Horrende Kosten durch Sonnen-Mangel

Horrende Kosten durch Sonnen-Mangel

Eine drastische Verringerung oder gänzliche Vermeidung von UV-Exposition würde die dadurch entstehenden Krankheitskosten gegenüber den bestehenden durch UV-Strahlung verursachten Kosten um den Faktor 2000 nach oben treiben. Ein Umstand der seit 2008 bekannt ist aber geflissentlich verschwiegen wird.

Die permanente sich gegen die Sonne richtende Negativ-Berichterstattung führte im Jahr 2015 zu einer deutschlandweiten Vitamin D-Mangel-Epidemie. Bei sagenhaften 88% wurde bei einer groß angelegten Erhebung des Robert-Koch-Instituts weniger als 30 ng/ml Vitamin D im Blutserum gemessen (1).

Selbstverständlich sollte man sich nicht völlig unbedarft dauerhafter UV-Strahlung aussetzen. Die Warnungen vor der lebenswichtigen Sonne sollten auch immer mit den entsprechenden Verhaltenstipps für  einen sicheren Umgang einhergehen. Denn ohne bzw. mit zu wenig Sonne und Vitamin D erhöht sich das Risiko der Manifestation einer chronischer Erkrankung wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes, Atemwegs- und neurologische Erkrankungen u.v.m. in unseren Organismen.

Vergleicht man die Gefahr durch die Strahlen der Sonne zu erkranken mit der Gefahr, die mit einer drastisch reduzierenden Sonnenexposition einhergeht, so stellt man fest, dass die Vermeidung von Sonnenexposition weitaus weitreichendere schädliche Auswirkungen  auf die Gesundheit und damit auch auf die Krankenlasten der Bevölkerungen hat, als die UV-Exposition es je haben könnte.

Eine weltweite drastische Meidung der Sonne würde die Krankheitslasten um mehr also das 2000-Fache, gegenüber den durch die Sonne verursachten Krankheitslasten, ansteigen lassen!

Als Referenz dient hier eine im Jahr 2008 von der WHO durchgeführte Krankheitsstudie, welche die gesamte globale Krankheitslast mittels der sogenannten DALY-Kennzahl erfasst (2).

DALY (disability-adjusted life years) wird in der Medizin und Ökonomie als Maßzahl für die Sterblichkeit und Beeinträchtigung eines beschwerdefreien Lebens verwendet. Je höher die DALY-Maßzahl ist, desto höher ist auch die Krankheitslast und umgekehrt.

In der angeführten Studie wurden nun die durch (Anm. d. Redaktion: übertriebene) UV-Exposition jährlich entstehenden Krankheitslasten mit 1,6 Millionen DALYs erfasst, was ca. 0,1% der gesamten Krankheitslasten entspricht. Eine beträchtlich höhere jährliche Krankenlast von 3,3 Milliarden – also mehr als das 2000-fache – könnte sich aus der Verringerung der globalen UV-Strahlen-Exposition auf ein sehr niedriges Niveau ergeben.


Niedriger Vitamin D Spiegel führt zu höherer Sterblichkeit

Eine weitere Beobachtungsstudie (3) aus dem Jahre 2014 belegt eine inverse Abhängigkeit zwischen dem Vitamin D-Spiegel und dem Risiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und anderen Krankheiten zu sterben. Die Supplementation von Vitamin D3 verringert insgesamt die Sterblichkeit bei älteren Erwachsenen.

Für die Untersuchung wurden die Probanden anhand Ihres Vitamin D-Spiegels in zwei Gruppen unterteilt. Die Teilnehmer, deren Vitamin D-Spiegel im oberen Drittel angesiedelt war, wurden mit jenen verglichen, deren Vitamin D-Spiegel im unteren Drittel lag. Dabei wurden folgende Ergebnisse ermittelt, die sich auf die mit Vitamin D Unterversorgten im Vergleich zu den Besserversorgten bezieht:

  • 35% höhere Wahrscheinlichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu versterben
  • 14%  höheres Risiko an Krebs zu versterben
  • 30% höheres Risiko an anderen Krankheiten zu sterben
  • 35% generell vorzeitig zu sterben

Kein Wunder also, dass eine globale Reduzierung der Sonnenexposition derartig negative Auswirkungen auf die Gesundheitslage zur Folge hätte.  Es ist folglich zwingend notwendig, noch vor den Gefahren übermäßiger Sonnenbestrahlung auf die Gefahren eines Sonnen- bzw. Vitamin-D-Mangel hinzuweisen.

Quellen:

  1. Rabenberg, M., Scheidt-Nave, C., Busch, M. A., Rieckmann, N., Hintzpeter, B., & Mensink, G. B. (2015, July 11). Vitamin D status among adults in Germany–results from the German Health Interview and Examination Survey for Adults (DEGS1). Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4499202/
  2. Lucas, R. M., Mcmichael, A. J., Armstrong, B. K., & Smith, W. T. (2008). Estimating the global disease burden due to ultraviolet radiation exposure. International Journal of Epidemiology, 37(3), 654-667. doi:10.1093/ije/dyn017
  3. Chowdhury, R., Kunutsor, S., Vitezova, A., Oliver-Williams, C., Chowdhury, S., Kiefte-de-Jong, J. C., . . . Franco, O. H. (2014, April 01). Vitamin D and risk of cause specific death: Systematic review and meta-analysis of observational cohort and randomised intervention studies. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3972416/

 

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Vitamin D – Stoffwechsel

Vitamin D wird zusammen mit den Vitaminen A, E und K zu den fettlöslichen Vitaminen gezählt und wird in den beiden Formen Vitamin D3 (Cholecalciferol) und Vitamin D2 (Ergocalciferol) im menschlichen Körper über verschiedene Wege gebildet bzw. aufgenommen und in seine wirksame Form umgewandelt – es ist also in Wirklichkeit ein Hormon (Vitamine kann der Körper nicht selbst herstellen). Da diese Umwandlung (Metabolismus) durch die UV-B-Strahlen der Sonne angestoßen wird, spricht man von dem Vitamin D (25(OH)D) als dem „Sonnenschein-Vitamin D“ und der bioaktiven Form als dem „Sonnen-Hormon“.

Vitamin D ist sicher kein Wundermittel für alle Lebens- und Krankheitslagen. Vitamin D ist aber eine Substanz, die der menschliche Körper an vielen Stellen und zu vielen Zwecken braucht, so verfügen nahezu alle Körperzellen über Vitamin D-Rezeptoren (VDR). Es spielt unter anderem eine Rolle bei der Regulation zahlreicher Prozesse wie bei der Knochen- und Muskelbildung, im Herz-Kreislauf-System, der Funktion der Atemwege, beim Aufbau, der Steuerung und der Teilung von Zellen und bei der Beseitigung fehlerhafter Zellen, im Immunsystem und bei verschiedenen Aufgaben des Gehirns.


Entstehung von Vitamin D

Die Synthese beginnt in der Leber aus dem Grundstoff Cholesterol, einem Fett, das wegen seiner Beteiligung an der Arteriosklerose in einen schlechten Ruf geraten ist. Aus ihm werden u. a. jedoch auch andere wichtige Hormone (Östradiol, Testosteron, Progesteron, Aldosteron und Cortison) hergestellt, sodass der Körper es dringend für seinen Stoffwechsel benötigt.

