Hautkrebs – ist die Sonne schuld?

Behauptung:

„Die Zunahme der Fälle von „schwarzem Hautkrebs“ (malignem Melanom) weltweit ist eine Folge der steigenden Sonnen- und Sonnenbank-Nutzung“

„90 Prozent der Hautkrebserkrankungen werden mit höchster Wahrscheinlichkeit durch zu viel Sonne verursacht.“


Sonnen führt nicht zu Melanom - Foto: fotolia.com
Sonnen führt nicht zu Melanom – Foto: fotolia.com

Tatsache: Die Dosis macht das „Gift“

Genauer: Nach derzeitigem Wissensstand gibt es zwar einen gewissen Zusammenhang zwischen  intermittierender („unvorbereitet“ in größeren Abständen und mit hoher Dosis) Sonnen- und Sonnenbank-Exposition und der Bildung von Hautkrebs. Jedoch gibt es keinen Zusammenhang oder gar einen umgekehrten Zusammenhang zwischen der Entstehung von Hautkrebs und regelmäßigem, gemäßigtem Sonnen (1).

In anderen Worten:  Unvorbereitetes Sonnenbaden in größeren Abständen – mit Sonnenbrand als unmittelbarer Folge –  führt vermutlich zu einem höheren Melanom Risiko (das natürliche Abwehrsystem des Körpers wird überfordert), während regelmäßiger Aufenthalt in der Sonne keinen Einfluss auf das Melanom-Risiko hat oder mit einiger Wahrscheinlichkeit sogar das Melanom-Risiko senkt. Studien belegen in der Tat, dass eine regelmäßige Besonnung über längere Zeiträume die Gefahr reduziert, am Melanom zu sterben.

Erbliche Risikofaktoren

Wahrscheinlich ist allerdings das Zusammenwirken von übermäßiger UV-Bestrahlung mit anderen, vor allem genetisch und umweltbedingten Risikofaktoren bei der Entstehung von „schwarzem“ Hautkrebs (2). Eindeutig wird das Hautkrebs-Risiko bestimmt von genetischen Faktoren wie: Hautkrebs in der Familie, Anzahl der Muttermale (Naevi) und Sommersprossen, Hauttyp etc. Weitere Risikofaktoren sind die alternde Bevölkerung (Hautkrebs ist eine „Alterskrankheit“), Umweltverschmutzung, falsche Ernährung etc. (3).

Die Zunahme der Melanom-Fälle in den Statistiken hat auch – von den Statistikern selbst immer wieder angemerkt – s. „Krebs in Deutschland“ des RKI und Gutachten für die Bundesregierung – mit verstärkten Screenings, den verfeinerten Screening-Methoden und der modernen Diagnostik zu tun. Tatsächlich nimmt die Zahl der Todesfälle durch Melanome nicht zu sondern geht tendenziell zurück – kein Grund natürlich, in der Prävention durch Aufklärung nachzulassen.

Mehr Hautkrebs aber weniger Todesfälle

Spektakulär ist der jährliche Anstieg der Melanom-Fallzahlen weltweit – und daher von den Medien besonders gern zitiert und der Sonne pauschal „angelastet“. Dass dieser Anstieg von Faktoren beeinflusst wird, die nichts mit Sonne und Besonnung zu tun haben, wird dabei in der Regel übersehen: Bessere Diagnostik und daher häufiger und frühzeitigere Entdeckung von Melanomen, die Alterung der Bevölkerung (Melanome sind überwiegend „Alterserscheinungen“), Umwelteinflüsse, Lebensstile etc.

Die „härtere“ statistische Währung und daher der verlässlichere Hinweis auf die Bedeutung des Melanoms in den Gesundheitsstatistiken ist dagegen die Sterberate. Ohne dramatische Fortschritte in den vergangenen Jahrzehnten bei der Behandlung des „schwarzen Hautkrebses“ ist die Chance, die Diagnose „Melanom“ zu überleben, ständig gestiegen. Im Gegensatz zu den drastisch steigenden Fallzahlen neu diagnostizierter Melanome ist die Sterberate, also die Todesfälle pro 100.000 Einwohnern, in den meisten Ländern über die vergangenen Jahrzehnte kaum angestiegen, in etlichen Ländern gar gesunken.

Für diese Diskrepanz gibt es viele, oft allerdings spekulative, Gründe. Hier nur ein Beispiel: Eine umfassende österreichische Studie (4) aus dem Jahr 2014 stellte fest, dass einerseits die Zahl der Melanomfälle steigt, je höher der Wohn- und Aufenthaltsort der Menschen liegt, andererseits aber der Anteil der Todesfälle in größeren Höhen sinkt. In anderen Worten: Wer in den Bergen wohnt, je höher desto mehr, trägt ein größeres Risiko am „schwarzen Hautkrebs“ zu erkranken, stirbt aber sehr viel seltener daran, als ein Landsmann, der etwa auf Meereshöhe lebt.

Da die Sonne in größerer Höhe intensiver strahlt als auf Meereshöhe, wird an diesem Beispiel die „Janusköpfigkeit“ – die Wirkung der „guten“ und der „bösen“ Sonne – besonders deutlich. Die Vermutung der Wissenschaftler, dass einerseits durch die intensive UV-Bestrahlung in den Bergen die Gefahr einer Hautkrebserkrankung steigt, gleichzeitig aber durch die erhöhte Vitamin D-Bildung in der Haut die Entwicklung des Melanoms „gebremst“ wird, bleibt vorerst Spekulation (4).

Steiler Anstieg der Hautkrebsraten trotz immer weniger Aufenthalt an der Sonne

Noch vor hundert Jahren hat ein großer Teil der Menschen in den heutigen Industrieländern im Freien gearbeitet: Bauern, Gärtner, Landarbeiter, Fuhrknechte, Maurer, Dachdecker, Laufburschen, Marktfrauen, Postboten. Heute arbeitet nur noch ein Zehntel der Erwerbstätigen im Freien. Damals, als ein großer Teil des Volkes sein Arbeitsleben im Freien verbrachte, gab es so gut wie keinen Hautkrebs, selbst wenn die Zahlen mit der niedrigeren Lebenserwartung bereinigt werden.

Seit 1955 dagegen, als eine ständig wachsende Zahl von Menschen in geschlossenen Räumen arbeitete, sind die Hautkrebszahlen angestiegen. Allerdings auch der Drang der Menschen, den Sonnenmangel im Arbeitsjahr durch „Schock-Besonnung“ in den Ferien zu kompensieren, was in der Tat das Melanomrisiko erhöht.

Der weltweite Vergleich entkräftet ebenfalls die Theorie, Hautkrebs sei (vor allem) auf Sonnenlicht zurückzuführen. Man beachte die extrem niedrigen Hautkrebsraten in tropischen Ländern, in Wüstenländern wie Oman und Algerien, und besonders in tropischen Hochländern (Mexiko, Äthiopien, Kenia). Die meisten Menschen in tropischen Ländern verbringen einen großen Teil ihres Lebens im Freien. Sonnenschutzmittel sind nicht üblich. In den Hochländern der Tropen ist die UV-B-Intensität im Jahresdurchschnitt etwa zehnmal höher als in den Industrieländern.

Hautkrebs durch künstliche UV-Bestrahlung?

Die Behauptung, Sonnenlicht verursache Hautkrebs, stützt sich auf Experimente mit Versuchstieren, die starken UV-Strahlern ausgesetzt wurden. Es ist jedoch ein Fehler, diese UV-Strahler mit dem Sonnenlicht gleichzusetzen und zwar aus folgenden Gründen:

  1. Spektrum
    UV-Strahler weichen in ihrer Spektralverteilung erheblich vom Sonnenspektrum ab. Unter Sonnenlicht und hellem Tageslicht waren die Tiere gesund und munter. Täglich zwölf Stunden unter dem Licht von Leuchtstoffröhren ließ sie hingegen verkümmern und früh sterben. Je nach Spektralverteilung der Lampen verkürzte sich die Lebenserwartung und halbierte sich sogar unter rosafarbenen Leuchtstoffröhren. Krebs war die häufigste Todesursache bei solch naturwidrigem Licht.
  2. Strahlungscharakteristik
    Die Sonne sendet einen gleichmäßigen Lichtstrom aus, UV-Leuchtstoffröhren hingegen gehen 100 mal in der Sekunde an und aus. 50 Hertz ergeben 50 Schwingungen in der Sekunde, damit 100 Halbwellen beziehungsweise 100 Lichtblitze.
  3. Bestrahlungsdauer und -intensität
    Wird die übliche Strahlungsdosis eines langen Zeitraums auf eine kurze Zeit konzentriert, muss die Dosisleistung in Größenordnungen gesteigert werden. Genau diesen Fehler machen ungeduldige Experimentatoren bei Tierversuchen in dem Bemühen, mittels extrem starker UV-Strahlung Hautkrebs auszulösen. Doch derartige tierquälerische Experimente lassen sich nicht auf die natürlichen Strahlungsverhältnisse übertragen.
  4. Röntgenstrahlung
    UV-Strahler und deren Vorschaltgeräte können schwache Röntgenstrahlung emittieren. Der UV-Strahlung werden in diesen Fällen Effekte zugeschrieben, die in Wahrheit auf unbeachtete Röntgenstrahlung zurückzuführen sind.
  5. Elektrische Wechselfelder
    Elektrische Wechselfelder gelten als Krebsursache und können die Gesundheit auf vielfältige Weise beeinträchtigen. Unter UV-Strahlern herrschen im Gegensatz zur Sonne elektrische Wechselfelder und zum Teil auch magnetische Wechselfelder.

