Vitamin D wirkt als Grippeschutz

Vitamin D wirkt als Grippeschutz

Obwohl sich das Wetter langsam bessert, hat sich über Deutschland die Grippewelle ausgebreitet und fordert seit Wochen ihren Tribut. Das bedeutet für einen beträchtlichen Teil der allgemeinen Bevölkerung Bettruhe, medikamtentöse Behandlungen, Arbeitsausfälle, schlechte Laune und kann bei gesundheitlich angeschlagenen Menschen zu weitaus gefährlichen Komplikationen führen. Wie Sie sich am besten davor schützen und was das Ganze mit einem Vitamin D-Mangel zu tun hat, lesen Sie hier:

Infektionskrankheiten - Risikoreduzierung um bis zu 70%

Bereits im Jahr 2007 untersuchten finnische Wissenschaftler die Auswirkungen eines Vitamin D-Mangels auf Infektionskrankheiten. Dafür wurden die  Vitamin D-Werte bei 800 Soldaten bestimmt um in den anschließenden sechs Monaten die Häufigkeit der aufgetretenen Erkältungen zu registrieren. Die Gruppe mit den niedrigsten Vitamin D-Werten hatte doppelt so viele Infekt bedingte Ausfalltage wie die Gruppe mit den höchsten Vitamin D-Spiegeln (Laaksi et. al).

Das englische Time Magazin publizierte 2017 Ergebnisse einer Metastudie  mit insgesamt 11 321 Teilnehmern im Alter von 0-95 Jahren, die 25 randomisierten Einzelstudien zusammenfasst (Martineau et. al). Die Studienautoren, die aus 21 Institutionen auf der ganzen Welt stammten, kamen dabei ebenfalls zu dem Ergebnis, dass eine Vitamin D-Supplementierung insgesamt gegen akute Atemwegsinfektionen schützt.

Bei jenen Probanden, die vor der Supplementation einen Vitamin D-Mangel (<10 ng/ml) hatten, konnte das Risiko eines Atemwegsinfektes um 70% reduziert werden, wenn Vitamin D täglich oder wöchentlich eingenommen wurde.

Die Teilnehmer mit höheren Vitamin D-Spiegeln konnten immerhin eine Risikoreduktion von 25% verbuchen.


Asthmatiker und Lungenpatienten besonders betroffen

Im Jahr 2009 wurde  in den USA die bis zu diesem Zeitpunkt größte Studie (Ginde) dieser Art mit über 18.000 Probanden veröffentlicht, die einen niedrigen Vitamin D-Spiegel tatsächlich mit Erkältungen und Grippefällen in Verbindung bringt. Patienten mit einem Vitamin D-Spiegel von unter 10 ng/ml waren zu 24% von derartigen Erkrankungen betroffen, während Teilnehmer mit mindestens 30 ng/ml nur zu 17 % betroffen waren.

Bei Asthmatikern konnte sogar ein 5,67-fach höheres Risiko, eine Erkältung oder Grippe zu entwickeln beobachtet werden, wenn ein Vitamin D-Mangel vorhanden war. Bei Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung zeigte sich ein 2,26-faches Risiko.

Der Hauptautor Dr. Adit Ginde fasst die Studie wie folgt zusammen:

"Die Ergebnisse unserer Studie sprechen für eine wichtige Rolle für Vitamin D bei der Vorbeugung gegen Infektionen der Atemwege wie Erkältungen und Grippe. Personen mit häufigen Lungenerkrankungen wie Asthma oder Emphysem können besonders anfällig für Infektionen der Atemwege durch Vitamin-D-Mangel sein."

Bestätigt werden konnte die These im Jahr 2011 von einer deutschen Arbeit (Vitamin D Update). Erfasst wurden dabei 927 Teilnehmer von denen 600 entweder Asthmatiker oder COPD-Patienten waren. Da die Vitamin D-Spiegel im Durchschnitt bei 16,1 ng/ml lag, wurde eine individuelle Aufsättigung nach dem Set-up-Schema von Dr. von Helden vorgenommen. Über das Ergebnis einer deutlichen Verbesserung der Infektproblematik freuten sich respektable 80% der Probanden.


Betrachtet man nun die Versorgungssituation in Deutschland, wo im Winter zwischen 80-90% der Bevölkerung an einem Vitamin D-Mangel leiden, so wird klar welche positiven Auswirkungen eine regelmäßige Vitamin D-Zuführung ausmachen würde. Verglichen mit einer Grippeimpfung, könnte man mit einer Vitamin D-Supplementation durch Präparate oder angemessener Solariennutzung auch auf Nebenwirkungen verzichten, während man zusätzlich von den gesundheitsfördernden Effekten des Sonnen-Vitamins profitieren würde.