Die in der Leber gebildete Vorstufe (Prävitamin D) wird dann, an einen Eiweißkörper gebunden, mit dem Blutkreislauf in die Haut transportiert. Dort entsteht unter der Einwirkung des ultravioletten Anteils der Sonnenstrahlen Vitamin D (Cholecalciferol), das mit dem gleichen Transporteiweiß wieder zurück zur Leber transportiert wird. Hier entsteht dann, sozusagen als Basis für den Vitamin D-Stoffwechsel im Körper, das 25-Hydroxycholecalciferol (25(OH)D = Prohormon).

Auf die gleiche Weise wird das in der Regel nur in geringen Mengen aus der Nahrung aufgenommene Cholecalciferol (Vitamin D) in der Leber weiterverarbeitet und als 25-OH Vitamin D3 in das Blut abgegeben. Erst in den Zellen und in der Niere des Körpers entsteht dann die aktive Form von Vitamin D (1,25(OH)2D), das Calcitriol.

Dort reagiert Vitamin D mit den D-Rezeptoren, die dann auf verschiedenen Signalübertragungswegen in den Zellstoffwechsel eingreifen und dabei auch Einfluss ausüben auf zahlreiche Gene. Diesen Teil des Vitamin D-Stoffwechsels nennt man das autokrine System.

Der Stoffwechselvorgang

Während nun die meisten Zellen das aufgenommene Vitamin D für sich selbst verbrauchen, gibt die Niere das dort entstehende Calcitriol wieder an das Blut ab, damit es für den Knochenstoffwechsel und die Aufnahme von Kalzium aus dem Darm zur Verfügung steht. Dieser Teil des Vitamin D-Stoffwechsels wird auch als endokrines System bezeichnet (siehe Darstellung).

Schematische Darstellung des klassischen Vitamin D Stoffwechsels nach Bruce Hollis (1)

In der aktiven Form als Calcitriol spielt das „Sonnen-Hormon“ beim Kalziumstoffwechsel eine entscheidende Rolle, sowohl bei der Aufnahme des Kalziums über den Darm (ins Blut) als auch durch die Regulierung des Parathormons (Hormon aus der Nebenschilddrüse). Die Funktion von Vitamin D beim Kalziumstoffwechsel besteht darin, das im Blut vorhandene Kalzium in die Knochen einzubauen. Bei Vitamin D-Mangel steigt die Parathormon-Ausschüttung, der Kalzium-Bedarf wird aus der Knochensubstanz gedeckt und damit die Gefahr von Osteoporose oder Osteomalazie erhöht. Die Knochen werden brüchig. Zusätzlich kommt es bei Vitamin D-Mangel zu Muskelschwäche mit der Folge von Stürzen und Brüchen.

Fazit: Wir können uns noch zu gut kalziumreich ernähren und Sport treiben. Ohne Vitamin D wird das Kalzium aus dem Blut nicht in die Knochen eingebaut.

Darüber hinaus dockt sich das Sonnen-Hormon an viele Zellarten im Körper an, auch im menschlichen Gehirn und an den Nervenzellen, und steuert damit viele Vorgänge im menschlichen Körper. Bei einem Vitamin D-Mangel erhöht sich das Risiko an einer von vielen chronischen Krankheiten zu erkranken, von Herz-Kreislauf-Erkrankungen über Autoimmun-Krankheiten, Depression und Demenz bis hin zu verschiedenen Krebsarten.


Quellen:

  1. Hollis, Bruce W.; Wagner, Carol L. (2013): The Role of the Parent Compound Vitamin D with Respect to Metabolism and Function: Why Clinical Dose Intervals Can Affect Clinical Outcomes. In: The Journal of clinical endocrinology and metabolism 98 (12), S. 4619–4628. DOI: 10.1210/jc.2013-2653

Podcasts

Jetzt gibt's was auf die Ohren: Hier sammeln wir für Sie Podcasts rund um die Themen Sonne, Licht und Vitamin D!

Wohlbefinden jetzt. Warum es so vielen an Vitamin D mangelt

Mangelnde Versorgung mit Vitamin D nimmt weltweit zu, auch in sonnenreichen Ländern wie Australien. Studiogast Prof. Dr. Jörg Spitz liefert aufschlussreiche Ansätze.

Bio 360: Vitamin D - das Sonnenhormon. Wie du einen Vitamin D-Mangel erkennst und verhinderst. Mit Prof. Dr. med. Jörg Spitz

Vitamin D, das Sonnenvitamin ist heutzutage in aller Munde. Aber heißt das auch, dass im deutschsprachigen Raum die Menschen mit Vitamin D gut versorgt sind? Welche fundamentale Rolle das Sonnenvitamin für deine Gesundheit spielt, wie du es bekommst und worauf du achten musst, erfährst du in dieser Episode.



Radio Siegen: Ein Kurz-Interview über Vitamin D mit Dr. Kai Bongard

Dr. Kai Bongard berichtet im Interview bei Radio Siegen über die positiven gesundheitlichen Wirkungen von Vitamin D und stellt die Optionen vor, wie man seinen Vitamin D-Spiegel gerade im Winter aufrecht erhalten kann.

Toxizität – welche Vitamin D-Dosen sind sicher?

Toxizität – welche Vitamin D-Dosen sind sicher?

Ein großes Hindernis für eine möglichst flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit ausreichend Vitamin D stellen weit verbreitete Desinformationen über die Toxizität dar. Dieser Artikel betrachtet die historischen Ursachen, die zu übertriebener Vorsicht im Umgang mit Vitamin D führten, und vergleicht die Vermutungen von damals mit den Fakten von heute.

Bevor wir aber näher auf die Toxizität von Vitamin D eingehen, ist es vorteilhaft, die durch Untersuchungen festgelegten Beurteilungen des Vitamin D-Spiegels zu kennen. Die folgende Tabelle verschafft hierfür einen Überblick anhand umfangreicher, weltweit zusammengetragener Erkenntnisse der Vitamin D-Forschung (Grant & Holick, 2005). Wie aus der Tabelle 1 hervorgeht, sollte man für einen sicheren und gesundheitsförderlichen Umgang in Sachen Vitamin D-Versorgung, Blutwerte (25(OH)D) im grün markierten Bereich zwischen „Übermaß“ und „relativem Mangel“ anpeilen., d.h. zwischen 32 und 90 ng/ml.

Tabelle 1 Vitamin D-Spiegel im Blut und ihre Beurteilung 

Historische Ursachen der aktuellen Vitamin D-Unterversorgung

Gegen den zeitgemäßen Einsatz von Vitamin D in individuell zugeschnittenen Dosen stehen die derzeit gültigen und zugleich veralteten Richtlinien. Ein Hauptargument der Kritiker höherer Vitamin D-Grenzwerte lässt sich auf extrem hochdosierte Behandlungen in den 1930er und 1940er Jahre zurückführen. Damals wurden Arthritis, Tuberkulose und Asthma mit bis zu 600.000 I.E. behandelt, was zu klinisch signifikanter Hyperkalzämie mit mehreren Todesfällen führte.

Da praktische Methoden zur Messung der verschiedenen Formen von Vitamin D im Blut erst in den  1970er Jahren entwickelt wurden, konnten die Blutspiegel von Vitamin D, die mit dieser Toxizität assoziiert waren, in den 1930er und 1940er Jahren nie bestimmt werden.

Wegen dieser unerwünschten und kritischen Nebenwirkungen fiel die Verwendung von Vitamin D für die Behandlung der oben genannten Krankheiten mit derart hohen Dosen aus dem Blickfeld der Medizin und wurde durch viel niedrigere Dosen im Bereich von 400 I.E. ersetzt, von denen bekannt war, dass sie keine Hyperkalzämie oder anderweitige Toxizität verursachen, die aber  auf der anderen Seite auch nicht klinisch wirksam bei der Behandlung von Arthritis, Tuberkulose oder Asthma waren. Die einem Teelöffel von Lebertran entsprechende geringe Vitamin D-Menge war allerdings sicher bei der Prävention von Rachitis.