Nicht die Sonne ist das Problem, sondern die UV-Strahler und die unnatürlichen Bedingungen, unter denen die Versuchstiere gehalten werden.

Experimente mit UV-Strahlern zur Ermittlung des Hautkrebsrisikos haben weitere Schwächen. Nachtaktive Nagetiere sind sonnenempfindlich. Sie sonnen sich nur in Maßen. Wird Mäusen und Ratten auch noch das Fell abrasiert, so werden sie ihres natürlichen Sonnenschutzes beraubt. Es ist kein Wunder, wenn extrem starke UV-Strahler die Haut der armen Tiere geradezu verbrennen und nach häufiger Wiederholung dieser Verbrennung Hautkrebs entstehen kann. Es ist absurd, aus solcherart Versuchen den Schluss zu ziehen, Sonnenlicht verursache bei Menschen Hautkrebs.

In einem Versuch wurden Tiere starker künstlicher UV-Bestrahlung ausgesetzt. Aufgrund des vitaminarmen Futters erkrankten 24 Prozent der Tiere an Hautkrebs. Die Tiere der anderen Gruppe erhielten zusätzlich Vitamin C und E und kein einziger Fall von Hautkrebs wurde festgestellt. Demnach kann die reichliche Zufuhr von Radikalfängern (Antioxidantien) Hautkrebs selbst bei intensiver UV-Bestrahlung vollständig verhindern. Die Ernährung entscheidet somit maßgeblich über die Hautkrebsrate und weniger die UV-Strahlung, wenn sie im natürlichen Rahmen bleibt.

Kann Sonne „schwarzen“ Hautkrebs sogar verhindern?

Studien konnten sogar nachweisen, dass die Einwirkung von UV-Strahlen die Wahrscheinlichkeit von Hautkrebsbildung deutlich senkt und die Heilungsrate von Melanoma-Erkrankungen eindeutig erhöht und die Rate der Todesfälle senkt (5). Einen Überblick über die Studien der vergangenen Jahre zum Thema „UV, Vitamin D und Hautkrebs“ finden Sie hier: Katie M. Dixon, 2013 (6). Die Autoren fassen den Wissensstand zusammen: Die durch UV-Bestrahlung der Sonne verursachten DNA-Schäden werden zu wesentlichen Teilen verhindert oder beseitigt durch das aktive Vitamin D3 (Calcitriol), das seinerseits ebenfalls durch die Sonneneinstrahlung (UV-B) gebildet wird.


Ein Zusammenhang zwischen übermäßiger (!!) ultravioletter Bestrahlung  – gleichgültig ob durch Sonne oder Solarium – und den weniger gefährlichen Hautkrebsformen, vor allem dem zweithäufigsten „weißen“ Hautkrebs, dem Stachelzellenkrebs (Spinaliom), gilt dagegen als wissenschaftlich belegt. Warnungen also vor exzessivem Sonnenbaden mit der Folge von Sonnenbränden sind unbedingt berechtigt.


Quellen:

  1. S. Gandini et al., Meta-analysis of risk factors for cutaneous melanoma: II. Sun exposure. European Journal of Cancer. 2005 Jan;41(1):45-60. („…studies supported the intermittent sun exposure hypothesis: a positive association for intermittent sun exposure and an inverse association with a high continuous pattern of sun exposure.“)
  2. Veronique Bataille, Melanoma. Shall we move away from the sun and focus more on embryogenesis, body weight and longevity? Medical Hapotheses, 24 June 2013.
  3. Veronique Bataille et al., A multicentre epidemiological study on sunbed use and cutaneous melanoma in Europe,  European Journal of Cancer. 2005 Sep;41(14):2141-9. (“Our study confirmed the expected associations between melanoma and fair skin, positive family history and numbers of naevi but did not find a significant association with exposure to the sun and/or sunbeds”)
  4. Hanns Moshammer et al., Temporal and spatial melanoma trends in Austria: an ecological study, Int J Environ Res Public Health, Januar 2014, 11(1):734-48
  5. Marianne Berwick et al., Sun Exposure and Mortality From Melanoma, Journal of the National Cancer Institute, 2005, Vol. 97/3: 195-199
  6. Katie M. Dixon et al., Vitamin D and Death by Sunshine, International Journal of Molectular Science, 2013,14, 1964-1977

Wang, L, et al. In Vitro Sensitivity to Ultraviolet B Light and skin Cancer Risk: A Case- Control Analysis. Journal of the Natonal Cancer Institute. 2005 Dec 21;97(24):1822-31. (UVB-induced mutagen sensitivity may play a role in susceptibility to NMSC but not to CMM.)

„Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Deutschen Krebshilfe e. V. (Konsultationsfassung, April 2014)

Kinder und Jugendliche

Kind beim Sonnen

Sonnenmangel und Sonnenmissbrauch von Kindern und Jugendlichen – hier finden Sie hilfreiche Informationen für die rechte Balance.

Kinder, Jugendliche und die Sonne. Bei kaum einem anderen Thema tun sich so viele Widersprüche und Missverständnisse auf, wie hier. Das Sonnenhormon spielt nicht nur bei der Entwicklung von Skelett und Muskeln eine wichtige Rolle, sondern wird auch zunehmend mit der Prävention chronischer Erkrankungen in Verbindung gebracht. Wenn es aber um Vitamin D-Mangel geht, gehören ausgerechnet Kinder und Jugendliche zu den Problemgruppen. Gleichzeitig ist diese Gruppe besonders von Sonnenmissbrauch betroffen.


Der Artikel in Kürze:

› Sonne ist Voraussetzung für Wachstum, gesunde Knochen und ein stabiles Skelett.

› Sonnenmissbrauch: Häufige Sonnenbrände erhöhen die Gefahr von Hautkrebs.

Angemessene Sonnenbestrahlung hat keine negativen Auswirkungen, auch nicht auf Melanome.

› Enormes Einsparungspotential bei Gesundheitskosten durch prophylaktische Vitamin D-Versorgung möglich.

Vitamin D-Mangel bei Kindern ist Ursache vieler chronischen Erkrankungen.


Sonne unverzichtbar für Kinder und Jugendliche – sorgt für Wachstum und stabile Knochen und Muskeln

Dass Vitamin D entscheidend zum Knochen- und Muskelwachstum beiträgt, ist anhand hunderter von Studien in Fachkreisen unbestritten. Das Sonnenhormon ist Voraussetzung für die Einlagerung von Kalzium in unsere Knochen. Ein Vitamin D-Mangel verhindert aber nicht nur die Kalziumaufnahme in den Blutkreislauf, sondern führt sogar zur Abtragung von Kalzium aus den Knochen, was bei Kindern Wachstumsstörungen und Fehlentwicklung zur Folge haben kann.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin empfiehlt dazu folgendes:

“Die Kinder- und Jugendärzte sollten die Eltern darauf hinweisen, wie bedeutsam die tägliche intensive Bewegung (mindestens 1 Stunde) ihrer Kinder im Freien ist. Über die Sonnenlichtexposition wird die Vitamin D-Versorgung verbessert und über die Bewegung der Aufbau der Knochenmasse zusätzlich gesteigert. Diese Effekte führen zum Aufbau einer maximalen Knochenmasse (peak-bone-mass) und damit zu einer Prävention der Osteoporose im späteren Alter.”

Die heilende Wirkung von Vitamin D auf die Kinderkrankheit Rachitis, einer Störung des Knochenstoffwechsels, ist beispielhaft dafür, wie unerlässlich eine ausreichende Versorgung mit dem Sonnen-Hormon gerade bei Kindern ist. Eine prophylaktische Verabreichung von Vitamin-D gilt bei Babys heute als Standard – leider nur bei Babys.


Jugend raus aus der Sonne” – ein fataler Irrtum

Die Haut von Kindern und Jugendlichen bis zum Ende der Pubertät ist empfindlicher gegen Sonneneinstrahlung als die Haut Erwachsener. Ein Übermaß gerade in jungen Jahren erhöht das Hautkrebsrisiko – auch das Risiko einer Melanom-Erkrankung.

Wir wissen inzwischen, dass vor allem die exzesshafte Besonnung zum Melanom führt – nicht aber die regelmäßige und kontrollierte Besonnung!

