzubauen.

  • Wie hoch ist der optimale Vitamin D-Spiegel und ab wann spricht man von einem Mangel?

Der optimale Vitamin D-Spiegel befindet sich im Bereich zwischen 40-60 ng/ml. Von einem Defizit spricht man in der aktuellen Vitamin D-Forschung bei einem Spiegel von unter 30 ng/ml, von einem Mangel bei weniger als 20 ng/ml.

Achtung bei den Einheiten: Einige Labore geben die Messwerte in nmol/l an. Die geläufigere und von uns primär verwendete Bezeichnung ist aber ng/ml. Zum Umrechnen können die nmol/l-Werte mit dem Divisor von 2,5 dividiert werden um auf die entsprechenden ng/ml-Werte zu kommen.

Zum Bsp.: 100 nmol/l : 2,5 = 40 ng/ml

Um mehr über den optimalen Vitamin D-Spiegel zu erfahren, klicken Sie bitte hier!

  • Kann Vitamin D toxisch wirken?

Werden über längere Zeiträume extrem hohe Dosen konsumiert, kann Vitamin D auch Intoxikationen hervorrufen. Der toxische Bereich beginnt dabei ab Vitamin D-Werten von über 150 ng/ml. Die von uns empfohlenen Dosierungen führen allerdings nicht zu derartig hohen Vitamin D-Spiegeln, sodass Toxizitäten insofern ausgeschlossen sind. Um mehr über das Thema Vitamin D & Toxitzität zu erfahren, klicken Sie bitte hier!

  • Vitamin D-Co-Faktoren: Muss ich bei einer Vitamin D-Supplementation auch Vitamin K2 einnehmen?

Nein, die zusätzliche Supplementierung von Vitamin K2 ist ein „Kann“ aber kein „Muss“, denn Vitamin D entfaltet seine volle Wirkung auch ohne Vitamin K2 und ist daher keine Voraussetzung für eine adäquate Vitamin D-Versorgung. Allerdings kann Vitamin K2 in vielerlei Hinsicht zusätzlich unterstützend wirken, beispielsweise verbessert es ebenso wie Vitamin D, die Kalziumaufnahme in den Knochen und kann bei Bedarf/Mangel parallel zu Vitamin D eingenommen werden. Um mehr über Vitamin K2 zu erfahren, klicken Sie bitte hier!

 

Noch mehr Fragen zum Thema Vitamin D beantworten wir auf unsere neuen FAQ-Seite. Klicken Sie einfach hier um auf die FAQ-Seite zu gelangen.

  1. https://sonnenallianz.spitzen-praevention.com/tag/faq/

Vitamin D-Cofaktoren: Vitamin K2, Vitamin A & Magnesium

Vitamin D-Cofaktoren: Vitamin K2, Vitamin A & Magnesium

Welche Co-Faktoren sind bei der Einnahme von Vitamin D wirklich wichtig und wie sieht der aktuelle Stand der Forschung diesbezüglich aus? Diese Fragen werden in dem unten eingebetteten Videoausschnitt von dem führenden Vitamin D-Forscher Dr. Holick aus den USA beantwortet. Wir haben die Eckpunkte für sie zusammengefasst.

Bezugnehmend auf die verbreitete Diskussion über das Thema Cofaktoren, bezieht Dr. Holick in dem Interview folgende Stellung:

  • Magnesium ist vor allem für schwangere Frauen offensichtlich wichtig, vor allem wenn sie unter Eklampsie leiden, es schützt vermutlich sogar vor Präeklampsie. Magnesium ist also ein sehr wichtiger Bestandteil unseres Körpers!
  • Vitamin A ist ebenfalls sehr bedeutend für die allgemeine Gesundheit und das Wohlergehen der Zellen. Vitamin A kann kaum überdosiert werden, aber es ist notwendig, dass man über das ganze Leben genug davon zu sich nimmt.
  • Zu Vitamin K meint Dr. Holick Folgendes: Ob man Vitamin K über die Ernährung in ausreichendem Maße zuführt, ist in der Wissenschaft zurzeit umstritten. Es besteht jedoch kein Zweifel daran, dass Vitamin K eine wichtige Rolle für die Knochen und die Gerinnungsfaktoren spielt. Bei einer ausgewogenen Ernährung, insbesondere durch den Verzehr von grünem Blattgemüse, sollte die Vitamin K-Versorgung in Dr. Holicks Augen kein Problem darstellen. Wenn man sich gut ernährt, sei es somit nicht unbedingt notwendig Vitamin K2 zu supplementieren. Dr. Holick verweist dabei auf die intensiven Forschungen der Expertin Dr. Sarah Booth.
  • Auf die zurzeit in diversen Foren kursierende Frage, ob Vitamin K2 notwendig ist um Vitamin D im Darm aufzulösen, äußert Dr. Holick ganz klar die Ansicht, dass dies nicht stimmt - es gäbe diesbezüglich keinen wissenschaftlichen Beweis.

 

Quellen:

  1. Live-Interview mit Dr. Michael F. Holick im Rahmen des Kongresses für menschliche Medizin 2019 zum Thema „Tatort Schwangerschaft“: https://www.youtube.com/watch?v=lCAVYWJOacM&feature=youtu.be 

Vitamin D unterbindet Schaufensterkrankheit

Vitamin D unterbindet Schaufensterkrankheit

Die Symptome von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind vielfältig und reichen vom einfachen Bluthochdruck über den Herzinfarkt und Schlaganfall bis hin zur peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, auch „Schaufensterkrankheit“ genannt. Doch insbesondere letztere steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Vitamin D-Versorgung, wie uns neueste Forschungsergebnisse aufzeigen, und kann somit großteils vermieden werden.

Die Schaufensterkrankheit, ein schmerzvoller Verschluss der Beingefäße, lässt das Gehen bei den meist älteren Betroffenen oftmals zur Qual werden. Es handelt sich dabei um eine Durchblutungsstörung, dessen Ursache meist auf Arteriosklerose zurückzuführen ist. Durch die eingeschränkte Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen durch die Arterien, kommt es häufig zu schmerzhaften Zuständen im Gewebe.