Zum Vergleich: In der Haut werden täglich über intensive Sonneneinstrahlung bis zu 25.000 I.E. Vitamin D produziert.

Aufgrund eines körpereigenen Schutzmechanismus sind durch natürliche aber ebenso durch künstliche UV-Bestrahlung Vitamin D-Werte, die mehr als 100 ng/ml aufweisen, ausgeschlossen. Die in der Tabelle erwähnten 150 ng/ml können daher nur durch Supplementation von Vitamin D-Präparaten in extrem hohen Dosen, aber niemals alleine durch UV-B-Strahlung, also weder durch Sonnenbaden noch durch künstliche UV-Strahlung in Solarien, erreicht werden.

Veraltete Grenzwerte sorgen noch immer für Verwirrung

Bis heute ist die offiziell festgelegte „gefahrlose Zufuhr“ für Vitamin D auf 2.000 I.E. täglich begrenzt, um eine vermeintliche Überdosierung mit schädlichen Folgen für die Gesundheit zu verhindern. Die wissenschaftlichen Grundlagen für den Grenzwert von 2.000 I.E. stehen jedoch auf recht wackligen Beinen und wurden durch fundierte Untersuchungen in den letzten Jahren widerlegt.

Anstelle der 2.000 I.E. werden inzwischen 10.000 I.E. als Grenzwert genannt (Hathcock, Shao, Vieth & Heaney, 2007).

Dank der großen therapeutischen Breite von Vitamin D sind Intoxikationen jedoch in aller Regel erst jenseits von 40.000 I.E. täglich und regelmäßig über mehrere Wochen und daraus resultierenden Blutspiegeln von >150 ng/ml zu erwarten (Vieth, 2006).

Dem Trend zu höheren Dosierungen von Vitamin D steht die Sorge entgegen, eine Vergiftung des Körpers mit Vitamin D auszulösen. Das wesentliche Argument dabei ist der Umstand, dass Vitamin D fettlöslich ist und nicht über die Nieren ausgeschieden werden kann. Was dabei übersehen wird, ist die von der Natur klug eingerichtete Eigenschaft von Vitamin D, als Prohormon nur eine geringe Stoffwechselwirksamkeit zu haben. Erst die aktive Form, die von komplexen Vorgängen gesteuert aus Vitamin D entsteht, hat die umfangreichen und intensiven Wirkungen. Die Situation ist vergleichbar mit den Schilddrüsenhormonen, bei denen die Gabe von Thyroxin (das mit dem Vitamin D vergleichbare Prohormon) selbst in hohen Dosen kaum eine Stoffwechselreaktion auslöst, während selbst kleine Mengen von Triojodthyronin, der aktiven Form des Schilddrüsenhormons, erhebliche Folgen auf den Stoffwechsel hat.

Bereits vor etlichen Jahren wurden daher umfangreiche Untersuchungen bei Patienten mit Multipler Sklerose durchgeführt, die zeigen konnten, dass selbst 40.000 I.E. Vitamin D täglich über einen längeren Zeitraum eingenommen zwar zu „astronomischen“ Blutspiegeln führen, jedoch nicht zu Komplikationen im Sinne einer Hyperkalzämie (Kimball, Ursell, O’Connor & Vieth, 2007), (Abb.2 & 3).

Abb. 2: Anstieg des Vitamin D-Spiegels im Blut in Abhängigkeit von der verabreichten Dosis (12). Die Zahlen der x-Achse geben die verabreichte Vitamin D-Menge in Mikrogramm/Woche an: 700-7000 µg entsprechen 28.000-280.000 I.E. Vitamin D pro Woche.
Abb. 3: Die Überprüfung der Kalziumwerte im Blut ergab während des Testzeitraums keine signifikanten Veränderungen.

 

Es besteht also eine hohe Anwendungssicherheit bei der Supplementation von Vitamin D.  Die Änderung von Grenzwerten ist allerdings bekanntlich ein schwieriger und langwieriger Prozess. Er muss dennoch jetzt angestoßen werden, um das Ausmaß der weit verbreiteten Vitamin D-Unterversorgung baldmöglichst problemlos und nachhaltig durch Ergänzungsmaßnahmen verringern zu können. Die SonnenAllianz empfiehlt daher, sich bei der Einnahme an den dafür vorgesehenen Bedarfsrechner zu orientieren, den wir auf unserer Website kostenlos zur Verfügung stellen.

Zudem sind bei Tagesdosierungen oberhalb von 5000 I.E. regelmäßige Laboruntersuchungen und eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt dringend zu empfehlen, um Abweichungen vom Referenzbereich für Vitamin D (60 – 90 ng/ml), Kalzium (2,0 – 2,6 mmol/l oder 8,5 – 10,0 mg/dl) und für den Parathormonspiegel frühzeitig zu erkennen.

Quellen:

Grant, W. B., & Holick, M. F. (2005, June). Benefits and requirements of vitamin D for optimal health: A review. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15989379

Hathcock, J. N., Shao, A., Vieth, R., & Heaney, R. (2007, January). Risk assessment for vitamin D. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17209171

Vieth, R. (2006, April). Critique of the considerations for establishing the tolerable upper intake level for vitamin D: Critical need for revision upwards. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16549491

Kimball, S. M., Ursell, M. R., O’Connor, P., & Vieth, R. (2007, September). Safety of vitamin D3 in adults with multiple sclerosis. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17823429

Beitragsbild: www.pixapbay.com

Abbildungen: Spitz, J. (2018). Vitamin-D-Mangel: Die unterschätzte Gefahr. Schlangenbad: Gesellschaft für Medizinische Information und Prävention.

Vitamin D: Tägliche Einnahme für volle Wirkung

Vitamin D: Tägliche Einnahme für volle Wirkung

Bisher ging man im Allgemeinen davon aus, dass die Einnahmeintervalle bei Vitamin D-Supplementation weniger wichtig sind, sofern im Endeffekt ein adäquater Blutwert erreicht wird. Auch viele Studien in der Vitamin D-Forschung führten aufgrund dieser Fehleinschätzung zu keinen signifikanten Ergebnissen. Wenn Sie aber durch eine Vitamin D-Supplementierung nicht nur Ihr Skelett unterstützen wollen, sondern vom vollen Spektrum der positiven Wirkungen profitieren möchten, dann ist eine tägliche Vitamin D-Zuführung in ausreichender Menge unumgänglich.

Die Wirkung von Vitamin D auf das Skelett

Vitamin D wird dem Körper durch UV-Exposition oder Supplementierung bereitgestellt und landet anschließend in der Leber, die daraus das Prohormon 25(OH)D herstellt, welches wiederum an den Blutkreislauf abgegeben wird (Siehe Abbildung). Das so entstandene 25(OH)D hat im Blut eine Halbwertszeit von etwa 3 Wochen - es verliert in dieser Zeit also ca. die Hälfte seiner Substanz.

Zu beachten ist dabei, dass nur für die endokrinen Effekte (Wirkungen der Hormone in den Zellen über das Blut) des Vitamin D der Blutwert des aktiven Prohormons 25(OH)D wichtig ist. Dieser wirkt sich im wesentlichen auf die Calcium-Homöostase und damit auf die Knochengesundheit aus.