Quellen:

Laaksi, I., Ruohola, J. P., Tuohimaa, P., Auvinen, A., Haataja, R., Pihlajamäki, H., & Ylikomi, T. (2007, September). An association of serum vitamin D concentrations. Retrieved from https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17823437

MacMillan, A. (2017, February 16). Vitamin D: Here’s How to Avoid Catching Colds and the Flu. Retrieved from http://time.com/4672626/vitamin-d-cold-flu/

Martineau, A. R., Jolliffe, D. A., Hooper, R. L., Greenberg, L., Aloia, J. F., Bergman, P., . . . Camargo, C. A. (2017, February 15). Vitamin D supplementation to prevent acute respiratory tract infections: Systematic review and meta-analysis of individual participant data. Retrieved from https://www.bmj.com/content/356/bmj.i6583

Ginde, A. A. (2009, February 23). Association Between Serum 25-Hydroxyvitamin D Level and Upper Respiratory Tract Infection in the Third National Health and Nutrition Examination Survey. Retrieved from https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/414815

Teutemacher H, Trötschler H, Deimling A, FÄ Pneumologie Substitution von Vitamin D bei Patienten mit Asthma und COPD Vitamin D-Update 2011, Berlin

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Vitamin D: Die erstaunliche Wirkung auf das Immunsystem und bei Multipler Sklerose

Vitamin D: Die erstaunliche Wirkung auf das Immunsystem und bei Multipler Sklerose

Multiple Sklerose

Mit 223.000 Betroffenen war MS im Jahre 2015 deutschlandweit eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen im frühen Erwachsenenalter.

Die Erkrankung tritt schubweise oder in progredienter Form (sekundär oder primär progredient) auf.

MS ist primär eine entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems mit einer herdförmigen Entmarkung der Nervenfasern. Dabei wird die Umhüllung der Nervenfasern zerstört, was zu einer Verschlechterung der Nervenleitfähigkeit (im Ernstfall zum kompletten Ausfall) und zu vielfältigen neurologischen Symptomen führt. Die Ursache für diese Schäden liegt wahrscheinlich in einer Autoimmunreaktion. Das klinische Bild ist von verschiedenen neurologischen Störungen geprägt: Lähmungen, Sehstörungen und Gangstörungen, zu denen später auch psychische Störungen wie Depressionen und Psychosen hinzukommen können.

UV-Strahlung unterstützt den Aufbau eines gesunden Immunsystems

Forscher von der Universität Münster kommen bei Versuchen mit MS-Kranken ebenso wie in Tierversuchen zu dem Ergebnis: Moderate Sonnenstrahlung unterstützt den Aufbau eines gesunden Immunsystems und hilft diesem beim Schutz des Zentralen Nervensystems.

Prof. Karin Loser, eine der StudienautorInnen: „Aus der Behandlung der Schuppenflechte wissen wir, dass UV-Licht eine positive Wirkung auf das Immunsystem hat.“ Die Forscher gingen nun der Frage nach, ob diese Wirkung auch bei anderen Autoimmunerkrankungen nachweisbar sein könnte.

T-Zellen

Über einen Zeitraum von sechs Wochen wurden neun MS-Patienten regelmäßig in einer eigens dafür konzipierten medizinischen Sonnenkammer bestrahlt. „Die Ergebnisse sind erstaunlich“, so Loser, „im Blut und in der Haut der Patienten fanden sich schon nach dem ersten Termin mehr regulatorische T-Zellen und dendritische Zellen als zuvor.“ Beide Zelltypen schützen das Immunsystem davor, sich bei einer Überreaktion selbst anzugreifen - dieser gefährliche Vorgang ist das zentrale Kennzeichen der Multiplen Sklerose.

Das Wissenschaftlerteam (Breuer et al., 2014) konnte nachweisen, dass die UV-B-Strahlung im Immunsystem von MS-Patienten einen komplexen Prozess auslöst: In der bestrahlten Haut bilden sich tolerogene dendritische Zellen, die dann in angegliederten Lymphknoten regulatorische T-Zellen „ausbilden“.

Parallel konnten bei Mäusen die genauen molekularen Wege entschlüsselt werden, die bei der UV-B-Bestrahlung eine Rolle spielen: Die durch die UV-Strahlen gebildeten regulatorischen Zellen wandern aus der Haut zum Ort der Entzündung, also ins Blut, in die Knochen oder - wie bei der MS - in das Zentrale Nervensystem. Hier lösen sie eine schützende Reaktion des Immunsystems aus und drosseln so die selbstzerstörerische Autoimmunität. Allerdings ließ dieser Effekt schneller nach als die Sonnenbräune: Wurde die Behandlung auch nur für wenige Tage unterbrochen, verschlechterten sich Blutwerte und Immunstatus wieder – sowohl bei Mäusen als auch beim Menschen.

Die Ergebnisse zeigen klar, wie der Umweltfaktor UV-Licht die Entstehung und den Verlauf der Multiplen Sklerose beeinflusst. „Es gibt offenbar eine Achse zwischen Haut und Nervensystem. UV-B-Strahlung hat einen Einfluss auf die Immuntoleranz im Nervensystem. Der Einfluss ist kurzfristig, umkehrbar und geht weit über Effekte von Vitamin D allein hinaus“, so Prof. Heinz Wiendl, Direktor der Klinik für Allgemeine Neurologie der Universität Münster.