Bereits 2017 bestätigte eine evidenzbasierte Untersuchung (1) die Empfehlung, Patienten mit einer Schaufensterkrankheit (periphere arterielle Verschlusskrankheit, paVk) mit der gezielten Gabe von Vitamin D zu behandeln. Die übergewichtigen Patienten hatten zu Beginn der Studie einen Vitamin D Spiegel < 20 ng/ml und erhielten unterschiedliche Dosierungen (600, 2000, 4000 IE Vitamin D) oder Placebo. Zu Beginn der Untersuchung und nach 16 Wochen wurde die arterielle Pulswellengeschwindigkeit gemessen. Dies ist ein etabliertes Verfahren zum Nachweis von Gefäßveränderungen, wie sie bei der Schaufensterkrankheit auftreten. Die Ergebnisse zeigten eine eindeutige Abhängigkeit von der verabreichten Vitamin D-Dosis: erst die Gabe von 4000 Einheiten pro Tag führte zu einer signifikanten Absenkung der Pulswellengeschwindigkeit um 10 % (Abb.1).

Abb.1: Veränderung der Pulswellengeschwindigkeit durch die Verabreichung von Vitamin D (nach 1)

4-faches Risiko für Vitamin D-Unterversorgte

Eine brandaktuelle Studie (2) aus China (Juni 2019), zeigt nun den erstaunlichen Einfluss des Sonnen-Hormons  auf das Risiko eine periphere arterielle Gefäßerkrankung zu entwickeln, wenn die Vitamin D-Serumwerte der Patienten untereinander verglichen werden. Wie der Abb. 2 zu entnehmen ist, konnten die Patienten mit den höchsten Werten (> 20 ng/ml) im Vergleich zu den Patienten mit den niedrigsten Werten (< 10 ng/ml), das Risiko einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit um beinahe das 4-fache verringern.

Abb. 2: Veränderung des Risikos an paVk zu erkranken in Abhängigkeit des Vitamin D-Spiegels

Noch deutlicher würde der Unterschied vermutlich ausfallen, wenn zusätzlich eine Gruppe einbezogen würde, welche die von uns empfohlenen Vitamin D-Spiegel zwischen 40-60 ng/ml aufweisen würde. Trauriger Nebenaspekt der Untersuchung ist allerdings die Tatsache, dass lediglich 20% der teilnehmenden Patienten Vitamin D-Spiegel oberhalb von 20 ng/ml aufwiesen.

Fazit: Das Sonnenhormon schützt in ausgiebigem Maße vor Gefäßkrankheiten, insbesondere der Schaufensterkrankheit, die eine Folge der Arteriosklerose ist.

Quellen:

  1. Raed, Anas; Bhagatwala, Jigar; Zhu, Haidong; Pollock, Norman K.; Parikh, Samip J.; Huang, Ying et al. (2017): Dose responses of vitamin D3 supplementation on arterial stiffness in overweight African Americans with vitamin D deficiency. A placebo controlled randomized trial. In: PloS one 12 (12), e0188424. DOI: 10.1371/journal.pone.0188424
  2. Yuan, J., Jia, P., Hua, L., Xin, Z., & Yang, J. (2019). Vitamin D deficiency is associated with risk of developing peripheral arterial disease in type 2 diabetic patients. BMC Cardiovascular Disorders, 19(1). doi:10.1186/s12872-019-1125-0

Bild: www.pixabay.com

Vitamin D verhindert Lebensmittelallergien

Vitamin D verhindert Lebensmittelallergien

Ca. 5% der Gesamtbevölkerung sind von Nahrungsmittelallergien betroffen - Tendenz steigend. Grund genug, die neusten Erkenntnisse zu diesem Thema unter die Lupe zu nehmen und festzustellen, dass auch hierbei die Sonne eine entscheidende Rolle zu spielen scheint. Inzwischen gibt es bereits handfeste Belege dafür, dass die Jahreszeit von Geburten und somit auch das Sonnen-Hormon maßgeblich an der Entstehung von Lebensmittelallergien beteiligt sind.

Bereits 1976 berichtete ein Forscherteam, dass sich Reaktionen auf Pollen- und Tierepithelallergien je nach Geburtsjahreszeit unterschieden (1). Seit dieser Untersuchung gab es mehrere Berichte, die in dasselbe Horn blasen und eine Variabilität der allergiebezogenen Sensibilisierungsrate abhängig vom Geburtsmonat aufzeichneten. Die Wahrscheinlichkeit eine Lebensmittelallergie zu entwickeln, ist bei im Winter geborenen Personen am höchsten, während sie bei den Frühjahrsgeburten am niedrigsten ist.

Folgende Gründe wurden in einer aktuellen Arbeit (2, April 2019) aufgeführt: Die Induzierung von antimikrobiellen Peptiden durch Vitamin D schützt die Darmflora und verbessert die Darmepithelbarriere (Gewebsstruktur in der Darmwand). Ferner unterdrückt Vitamin D die Aktivierung von Mastzellen, sowie die Immunglobulin E-Synthese (Produktion von Antikörper) aus B-Zellen und erhöht die Anzahl tolerogener dendritischer Zellen und der T-Zellen produzierenden Interleukin-10-Zellen.

Veranschaulicht wurden diese Wirkungen des Vitamin D in einer Studie (3) mit 3136 Kindern und Jugendlichen, bei denen eine höhere Immunglobulin E-Sensibilisierung festgehalten wurde, wenn ein Vitamin D-Mangel (<15 ng/ml) vorhanden war. Die allergische Sensibilisierung betraf 11 von 17 Allergene, wenn der Vitamin D-Spiegel < 15 ng/ml betrug. In anderen Worten waren 11 von 17 getestete Lebensmittelallergien bei Kindern deutlich mehr ausgeprägt, wenn sie einen Vitamin D-Mangel aufwiesen.  Beispielsweise war bei der Reaktion auf Eichen eine erhöhte Sensitivität um den Faktor 4,75 , bei Erdnüssen um 2,39 assoziiert worden.

Fazit: Angesichts der erläuterten Studienergebnisse scheint der Schluss sehr nahe, dass durch eine adäquate Vitamin D-Versorgung in der Kindheit eine Vielzahl an Lebensmittelallergien verhindert werden könnte.