 

Nach: Hollis BW, Wagner CL. Clinical review: The role of the parent compound vitamin D with respect to metabolism and function: Why clinical dose intervals can affect clinical outcomes. J Clin Endocrinol Metab. 2013;98(12):4619-28.

Die Wirkung in den Zellen

Der sogenannte parakrine und autokrine Vitamin D-Stoffwechsel hängt aber vom nicht über die Leber metabolisierten 25(OH)D-Wert im Blut ab. In diesem Fall gelangt Vitamin D über Diffusion direkt in die Zellen, beispielsweise von Brust, Darm, Prostata und Gehirn. Der initiale Vitamin D-Wert (unverstoffwechselt) hat aber eine Halbwertszeit von nur 24 Stunden. Das bedeutet, dass nach wenigen Tagen eine Unterversorgung des Gewebes und der Zellen mit reinem Vitamin D auftreten kann, selbst wenn z.B. einmal wöchentlich hohe Dosen Vitamin D gegeben werden.

Die tägliche Versorgung mit ausreichend Vitamin D ist es also, die abseits vom Knochenstoffwechsel, für die umfangreichen, positiven Auswirkungen des Sonnenhormons ausschlaggebend ist.

Diese Annahme wird durch den Vergleich vieler Interventionsstudien eindrucksvoll unterlegt. Dr. Hollis, ein federführender Forscher auf dem Gebiet des Vitamin D fasst zusammen:

  • Eine Einnahme von 400 – 600 I.E./Tag kann allenfalls Krankheitsbildern des Skeletts vorbeugen.
  • 400 – 600 I.E./Tag versprechen nur sehr geringe (wenn überhaupt) Ergebnisse für die Gewebe- und Zellgesundheit außerhalb des Knochengewebes.
  • Eine Vitamin D-Einnahme von bis zu 10.000 I.E./Tag und  25(OH)D-Werte bis zu 100 ng/ml (250 nmol/l) sind physiologisch normal.
  • Vitamin D-Studien sollten sich an diesen Erkenntnissen zur regelmäßigen Einnahme orientieren und nicht an der Einfachheit einer wöchentlichen oder gar monatlichen Zufuhr.

 

Dr. Bruce Hollis, College of Medicine Medical University of South Carolina, geht im nachstehenden Video auf die detaillierten Zusammenhänge ein:

https://www.youtube.com/watch?time_continue=5&v=FbheaULwRAk

Quelle:

Hollis, B. W., & Wagner, C. L. (2013). The Role of the Parent Compound Vitamin D with Respect to Metabolism and Function: Why Clinical Dose Intervals Can Affect Clinical Outcomes. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 98(12), 4619-4628. doi:10.1210/jc.2013-2653

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Öl, Kapseln oder Tabletten – das optimale Vitamin D-Präparat

Öl, Kapseln oder Tabletten – das optimale Vitamin D-Präparat

Gibt es Unterschiede bei der Wirkung zwischen Kapseln, Tabletten und Vitamin D-Ölen?

Eines vorweg: die natürlichste Form seinen Vitamin D-Spiegel auf Stand zu bringen, ist noch immer die durch UV-B-Strahlung ausgelöste Vitamin D-Synthese auf der Haut durch ein natürliches Sonnenbad. Doch auch die Bestrahlung moderner Sonnenbänke kann – bei Nutzung von Geräten mit entsprechendem UV-B-Anteil – gezielt zur Vitamin D-Bildung beitragen.

Doch was tun, wenn man im Vitamin D-Winter (Oktober-März) keine Zeit oder Möglichkeit hat ins Solarium zu gehen um seinen optimalen Vitamin D-Spiegel zu halten?

Supplemente auf dem Vormarsch

Aufgrund der Zeitersparnis, Sicherheit und günstigen Preisen erfreuen sich Vitamin D-Präparate immer größerer Beliebtheit. Anders als bei der Vitamin D-Produktion in der Haut werden Supplemente in der Regel oral eingenommen. Die am häufigsten verwendete und sogleich auch reinste Verabreichungsform ist dabei das Vitamin D-Öl. Dazu wird meistens Lanolin (Schafwollfett) zusammen mit mittelkettigen Triglyceriden (MCT) entweder in Form von Tropfen oder in Form von Softgel-Kapseln abgefüllt, eingenommen. Neben Lanolin wird Vitamin D-Öl für Veganer inzwischen auch auf rein pflanzlicher Basis aus Flechten gewonnen.

Soft-Gel-Kapseln

Wichtig ist: Da Vitamin D fettlöslich ist, sollte die Aufnahme für eine optimale Bioverfügbarkeit unbedingt gemeinsam mit Fett erfolgen.

Dabei ist es aus gesundheitlicher Sicht nicht entscheidend in welcher der oben genannten Formen Vitamin D konsumiert wird. Vitamin D-Präparate auf Öl-Basis können daher in Bezug auf die Bioverfügbarkeit, auf nüchternen Magen ohne Berücksichtigung weiterer Faktoren jederzeit konsumiert werden.

Kapseln und Tabletten

Anders sieht es hier bei Vitamin D-Kapseln und Tabletten aus, denen kein Öl oder Fett beigemengt ist. Hier empfiehlt es sich darauf zu achten die Supplementierung gemeinsam mit einer Mahlzeit zuzuführen, um eine bessere Bioverfügbarkeit zu erreichen.

Tabletten

Außerdem sind in Öl-freien Kapseln auch die notwendigen Füllstoffe zu beachten. Diese sind im besten Fall natürlichen Ursprungs und stehen nicht im Verdacht die Aufnahmefähigkeit negativ zu beeinträchtigen wie zum Beispiel Magnesiumstearat. Um sicher zu gehen, lesen Sie am besten die Herstellerangaben auf der Verpackung. Bei Tabletten könnten sich darüber hinaus Bindestoffe, die für die Formgebung notwendig sind, als nachteilig erweisen.

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Krebs

Wie die Sonne dafür sorgt, dass wir keinen Krebs bekommen

Krebsschutz Sonne

Die Sonne hat bedeutenden Einfluss auf unsere Gesundheit. Bei Sonneneinstrahlung produziert unsere Haut das Hormon Vitamin D. In unserem Körper erfüllt das „Sonnenhormon“ an vielen Stellen wichtige Aufgaben: So ist Vitamin D nicht nur altbekannt bei der Knochen- und Muskelbildung beteiligt, sondern spielt eine wichtige Rolle im Herz-Kreislauf-System, Immun- sowie  Atemsystem, und wird für verschiedene Gehirnfunktionen benötigt. Auch zur Prävention gegen die meisten Krebsarten ist ein adäquater Vitamin D-Spiegel, aber auch ein natürlicher Tagesrythmus empfehlenswert! Warum das so ist erklären wir hier:


Der Artikel in Kürze:

› Vitamin D verhindert die Entstehung von Tumoren

› Verbesserte Perspektiven bei Brustkrebs durch Vitamin D

› Vitamin D schützt auch vor Prostatakrebs

Krebsfaktoren: Sonnenlicht, Melatonin und der Tag-Nacht-Rythmus


Vitamin D verhindert die Entstehung von Tumoren

Vitamin D beeinflusst vor allem die Gesunderhaltung der Zellen im sogenannten Epithel, der äußeren Gewebeschicht unserer Organe und Drüsen. Hier entstehen die meisten Krebsarten. Das Absterben entarteter Zellen (Apoptose), sozusagen die „Aufräumarbeit“ nach entstandenen UV-Schäden, wird ganz wesentlich durch Vitamin D gesteuert. Bei Vitamin D-Mangel können sich Krebszellen ungehindert vermehren.