Eine Überdosierung von Vitamin D durch die Bestrahlung der Sonne gibt es nicht. Tatsächlich ist das Problem ein ganz anderes:
Jugendliche in westlichen Ländern kriegen im Alltag zu wenig Sonne und in den Ferien zu viel, was Sonnenbrände zur Folge hat! Beides ist verderblich.

Deswegen aber junge Menschen zu motivieren die Sonne generell zu meiden wäre mit einem Verzicht an Wasser zu vergleichen, könnte man doch an einer Wasservergiftung sterben.


Die richtige Balance

Die richtige Balance kann unter Umständen die Entstehung des schwarzen Hautkrebses nicht nur „nicht auslösen“ sondern sogar davor schützen.

Eine Studie aus dem Jahre 2013 (Jeannette R. Wong) belegt eine schützende Wirkung vor Melanomen durch Sonnenstrahlung. Erhoben wurde dazu die UV-Exposition bei Kindern und Jugendlichen von 0-19 Jahren im Zeitraum von 1973 – 2009.

Die einzige Gruppe, bei der kein ansteigender Melanom-Trend in diesem Zeitraum zu verzeichnen war, war jene mit der höchsten UV-Exposition!

Damit ist das immer wieder vorgetragene Argument entkräftet: Schuld an der steigenden Melanom-Inzidenz der vergangenen 50 Jahre sei das Freizeitverhalten der Menschen mit längerem und häufigerem Aufenthalt an der Sonne oder im Solarium.

Damit ist allerdings nicht das Argument gegen den Sonnen-Missbrauch vom Tisch. Denn Einigkeit besteht darüber, dass häufige Sonnenbrände durchaus Auslöser vom schwarzen Hautkrebs sein können.


Undifferenzierte “Kassandra-Rufe” produzieren ein Paradox

Tatsächlich zeigen die polemischen Übertreibungen der Sonnenschutz-Kampagnen bei Jugendlichen ohnehin kaum Wirkung. Zumindest die jährliche Anzahl mehrfach schwerer Sonnenbrände wird dadurch so gut wie gar nicht beeinflusst. Das geht aus einer australischen Studie (Livingston, White, Hayman & Dobbinson, 2007) hervor.

Wenn es darüber hinaus richtig ist, was Wissenschaftler der renommierten Harvard Universität herausgefunden haben, dass nämlich die gesundheitlichen Kosten von Sonnenmangel, jene Kosten von Sonnenmissbrauch um das 15-fache übersteigen, wird mit undifferenzierten Warnungen genau das Gegenteil davon bewirkt, was für die Gesundheit bei Jugendlichen förderlich ist.

Denn, es vermehren sich neben den oben erwähnten Feststellungen über den Zusammenhang von Vitamin D und der Knochengesundheit, Erkenntnisse über Zusammenhänge zwischen Sonnen-Mangel, Vitamin D-Defiziten und chronischen Erkrankungen. Dafür werden bereits schon im Kinder- und Jugendalter, ja teilweise bereits im Mutterleib die Weichen gestellt werden.


Vitamin D-Mangel als Ursache chronischer Krankheiten

Metabolisches Syndrom

Das “Metabolische Syndrom” ist tatsächlich so gefährlich wie es klingt.  Es wird daher auch als “tödliches Quartett” aus Übergewicht/Fettleibigkeit, Bluthochdruck, erhöhten Blutfetten und Insulinresistenz, die zu Diabetes führt, bezeichnet.

In einer Studie mit 403 Kindern und Jugendlichen haben italienische Wissenschaftler (Pacifio et al., 2011) einen deutlichen Zusammenhang zwischen einem Mangel an Sonnenschein-Vitamin D und dem “metabolischen Syndrom” festgestellt. Im Vergleich zu den Kindern mit normalen Vitamin D-Werten (27 ng/ml oder höher) hatten die Kinder mit niedrigen Werten (<17 ng/ml) ein mehr als doppelt so großes Risiko, an einem “metabolischen Syndrom” zu erkranken.

Atemwegserkrankungen

Atemwegserkrankungen, eingeschränkte Lungenfunktion und Asthma bei Kindern und Jugendlichen sind ebenfalls in zahlreichen Untersuchungen auf einen Mangel an Sonnenschein-Vitamin D zurückgeführt worden. Beispiel: Eine Gruppe von britischen Wissenschaftlern am Imperial College and King`s College in London unter Leitung von Prof. Atul Gupta (2011)  bestätigt diesen Zusammenhang bei der schweren Form von Asthma, die mit Kortison kaum oder gar nicht zu behandeln ist. Je höher die Vitamin D-Werte, desto weniger häufig und weniger schwerwiegend die Anfälle.

Unsere Studie zeigt eindeutig, dass niedrige Vitamin D-Werte zu schlechteren Lungenfunktionen, zunehmendem Medikamenteneinsatz, heftigeren Asthma-Symptomen und eine Zunahme der glatten Atemwegsmuskulatur bei Kindern mit schwerem Asthma führt,” so Prof. Gupta.

Weitere Untersuchungen kommen ebenfalls zu dem Ergebnis, dass durch die Aufrechterhaltung eines entsprechenden Vitamin D-Spiegels im Blut Atemwegsinfektionen, Asthma und allergischen Reaktionen vorgebeugt werden kann (s.u. Esposito & Lelii,  2015 ; Bener, Ehlayel, Bener, & Hamid, 2014). 

Allergien

Kinder und Jugendliche mit einem Mangel am Sonnenscheinhormon zeigen auf viele Reizstoffe wesentlich häufiger allergische Reaktionen als Jugendliche mit normalen Vitamin D-Werten.

Wissenschaftler von verschiedenen Forschungsinstituten in den USA analysierten den Vitamin D-Status in Blutproben von über 3.100 Kindern und 3.400 Jugendlichen, repräsentativ für die gesamten USA (s.u. Melamed et al., 2011). In den Blutproben der Kinder und Jugendlichen wurde die Reaktion auf 17 der am weitesten verbreiteten Allergene (Stoffe, die Allergien auslösen) getestet. Es zeigte sich, dass der Vitamin D-Spiegel im Blut der Kinder und Jugendlichen bei 11 von 17 Allergenen, bei den allergischen Reaktionen eine entscheidende Rolle spielte. So trat bei Kindern mit einem Vitamin D-Wert unter 15 ng/ml (37,5 nmol/l) eine Erdnuss-Allergie 2,4 mal häufiger auf als bei Kindern mit Werten von 30 ng/ml (75 nmol/l) und mehr. Bei Eichenpollen lagen die Werte der Kinder und Jugendlichen mit Vitamin D-Mangel um fast das Fünffache über den Werten der Kinder mit normaler Vitamin D-Versorgung.

Grippe

Dass die Grippe (Influenza) in gehäufter Form als Epidemie immer am Ende des Winters auftritt, hatte Forscher schon früh zu der Vermutung geführt, dass der Grund dafür in dem verbreitet niedrigen Vitamin D-Spiegel zu suchen sei. Für Kinder und Jugendliche bestätigte diese Vermutung eine japanische, klinische Studie von Urashima et al. aus dem Jahr 2010 (s.u).

Zwischen Dezember 2008 und März 2009 nahmen 334 japanische Schulkinder an der placebokontrollierten Doppelblindstudie teil. Täglich nahmen sie entweder 1200 Internationale Einheiten (IE) Vitamin D3 oder Placebo ein. Untersucht wurden Spuren der Influenza A in Antigen-Tests und in den Nasenschleimhäuten.

In der Vitamin D Gruppe erkrankten 10.8% der Kinder, in der Placebo-Gruppe dagegen 18.6%, also fast doppelt so viele.

Noch ausgeprägter die Wirkung bei Kindern mit Asthma. Nur 2 der Kinder in der Vitamin D-Gruppe hatten Asthma-Anfälle – gegenüber 12 Kindern in der Placebo-Gruppe.

Krebs

Bei einer Querstudie von Kindern die mit Krebs diagnostiziert wurden, konnte eine signifikant ausgeprägtere Verbreitung von Vitamin D-Mangel festgestellt werden, als bei gesunden Kindern (s.u. Helou et al., M. 2014).

Eine Reihe von Studien sieht sogar einen Zusammenhang von ausgedehntem Aufenthalt an der Sonne während der Kindheit und der Entwicklung verschiedener Krebsarten im Erwachsenenalter. Die unten aufgeführte Studie von Koo & Schwartz (2007) bezieht sich zum Beispiel auf Prostatakrebs.

Anämie

Sonnenmangel führt zu Vitamin D-Mangel, der wiederum die Blutarmut (Anämie) befördert. Das legt eine koreanische Studie (s.u. Lee et al., 2014) nahe, die an 2526 Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 10-20 Jahren durchgeführt wurde. Bei einer Anämie ist die Anzahl der roten Blutkörperchen, der Anteil der Blutzellen und das Hämoglobin (Blutfarbstoff) zu niedrig. Das Blut kann den Körper nicht mehr mit genügend Sauerstoff versorgen. Abgeschlafftheit, Antriebs- und Lustlosigkeit sind noch die harmloseren Folgen.