 

 

Quellen:

  1. Bjorksten, F., & Suoniemi, I. (1976). Dependence of immediate hypersensitivity on the month of birth. Clinical Experimental Allergy, 6(2), 165-171. doi:10.1111/j.1365-2222.1976.tb01894.x
  2. Matsui, T., Tanaka, K., Yamashita, H., Saneyasu, K., Tanaka, H., Takasato, Y., . . . Ito, K. (2019). Food allergy is linked to season of birth, sun exposure, and vitamin D deficiency. Allergology International, 68(2), 172-177. doi:10.1016/j.alit.2018.12.003
  3. Sharief, S., Jariwala, S., Kumar, J., Muntner, P., & Melamed, M. L. (2011). Vitamin D levels and food and environmental allergies in the United States: Results from the National Health and Nutrition Examination Survey 2005-2006. Journal of Allergy and Clinical Immunology, 127(5), 1195-1202. doi:10.1016/j.jaci.2011.01.01

Bild: www.unsplash.com

Aufgedeckt – fehlerhafte Vitamin D-Studien

Aufgedeckt – fehlerhafte Vitamin D-Studien

Was muss man tun, damit das begabteste Kind die Prüfung nicht besteht?

Unter diesem Motto wurde scheinbar eine Studie zum Thema Vitamin D geführt, dessen Ergebnis in der Fachzeitschrift „Medical Tribune“ mit dem Titel: „Falsche Hoffnung Vitamin D“ veröffentlicht wurde.

Der Vitamin D-Experte Dr. Raimund von Helden hat die Arbeit in einem Video (siehe unten) unter die Lupe genommen und führt anschaulich vor, wie die ohnehin zweifelhaften Ergebnisse zusätzlich verdreht wurden.

Zusammenfassung der japanischen Studie (1): 417 randomisierte Krebs-Patienten (Durchschnittsalter 66 Jahre; männlich 66%; Speiseröhrenkrebs 10%; Magenkrebs 42%; Darmkrebs 48%) wurden über einen durchschnittlichen Zeitraum von 3,5 Jahre beobachtet. Während dieser Periode wurde einer Gruppe (251 Probanden) geringe Mengen an Vitamin D (2000 I.E. / täglich) verabreicht, während die andere Gruppe (166 Probanden) Placebos erhielt.

Ergebnis: Bei Krebspatienten, deren Verdauungstrakt vom Tumor betroffen war, führte die Einnahme von Vitamin D im Vergleich zu Placebo nach 5 Jahren zu keiner signifikanten Verbesserung der Krebserkrankung in Bezug auf Mortalität und Rezidive.


Die fünfgliedrige Fehlerkette haben wir hier nach dem Video von Dr. von Helden zusammengefasst:

  • Signifikante Ergebnisse zu Gunsten von Vitamin D wurden nicht gewürdigt: Bei genauer Betrachtung der Ergebnisse stellt man fest, dass sehr wohl signifikante positive Veränderungen bei der Rückfallquote und Sterblichkeit zu verzeichnen waren, wenn der Vitamin D-Spiegel bei den Patienten zu Untersuchungsbeginn zwischen 20-40 ng/ml lag. Trotz einer unangemessenen niedrigen Dosierung von nur 2000 I.E. konnte die krebsfreie Überlebensdauer um 20% gesteigert werden, wenn  ein 25(OH)D-Startlevel von mindestens 20 ng/ml vorlag. Patienten mit niedrigeren Vitamin D-Serumwerten hätten also durch höhere Initialdosen folglich ebenfalls profitieren können.
  • Pauschal 2000 I.E. zu verabreichen ist nicht genug: Führende Vitamin D-Experten sind sich einig, dass 40 ng/ml die Untergrenze für eine gesundheitlich profitable Versorgung mit Vitamin D ist. Der optimale Vitamin D-Spiegel für gesunde Menschen ist daher zwischen 40-60 ng/ml angesiedelt. Bei Krebspatienten wird laut Dr. von Helden jedoch sogar ein Spiegel von 80 ng/ml angestrebt. Um auf diesen Wert zu kommen, müssen in Absprache mit einem Arzt entweder Initialdosen oder weitaus höhere, dem Körpergewicht angepasste Dosierungen verabreicht und laufend gemessen werden.
  • Hintergrundversorgung wurde nicht beücksichtigt: Beide Gruppen hatten im Beobachtungszeitraum eine Vitamin-D-Grundversorung von 1400 I.E.. Das bedeutet, dass tatsächlich Vitamin D-Mengen von 3400 I.E. (100%) und 1400 I.E. (41%) verglichen wurden und nicht wie im Bericht angeführt 2000 I.E. mit 0 I.E.. Die fehlende Signifikanz ist daher nicht überraschend.
  • Die Randomisierung hatte zufällig besonders viele alte Patienten in der Vitamin D-Gruppe: Während in allen anderen Altersgruppen die Placebo-Probanden zahlenmäßig überlegen waren, machten bei der fortgeschrittensten Altersgruppe (74-90 Jahre) die Vitamin D-Probanden mehr als das doppelte aus. Auch wenn angeblich dieser Effekt in der Analyse, wie auch immer, herausgerechnet wurde, wird Vitamin D dadurch in ein schlechtes Licht gerückt.

Schlussendlich ist die Studie nach heutigem Wissenstand ohnehin sehr fragwürdig, da inzwischen zahlreiche Literatur zum Thema Vitamin D und seine positive Wirkung auf das Krebsgeschehen vorhanden ist. Krebspatienten bewusst eine adäquate Vitamin D-Versorgung vorzuenthalten, die zu einem Serum-Spiegel von mindestens 40-60 ng/ml führt, ist nicht nur substanzlos, sondern auch unter ethischen Gesichtspunkten sehr fraglich.


Diabetes-Studie mit schlechtem Design unterschlägt Fakten

Dass derartiges Vorgehen kein Einzelfall ist, zeigt eine weitere Studienanalyse (3) zum Thema Typ 2-Diabetes aus dem Juni 2019, dessen Zusammenfassung sich wie folgt darstellt:

2423 Teilnehmer, die glykämische Kriterien für Prädiabetes (konstant hohe Zuckerwerte im Blut) erfüllten, wurden durch Randomisierungsverfahren in 2 Gruppen zu 1211 und 1212 Personen unterteilt. Eine Gruppe wurde 24 Monate täglich mit 4000 I.E. Vitamin D supplementiert während die andere Gruppe nur Placebos zu sich nahm. Nach 2,5 Jahren traten bei 293 Teilnehmern der Vitamin D-Gruppe und bei 323 Teilnehmern der Placebo-Gruppe primäre Diabetes-Folgen auf. Das Risiko einen Diabetes zu entwickeln war bei der Vitamin D-Gruppe also nur um 12%, also laut Studienautoren nicht signifikant geringer als in der Placebo-Gruppe.