Der positive Einfluss von Vitamin D konnte bei einer Vielzahl bösartiger Tumore festgestellt werden. Unter anderem sind davon folgende Organe bzw. Krebsarten betroffen: Brust, Darm, Lunge, Eierstock, Pankreas, Prostata (Moukayed & Grant, 2017).

Durch die prospektive Gabe von 1.100 I.E. Vitamin D über einen Zeitraum von 4 Jahren konnte im Rahmen einer Studie zum Beispiel das Risiko, irgendeinen bösartigen Tumor zu entwickeln, um 77% gesenkt werden (Lappe et al., 2007). Ein normaler Vitamin D-Spiegel senkt in anderen Diagnosegruppen (z.B. bei koronaren Herzerkrankungen) das Risiko um die Hälfte, an einem bösartigen Tumor zu versterben (Pilz et al., 2008).

Insbesondere die häufigsten Tumore des Dickdarms, der Prostata und der weiblichen Brust reagieren sensibel auf Vitamin D.  Folgende Wirkungsweisen werden demnach Vitamin D in Bezug auf die Prävention oder Beseitigung von Tumoren zugeschrieben:

  • Unterdrückung des Tumorwachstums
  • Abschwächung der Signale zur Metastasierung
  • gesteigerte Veranlassung des Zelltodes
  • Differenzierung der Zellen (in Richtung Gutartigkeit)
  • Reduzierung der Gefäßneubildung im Tumor

Verbesserte Perspektiven bei Brustkrebs durch Vitamin D

Der Brustkrebs ist die häufigste Tumorform bei Frauen. Doch mit fortschreitender Forschung in Sachen Vitamin D ergaben sich neue Erkenntnisse, die eine deutlich verbesserte Perspektive zur Folge haben.

Zunächst sei die Studie von Robin und Mitarbeitern aus dem Jahr 2007 genannt. Das Forschungsteam wertete Daten im Rahmen der großen „Iowa Women Study“ aus, in der 34.000 Frauen in Amerika zwischen 1986 und 2004 betreut wurden. Die Aufnahme von 800 I.E. Vitamin D mit der Nahrung im Vergleich zur Aufnahme von 400 I.E. führte zu einer Absenkung des Risikos, ein Mammakarzinom zu entwickeln, um 34 %.

Auch in einem ähnlich großen Kollektiv der „Women Health Study“ mit 10.000 Frauen vor den Wechseljahren, konnte eine 35%-ige Absenkung für diejenigen Frauen nachgewiesen werden, die eine höhere Vitamin D-Aufnahme über die Nahrung hatten (Lin, 2007).

Die Arbeitsgruppe von Garland kam bereits 2007 bei der Zusammenfassung von 2 Studien mit insgesamt 1760 Patienten ebenfalls zu deutlichen Ergebnissen. Dabei zeigt die Gruppe mit den höchsten Vitamin D-Spiegeln (> 120 nmol/l = 48 ng/ml) gegenüber Frauen mit deutlich niedrigeren Vitamin D-Spiegeln < 32 nmol/l = 12,8 ng/ml, eine 50%-ige Risikoreduktion (siehe Diagramm) an einem Brusttumor zu erkranken.

 

Vitamin D hilft auch nach Brustkrebsbehandlung

Dutzende Studien der vergangenen Jahre gaben bereits Hinweise auf eine schützende Wirkung von Vitamin D vor Brustkrebs. Frauen, die über längere Zeit nicht ausreichend mit dem Sonnenhormon versorgt sind, erkranken nach erfolgreicher Behandlung häufiger an wiederkehrendem Brustkrebs und sterben auch häufiger daran als Frauen mit einem ausreichenden Vitamin D-Spiegel im Blut.

Kanadische Autoren haben im Jahr 2009 die wichtigsten acht Studien mit insgesamt weit über 5.000 Teilnehmerinnen analysiert und fanden ihr Ergebnis bestätigt:

  • Frauen, die nach der Brustkrebs-Diagnose und -Behandlung einen Vitamin D-Mangel aufwiesen, hatten ein mehr als doppelt so hohes Risiko für eine Wiederkehr der Krankheit.
  • Die Sterberate lag bei den Frauen mit einem Vitamin D-Mangel um 76 Prozent höher als bei den ausreichend versorgten.

Wir haben eine eindeutige Verbindung gefunden zwischen einem Vitamin D-Mangel zum Zeitpunkt der Brustkrebs-Diagnose und der Rückkehr der Krankheit ebenso wie mit der Häufigkeit der Todesfälle„, so die Leiterin des Wissenschaftler-Teams von der McGill University, Prof. April Rose.

Untermauert werden diese Resultate durch eine weitere Meta-Analyse von 5 Studien. Diese zeigt eine höhere Überlebensrate für an Brustkrebs erkrankte Frauen, wenn diese eine höhere Serumkonzentration von Vitamin D im Blut aufwiesen (Mohr, Gorham, Kim, Hofflich, Garland, 2014).

Ob es sich hier nur um einen Zusammenhang oder tatsächlich um Ursache und Wirkung handele, so schränken die Autoren selbst ein, müsse noch in weiteren Studien geklärt werden.

Vitamin D schützt vor Metastasen und frühzeitigem Tod

2008 berichteten Wissenschaftler (Goodwin et al.) auf der Jahrestagung der amerikanischen Krebsgesellschaft, dass das Sonnenhormon auch vor Metastasen und frühzeitigem Tod durch den Krebs schützt. 512 Frauen wurden 10 Jahre lang nach Operationen bösartiger Brusttumoren nachuntersucht. Nur 24% wiesen initial einen ausreichenden Vitamin D-Spiegel auf. Im Verlauf führte ein niedriger Vitamin D-Spiegel (Mangel) zu einer Steigerung des Risikos für Metastasenbildung um 94% und für einen vorzeitigen Tod um 73%.


Vitamin D schützt auch vor Prostatakrebs

Vitamin D schützt vor Prostatakrebs

Auch das Prostatakarzinom, der häufigste Tumor beim Mann, zeigt in mehreren Studien einen Zusammenhang mit dem Vitamin D-Spiegel. Eine Arbeitsgruppe veröffentlichte 2008 in einem Bericht den Zusammenhang zwischen UV-B-Strahlung und dem Auftreten sowie der Sterblichkeit des Prostatakarzinoms in den USA (Grant). Die Risikominderung betrug etwa 60% für die Häufigkeit und 50% für die Sterblichkeit. 

 

Auch eine weitere Veröffentlichung (Physicians Health Study) von Li und Mitarbeitern (2007), bei der 14.900 Männer teilnahmen, kam zu ähnlichen Ergebnissen. Männer mit einem Vitamin D-Spiegel unter 62 nmol/l (= 24,8 ng/ml) hatten ein etwa zweifach höheres Risiko, einen aggressiven Tumor zu entwickeln. Berücksichtigt man individuelle Genveränderungen der Prostata, profitierten die Männer sogar mit einer 60- bis 70-%igen Risikoreduktion von hohen Vitamin D-Spiegeln.

Es scheint so zu sein, dass Vitamin D bei betroffenen Prostata-Tumorpatienten mit „low graded“ Krebs sogar verhindern kann, dass dieser aggressiv wird und darüber hinaus in die Lage versetzt wird sich zurückzubilden. Die Forschungen dazu wurden 2015 von der amerikanischen Chemical Society (acs) veröffentlicht.