Auch Forscher der bekannten Johns Hopkins Universität konnten den Einfluss des Vitamin D-Mangels auf die Entwicklung einer Anämie bei Kindern nachweisen (s.u. Atkinson et al., 2014). Sie untersuchten 10.400 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 2 und 18 Jahren und verglichen die Vitamin D- mit den Hämoglobin-Werten. Ergebnis: Je niedriger der Vitamin D-Spiegel im Blut der Kinder desto größer die Wahrscheinlichkeit einer Anämie-Erkrankung. Kinder mit Vitamin D-Werten unter 30 ng/ml (50 nmol/l) hatten ein um fast 50 Prozent erhöhtes Anämie-Risiko im Vergleich zu ihren Altersgenossen mit höheren Vitamin D-Werten.

Jedes zusätzliche Nanogramm (ng/ml) an Vitamin D senkte das Erkrankungsrisiko um volle drei Prozent.

Autoimmun-Erkrankung

75 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit der Autoimmunkrankheit Diabetes Typ I, leiden unter einem Mangel an Vitamin D. Dies ist das Ergebnis einer Studie mit 128 Jugendlichen am Joslin Diabetes Center der Harvard Universität in Boston, USA (B.M. Svoren et al., 2009). Darüber hinaus warnen die Forscher davor, dass der ohnehin durch die Krankheit belastete Knochenstoffwechsel bei anhaltendem Vitamin D-Defizit zu Knochenbrüchen und Osteoporose führen könnte.

Multiple Sklerose (MS)

Kinder, die sich häufiger an der Sonne aufhalten, erkranken später deutlich seltener an der tückischen Autoimmun-Erkrankung Multiple Sklerose (MS), so eine Studie an der University of Southern California, Los Angeles (USCLA). Die Forscher um Prof. Thomas M. Mack (2007) untersuchten 79 eineiige Zwillingspaare, von denen jeweils nur ein Geschwisterteil unter MS litt. Auf diese Weise konnten genetische Gründe für die unterschiedliche Anfälligkeit für MS ausgeschlossen werden.

Bei der Intensiv-Befragung der Zwillinge stellte sich heraus, dass diejenigen, die später an MS litten, als Kinder deutlich weniger oft im Freien und an der Sonne waren also ihre Zwillingsgeschwister. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass ein häufiger Aufenthalt im Freien das Risiko für MS je nach Art der Beschäftigung um 25 bis 57 Prozent verringerte. Für das Sonnenbaden errechneten die Wissenschaftler ein fast 50 Prozent niedrigeres Risiko.


Studien (Beispiele):

A. C. Geller, D.R. Brooks, G.A. Colditz, H.K. Koh, A. Lindsay Frazier, Sun Protection Practices Among Offspring of Women With Personal or Family History of Skin Cancer, Pediatrics, April 2006; 117(4)

D.E. Godar, S.J. Pope, W.B. Grant WB, M.F. Holick, Solar UV doses of young Americans and vitamin D3 production, Environ Health Perspect, 2012 Jan;120(1):139-43

Godar DE, Urbach F, Gasparro FP, van der Leun JC. UV Doses of Young Adults. Photochemistry and Photobiology, 2003, 77(4): 453-457.

H. De Vries et al., Skin cancer prevention behaviours during summer holidays in 14 and 18-year-old Belgian adolescents, Eur J Cancer Prev. 2006 Oct;15(5):431-8.

Jeannette R. Wong, Incidence of Childhood and Adolescent Melanoma in the United States: 1973-2009, Pediatrics 2013;131, 846-854

L Pacifico et al., Low 25(OH)D3 levels are associated with total adiposity, metabolic syndrome, and hypertension in Caucasian children and adolescents, European Journal of Endocrinology, 2011, 165/603-611

Atul Gupta et al., Relationship Between Serum Vitamin D, Disease Severity and Airway Remodeling in Children with Asthma, Journal of Respiratory and Critical Care Medicine,  184, 12 (2011), 1342-1349

M. Urashima et al, Randomized trial of vitamin D supplementation to prevent seasonal influenza A in schoolchildren, Am J Clin Nutr, 2010, 91 (5), 1255-1260

M.L. Melamed et al., Vitamin D levels and food and environmental allergies in the United States: Results from the National Health and Nutrition Examination Survey 2005-2006, Journal of Allergy and Clinical Immunology, 2011, 127 (5), 1195–1202

B.M. Svoren et al., Significant vitamin D deficiency in youth with type 1 diabetes mellitus, Journal of Pediatrics, Jan 2009;154(1):132-4

Thomas M. Mack et al., Childhood sun exposure influences risk of multiple sclerosis in monozygotic twins, Neurology,2007, 69 (4), 381-388

John, E. M., Koo, J., & Schwartz, G. G. (2007). Sun Exposure and Prostate Cancer Risk: Evidence for a Protective Effect of Early-Life Exposure. Cancer Epidemiology Biomarkers & Prevention, 16(6), 1283-1286. doi:10.1158/1055-9965.epi-06-1053

Esposito, S., & Lelii, M. (2015). Vitamin D and respiratory tract infections in childhood. BMC Infectious Diseases, 15(1). doi:10.1186/s12879-015-1196-1

Bener, A., Ehlayel, M., Bener, H., & Hamid, Q. (2014). The impact of Vitamin D deficiency on asthma, allergic rhinitis and wheezing in children: An emerging public health problem. Journal of Family and Community Medicine, 21(3), 154. doi:10.4103/2230-8229.142967

Helou, M., Ning, Y., Yang, S., Irvine, P., Bachmann, L. M., Godder, K., & Massey, G. (2014). Vitamin D Deficiency in Children With Cancer [Abstract]. Journal of Pediatric Hematology/Oncology, 36(3), 212-217. doi:10.1097/mph.0b013e31829f3754

Atkinson, M. A., Melamed, M. L., Kumar, J., Roy, C. N., Miller, E. R., Furth, S. L., & Fadrowski, J. J. (2014). Vitamin D, Race, and Risk for Anemia in Children. The Journal of Pediatrics, 164(1). doi:10.1016/j.jpeds.2013.08.060

Lee, J. A., Hwang, J. S., Hwang, I. T., Kim, D. H., Seo, J., & Lim, J. S. (2014). Low Vitamin D Levels Are Associated with Both Iron Deficiency and Anemia in Children and Adolescents [Abstract]. Pediatric Hematology and Oncology, 32(2), 99-108. doi:10.3109/08880018.2014.983623

Übersichtsartikel:
S.A. Oliveria et al., Sun exposure and risk of melanoma, Archives of Disease in Childhood, 2006; 91:2, 131-138


Fotos: www.unsplash.com

Solarium – ist Vitamin D Bildung möglich?

Behauptung:

Von einigen Dermatologen und Strahlenschützern – in den Medien ständig wiederholt – wird die Wirksamkeit der künstlichen Besonnung in Solarien für die Vitamin D-Bildung bestritten. Die Argumente:

  • Solarien strahlen fast nur UV-A Strahlen ab. Vitamin D-Synthese ist aber auf UV-B Strahlen angewiesen.
  • Ausreichend Vitamin D bildet der Körper bereits, wenn Gesicht und Unterarme pro Tag 10-15 Minuten dem Tageslicht ausgesetzt werden – selbst an Tagen ohne Sonne und selbst im Winter.
  • Der Körper ist zudem in der Lage, für die Wintertage einen ausreichenden Vorrat an Vitamin D anzulegen.
  • Vitamin D in ausreichenden Mengen kann auch über orale Darreichung und Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden.

Sonnen führt nicht zu Melanom - Foto: fotolia.com
Sonnen führt nicht zu Melanom – Foto: fotolia.com

Tatsache: Solarium-Strahlung kann Vitamin D bilden

Die oben genannten Argumente sind falsch und teilweise abstrus: Im „Vitamin D-Winter“ kann in unseren Breiten die Sonne normalerweise kein Vitamin D in der Haut bilden und die im Fettgewebe gespeicherten „Vorräte“ haben eine zu kurze „Halbwertszeit“, um die Winterzeit zu überbrücken. Dagegen kann eine regelmäßige Besonnung in modernen, handelsüblichen Solarien, die auch UV-B Strahlung emittieren, – weit unterhalb der Sonnenbrand-Schwelle – die Vitamin D-Synthese in der Haut für eine ausreichende, ganzjährige Versorgung anstoßen – wie inzwischen durch zahlreiche Studien belegt wurde (s. unten eine Liste der wichtigsten Studien dazu).