Nun, die Teilnehmer in der Vitamin D-Gruppe hatten zu Studienbeginn bereits - für den meist unterversorgten Durchschnittsbürger - außergewöhnlich hohe Vitamin D-Spiegel von 27,7 ng/ml und konnten diese in 24 Monaten Supplementationszeit auf durchschnittlich 54,3 ng/ml erhöhen. Die Teilnehmer der Placebo-Gruppe hatten zu Beginn noch höhere 25(OH)D-Werte von > 28 ng/ml. Selbsterklärend, dass bei so hohen Vitamin D-Vergleichswerten keine exorbitanten Veränderungen auf die Entwicklung des Diabetes zu erwarten waren.

Derartige Fehler im Studiendesign sind keine Einzelfälle - doch damit nicht genug! Sieht man sich die Untergruppenanalyse der Studie etwas genauer an, so kommt man zu dem Schluss, dass ein entscheidendes Detail in der Zusammenfassung von den Studienautoren unterschlagen wurde:

Bei den Probanden, deren Vitamin D-Spiegel unter 12 ng/ml lagen, konnte eine 62%-ige Reduzierung des Risikos, einen Diabetes des Typ 2 zu entwickeln, festgestellt werden.

Fazit: Meist lohnt es sich, das Design einer Studie genau unter die Lupe zu nehmen um unsinnige Schlussfolgerungen aufzudecken. Glücklicherweise gibt es auch zahlreiche Gegenbeispiele gut aufgebauter Studien, die grundlegende Erkenntnisse über Vitamin D in ihrem Studiendesign berücksichtigen, wie z.B. die Untergrenze einer optimalen Versorgung ab 40 ng/ml, die Vorteile einer täglichen Vitamin D-Einnahme, oder die zusätzliche Supplementierung mit den Cofaktoren Magnesium und Vitamin K2. 

Quellen:

  1. Urashima, M., Ohdaira, H., Akutsu, T., Okada, S., Yoshida, M., Kitajima, M., & Suzuki, Y. (2019, April 09). Effect of Vitamin D Supplementation on Relapse-Free Survival Among Patients With Digestive Tract Cancers: The AMATERASU Randomized Clinical Trial. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30964526
  2. YouTube-Video von Raimund von helden: https://www.youtube.com/watch?v=akJ9CpWCpCk
  3. Pittas, A. G., Dawson-Hughes, B., Sheehan, P., Ware, J. H., Knowler, W. C., Aroda, V. R., . . . D2d Research Group. (2019, June 07). Vitamin D Supplementation and Prevention of Type 2 Diabetes. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31173679

 

Toxische Inhaltstoffe in Sonnenschutzmitteln

Toxische Inhaltstoffe in Sonnenschutzmitteln

Sonnenschutzmittel können bei ordnungsgemäßem Gebrauch vor Hautschäden durch UV-Strahlung schützen, wenn wir uns für längere Zeit in der Sonne aufhalten möchten. Doch Sonnencremes und Co. sollten mit Bedacht verwendet werden, denn viele Inhaltsstoffe  stehen im Verdacht gesundheitsschädlich und sogar krebserregend zu wirken. Eine aktuelle Untersuchung aus dem Mai 2019 zeigt, dass möglicherweise gefährliche Toxine der Sonnenschutzmittel vom Körper absorbiert werden und dort für längere Zeit verbleiben.

Bei der Studie wurden 4 verschiedene Sonnenschutzprodukte (2x Sonnen-Spray, 1x Sonnen-Lotion, 1x Sonnen-Creme) an jeweils 6 Probanden getestet. Den Teilnehmern wurde 4 mal täglich und 4 Tage lang auf 75% der Körperoberfläche 2 mg/cm² des jeweiligen Sonnenschutzpräparates aufgetragen, das entspricht der maximalen Anwendungsempfehlung. Im Anschluss wurden 30 Blutproben über 7 Tage verteilt entnommen um die Konzentrationen der 4 Hauptsubstanzen: Avobenzon, Oxybenzone, Octocrylene und Ecamsule im Blutplasma festzustellen.

Das Durchschnittsalter der Teilnehmer betrug 35,5 Jahre, beide Geschlechter waren zu 50% vertreten und 14 Teilnehmer hatten eine schwarze Hautfarbe. Von den 24 Probanden hatten 23 die Untersuchung abgeschlossen. Die häufigste Nebenwirkung der Sonnenschutzmittel war Hautausschlag, der in jeder der 4 Gruppen einmal vorkam.

Das Ergebnis:

Alle 4 handelsüblichen Sonnenschutzmittel führten unter Maximalgebrauchsbedinungen bereits am ersten Tag zur deutlichen Überschreitung des von der FDA (amerikanische Gesundheitsbehörde) festgelegten "angeblich sicheren" Schwellenwertes (0,5 ng/ml) der Chemikalien im Blutplasma. Dieser Schwellenwert wurde aber für Nahrungsmittel bestimmt und scheint für Hautanwendungen, aufgrund der direkten Aufnahme ins Blut, ziemlich hoch gegriffen.

Bei allen 4 Produkten konnte nach Anwendung in den Plasmakonzentrationen ein maximaler geometrischer Mittelwert von 4 ng/ml Avobenzon gemessen werden, was den Schwellenwert von 0,5 ng/ml um das Achtfache übertrifft. Dieser Grenzwert wurde von der Mehrheit der Teilnehmer innerhalb von 6 Stunden nach der ersten Anwendung erreicht. Die Halbwertszeit betrug zwischen 33-55 Stunden.

Drei von vier Produkten enthielten Oxybenzon, dessen Plasmawert am Tag 7 der Untersuchung die 20 ng/ml - Marke überschritt. Der maximale geometrische Mittelwert in der Plasmakonzentration betrug 209,6 ng/ml mit einer Halbwertszeit von 24-31 Stunden.

Ebenfalls in allen 4 Produkten war Octocrylene enthalten, was im Blutplasma einen geometrisch maximalen Mittelwert von 2,9 ng/ml verursachte. Die Halbwertszeit wurde zwischen 42-84 Stunden angegeben.