Krebsfaktoren: Sonnenlicht, Melatonin und der Tag-Nacht-Rythmus

Doch Vitamin D und dessen positive Auswirkungen sind nicht alles, was unsere Sonne zu bieten hat: Das Sonnenlicht ist maßgeblich für unseren Tag-Nacht-Rhythmus verantwortlich. Aus der Chronobiologie wissen wir, wie wichtig der Schlaf für unsere Gesundheit ist.

zirkadianer Rythmus orient sich am Stand der Sonne

So ist bereits längere Zeit bekannt, dass Schichtarbeiter häufiger an bösartigen Tumoren erkranken. Die Wissenschaftler Bhatti et al. (2016, 2017) suchten nach der Ursache für dieses Phänomen. In ihrer 2016 veröffentlichten Studie stellte sich heraus, dass Nachtschichtarbeiter deutlich geringere Mengen eines Stoffwechselproduktes (8-OH-dG) über ihren Urin ausscheiden, wenn sie tagsüber schlafen (23% weniger im Vergleich zu ihrem eigenen Nachtschlaf und 17% weniger im Vergleich zum Nachtschlaf von Personen, die nicht in Nachtschicht arbeiten).

8-OH-dG ist ein durch freie Radikale veränderter Baustein der DNA, der von Reparaturenzymen durch intaktes DNA-Material ersetzt wird. Wird 8-OH-dG im Urin nachgewiesen, so weist dies auf eine erfolgreiche DNA-Reparatur hin. Die geringere 8-OH-dg-Ausscheidung der Nachtschichtarbeiter deutet also darauf hin, dass der DNA-Reparaturmechanismus während des Tagschlafs eingeschränkt ist und somit zu vermehrten oxidativen DNA-Schäden führen kann.

Bhatti et al. vermuten, dass die Ursache für die verringerte DNA-Reparatur beim Melatonin liegt:

DNA-Reparatur durch Melatonin

Melatonin ist ein Hormon, das den Tag-Nacht-Rhythmus steuert und außerdem antioxidativ wirkt, d.h. es deaktiviert freie Radikale. Jedoch wird die Produktion des Hormons durch Licht gehemmt (insbesondere durch den hohen Blauanteil im Sonnenlicht). Durch eine verminderte Melatoninkonzentration beim Tagschlaf können Nachtschichtarbeiter somit weniger von Melatonin als Radikalfänger profitieren.

In ihrer kürzlich publizierten zweiten Studie (2017) verglichen Bhatti et al. die nächtliche 8-OH-dG-Ausscheidung beim Nachtschlaf mit der Ausscheidung bei Nachtarbeit. Auch hier zeigte sich eine enorme Differenz: Bei der Nachtarbeit wurde nur 20% der OH-dG-Ausscheidungsmenge erreicht, die beim Nachtschlaf gemessen wurde.

Zusätzlich zu der Wirkung von Vitamin D schützt also offensichtlich das Sonnenlicht und die damit verbundene lichtabhängige Melatoninproduktion die Erbsubstanz in unseren Zellen. Unser zirkadianer Rhythmus, der eine Vielzahl biologischer Funktionen steuert, orientiert sich maßgeblich am Stand der Sonne. So sorgt der natürliche Wechsel von Licht und Dunkelheit in unserem Körper für die optimale Produktion und den Einsatz von Botenstoffen, die unseren Körper gesund halten. Verschiedene Studien an Mäusen zeigten, dass eine Störung der zirkadianen Rhythmik (so beispielsweise durch einen “unnatürlichen” Schlaf-Wach-Rhythmus) Fehlfunktionen von Genen hervorrufen kann, die wiederum Krebs verursachen können (siehe hierzu den 2016 vom Deutschen Ärzteblatt veröffentlichten Artikel „Warum Nachtarbeit das Krebsrisiko erhöht“).

Die Wissenschaftler Bhatti et al. streben die Durchführung weiterer Studien an, um den möglicherweise vor Krebserkrankungen schützenden Effekt einer Melatonin-Supplementierung bei Nachtschichtarbeitern zu erforschen.

Empfehlungen:

Sorgen Sie, wenn irgend möglich, für einen Tagesablauf, der sich am natürlichen Wechsel von Tag- und Nachtphasen orientiert. Vermeiden Sie insbesondere in den Abendstunden Lichteinflüsse mit hohem Blauanteil. Für Smartphones, PCs und Tablets gibt es inzwischen spezielle Blaulichtfilter, die dabei helfen können. Zudem gibt es Softwarelösungen, die den Blaulichtanteil von Laptops und PCs so herunterfahren, dass Nachteulen nicht um den Schlaf gebracht werden. Auch Brillen mit Blaulichtfilter sind auf dem Markt erhältlich. Und nicht vergessen: rechtzeitig in die Koje gehen!


Quellen:

Moukayed, M., & Grant, W. B. (2017). The roles of UVB and vitamin D in reducing risk of cancer incidence and mortality: A review of the epidemiology, clinical trials, and mechanisms. Reviews in Endocrine and Metabolic Disorders, 18(2), 167-182. doi:10.1007/s11154-017-9415-2

Giovannucci, E., Liu, Y., Rimm, E. B., Hollis, B. W., Fuchs, C. S., Stampfer, M. J., & Willett, W. C. (2006). Prospective Study of Predictors of Vitamin D Status and Cancer Incidence and Mortality in Men. JNCI: Journal of the National Cancer Institute, 98(7), 451-459. doi:10.1093/jnci/djj101

Lappe, J. M., Travers-Gustafson, D., Davies, K. M., Recker, R. R., & Heaney, R. P. (2007). Vitamin D and calcium supplementation reduces cancer risk: Results of a randomized trial. The American Journal of Clinical Nutrition, 85(6), 1586-1591. doi:10.1093/ajcn/85.6.1586

Pilz, S., Dobnig, H., Winklhofer-Roob, B., Riedmuller, G., Fischer, J. E., Seelhorst, U., . . . Marz, W. (2008). Low Serum Levels of 25-Hydroxyvitamin D Predict Fatal Cancer in Patients Referred to Coronary Angiography. Cancer Epidemiology Biomarkers & Prevention, 17(5), 1228-1233. doi:10.1158/1055-9965.epi-08-0002

Robien, K., Cutler, G. J., & Lazovich, D. (2007). Vitamin D intake and breast cancer risk in postmenopausal women: The Iowa Women’s Health StudyCancer Causes & Control, 18(7), 775-782. doi:10.1007/s10552-007-9020-x

A. A. N. Rose et al. Blood levels of vitamin D and early stage breast cancer prognosis; a systematic review and meta-analysis, Breast Cancer Res Treat., Oktober 2013, 141(3):331-9

Mohr SB, Gorham ED, Kim J, Hofflich H, Garland CF. (2014). Meta-analysis of vitamin D sufficiency for improving survival of patients with breast cancer. Scientific Programs Office, Code 01A, Naval Health Research Center, San Diego, CA 92106, U.S.A.

Spitz, J. (2009). Vitamin D – Das Sonnenhormon für unsere Gesundheit und der Schlüssel zur Prävention. Schlangenbad: Gesellschaft für Medizinische Information und Prävention.