1. Vitamin D-Defizit mit Folgen

Für den notwendigen Stand der Vitamin D-Versorgung sind inzwischen Normwerte wissenschaftlich definiert. Dieser Stand wird in bestimmten Breiten, in bestimmten Regionen und bei bestimmten Lebensgewohnheiten, vor allem in modernen Leistungsgesellschaften, nicht mehr erreicht. Die Folgen für die Gesundheit und die Prävention vieler Krankheiten sind gravierend.

Ohne jede Sonnenbestrahlung (UV-B) müsste der Mensch nach neuesten Forschungen etwa 1.000-4.000 Internationale Einheiten (IE) pro Tag über die Nahrung oder medikamentös zu sich nehmen. Das entspräche etwa 40 Glas Milch pro Tag. Auch eine Vitamin D-Anreicherung von Lebensmitteln wie Milch oder Frühstücksflocken kann die Lücke nicht schließen. Allerdings sind heute Nahrungsergänzungsmittel erhältlich, die eine ausreichende Supplementierung zulassen.

2. Optimaler Vitamin-D Spiegel eher bei Lebensbedingungen wie in der Steinzeit

In Ländern nördlicher Breite (z.B. Mitteleuropa und Nordeuropa) sowie in Ländern, in denen für Frauen die vollkommene Verhüllung des Körpers Vorschrift ist, haben viele Studien einen verbreiteten Mangel an Vitamin D „in epidemischen Ausmaßen“ festgestellt. Ein ausreichender Vitamin D-Spiegel liegt nach  gegenwärtigem wissenschaftlichem Stand bei einem 25-Hydroxyvitamin D-Pegel – 25(OH)D – im Blut von mindestens 32 ng/ml (75 nmol/l) . Insbesondere bei älteren Menschen muss auf einen guten bis sehr guten Vitamin D-Spiegel geachtet werden.

Für die therapeutische Wirksamkeit werden von einigen Wissenschaftlern sogar Werte von bis zu 75 ng/ml (knapp 190 nmol/l) empfohlen. Für den Erhalt eines ausreichenden Vitamin D-Spiegels im Blut auch während der sonnenarmen Zeit wird eine tägliche Dosis von mindestens 800 – 1.000 IE (Internationale Einheiten), bei Risikogruppen 2.000 bis 4.000 IE/Tag und mehr empfohlen. (Zum Vergleich bildet die Haut im Laufe eines zwanzigminütigen Sonnenbads bei bloßem Oberkörper im Sommer etwa 20.000 Einheiten – je nach Hauttyp, Tageszeit, Bewölkung, Höhenlage etc.).

Über zig-tausende von Jahren haben die Menschen bei der Jagd und der Arbeit im Freien sehr viel mehr Sonne und damit Vitamin D3 „getankt“. Die Evolution hatte inzwischen nicht ausreichend Zeit, um den Menschen und seinen Vitamin D-Bedarf an die moderne Lebensweise anzupassen mit nur kurzzeitigem Sonnen-Aufenthalt – zumal mit bedeckter Haut – einerseits und die plötzliche, unvorbereitete Dauerbestrahlung in den Ferienwochen andererseits.

3. Strahlenintensität der natürlichen Sonne reicht im „Vitamin D-Winter“ nicht aus

downloadUV-B-Strahlen führen erst ab einer bestimmten Intensität zur Produktion von Vitamin D im Körper. Diese Intensität wird an einem Wintertag etwa in Mittel- oder Nordeuropa (z.B. auf dem 51 Grad nördlicher Breite in Deutschland) normalerweise nicht erreicht. Im sog. „Vitamin D-Winter“, der je nach Breitengrad, Höhe, Arbeits- und Lebensgewohnheiten, Ozonschicht etc. von Oktober bis März/April dauern kann, reicht die UV-Bestrahlung der Haut nicht für die Produktion von ausreichend Vitamin D3 im Körper (Vitamin D-Spiegel).

4. Die „Kosten“ des Vitamin D-Mangels

Der „epidemische“ Vitamin D-Mangel in bestimmten Gegenden, bei bestimmten Bevölkerungsschichten und unter bestimmten kulturellen und wirtschaftlichen Bedingungen führt zu gesundheitlichen Schäden, die die Gesundheitsbudgets der Sozialsysteme in den betroffenen Ländern stark belasten. Für die USA haben Studien errechnet, dass die „Kosten des Vitamin D-Mangels“ etwa das 10 fache der Kosten ausmacht, die durch UV-Schäden bei unsachgemäßer Nutzung der Sonnenstrahlen/Solarien entstehen. (s. unten Grant et al. – Grant hat errechnet, dass allein in den USA 45.000 Krebstote pro Jahr auf einen Vitamin D-Mangel zurückzuführen sind – ein Vielfaches der Todesfälle durch „schwarzen Hautkrebs“, Melanom)

5. Undifferenzierte Warnung vor der Sonne verschlimmert die Situation

Als einer der Gründe für den verbreiteten Vitamin D-Mangel wird die übertriebene Warnung vor jeder Form der Besonnung festgestellt. Bei den empfohlenen Sonnenschutzmaßnahmen bei jedem Aufenthalt im Freien, z.B. Eincremen mit Sonnenschutzmitteln von SF 20 wird die Produktion von Vitamin D im Körper um etwa 95-99% reduziert.

Viele medizinische Gesellschaften und Gesundheitsorganisationen, selbst das Cancer Council Australia, haben daher ihre Empfehlungen für den Aufenthalt an der Sonne und im Solarium in den letzten Jahren revidiert.

6. Unsinnige Rezepte

Das Argument, schon 10-15 Minuten sonnenloses Licht an Gesicht und Armen produziere ausreichende Mengen an Vitamin D im Körper ist gleich aus mehreren Gründen falsch:

  • Die Leitlinien der Fachverbände (z.B. Osteologen, http://www.dvosteologie.org) verlangen einen täglichen Aufenthalt im Freien bei Tages-/Sonnenlicht von mindestens 30 Minuten zur Mittagszeit.
  • Nicht jeder Mensch setzt im Winter und zur Mittagszeit 10 Minuten lang Gesicht, Hände und Arme der Sonne aus – und wenn er es täte, wäre es in unseren Breiten wirkungslos.
  • Die tägliche Besonnung an der freien Luft wird nur in seltenen Fällen eingehalten.
  • Die notwendige Strahlungsintensität für die Produktion der täglich notwendigen Vitamin D Dosis von mindestens 1.000 IE wird bei 15 Minuten Gesicht und Armen selbst in der prallen Wintersonne nicht erreicht, geschweige denn bei diesigem oder bedecktem Himmel. Tatsächlich wird in unseren Breitengraden von Oktober bis März in der Regel nahezu kein Vitamin D durch natürliche Sonneneinstrahlung über die Haut gebildet (s. die Berechnungen von Engelsen et al.)
  • Die im Sommer „eingelagerten“ Reserven an Vitamin D reichen in keinem Fall für die gesamte „dunkle“ Jahreszeit aus. Im März etwa liegt in Deutschland nach Studien der Vitamin D-Spiegel bei durchschnittlichen 25 Prozent der Normal-Höhe.

7. Der UV-A/UV-B-Mix der modernen Solarien fördert die Vitamin D-Bildung

Moderne Solarien verfügen über einen ausgewogenen UV-A/UV-B-Mix (und können je nach Bräunungsziel eingesetzt werden), der der Zusammensetzung der natürlichen Sonnenstrahlen bei vielen Geräten ähnlich ist. Die Strahlungsstärke entspricht mit 0,3 W/m² genau der Mittagssonne in südlichen Ländern. Entsprechend kann die UV-Bestrahlung in Sonnenbänken in gleicher Weise die Vitamin-D-Synthese anstoßen.

Wissenschaftliche Studien haben dementsprechende Wirkungen auf die Vitamin D-Synthese beim Gebrauch der Sonnenbank nachgewiesen (s. unten Liste der wichtigsten Studien).

8. Die Vitamin D Synthese verläuft unterschiedlich bei oraler Supplementierung und Aufnahme über die Haut

Die Vitamin D-Synthese zwischen oral verabreichter Dosis und über UV-Strahlung in der Haut angestoßener Synthese verlaufen unterschiedlich und produzieren unterschiedliche Ergebnisse. In anderen Worten: Das oral eingenommene Vitamin D ist nicht das gleiche mit gleichen Wirkungen wie das UV-induzierte (s.u. Lucas, Ponsonby 2006) kann dieses also nicht vollständig ersetzen.