Die Sonnencreme war das einzige Produkt, das Ecamsule beinhaltete. Bei 5 von 6 Probanden konnte eine erhöhte Plasmakonzentration, die den Richtwert von 0,5 ng/ml überschritt, nachgewiesen werden.


Fazit:

Alle 4 untersuchten Chemikalien stehen im Verdacht endokrine Aktivitäten negativ zu beeinflussen, krebserregend zu sein, die männliche Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen und/oder neurotoxisch zu wirken. Oxybenzon wurde in Hawaii bereits verboten, da sich das Toxin auf viele Meeresbewohner, wie zum Beispiel die Meereskoralle, tödlich auswirkt. Sonnenschutzmittel, die derartige Inhaltsstoffe aufweisen und deren Langzeitfolgen nicht ausreichend erforscht sind, sollten selbsterklärend nur in entsprechenden Dosierungen aufgetragen oder gänzlich durch natürliche Alternativprodukte ersetzt werden. Eine weitere alternative Maßnahme um sich bei einem längeren Aufenthalt in der Sonne vor Sonnenbrand zu schützen, ist außerdem die Nutzung von schützender Kleidung und Kopfbedeckung.

Quellen:

  1. Matta, M. K. (2019, June 04). Effect of Sunscreen Application on Plasma Concentration of Active Ingredients. Retrieved from https://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/2733085?utm_campaign=articlePDF&utm_medium=articlePDFlink&utm_source=articlePDF&utm_content=jama.2019.5586

Vitamin D und das Immunsystem

Vitamin D und das Immunsystem

Das Sonnenhormon zählt zu den wichtigen Einflussfaktoren auf das Immunsystem. Vitamin D ist nicht nur auf das engste mit der Regulation des Immunsystems in unserem Körper verbunden, sondern wirkt sich auch gezielt auf Infektionskrankheiten und Autoimmunerkrankungen aus. Ein ausreichender Vitamin D-Spiegel ist also für jeden gesundheitsbewussten Menschen essentiell. Eine aktuelle Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2017 bezeichnet Vitamin D gar als „Überlebensmolekül“ (1), das auf zwei ganz unterschiedlichen Wegen das Immungeschehen steuert (Abb. 1).

Die Studienautoren messen dem Vitamin D eine stressreduzierende Aktivität bei, Zitat: „Die Fähigkeit von Vitamin D, den metabolischen Stress und den Energieverbrauch in der Zellmikroumgebung zu reduzieren ist faszinierend. Diese Fähigkeit lässt auf eine umfassendere Aufgabe schließen, die über ihre immun-tolerante oder immun- / entzündungshemmende Rolle hinausgeht.“

Abb 1: Vitamin D als „Überlebens Molekül“ durch Modulation des Immunsystems: Hemmung der Entzündungsreaktion infolge von zellulärem Stress (roter Pfeil) und Förderung der Bildung spezieller Immunzellen zur Unterstützung von Reparaturprozessen (grüner Pfeil), (1, Bildquelle: Hevert).

Nun wissen wir, dass in unserem Darm mehr Bakterien und Viren enthalten sind als wir körpereigene Zellen haben. Die Gesamtheit dieser Mikroorganismen wird „Mikrobiota“ genannt und ist nicht nur für die Verdauung unserer Nahrung unentbehrlich, sondern steht in inniger Verbindung mit dem Immunsystem. Vitamin D ist an diesem Geschehen intensiv beteiligt. Dabei sind wir weit davon entfernt, alle Facetten dieses "neuen Organs" zu kennen, geschweige denn, damit umzugehen.

Nachdem nahezu alle Körperzellen über Rezeptoren für Vitamin D verfügen, trifft diese Aussage auch für die Zellen des Immunsystems zu.

Eine elementare Voraussetzung ist allerdings, dass die Dosis des Sonnenhormons möglichst täglich verabreicht wird und groß genug ist, um den Vitamin D Spiegel in einen Bereich von 40-60 ng/ml zu bringen. Die überwiegende Zahl der fehlgeschlagenen Studien, die gerne gegen die Wirkung von Vitamin D angeführt werden, ist auf entsprechende Unzulänglichkeiten im Studiendesign zurückzuführen (zu geringe Dosis, Vitamin D-Startwert über 30 ng/nl, keine tägliche Verabreichung).

Um zu erfahren warum die tägliche Verabreichung von Vitamin D so essentiell ist, klicken Sie hier.


Mit Vitamin D gegen Infektionskrankheiten

Betrachtet man die zahlreich vorhandenen ordnungsgemäß durchgeführten Vitamin D-Studien, so kann das Sonnenhormon durchaus als Überlebensmolekül bezeichnet werden. Nachfolgend wollen wir einige Untersuchungen zur Bedeutung von Vitamin D bei Infektionskrankheiten vorstellen (erworbenes Immunsystem).

Tuberkulose

Zum Thema Infektionserkrankungen bietet sich, auch unter historischen Aspekten, die Tuberkulose an. Sie wurde vor der Zeit der Antibiotika in Sanatorien gezielt mit Sonnenlicht behandelt. Die Erkrankung wird auch als Schwindsucht bezeichnet, da sie unbehandelt die Menschen völlig auszehrt.

Eine Untersuchung aus dem Jahr 2014, an der knapp 1000 Kinder aus London beteiligt waren ergab, dass Kinder mit einem Vitamin D-Mangel ein signifikant höheres Risiko hatten, an Tuberkulose zu erkranken (2). Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine Untersuchung von etwa 650 Kindern aus Spanien (3): die Gruppe der Kinder mit Tuberkulose wiesen deutlich niedrigere Vitamin D Spiegel als die gesunden Kinder der Kontrollgruppe auf (mittlerer Vitamin D-Wert 13.7 ng/ml  vs. 25.7 ng/ml).

Hepatitis C

Zusätzlich zu den Untersuchungen der Tuberkulose finden sich inzwischen auch zunehmend Berichte über die Bedeutung von Vitamin D bei der Hepatitis C, einer weiteren, schweren Infektionserkrankung. So findet sich auch bei Hepatitis C Patienten noch häufiger als in der Normalbevölkerung ein Vitamin D Mangel, der einen negativen Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung hat (4). Zu einem ähnlichen Resultat kommt eine Metaanalyse (zusammenfassende Untersuchung) von 18 Studien mit mehr als 3500 Patienten mit bereits fortgeschrittener Fibrose der Leber (5).