Lin, J. (2007). Intakes of Calcium and Vitamin D and Breast Cancer Risk in Women. Archives of Internal Medicine, 167(10), 1050. doi:10.1001/archinte.167.10.1050

Garland, C. F., Gorham, E. D., Mohr, S. B., Grant, W. B., Giovannucci, E. L., Lipkin, M., . . . Garland, F. C. (2007). Vitamin D and prevention of breast cancer: Pooled analysis. The Journal of Steroid Biochemistry and Molecular Biology, 103(3-5), 708-711. doi:10.1016/j.jsbmb.2006.12.007

Goodwin, P. J., Ennis, M., Pritchard, K. I., Koo, J., & Hood, N. (2009). Prognostic Effects of 25-Hydroxyvitamin D Levels in Early Breast Cancer. Journal of Clinical Oncology, 27(23), 3757-3763. doi:10.1200/jco.2008.20.0725

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American Chemical Society (2015). Vitamin D may keep low-grade prostate cancer from becoming aggressive

Bhatti, P., Mirick, D. K., Randolph, T. W., Gong, J., Buchanan, D. T., Zhang, J. & Davis, S. (2017). Oxidative DNA damage during night shift work [Abstract]. Occupational and Environmental Medicine, 74(9), 680-683.

Bhatti, P., Mirick, D. K., Randolph, T. W., Gong, J., Buchanan, D. T., Zhang, J. & Davis, S. (2016). Oxidative DNA damage during sleep periods among nightshift workers [ABSTRACT]. Occupational and Environmental Medicine, 73(8), 537-544.

 

Abbildungen: Spitz, J. (2009). Vitamin D – Das Sonnenhormon für unsere Gesundheit und der Schlüssel zur Prävention. Schlangenbad: Gesellschaft für Medizinische Information und Prävention.

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Vitamin D-Supplemente im Überblick

Vitamin D-Supplemente im Überblick

Das optimale Vitamin D-Präparat: Öl, Kapseln oder Tabletten?

Gibt es Unterschiede bei der Wirkung zwischen Kapseln, Tabletten und Vitamin D-Ölen?

Eines vorweg: die natürlichste Form seinen Vitamin D-Spiegel auf Stand zu bringen, ist noch immer die durch UV-B-Strahlung ausgelöste Vitamin D-Synthese auf der Haut durch ein natürliches Sonnenbad. Doch auch die Bestrahlung moderner Sonnenbänke kann – bei Nutzung von Geräten mit entsprechendem UV-B-Anteil – gezielt zur Vitamin D-Bildung beitragen. Doch was tun, wenn man im Vitamin D-Winter (Oktober-März) keine Zeit oder Möglichkeit hat ins Solarium zu gehen um seinen optimalen Vitamin D-Spiegel zu halten?

Soft-Gel-Kapseln

Supplemente auf dem Vormarsch

Aufgrund der Zeitersparnis, Sicherheit und günstigen Preisen erfreuen sich Vitamin D-Präparate immer größerer Beliebtheit. Anders als bei der Vitamin D-Produktion in der Haut werden Supplemente in der Regel oral eingenommen. Die am häufigsten verwendete und sogleich auch reinste Verabreichungsform ist dabei das Vitamin D-Öl. Dazu wird meistens Lanolin (Schafwollfett) zusammen mit mittelkettigen Triglyceride (MCT) entweder in Form von Tropfen oder in Form von Softgel-Kapseln abgefüllt, eingenommen. Neben Lanolin wird Vitamin D-Öl für Veganer inzwischen auch auf rein pflanzlicher Basis aus Flechten gewonnen.

Wichtig ist: Da Vitamin D fettlöslich ist, sollte die Aufnahme für eine optimale Bioverfügbarkeit unbedingt gemeinsam mit Fett erfolgen.

Dabei ist es aus gesundheitlicher Sicht nicht entscheidend in welcher der oben genannten Formen Vitamin D konsumiert wird. Vitamin D-Präparate auf Öl-Basis können daher in Bezug auf die Bioverfügbarkeit, auf nüchternen Magen ohne Berücksichtigung weiterer Faktoren jederzeit konsumiert werden.

Tabletten

Kapseln und Tabletten

Anders sieht es hier bei Vitamin D-Kapseln und Tabletten aus, denen kein Öl oder Fett beigemengt ist. Hier empfiehlt es sich darauf zu achten die Supplementierung gemeinsam mit einer Mahlzeit zuzuführen, um eine bessere Bioverfügbarkeit zu erreichen. Außerdem sind in Öl-freien Kapseln auch die notwendigen Füllstoffe zu beachten. Diese sind im besten Fall natürlichen Ursprungs und stehen nicht im Verdacht die Aufnahmefähigkeit negativ zu beeinträchtigen wie zum Beispiel Magnesiumstearat. Um sicher zu gehen, lesen Sie am besten die Herstellerangaben auf der Verpackung. Bei Tabletten könnten sich darüber hinaus Bindestoffe, die für die Formgebung notwendig sind, als nachteilig erweisen.

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Vitamin D-Bedarfsrechner

Auf dieser Seite finden Sie unseren kostenlosen Vitamin D-Bedarfsrechner, mit dessen Hilfe Sie schnell und einfach selbst Ihren Vitamin D-Bedarf bestimmen können.

Sollten Sie eine Vitamin D-Supplementierung in Betracht ziehen, so gilt wie bei allen Nahrungsergänzungsmitteln eine einfache Grundregel: Erst messen, dann essen! Lassen Sie von Ihrem Hausarzt daher Ihren aktuellen Vitamin D-Spiegel ermitteln, bevor Sie ein Vitamin D-Präparat einnehmen.

Der Zielwert des Vitamin D-Spiegels liegt bei gesunden Erwachsenen bei mindestens 40 ng/ml.


Schritt 1: Die richtige Einheit wählen

Unser Vitamin D-Bedarfsrechner arbeitet mit den Einheiten ng/ml für die Konzentrationsangabe für Vitamin D im Blut und Internationalen Einheiten (I.E.) für die Dosierung von Vitamin D. Einige Labore geben die Vitamin D-Konzentration im Blut jedoch in nmol/l an. Der nmol/l-Wert ist um den Faktor 2,5 höher als der ng/ml-Wert. Außerdem wird teilweise der Vitamin D-Gehalt von Nahrungsmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln nicht in Internationalen Einheiten (I.E.) sondern in der Maßeinheit µg angegeben. 1µg entspricht dabei 40 I.E.

Bevor Sie also Ihre Werte in unseren Rechner eingeben, sollten Sie einen Blick auf Ihr Testergebnis werfen und bei Bedarf unsere Umrechner verwenden.

Falls Sie Ihren Wert schon in ng/ml vorliegen haben, gehen Sie weiter zu Schritt 2!

Ansonsten übernehmen Sie den im orangen Kästchen berechneten Wert in ng/ml in Schritt 2!

Schritt 2: Initialdosis und Erhaltungsdosis berechnen lassen

Ein gesunder Mensch benötigt für einen normalen Vitamin D-Status regelmäßig 40 - 60 I.E. Vitamin D pro kg Körpergewicht pro Tag. In der Praxis hat sich zum schnellen Ausgleich eines Vitamin D-Mangels initial die hochdosierte Einnahme von Vitamin D bewährt.

Die Intialdosis sollte über etwa 7 Tage verteilt werden. Im Anschluss an die initiale Vitamin D-Einnahme sollten in Abhängigkeit vom Körpergewicht täglich 40 - 60 I.E. Vitamin D pro kg eingenommen werden.

I.E.
I.E. bis
I.E.