Quellen

Nachweise der Effektivität von Solarien und künstlicher Besonnung für die Vitamin D-Synthese:

Lagunova Z, Porojnicu AC, Aksnes L, Holick MF, Iani V, Bruland OS, Moan J., Effect of vitamin D supplementation and ultraviolet B exposure on serum 25-hydroxyvitamin D concentrations in healthy volunteers: a randomized, crossover clinical trial, British Journal of Dermatology August 2013,169(2):434-40

T. Orlova T, J. Moan, Z. Lagunova, L. Aksnes, I. Terenetskaya, A. Juzeniene, Increase in serum 25-hydroxyvitamin-D3 in humans after sunbed exposures compared to previtamin D3 synthesis in vitro, J Photochem Photobiol B, Mai 2013 5/122: 32-36

J. Moan et al., Sunbeds as vitamin D sources, Photochem Photobiol. 2009, 85(6):1474-9

J. Moan et al., Vitamin D, sun, sunbeds and health, Public Health Nutr., 2012, 15(4):711-15

E. Thieden et al., Sunbed radiation provokes cutaneous vitamin D synthesis in humans–a randomized controlled trial, Photochem Photobiol. Sci., 2008, 84(6):1487-92

Michael F. Holick, Tai C. Chen, Zhiren Lu, Edward Sauter, Vitamin D and Skin Physiology: A D-Lightful Story,Journal of Bone and Mineral Research, December 2007:22:V28-V33

Alina Carmen Porojnicua et al., Sun beds and cod liver oil as vitamin D sources, Journal of Photochemistry and Photobiology B: Biology, Mai 2008, 91(2–3), 125–131

V. Tangpricha , A. Turner , C. Spina , S. Decastro , T.Chen , M.F. Holick , Tanning is associated with optimal vitamin D status (serum 25-hydroxyvitamin D concentration) and higher bone mineral density, American Journal of Clinical Nutrition, Dez. 2004, 80 (6), 1645-1649

Alina Carmen Porojnicua et al., Sun beds and cod liver oil as vitamin D sources, Journal of Photochemistry and Photobiology B: Biology, Mai 2008, 91(2–3), 125–131

F.R. de Gruijl, S. Pavel, The effects of a mid-winter 8-week course of sub-sunburn sunbed exposures on tanning, vitamin D status and colds, Photochem Photobiol Sci., 2012 Dec;11(12):1848-54

 

Gesundheit – Schadet die Sonne?

Behauptung:

„Jede Form der Besonnung schadet der Gesundheit: Gesunde Bräune gibt es nicht. Die UV-Strahlen der Sonne richten in jedem Fall Schaden an – auch schon in geringer Dosis. Hautbräune ist ein Zeichen von Krankheit.“


https://unsplash.com/ "Xochi Romero"
Gesundheit durch Sonnenlicht

Tatsache:

Sonne fördert die Gesundheit!

Allein in den vergangenen Jahren sind jährlich mehr als 1.000 wissenschaftliche Studien von international renommierten Universitäten und Instituten zu den „biopositiven“, gesundheitsförderlichen Wirkungen der UV-Strahlen erschienen.

Das Spektrum der in den Studien beschriebenen Gesundheitswirkungen reicht von

  • der Steuerung des Knochenstoffwechsels und dem Schutz vor Osteoporose, Osteomalazie, Muskelschwund und Muskelschmerz, über
  • die Regulierung des Immunsystems und den Schutz vor Autoimmunerkankungen wie Diabetes und Multiple Sklerose,
  • die Abwehr von Infektionen wie der Grippe,
  • die Stabilisierung des Herzkreislaufsystems und den Schutz vor Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall, bis hin zum
  • Einfluss auf Zellteilung und Zelltod und dem Schutz vor möglicherweise 19 verschiedenen Krebsarten, darunter dem Melanom.

Die Sonne steuert durch das „Sonnenschein-Vitamin“ viele Prozesse im menschlichen Körper

Vitamin D - Synthese & Wirkung
Vitamin D – Synthese & Wirkung

Durch die Sonneneinstrahlung auf der Haut wird in einem komplizierten photochemischen Prozess (siehe Abbildung) das lebenswichtige Vitamin D zu etwa 90% gebildet. Geringe Mengen des Vitamins werden auch über die Nahrung zugeführt. Ein Großteil der menschlichen Gene wird über Vitamin D-Rezeptoren in ihren Funktionen für das menschliche Leben mitbestimmt. Unzureichende Versorgung mit Vitamin D führt in diesen Genen zu einer unzureichenden Steuerung der Produktion von Proteinen, die ihrerseits verantwortlich sind für die Abwehr von scheinbar völlig verschiedenen Krankheiten wie Krebs, Diabetes oder der Grippe.

Offensichtlich beeinflusst Vitamin D vor allem die Gesunderhaltung der Zellen im sogenannten Epithel, der äußeren Gewebeschicht unserer Organe und Drüsen. Hier entstehen die meisten Krebsarten. Das Absterben entarteter Zellen (Apoptose), sozusagen die „Aufräumarbeit“ nach entstandenen UV-Schäden, wird ebenfalls ganz wesentlich durch Vitamin D gesteuert. Bei Vitamin D-Mangel können sich Krebszellen ungehindert vermehren.


Sonne rettet Leben

US-Forscher haben errechnet, dass durch eine ausreichende Vitamin D-Versorgung etwa 10% aller Todesfälle durch Krebs (alle Krebsarten) vermieden werden könnten. Für Deutschland würde das eine Zahl vermeidbarer Tode durch Krebserkrankungen von etwa 21.000 (Zahlen des Robert-Koch-Instituts, RKI) bedeuten. Die Anzahl der Sterbefälle bei Hautkrebs liegt seit den 70er Jahren unverändert und in den letzten Jahren tendenziell sinkend bei etwa 3.000. Der Anteil der durch UV-Strahlen tatsächlich ausgelösten Erkrankungen ist nicht zu ermitteln (zumal eine eindeutige Zuordnung von Melanom-Entstehung zu UV-Bestrahlung bisher nicht gelungen ist), liegt aber mit Sicherheit deutlich unter 30%.


Bräune, der natürliche Sonnenschutz

Selbst wenn man all die vielen positiven Wirkungen der Sonnenstrahlen für die physische und psychische Gesundheit vergessen und nur die Bräunung isoliert betrachten könnte, bleibt der zitierte Satz absurd:

  1. Die Braunfärbung der Haut ist nichts anderes als eine in der Natur und im menschlichen Körper tausendfach zu beobachtende, natürliche Anpassungsreaktion auf einen äußeren „Reiz“. Die Haut schützt sich mit der Bräunung vor den negativen Auswirkungen der Strahlen und macht so erst die Nutzung der positiven Kräfte der Sonne möglich. Eine gebräunte Haut ist also eine geschützte Haut. Bräunung dient der Gesunderhaltung der Haut und des gesamten Körpers.
    Unsere Urahnen in den afrikanischen Savannen waren dunkelhäutig (und deshalb nicht weniger gesund!), weil sie einer Sonne nahe dem Äquator ausgesetzt waren, die so stark war, dass ihre Strahlen auch in der tief gebräunten Haut noch die lebenswichtigen Prozesse, wie z.B. die Vitamin D-Synthese, anstoßen konnte. Erst im Lauf ihrer Wanderungen nach Norden änderte sich das: Die schwächeren Sonnenstrahlen konnten ihrer „Gesundheitsfunktion“ in der tief dunklen Haut nicht mehr nachkommen und nur die Menschen mit hellerer Hautfarbe überlebten und pflanzten sich fort. Mit anderen Worten: Die helle Haut etwa der Mittel- und Nordeuropäer ist ein „Symptom“ für die Lebensnotwendigkeit der Sonnenstrahlen auf die menschliche Haut. Je weniger Sonne, desto weniger sinnvoll der Schutz durch die Bräune. Bei zunehmender Sonnenintensität dagegen wird die Bräune zum notwendigen Regulativ in der delikaten Balance zwischen zu wenig Sonne und zu viel Sonne, zwischen der „guten Sonne“ und der „bösen Sonne“.
  2. Tatsächlich hat die Wissenschaft auch nachgewiesen, dass die Menschen mit dunkler Haut und Menschen, die schnell und leicht bräunen, weniger häufig an Hautkrebs leiden als hellhäutige und nur schwer oder gar nicht bräunende Menschen. Die Reaktion auf die Besonnung, die Bräune, schützt diese Menschen vor den negativen Folgen übermäßiger Strahlen.
    Die Kehrseite der Medaille: Von Natur aus Dunkelhäutige leiden in unseren Breiten, wo die Sonne weniger intensiv strahlt, sehr viel häufiger an den Folgen der übermäßigen „Sonnenabwehr“, z.B. an einem Vitamin D-Mangel mit negativen Konsequenzen wie Osteoporose, Autoimmunerkrankungen, Krebs, Entzündungen etc.
  3. Bräune ist also nicht, wie die Sonnen- und Solarien-Gegner uns weiszumachen versuchen, ein Zeichen für eine krankhafte Reaktion. Im Gegenteil: Bräune ist das Anzeichen für die „gelingende Balance von Sonnenschutz und Gesundheit durch Sonnenstrahlen“, sie ist Ausdruck eines notwendigen Ausgleichs zwischen „zu viel“ und „zu wenig“.
  4. Tatsächlich ist der Bräunungsprozess ein höchst komplexer Anpassungsvorgang, den man mit Blick auf gesundheitliche Schäden weder vermeiden noch stark beschleunigen sollte. Der Prozess beginnt, wenn UV-Licht auf die Zellen der äußeren Hautschicht (Epidermis) trifft.  In diesen Zellen, den sogenannten Keratinozyten, wird durch die UV-Bestrahlung die Produktion eines Hormons anregt, das an die tiefer in der Haut gelegenen Zellen, die Melanozyten, weitergereicht wird. Dort regt das Hormon die Produktion von Melanin, einer Art dunklem Farbstoff, an. Haben die Melanozyten genügend Melanin hergestellt, reichen sie den Stoff jetzt wieder an die Keratinozyten zurück. Es entsteht eine Hautbräunung.
    Wenn das Melanin in die Keratinozyten eindringt, legt es sich konzentriert über den Zellkern und die darin enthaltenen Erbträger, die DNA. Wie ein Sonnenschirm spannt sich das Melanin über diese empfindlichsten Partien der Zelle und hindert die UV-Strahlen daran, durch ein zuviel an Energie die DNA zu beschädigen.
    Auch hier wieder die Suche nach der optimalen Balance: Ist die Strahlen-Dosis zu hoch und/oder die Bräunung zu gering, kommt es dennoch zu Schäden im Erbgut der Haut. Ist die Strahlendosis zu gering und/oder die Hautbräunung zu stark (oder starke Sonnenschutzmittel vermindern die Wirkung der UV-Strahlung), können die Sonnenstrahlen ihre gesundheitsfördernde und -sichernde Wirkung nicht ausüben – mit fatalen Folgen.