Malaria

Und noch eine weitere, weltweit gefürchtete Erkrankung zeigt eine Abhängigkeit vom Vitamin-D: die Malaria Erkrankungen. So fanden sich bei Kindern aus Uganda mit einer schweren Malaria signifikant niedrigere Vitamin D Spiegel als bei gesunden Kindern. Die statistische Auswertung (Regressionsanalyse) ergab für einen (rechnerischen) Anstieg von Vitamin D im Serum von 1 ng/ml ein um jeweils 9 % verringertes Risiko für eine schwere Malariaerkrankung (6).

Erkältungskrankheiten, Atemwegserkrankungen und Asthma

Weitaus interessanter für die allgemeine Bevölkerung bei uns in Deutschland ist die Diskussion über einen Mangel an Vitamin D als Ursache für das gehäufte Auftreten von Erkältungskrankheiten in den Wintermonaten. Bereits 2006 erschien eine erste Veröffentlichung, die die von der Jahreszeit abhängigen Grippeepidemien mit der reduzierten Produktion des Sonnenhormons in den Wintermonaten in Verbindung brachte (7).

Bei einer randomisierten, placebo-kontrollierten Doppelblindstudie wurden von Dezember 2008 bis März 2009 340 Schulkinder beobachtet, von denen die Hälfte mit 1200 IE/Tag Vitamin D versorgt wurden. Als Resultat wurde eine Risikoreduktion um 64% bei Influenza A und um 83% bei Asthmaanfällen bei den Kindern festgestellt, die bis zu dieser Untersuchung noch keine anderen Vitamin D-Präparate eingenommen hatten (8).

Eine 2017 veröffentlichte, ebenfalls randomisierte Untersuchung mit über 11.000 Teilnehmern im Alter von 0 – 95 Jahren, zeigte bei jenen Probanden mit ausgeprägtem Vitamin D-Mangel (<10 ng/ml), eine um 70 % geringere Wahrscheinlichkeit eine akute Atemwegsinfektion zu entwickeln, wenn sie regelmäßig mit ausreichend Vitamin D versorgt wurden (9). Den Teilnehmern mit höheren Vitamin D-Spiegeln (>10 ng / ml) konnte eine Risikoreduzierung um 25% attestiert werden.

Eine 2015 veröffentlichte Auswertung (10, Abb. 2) an 3921 Patienten ergab ein um 33 % höheres Risiko an einer Infektion der oberen Atemwege zu erkranken, wenn der Vitamin D-Spiegel im Serum unter 20 ng/ml betrug.

Abb. 2: Sinkende Häufigkeit der Atemwegserkrankungen in Abhängigkeit vom Vitamin D-Spiegel. Die Grafik verdeutlicht, dass bei niedrigen Vitamin D-Spiegeln vermehrt Erkrankungen zu verzeichnen sind (siehe steilen Anstieg der Kurve), während ab ca. 40 ng/ml keine weitere Steigerung der Krankheitsfälle mehr auftritt (nach 10).

Auch bei an Asthma erkrankten Patienten glänzt Vitamin D als Schutzfaktor, wie folgendes Diagramm (Abb. 3), das eine Zusammenfassung von 7 evidenzbasierten Studien mit insgesamt 435 Kindern und 658 Erwachsenen, aufzeigt. Nach 4-12 Monaten Beobachtungsdauer unter Vitamin D-Gabe konnte eine 37 %-ige Risiko-Reduktion für eine kortisonbedürftige Exazerbation (Verschlechterung) nachgewiesen werden (11). Die asthmabedingten Anfälle und die damit einhergehende Anzahl der Krankenhausaufenthalte konnte durch die Verabreichung von Vitamin D halbiert werden.

Abb. 3: Anzahl der der Asthmaanfälle und Krankenhausaufenthalte konnten durch Vitamin D halbiert werden (nach 12).

Eine deutsche Arbeit erfasste 927 Teilnehmer von denen 600 entweder Asthmatiker oder COPD-Patienten waren. Da die Vitamin D-Spiegel im Durchschnitt bei 16,1 ng/ml lagen, wurde eine individuelle Aufsättigung nach dem Set-up-Schema von Dr. von Helden vorgenommen. Über das Ergebnis einer deutlichen Verbesserung der Infektproblematik freuten sich respektable 80% der Probanden (12)!

Darmerkrankungen

Der Darm ist bekanntlich untrennbar mit dem Immunsystem verbunden und profitiert insofern ebenfalls vom Sonnen-Hormon. Die Vitamin D-Steuerung im Darm bewirkt eine Stärkung der Barrierefunktion und der angeborenen Immunreaktion. Diese Eigenschaften unterstützen eine gesunde Darmflora und verhindern Infektionen. Ferner bewirkt Vitamin D eine Abschwächung der T-Zell-vermittelten Immun-Reaktionen, die zum Beispiel an der Entstehung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (IBD) beteiligt sind.

Randomisierte Studien mit IBD-Patienten bestätigen die Schutzfunktion von Vitamin D gegen Erkrankungen wie M. Crohn und weisen darauf hin, dass die Vitamin D-Supplementation einen therapeutischen Ansatz für Patienten mit einer aktiven (Immun-) Erkrankung darstellt (13).

Eine Publikation aus dem Jahr 2016 dokumentiert einen durch Vitamin D-Mangel hervorgerufenen Vitamin B5-Mangel (Pantothensäure), der inflammatorische Zustände herbeiführt und sich somit schädlich auf das Immunsystem auswirkt. Nach 3 Monaten Supplementierung von Vitamin D plus B-Vitaminen konnte bei 1000 neurologischen Patienten eine Verbesserung der Darmsymptomatik, reduziertes Schmerzempfinden und ein verbessertes Schlafverhalten verzeichnet werden (14).