Mit Vitamin D gezielt gegen MS-Schübe

Inzwischen liegt nicht nur eine Vielzahl von wissenschaftlichen Untersuchungen vor, die den Nutzen von Vitamin D belegen, sondern es wird auch die gezielte Therapie der Erkrankung mit Vitamin D diskutiert. Basis für diese Überlegungen ist eine klinische Studie, in der 12 Patienten mit Multipler Sklerose im klinischen Schub für einen Zeitraum von 28 Wochen Vitamin D in hohen Dosen verabreicht bekamen. Die tägliche Zufuhr lag zwischen 4.000 und 40.000 I.E. Vitamin D (Kimball, Ursell, O'Connor & Vieth, 2007).

Die Behandlung wurde ohne Komplikationen und Beschwerden bei den Behandelten durchgeführt. Während sich der klinische Verlauf der Erkrankung kurzfristig nicht änderte, ging die Anzahl der im Gehirn nachweisbaren Herde unter der Therapie auf die Hälfte zurück! Mit diesem Therapieversuch konnte somit nicht nur die gute Verträglichkeit von Vitamin D bei einer Verabreichung in hohen Dosen, sondern auch der direkte Einfluss des Sonnenhormons auf die Multiple Sklerose gezeigt werden.

Es gilt inzwischen als gesichert, dass eine Supplementierung mit Vitamin D bei Betroffenen, die einen Vitamin D-Mangel aufweisen, zumindest beim schubförmigen Verlauf der MS, signifikant die Schubrate, bei gleichzeitiger Behandlung von Immunmodulatoren, um 50-70% senken kann. In einer im Jahr 2017 erschienenen Zusammenfassung zu dieser Thematik (Pierrot-Deseilligny & Souberbielle) wird von einer Schubratensenkung von 50 – 70% durch den vorteilhaften Effekt von Vitamin D berichtet, allerdings vornehmlich bei gleichzeitiger Behandlung mit Immunmodulatoren. Die Studie stellt zudem eine Plateaubildung mit Blick auf den sinnvoll zu erreichenden Vitamin D-Spiegel im Blut fest. Oberhalb von 60 ng/ml wurden keine weiteren positiven Effekte beobachtet

Das folgende Diagramm macht den positiven Effekt einer Vitamin D-Behandlung bei gleichzeitiger Einnahme von Immunmodulatoren deutlich. Die Balken stellen die rückläufige Häufigkeit der MS-Schübe in Prozent dar, wenn die Vitamin D-Spiegel der Patienten um 20 ng/ml erhöht wurden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aber auch ohne gleichzeitige Behandlung mit IMTs gibt es signifikante Ergebnisse. Schon 2010 sind in einer Verträglichkeitsstudie deutliche immunmodulatorische Effekte und deutliche Schubratenreduktionen durch hohe Vitamin D-Gaben beobachtet worden (Burton et al.).

Fazit

UV-Strahlung und Vitamin D helfen bei der Prävention von MS sowie bei der Behandlung der Krankheit in jedem Stadium. Alle Informationen darüber, wie Sie zu Ihrem optimalen Vitamin D-Spiegel kommen und was es dabei zu berücksichtigen gilt, erfahren Sie hier bei der SonnenAllianz unter dem Menüpunkt: Vitamin D-Einnahme.

 

Sie möchten mehr rund um das Thema Multiple Sklerose erfahren?

Das Projekt Life-SMS (Lebensstilmaßnahmen bei MS) — ebenso wie die SonnenAllianz ein Projekt der Deutschen Stiftung für Gesundheit und Information (DSGIP) — bietet Betroffenen und deren Therapeuten / Ärzte eine aktuelle Plattform, die Lebensstileffekte auf den Verlauf der Erkrankung transparent macht und es ermöglicht Änderungen im Lebensstil bewusst und praktisch umzusetzen.

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Quellen

Breuer J, Schwab N, Schneider-Hohendorf T, Marziniak M, Mohan H, Bhatia U, Groß CC, Clausen BE, Weishaupt C, Luger TA, Meuth SG, Loser K, Wiendl H., UVB light attenuates the systemic immune response in CNS autoimmunity. Annals of Neurology, 28. April 2014

Kimball, S. M., Ursell, M. R., Oconnor, P., & Vieth, R. (2007). Safety of vitamin D3 in adults with multiple sclerosis. The American Journal of Clinical Nutrition, 86(3), 645-651. doi:10.1093/ajcn/86.3.645

Pierrot-Deseilligny, C., & Souberbielle, J. (2017). Vitamin D and multiple sclerosis: An update. Multiple Sclerosis and Related Disorders, 14, 35-45. doi:10.1016/j.msard.2017.03.014

Burton, J. M.; Kimball, S.; Vieth, R.; Bar-Or, A.; Dosch, H-M; Cheung, R. et al. (2010): A phase I/II dose-escalation trial of vitamin D3 and calcium in multiple sclerosis. In: Neurology 74 (23), S. 1852–1859. DOI: 10.1212/WNL.0b013e3181e1cec2.

Abbildungen: Spitz, J. (2009). Vitamin D – Mangel die unterschätzte Gefahr. Gesellschaft für Medizinische Information und Prävention.

Fotos: www.unsplash.com