Prof. Michael F. Holick, Spezialist der Vitamin D-Forschung:

„Eine mäßige Besonnung ohne Sonnenschutz ist absolut notwendig für die Gesundheit. Unabhängige wissenschaftliche Forschung hat gezeigt, dass – egal ob Sie in einem sonnenreichen oder sonnenarmen Klima leben – der Aufenthalt an der Sonne die Vitamin D-Produktion durch UVB-Strahlen erhöht und damit das Risiko für ein ganzes Bündel von gefährlichen Krankheiten senkt, wie etwa Darm-, Brust- Prostata- und Eierstock-Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Multiple Sklerose, und Depression.“

„Die Entwicklung einer Hautpigmentierung (Bräune) ist nichts mehr oder weniger als ein Zeichen, dass der Körper in normaler, natürlicher Weise und zum Selbstschutz darauf reagiert, dass er einer moderaten, verantwortlichen Dosis an UV-Strahlung ausgesetzt wurde […]“

Fazit

Bräune ist keineswegs ein Anzeichen für krankhafte Prozesse, sondern im Gegenteil die gesunde Reaktion der Haut bei der Suche nach der optimalen Balance zwischen zu viel und zu wenig Sonnenstrahlen.


Einige Quellen:

Studie des Robert-Koch-Instituts, Berlin, zum Vitamin D-Mangel in Deutschland:
Interviews mit den Professoren Dr. Michael Holick, USA, und Johan Moan, Norwegen, Harald Dobnik, Österreich, Jörg Reichrath und  Jörg Spitz, Deutschland

Eine Übersicht der Gesundheitswirkungen des Sonnenschein-Vitamins von der berühmten Harvard University: Vitamin D: a bright spot in nutrition research

Wer sonnt lebt länger! W. B. Grant, An estimate of the global reduction in mortality rates through doubling vitamin D levels, European Journal of Clinical Nutrition , 65, 1016-1026 (September 2011)

Die Gesundheitssysteme könnten Milliarden einsparen: A. Zittermann, The estimated benefits of vitamin D for Germany, Molecular Nutrition & Food Research, Volume 54, Issue 8, pages 1164–1171, August 2010

2000mal so viele Lebensjahre gehen weltweit verloren durch Sonnen-Mangel wie durch den Sonnen-Missbrauch (weißer und schwarzer Hautkrebs):
Robyn M Lucas et al., Estimating the global disease burden due to ultraviolet radiation exposure, International Journal of Epidemology, (2008) 37 (3): 654-667

Sonne und Vitamin D gegen den Krebs:
Cedric F. Garland, et al., Vitamin D Supplement Doses and Serum 25-Hydroxyvitamin D in the Range Associated with Cancer Prevention, Anticancer Research 31: 617-622 (2011)

E. Giovannucci et al., Prospective Study of Predictors of Vitamin D and Cancer Incidence and Mortality in Men, Journal of the National Cancer Institute, April 2006  5;98(7):451-9

 

Foto: Xochi Romero – www.unsplash.com

Verursacht Solariennutzung Hautkrebs?

Verursacht Solariennutzung Hautkrebs?

Keine seriösen Beweise für Zusammenhang zwischen Melanomen und Solariennutzung

Obwohl von verschiedenen Stellen immer wieder gewarnt wird, dass künstliche UV-Strahlung per se eine negative Auswirkung auf schwarzen Hautkrebs habe, konnte hierfür bislang noch kein seriöser Beleg erbracht werden. Zu diesem Schluss kam Professor Dr. Jörg Reichrath, leitender Oberarzt der dermatologischen Klinik am Universitätsklinikum Homburg. Dieser hat nämlich sämtliche Studien in Bezug auf die Solariennutzung der „Medlin“ und „ISI Web of Science“ Datenbanken durchforstet.

Gegenteilige Veröffentlichungen beziehen sich auf Untersuchungen, deren mangelhafte Datenlage keine kausalen Zusammenhänge beweisen. Zwar zeigen die Studien eine leicht erhöhte Melanom-Rate bei Solariennutzung, allerdings wurden dabei entscheidende Einflüsse vernachlässigt: Beispielsweise kann die Solariennutzung ein Indikator für auch sonstigen übermäßigen Sonnenkonsum und infolgedessen häufigere Sonnenbrände sein. Das könnte wiederum das Risiko für Melanome erhöhen.

Auch seitens der EU und WHO publizierte Berichte, die eine sichere Obergrenze von UV-Strahlung ausschließen, kann von Professor Reichrath und seinen Kollegen nicht bestätigt werden. Laut aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen, geht das Team um Reichrath davon aus, dass eine maßvolle Nutzung von Solarien keine negativen Auswirkungen auf die Bildung von schwarzem Hautkrebs hat.

Sonnenbank

Die Forschungsergebnisse von Prof. Reichrath und seinem Team können durch weitere Studien untermauert werden, die zeigen, dass eine regelmäßige Besonnung und die damit verbundene Vitamin D-Produktion sogar vor der Bildung von Melanomen schützt. So stellte man zum Beispiel in einer Studie (Godar et al.) aus dem Jahr 2009 eine erhöhte Melanom-Gefahr für Berufstätige, die in geschlossenen Räumen arbeiten, fest. Im Gegensatz dazu werden Menschen, die großteils der Sonne ausgesetzt sind, deutlich häufiger vor schwarzem Hautkrebs verschont.

Entscheidend für eine gesundheitsfördernde Besonnung ist also ein angemessener UVB-Anteil, weil dieser die körpereigene Vitamin D-Produktion ankurbelt. Dabei ist es egal, ob die Besonnung aus einer künstlichen Quelle wie Solarien, oder direkt von der Sonne konsumiert wird.


Quelle:

Jörg Reichrath, P. D. (2018). Kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Solariennutzung und Schwarzem Hautkrebs [Abstract]. Info Campus International. doi:Anticancer Research 38: 1111-1120 und 1187-1199 (2018)

Godar, D. E., Landry, R. J., & Lucas, A. D. (2009). Increased UVA exposures and decreased cutaneous Vitamin D3 levels may be responsible for the increasing incidence of melanoma. Medical Hypotheses, 72(4), 434-443. doi:10.1016/j.mehy.2008.09.056

Sonnenschutz – immer und überall?

Behauptung:

„Zum Schutz der Haut vor Hautkrebs und Hautalterung sollte der Mensch

  1. auf jeden Fall die Mittagssonne meiden,
  2. sich möglichst immer im Schatten aufhalten und
  3. alle unbedeckten Körperteile immer mit einer Sonnencreme mit einem LSF von mindestens 15 einreiben .“

Tatsache:

Wir brauchen "ungeschützt" die Mittagssonne!

Alle drei Ratschläge sind - teilweise - falsch und sogar gefährlich. Zu kaum einem Thema gibt es so viele Fehlinformationen (von interessierter Seite) und Missverständnisse wie beim Thema: "Wie viel Sonne braucht der Mensch? Und wann und wie sollte er sich vor zu viel Sonne schützen?"