Quellen:

  1. Chirumbolo, Salvatore; Bjorklund, Geir; Sboarina, Andrea; Vella, Antonio (2017): The Role of Vitamin D in the Immune System as a Pro-survival Molecule. In: Clinical therapeutics 39 (5), S. 894–916. DOI: 10.1016/j.clinthera.2017.03.021
  2. Venturini, Elisabetta; Facchini, Ludovica; Martinez-Alier, Nuria; Novelli, Vas; Galli, Luisa; Martino, Maurizio de; Chiappini, Elena (2014): Vitamin D and tuberculosis. A multicenter study in children. In: BMC infectious diseases 14, S. 652. DOI: 10.1186/s12879-014-0652-7
  3. Arnedo-Pena, A.; Juan-Cerdan, J. V.; Romeu-Garcia, A.; Garcia-Ferrer, D.; Holguin-Gomez, R.; Iborra-Millet, J. et al. (2015): Vitamin D status and incidence of tuberculosis among contacts of pulmonary tuberculosis patients. In: The international journal of tuberculosis and lung disease : the official journal of the International Union against Tuberculosis and Lung Disease 19 (1), S. 65–69. DOI: 10.5588/ijtld.14.0348.
  4. Villar, Livia Melo; Del Campo, Jose Antonio; Ranchal, Isidora; Lampe, Elisabeth; Romero-Gomez, Manuel (2013): Association between vitamin D and hepatitis C virus infection. A meta-analysis. In: World journal of gastroenterology 19 (35), S. 5917–5924. DOI: 10.3748/wjg.v19.i35.5917.
  5. Garcia-Alvarez, Monica; Pineda-Tenor, Daniel; Jimenez-Sousa, Maria A.; Fernandez-Rodriguez, Amanda; Guzman-Fulgencio, Maria; Resino, Salvador (2014): Relationship of vitamin D status with advanced liver fibrosis and response to hepatitis C virus therapy. A meta-analysis. In: Hepatology (Baltimore, Md.) 60 (5), S. 1541–1550. DOI: 10.1002/hep.27281
  6. Cusick, Sarah E.; Opoka, Robert O.; Lund, Troy C.; John, Chandy C.; Polgreen, Lynda E. (2014): Vitamin D insufficiency is common in Ugandan children and is associated with severe malaria. In: PloS one 9 (12), e113185. DOI: 10.1371/journal.pone.0113185.
  7. Cannell JJ, Vieth R, Umhau JC, Holick MF, Grant WB, Madronich S, Garland CF, Giovannucci E. Epidemic influenza and vitamin D. Epidemiology and infection 2006;134(6):1129–40.
  8. Urashima, M., Segawa, T., Okazaki, M., Kurihara, M., Wada, Y., & Ida, H. (2010). Randomized trial of vitamin D supplementation to prevent seasonal influenza A ivn schoolchildren. The American Journal of Clinical Nutrition, 91(5), 1255-1260. doi:10.3945/ajcn.2009.29094
  9. Martineau, A. R., Jolliffe, D. A., Hooper, R. L., Greenberg, L., Aloia, J. F., Bergman, P., . . . Camargo, C. A. (2017, February 15). Vitamin D supplementation to prevent acute respiratory tract infections: Systematic review and meta-analysis of individual participant data. Retrieved from https://www.bmj.com/content/356/bmj.i6583
  10. Khalid, A. N., Ladha, K. S., Luong, A. U., & Quraishi, S. A. (2015). Association of Vitamin D Status and Acute Rhinosinusitis. Medicine, 94(40). doi:10.1097/md.0000000000001447
  11. Martineau, A., Takeda, A., Nurmatov, U., Sheikh, A., & Griffiths, C. J. (2015). Vitamin D for the management of asthma. Cochrane Database of Systematic Reviews. doi:10.1002/14651858.cd01151
  12. Teutemacher H, Trötschler H, Deimling A, FÄ Pneumologie, Substitution von Vitamin D bei Patienten mit Asthma und COPD  – Vitamin D-Update 2011, Berlin – https://repository.publisso.de/resource/frl:4169394-1/data
  13. Dimitrov, V., & White, J. H. (2017). Vitamin D signaling in intestinal innate immunity and homeostasis. Molecular and Cellular Endocrinology, 453, 68-78. doi:10.1016/j.mce.2017.04.010
  14. Gominak, S. (2016). Vitamin D deficiency changes the intestinal microbiome reducing B vitamin production in the gut. The resulting lack of pantothenic acid adversely affects the immune system, producing a “pro-inflammatory” state associated with atherosclerosis and autoimmunity. Medical Hypotheses, 94, 103-107. doi:10.1016/j.mehy.2016.07.007

 

Knochen, Muskeln und Sturzgefahr

Knochen, Muskeln und Sturzgefahr

Vitamin-D-Mangel kann bei älteren Menschen zu Osteopenie, Osteoporose und erhöhtem Sturzrisiko führen. In dieser klassischen Rolle fördert Vitamin D die Knochengesundheit bei jüngeren und älteren Erwachsenen, hat seinen Siegeszug gegen die Kinderkrankheit Rachitis angetreten und verhindert Frakturen bei den Älteren der Gesellschaft. Seit einiger Zeit wird jedoch auch die Rolle von Vitamin D in der Muskelkrafterhaltung und Sturzverminderung betont.

Vitamin D stärkt Knochen und verhindert Alterung

Vitamin D-Mangel ist eine weit verbreitete medizinische Diagnose, die eine wichtige Rolle bei der menschlichen Knochengesundheit spielt. Ein schwerer Vitamin-D-Mangel (25-OH-D < 10 ng/ml) führt bei Kindern zu Rachitis und bei Erwachsenen zu einer Osteomalazie (=Knochenerweichung) und Osteoporose (=Knochenschwund), was  zu Knochenschmerzen und Frakturen bzw. Deformierung der Knochen führt (1, 2).

Vitamin D ist ein entscheidender Faktor  beim Kalzium- und Phosphorstoffwechsel und hilft sicherzustellen, dass ausreichende Mengen dieser Mineralstoffe für metabolische Funktionen und zur Knochenmineralisierung zur Verfügung stehen. Das Sonnenhormon erhöht die Effizienz der Calciumabsorption im Darm von 10-15% auf 30-40%. Auf der Grundlage mehrerer Tierversuche wird angenommen, dass Vitamin D auch die Phosphoraufnahme  über den Darm von 50-60% auf etwa 80% erhöht (3).

poröser Knochen

Eine Studie (4) von Wissenschaftlern am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und der Universität von Kalifornien konnte nachweisen, dass ein Mangel an Vitamin D nicht nur den Aufbau und den Erhalt der Knochen bremst, sondern die Knochen auch vorzeitig altern lässt. Die Gefahr von Knochenbrüchen wächst.