Dosisumrechner

Wie oben erwähnt wird der Vitamin D-Gehalt Nahrungsergänzungsmitteln manchmal nicht in Internationalen Einheiten (I.E.) sondern in der Maßeinheit µg angegeben. Hier können Sie die Werte umrechnen:

Hinweis

Wie bei jedem Rechner, den Sie im Internet finden, handelt es sich bei unserem Vitamin-D Rechner, um die Umsetzung einer Faustformel – die aus der praktischen ärztlichen Beratung entstanden ist - in einen durch den Nutzer handhabbaren Online Rechner.

Insofern dürfen die Ergebnisse nur als Anhaltspunkte für den eigenen Vitamin D-Status beziehungsweise die empfohlene Supplementierung mit Vitamin D verstanden werden. Auf keinen Fall ersetzt dieser Rechner die labortechnische Untersuchung des Blutserums und die fachgerechte Bestimmung des Vitamin D-Spiegels. Insofern weisen die verschiedenen Rechner, die man im Internet findet, unter Umständen signifikante Abweichungen bei den Ergebnissen auf. Der Vitamin D-Rechner der SonnenAllianz kalkuliert dabei im Vergleich vorsichtiger, um Überdosierungen in jedem Fall zu vermeiden.


Quelle: Diabetes Ade, Walle, Spitz, Gröber 2017

Gesund durch Vitamin D – Übersicht

Sonnen entspannt, macht heiter und rettet darüber hinaus noch Leben
Sonnen entspannt, macht heiter und rettet darüber hinaus noch Leben

Sonnen macht Spaß, Sonnen entspannt und mobilisiert alle Sinne. Aber Sonne tut noch sehr viel mehr: In der langen Liste dessen, was die Sonne und ihr „Sonnenschein-Vitamin“ für uns Menschen tun kann, beginnen wir mit der einfachsten und gleichzeitig gewaltigsten Feststellung:

Die Sonne rettet und verlängert Leben!

Tatsächlich aber leidet die Mehrheit der Menschen in nördlichen Ländern, so auch in Deutschland, unter einem mehr oder minder gravierenden Vitamin D-Mangel. Das liegt nicht nur daran, dass sich die Sonne bei uns rar macht, sondern vor allem an unserer „inhäusigen“ Lebensweise. Offensichtlich, das zeigen die fortlaufenden Studien über Arbeit und Leben in Deutschland und anderswo, bewegen wir uns unaufhaltsam in Richtung „moderne Höhlenbewohner“. Nun sind wir aber normalerweise zu fast 90 Prozent unserer Vitamin D-Versorgung auf die Sonne angewiesen. Über die Nahrung können wir uns nur zu einem sehr geringen Anteil versorgen.

Diese „Höhlenbewohner“ aber bringen sich um einen beträchtlichen Anteil an „Lebenszeit“: Untersuchungen belegen, dass die ständig wachsende Fernseh- und Computer-Nutzung, als sinnfälliger Ausdruck der „Höhlenexistenz“, das Leben verkürzt. In einer Studie aus Australien (Veerman et al., 2012) haben die Forscher sogar versucht, den Effekt genau zu berechnen und schlussfolgern: Jede Stunde, die ein Erwachsener täglich vor dem Fernseher verbringt, verkürzt seine Lebenszeit um 21,8 Minuten!

Pointiert ausgedrückt: Wer nicht sonnt, muss früher sterben! Ausreichend Sonne und damit ein optimaler Vitamin D-Spiegel im Blut aber schützt die Gesundheit, beugt den verbreitetsten „Volkskrankheiten“ vor und lässt uns länger, gesunder leben.

Behaupten kann so etwas jeder! Aber auch beweisen?

Zehntausende Patienten können nicht irren

Selten ist eine so große Zahl an Studien-Teilnehmern über eine so lange Zeit auf den Zusammenhang von Vitamin D-Versorgung und Gesundheit, insbesondere Herzgesundheit, beobachtet worden. Das Ergebnis: Wer sonnt oder über Nahrungsergänzung seinen Vitamin D-Spiegel optimiert, lebt deutlich länger und leidet seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Arterienversteifung oder Diabetes Typ II.

Eine dänische Langzeit-Studie über 21 Jahre mit Daten aus der Gesamtbevölkerung beziffert zum Beispiel den Unterschied beim Risiko, an einem Schlaganfall zu sterben, zwischen Menschen mit hohem Vitamin D-Spiegel einerseits und sehr niedrigem Spiegel andererseits auf rund 50 Prozent zugunsten der besser Versorgten (Brøndum-Jacobsen, Nordestgaard, Schnohr & Benn, 2012).

Länger leben mit der Sonne
Länger leben mit der Sonne

Eine Studie vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg mit 10.000 Teilnehmern registrierte eine um 70 Prozent erhöhte Sterblichkeitsrate bei Teilnehmern mit einem sehr niedrigem (<30 nmol/L) und um 20 Prozent bei niedrigem (<50 nmol/L) Vitamin D-Spiegel (25 (OH) D). Im Winter waren das immerhin 95 Prozent der Teilnehmer, im Hochsommer dagegen „nur“ 45 Prozent (Schöttker et al., 2013).

Forscher an der Universität von Kansas, USA, hatten 10.900 Patienten im Alter zwischen 43 und 73 Jahren über fast sechs Jahre verfolgt, kontinuierlich deren Vitamin D-Werte erhoben und mit den Krankengeschichten abgeglichen. Mehr als 70 Prozent der Teilnehmer an dieser Studie wiesen zunächst einen Vitamin D-Mangel auf (<50 nmol/L). Bei diesem Vitamin D-Mangel stieg das Sterbe-Risiko um mehr als das Doppelte (264 Prozent), auch wenn andere Faktoren berücksichtigt wurden (Vacek, Vanga, Good, Lai, Lakkireddy & Howard, 2012). Nach einer Optimierung des Vitamin D-Spiegels bei bisherigen Mangel-Patienten konnte die Sterbe-Wahrscheinlichkeit um fast zwei Drittel gesenkt werden. Dabei spielten die Herz-Kreislauf-Erkrankungen die entscheidende Rolle.

Schwedischen Frauen, die sich regelmäßig sonnen (auch mit Sonnenbrand) und/oder häufig in südlichen Ländern Urlaub machen leben länger als „häusliche“ Frauen. Eine Langzeit-Studie verschiedener internationaler Forschungsinstitute, darunter die Harvard Universität und das Karolinska Institut, über 15 Jahre mit knapp 40.000 Teilnehmerinnen konnte das sowohl für die allgemeine Sterblichkeit als auch für den Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachweisen (Yang, Lof, Veierod, Sandin, Adami & Weiderpass, 2011).

 

Quellen:

Brøndum-Jacobsen, P., Nordestgaard, B. G., Schnohr, P., & Benn, M. (2012). 25-Hydroxyvitamin D and symptomatic ischemic stroke: An Original Study and Meta-Analysis. Annals of Neurology, 73(1), 38-47. doi:10.1002/ana.23738 [ABSTRACT]

Schöttker, B., Haug, U., Schomburg, L., Köhrle, J., Perna, L., Müller, H., . . . Brenner, H. (2013). Strong associations of 25-hydroxyvitamin D concentrations with all-cause, cardiovascular, cancer, and respiratory disease mortality in a large cohort study. The American Journal of Clinical Nutrition, 97(4), 782-793. doi:10.3945/ajcn.112.047712

Vacek, J. L., Vanga, S. R., Good, M., Lai, S. M., Lakkireddy, D., & Howard, P. A. (2012). Vitamin D Deficiency and Supplementation and Relation to Cardiovascular Health. The American Journal of Cardiology, 109(3), 359-363. doi:10.1016/j.amjcard.2011.09.020 [ABSTRACT]