Sonnenschutz: Oft aber nicht immer und überall - Foto: fotolia.com
Sonnenschutz: Oft, aber nicht immer und überall

Beim Sonnen sollten Sie Folgendes beachten:

  1. Wann in die Sonne und wie lange?
    In unseren Breitengraden enthält nur die Mittagssonne (11-15 Uhr) in den Monaten von Ende März bis Mitte Oktober ausreichend UV-B-Strahlen für die natürliche Vitamin D-Synthese in der Haut. Nur in dieser Zeit ist also ein kurzer Aufenthalt mit nicht bedeckten Körperteilen (mindestens Arme und Beine) an der Sonne "gesund". Vermeiden der "Mittagssonne" verlängert also vorhandene Vitamin D-Defizite mit den gravierenden negativen Folgen für die Gesundheit.
    Nur bei einem längeren Aufenthalt (je nach Hauttyp und Stärke unterschiedlich langer, ungeschützter Aufenthalt möglich, als Faustregel gelten 15-20 Minuten) an der Mittagssonne sollte die Haut bedeckt oder eingecremt sein, um einen Sonnenbrand zu vermeiden. Längere ununterbrochene, ungeschützte Sonnenbäder sind mit Blick auf die Vitamin D-Bildung ohnehin sinnlos, da das in der Haut für die Umwandlung in Vitamin D benötigte 7-Dehydrocholesterol  aufgebraucht ist. Außerdem: Außerhalb der Mittagssonne enthalten die natürlichen Sonnenstrahlen fast nur noch UV-A, wodurch lediglich eine kurzfristig andauernde "Sofort-Bräunung" erzielt wird. Da für eine dauerhafte Bräunung der Haut sowie für die Vitamin D-Bildung UV-B benötigt wird, ist eine ausgewogene und für die Haut unschädliche Bräunung zu diesen Zeiten nicht möglich. 
  2. Schatten – welche UV-Strahlen kommen an?
    Anders als das UV-B-Licht "streuen" die UV-A-Strahlen erheblich und werden so durch Wolken oder den Schatten (z.B. der Bäume) kaum "gebremst". Die Intensität der UV-A-Strahlung nimmt darüber hinaus auch in den Zeiten vor 11 Uhr morgens und nach 15 Uhr nachmittags nur sehr allmählich ab. In anderen Worten: Bei wolkigem Himmel, im Schatten, hinter Glas und früh wie spät am Tag treffen nur UV-A, nicht aber UV-B-Strahlen auf die Haut.
    Das UV-A-Spektrum des Sonnenlichts wird bei übermäßiger Bestrahlung vor allem für die vorzeitige Hautalterung und – etwa durch die Bildung der "Freien Radikale" in den tieferen Hautschichten – auch für den Hautkrebs verantwortlich gemacht.
    Beim lang andauernden Aufenthalt im Schatten werden die biopositiven Wirkungen der Sonnenstrahlen "unterdrückt", die negativen Folgen übermäßiger Bestrahlung werden dagegen nicht vermieden.
  3. Sonnenschutz – wann, wo und wie?
    Das Eincremen mit Sonnenschutzmitteln mit einem LSF von mehr als 15 verhindert zu über 99% die Vitamin D-Synthese in der Haut.
    Zahlreiche Studien haben belegt, dass Menschen, die regelmäßig Sonnenschutzmittel benutzen, nicht weniger häufig (in einigen Studien sogar häufiger) an dem gefährlichen "schwarzen" Hautkrebs (Melanom) erkranken, wie Menschen, die sich seltener oder gar nicht eincremen.

Der Lichtschutzfaktor (LSF) wird anhand einer Menge Sonnencreme pro Quadratzentimeter (2 mg/cm²) ermittelt, die in der Wirklichkeit kein Mensch anwendet. Tatsächlich entspricht daher beispielsweise der Lichtschutzfaktor bei einem ausgewiesenen LSF von 30 in Wirklichkeit nur einem Schutzfaktor 4 – das entspricht ziemlich genau dem Schutz, der durch ein sanftes Vorbräunen im Solarium zu erreichen ist! Ein (allerdings abnehmender) Teil der Sonnenschutzmittel schützt nur vor den UV-B- und nicht vor den UV-A-Strahlen – mit den oben beschriebenen Konsequenzen.

Sonnenschutzmittel sind überwiegend komplexe "Chemie-Cocktails", die oft gesundheitsschädliche Substanzen enthalten. Trotz ständiger Innovationen und Verbote solcher Bestandteile durch die Gesundheitsbehörden dauert es erfahrungsgemäß viele Jahre, ja Jahrzehnte, bevor gefährliche Inhaltsstoffe aus den "Cocktails" verschwinden.

Aber:
Alle diese Argumente bedeuten nicht, dass der Einsatz von Sonnenschutzmitteln bei einem längeren Aufenthalt in der Sonne für Körperteile, die durch Bekleidung nicht geschützt werden (können), nicht dennoch ratsam oder notwendig ist.

Foto: www.fotolia.com

Wie viel Sonne braucht der Mensch?

Sonnenschirm
Sonne und Sonnenschutz - wieviel davon braucht der Mensch? - Foto: fotolia.com

Mit dem Sonnenlicht ist es wie mit vielen anderen Dingen im Leben: die Dosis ist entscheidend! Bei niedriger Dosis überwiegen die positiven Effekte - vor allem, aber nicht nur, durch die Vitamin D-Bildung; bei höherer Dosis dagegen überwiegen die negativen Effekte - erhöhtes Hautkrebsrisiko, Hautalterung. Ein Sonnenbrand sollte unbedingt vermieden werden.

Die Grenze zwischen "zu wenig" und "zu viel" hängt neben der Dauer der Besonnung von vielen Faktoren ab, vor allem von

  • Hauttyp (je dunkler die Pigmentierung der Haut, desto mehr Sonne möglich - und nötig!),
  • der unbedeckten Hautfläche,
  • Stand der Sonne - Tageszeit und Jahreszeit (nur um die Mittagszeit von etwa 11 - 15 Uhr ist in Deutschland zwischen Ende März und Mitte Oktober eine Vitamin D-Synthese möglich),
  • geographische Lage, Breitengrad,
  • der Höhe (je höher die Lage, desto intensiver die UV-B-Strahlung),
  • der Ozonschicht und der Luftverschmutzung,
  • der genetischen Ausstattung,
  • Bewölkung (je nach Dichte der Bewölkung werden etwa ein Viertel bis zur Hälfte der UV-B-Strahlen ausgefiltert)
  • der Ernährung und die Versorgung mit anderen Mikronährstoffen wie Magnesiuim, Vitamin K etc.
  • bestimmten Krankheiten, die die Vitamin D-Synthese verhindern oder verringern. Zum Beispiel: chronische Leber- und Nierenerkrankungen
  • Medikamenten, die gleichzeitig eingenommen werden, können die Vitamin D-Synthese bremsen. Beispiel: Cortison.
  • dem Körperfett (BMI)
  • und natürlich von den aufgetragenen Sonnenschutzmitteln. Schon beim Auftragen von Sonnneschutzmitteln mit einen Sonnenschutzfaktor von 20 wird 95-99 Prozent der Vitamin D-Bildung in der Haut verhindert.

Durch Sonnenbestrahlung (=> UV-B) ohne Hautrötung und geringfügig durch die Nahrung (fetter Fisch, Milch etc.) sollte der Vitamin D-Pegel - 25(OH)D3 - nicht unter 20 ng/ml = 50 nmol/l fallen (so die offiziellen Empfehlungen etwa der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, DGE). Von den meisten Experten international werden als Optimum inzwischen mindestens 30 ng/ml = 75 nmol/l empfohlen.

Schon bei relativ kurzem Aufenthalt an der Sonne mit möglichst viel (die viel zitierten unbedeckten Hände, Arme und Gesicht reichen in der Regel nicht) unbedeckter Haut wird ausreichend Vitamin D gebildet (unter den oben genannten Bedingungen, vor allem: nur in der Jahreszeit zwischen Ende März und Mitte Oktober und nur um die Mittagszeit zwischen 11-15 Uhr gelangt ausreichend UV-B auf die Erde. Im "Vitamin D-Winter" und am Morgen und Abend enthalten die Sonnenstrahlen fast ausschließlich UV-A, mit dem eine Vitamin D-Bildung nicht möglich ist.)

Faustregel: Nur wenn mein Schatten kürzer ist als meine Körpergröße, kann Vitamin D über die Haut gebildet werden.

Die UV-Strahlen der Sonne verursachen bei übermäßiger Bestrahlung Schäden in der DNA, die in der Regel aber durch das körpereigene Immunsystem beseitigt werden können (Apoptose). Werden hier aber Grenzen überschritten, kommt es zu bleibenden Hautschäden bis hin zum relativ ungefährlichen "weißen" Hautkrebs (bei Menschen, die ohne den ausreichenden Schutz durch die Farbpigmente der Haut ständig der Sonne ausgesetzt sind) und dem gefährlichen "schwarzen" Hautkrebs (->Melanom), vor allem bei ständig wiederholter unvorbereiteter, ruckartiger (intermittierender) Bestrahlung mit Hautrötung/Sonnenbrand.