Ursache für den Alterungsprozess sei eine Mineralisationsstörung, so der Studienleiter Dr. Björn Busse. Ohne ausreichendes Vitamin D gelingt die Einlagerung von Kalzium, dem "Knochenbau-Material", bei der ständigen Erneuerung und beim Umbau der Knochen nicht.

Wird das neu angelegte Gewebe nicht mineralisiert, belegt das unmineralisierte Gewebe einen großen Teil der Knochenoberfläche und verhindert so die Einlagerung der Knochenzellen.


Stärkung der Muskulatur durch Vitamin D

Neben der positiven Wirkung auf die Knochendichte hat Vitamin D einen unmittelbaren stärkenden Effekt auf die Muskulatur, was neben einer Begünstigung des Kalziumeinstroms in die Muskelzelle durch eine rezeptorvermittelte Stimulation der Muskelproteinsynthese erklärt wird (5, 6). Möglicherweise ist dieser Zusatzeffekt für die Frakturreduktion unter Vitamin-D-Supplementierung entscheidend, da Stürze der primäre Risikofaktor für Frakturen sind.

Dies untermauern auch Studienergebnisse, wonach es bereits nach zwei bis drei Monaten der Supplementierung von Vitamin D zu einer signifikanten Reduktion des Sturzrisikos kommt, die Muskulatur also sehr schnell auf eine Vitamin-D-Zufuhr reagiert, und wonach sich die Frakturreduktion bereits nach etwa sechs Monaten bemerkbar macht (7).


Das Sonnenhormon vermindert Sturzrisiko

In einer 2004 publizierten Meta-Analyse (8), basierend auf 5 randomisierten Doppelblindstudien (1237 Teilnehmer), reduzierte Vitamin D das Sturzrisiko einer älteren Person um 22% im Vergleich zu Placebo oder Kalzium. Die bei der Beurteilung von Therapien immer sehr wichtige “Number needed to treat” (NNT) war 15, was bedeutet, dass 15 Personen therapiert werden müssten, um eine Person vor einem Sturz zu bewahren.

Die weitere Analyse der Daten ergab auch in diesem Zusammenhang wieder, dass die ausreichend hohe Dosierung von Vitamin D sehr wichtig ist. In einer Studie (9), die nur geringe Gaben von 400 I.E. Vitamin D untersuchte, kam es zu keiner Sturzreduktion, während in zwei Studien, die 800 I.E. Vitamin D plus Kalzium (1.200 mg/Tag) testeten, eine Verminderung des Sturzrisikos um 35% auftrat (8).

Ab dem 75. Lebensjahr ist die Hüftfraktur die häufigste Fraktur, wobei bis zu 50% der Betroffenen mit einer dauerhaften Behinderung rechnen müssen, 15% bis 25% droht der Eintritt in eine Pflegeinstitution, und bis zu 20% versterben im ersten Jahr nach ihrer Fraktur (10,11,12). Die exponentielle Zunahme der Hüftfrakturen führt zu einer geschätzten Häufigkeit von einer unter 3 Frauen, und einem unter 6 Männern mit einer erlittenen Hüftfraktur in der neunten Lebensdekade. Analog ist die durch Hüftbrüche verursachte Behinderung in der älteren Bevölkerung enorm und die geschätzten Kosten sollen allein in den USA von 7,2 Milliarden im Jahr 1990 auf 16 Milliarden im Jahr 2020 ansteigen (13). Diese gewaltige Zahlen unterstreichen die Bedeutung der Knochengesundheit für unsere gesamte Gesundheit und unser Gesundheitssystem.

Quellen:

  1. Gani, L. U., & How, C. H. (2015, August). PILL Series. Vitamin D deficiency. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4545131/
  2. Dawson-Hughes B, Harris SS, Krall EA, Dallal GE. Effect of calcium and vitamin D supplementation on bone density in men and women 65 years of age or older. The New England journal of medicine 1997;337(10):670–6.
  3. Wacker, M., & Holick, M. F. (2013, January 10). Vitamin D – effects on skeletal and extraskeletal health and the need for supplementation. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3571641/
  4. Björn Busse et al., Vitamin D Deficiency Induces Early Signs of Aging in Human Bone, Increasing the Risk of FractureScience Translational Medicine, 10 July 2013, 5/193, p. 193ra88
  5. Bischoff-Ferrari, H. A., Borchers, M., Gudat, F., Dürmüller, U., Stähelin, H. B., & Dick, W. (2004, February). Vitamin D receptor expression in human muscle tissue decreases with age. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14969396
  6. Ceglia, L., Da Silva Morais, M., Park, L. K., Morris, E., Harris, S. S., Bischoff-Ferrari, H. A., . . . Dawson-Hughes, B. (2010, April). Multi-step immunofluorescent analysis of vitamin D receptor loci and myosin heavy chain isoforms in human skeletal muscle. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20549314
  7. Bischoff-Ferrari, H. A., Dawson-Hughes, B., Staehelin, H. B., Orav, J. E., Stuck, A. E., Theiler, R., . . . Henschkowski, J. (2009, October 01). Fall prevention with supplemental and active forms of vitamin D: A meta-analysis of randomised controlled trials. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19797342
  8. Bischoff-Ferrari, H. A., Dawson-Hughes, B., Willett, W. C., Staehelin, H. B., Bazemore, M. G., Zee, R. Y., & Wong, J. B. (2004, April 28). Effect of Vitamin D on falls: A meta-analysis. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15113819
  9. Graafmans, W. C., Ooms, M. E., Hofstee, H. M., Bezemer, P. D., Bouter, L. M., & Lips, P. (1996, June 01). Falls in the elderly: A prospective study of risk factors and risk profiles. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8633602
  10. Magaziner, J., Hawkes, W., Hebel, J. R., Zimmerman, S. I., Fox, K. M., Dolan, M., . . . Kenzora, J. (2000, September). Recovery from hip fracture in eight areas of function. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10995047
  11. Tinetti, M. E., & Williams, C. S. (1997, October 30). Falls, injuries due to falls, and the risk of admission to a nursing home. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9345078
  12. Cummings, S. R., Kelsey, J. L., Nevitt, M. C., & O’Dowd, K. J. (1985). Epidemiology of osteoporosis and osteoporotic fractures. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3902494
  13. Cummings, S. R., Rubin, S. M., & Black, D. (1990, March). The future of hip fractures in the United States. Numbers, costs, and potential effects of postmenopausal estrogen. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2302881

Bilder: www.pixabay.com